Dienstag, 21. August 2018

Callahandicapped

Zur Zeit läuft im Kino die biographische Tragikomödie "Don't Worry, He Won't Get Far on Foot". Darin spielt Joaquin Phoenix den 2010 im Alter von nur 59 Jahren verstorbenen amerikanischen Cartoonisten John Callahan. Wen?

Auf den deutschen Buchmarkt hat es zwar der eine oder andere Callahan-Sammelband geschafft, und auch die bereits 1989 erschienene Vorlage des genannten Films wurde ins Deutsche übersetzt (sie heißt, wie eben jener, nicht ganz geglückt "Don't Worry, Weglaufen geht nicht"), aber ansonsten dürfte der auch als Musiker tätige Künstler hierzulande kaum bekannt sein – außer jenen, die Anfang der 1990er Jahre Titanic gelesen haben. Darin konnte man nämlich Monat für Monat eine Seite mit je zwei Callahan-Witzen bestaunen. Diese waren stets erfrischend makaber und bizarr und fügten sich damit exzellent in das Gesamtkonzept des Heftes.

Aus Titanic 5/91

In vielen seiner Cartoons spielt körperliche Behinderung eine Rolle, was sich, wie auch der leicht ungelenke Strich, damit erklären lässt, dass Callahan selbst seit einem Autounfall mit 21 Jahren querschnittsgelähmt war; Robin Williams nannte ihn "den lustigsten Mann auf vier Rädern".

Der Cartoon zum Buch zum Film. Aus: Titanic 7/91

An dieser Stelle lohnt ein kurzer satire-historischer Exkurs. Schon immer war es bei Titanic Tradition, auch komischen Zeichnern aus dem Ausland eine Plattform zu bieten. Unter anderem hatte hier Manfred Deix (Österreich) in den Achtzigern etliche einprägsame Auftritte, ebenso der von mir zutiefst verachtete Jean-Marc Reiser (Frankreich), später Gary Larson (USA) und natürlich, bis heute, Kamagurka (Belgien). Hervorheben möchte ich den Australier Andrew Weldon, der von Ende 2004 bis Ende 2006 mit der Rubrik "Down Under" reüssierte, und zwar – dank mir! Ich hatte die Werke dieses Humortalents in Neuseeland entdeckt, stellte sie in einem Internetforum vor, in dem auch Mitglieder der damaligen Redaktion mitlasen. Die teilten sofort meine Begeisterung für Weldon und konnten sich wenig später die Nachdruckrechte sichern. Das waren die allerersten Spuren, die ich bei meinem späteren Arbeitgeber hinterlassen habe.

Worauf ich hinaus will: Publikationen sowohl von John Callahan als auch von Andrew Weldon sind hier und da antiquarisch zu haben und werden von mir ausdrücklich empfohlen.

Immer noch eines meiner All-time-Lieblingsbücher

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