Samstag, 21. Juli 2018

Ein Besuch im Deutschen Zusatzstoffmuseum

Knapp drei Jahre nachdem ich von der Existenz des Zusatzstoffmuseums zu Hamburg erfahren habe, hatte ich vor zwei Wochen endlich das Vergnügen einer persönlichen Besichtigung.

Schon die Lage ist außergewöhnlich: Das Gebäude versteckt sich inmitten eines rustikalen Industriegeländes zwischen Großmärkten und Obsthandelszentren. Dabei ist es leicht zu erreichen, von der Bushaltestelle Nagelsweg sind es nur ein paar Schritte bis zu dem durch Drehkreuze zu betretenden Areal. Wenn man allerdings wie ich zu dumm ist, Google Maps zu bedienen, fährt man mit der U-Bahn bis zur Station Hafencity/Universität und schleppt sich eine halbe Stunde am Oberhafen entlang. Durch einen Gitterzaun hindurch erblickt man irgendwann das Objekt der Begierde:


Doch da ist man noch lange nicht am Ziel! Über einen Schwenk am Billhafen vorbei überquert man eine Schleuse und dann dieselbe Schleuse noch einmal, bevor man bei einem Pförtner um Einlass in das am Wochenende wie ausgestorben ruhende Areal begehrt. Am sinnvollsten scheint mir die Anfahrt mit dem Auto zu sein (Voraussetzung: Auto).


Nachdem man einen geringen Eintrittspreis entrichtet hat, kann man sich auf einer ganzen Etage (Erdgeschoss) einen Überblick über alle möglichen Zusatzstoffe verschaffen. Die meisten "E"s kommen als unscheinbares Pulver daher, aber auch Flüssigkeiten sind geläufig. Kosten oder Proben entnehmen darf man leider nicht. Immerhin gibt es ein Geruchstestbrett mit zahlreichen "naturidentischen Aromen".


Zu bestimmten Uhrzeiten gibt die (einzige anwesende) freundliche Mitarbeiterin, bei der man natürlich auch Andenken und Geschenke erwerben kann, eine ca. 45minütige kostenfreie Führung. Ein so lehrreiches wie spaßiges Feature ist der integrierte "Supermarkt".


Den Regalen darin entnimmt man verschiedene "Produkte" (Täfelchen mit Barcodes) und bringt diese zu einem stationären Spezial-Handscanner.


Damit kann man aufdecken lassen, welche Zusatzstoffe sich in dem/den gewählten Lebensmittel/n befinden. Das Ergebnis darf man sich sogar ausdrucken.


Die letzte Station des Rundgangs ist ein Raum mit Fenstern, in dem eine kleine Auswahl an Getränken zu erwerben ist und ein Fernseher steht, auf dem eine thematisch passende Dokumentation in Dauerschleife läuft. Vorher passiert man Vitrinen mit Guar-Derivaten, Algenprodukten, Campingessen, sonstiger Fertignahrung und mehr. In der Mitte des Museums ist jede Menge über Milchverarbeitung zu erfahren. An der Decke hängt ein Euter:


Und hier ist ein gehäkeltes Stück Torte:


Fazit: Wer neugierig auf "die etwas andere Sehenswürdigkeit" ist, ein bisschen Interesse an Lebensmittelchemie und ein Stündchen Zeit mitbringt, sollte dieser Ausflugsstätte eine Chance geben. Besonders gefallen hat mir, dass mit dem Thema durchaus kritisch umgegangen wird. (Bereits dem Webauftritt ist die Losung "Zusatzstoffe gehören ins Museum. Nicht ins Essen" vorangestellt.)

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