Montag, 9. Juli 2018

Gut Wink will Weile haben

Kurz nach meinem letzten "Facebook und Sprache"-Beitrag fällt mir schon wieder etwas auf: Benutzen zwei Chattende die wozu auch immer gut seiende Winke-Funktion, erscheint im Chatfenster folgende Meldung:


Aber hier will ich nachsichtig sein. Neben dem korrekten Partizip gewinkt akzeptiert selbst der Duden inzwischen die Form gewunken, versieht sie gar mit dem Prädikat "häufig". Ein doppelt bemerkenswerter Prozess vollzieht sich hier. Zum einen wandelt sich ein Verb vom schwachen zum starken – üblich ist das Gegenteil (backte statt buk; schaffte statt schuf; in einem Seminar, an dem ich teilnahm, fiel sogar einmal der Übersetzungsvorschlag "er schwörte" und niemand nahm daran Anstoß). Zum anderen hat die "Stärkung" noch nicht das gesamte Paradigma erfasst: Anders als bei backen, schaffen et al. hat die alternative Konjugation von winken beim Partizip II begonnen und sich vorerst darauf beschränkt. An das Präteritum "wank" (analog zu sank und stank) hat sich noch niemand herangewagt.

Kennt eigentlich noch jemand "Gruscheln"?

Keine Kommentare:

Kommentar posten