Freitag, 7. Juni 2019

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Lords of Chaos
Der Film zu dem Buch, das ich leider immer noch nicht gelesen habe (Michael Moynihan & Didrik Søderlind, 1998), zeichnet am Beispiel der Geschehnisse um Mayhem/Dead/Burzum etc. in den 1990ern die Geschichte des norwegischen Black Metal nach und macht dabei leider vieles falsch. Etliches wird verharmlost und/oder mit unangemessener Situationskomik "aufgelockert", manche Szenen sind unnötig gory, wichtige Aspekte werden ausgelassen, die Chronologie wird mehrmals durcheinandergebracht, und überhaupt sollten an der Materie Interessierte unbedingt hinterher ausgiebiges Fact-checking betreiben (aber bitte nicht auf dem – obschon unterhaltsamen – YouTube-Kanal des Idioten Vikernes). Zu loben ist Rory Culkin, der mir schon in der tollen Miniserie "Waco" positiv aufgefallen ist, in der Rolle des Euronymous.

Der Buchladen der Florence Green (OT: The Bookshop)
Ein Feel-good-movie mit deutschem Feel-good-feeling verheißenden Titel, dessen Ende dann doch ein bisschen zu bittersüß war. Davor gibt es Höhen und Tiefen, britische ländliche Lebensart und Hochgesänge auf die Lesekultur. Die Hauptfigur wird von der immer wieder bezaubernden Emily Mortimer verkörpert.

Deadpool 2
Der erste Teil hat mir schon enorm viel Spaß gemacht, die Fortsetzung kann es mindestens mit ihm aufnehmen. Manches Mal ist man zwar geneigt zu denken "Jetzt reicht's aber auch mal mit den Metagags und dem Vierte-Wand-Durchbrechen!", aber dann muss man sich in Erinnerung rufen, dass Deadpool der einzige Marvelheld ist, der sich bewusst ist, dass er sich in einem Comic befindet, und so haben die zahlreichen internen Querverweise und das Aufbrechen des eigenen Universums eben ihre Existenzberechtigung, zumal ja auch eine stringente und nicht eben banale Geschichte erzählt wird. Es gibt (teils kaum wahrnehmbare) Gastauftritte, fetzige Musik, Action und eine Pointe nach der anderen. Genial!

Der Himmel über Berlin
Muss man ja auch mal abgehakt haben! In Erinnerung bleiben: viele Berlin-Bilder als Achtzigerjahre-Zeitzeugnisse; der jüngst verstorbene Bruno Ganz, der hier unbeabsichtigt und ganz sacht in einigen Episoden quasi auf seine spätere Paraderolle verweist; der schon vor längerer Zeit verstorbene Peter Falk, der sich selbst spielt; lange Passagen, in denen man nichts als Wortfetzen versteht. "Meditativ" ist ein einer Kritik entnommenes Prädikat, das mir zu diesem Engelsdrama von Wim Wenders passend erscheint.

Don't Worry, He Won't Get Far on Foot
Schon vor längerem habe ich über die Hintergründe geschrieben, nun habe ich Gus Van Sants Biopic über den Witzbildzeichner John Callahan endlich gesehen. Ich hätte mir mehr Einblicke in die konkrete Arbeit des portraitierten Künstlers und ins Cartoonbusiness an sich gewünscht. Der Fokus liegt indes auf dem Teufel Alkoholismus, den AA und dem Zwölf-Punkte-Programm. Die potenziell unterhaltsamen Nebencharaktere sind regelrecht verschenkt. Joaquin Phoenix macht seine Sache gut.

Living in Oblivion
Eine kaum bekannte Low-Budget-Komödie über Low-Budget-Filme von 1995, gedreht von Tom DiCillo, der jahrelang als Kameramann für Jim Jarmusch gearbeitet hat. Man sieht, hier weiß jemand, von was er da erzählt. Im Wesentlichen ist es eine Aneinanderreihung von Sketchen, gegen Ende wird's aber etwas tiefgründiger. Außerdem wird mit Farbe bzw. dem Nichtverwenden von Farbe gespielt. Und: Peter Dinklage!

Ghost Stories
Noch ein episodischer Film, genauer: drei Horrorgeschichten ("Ghost Stories" halt), die durch eine Investigations-Rahmenhandlung verknüpft sind, welche wiederum am Ende wenig befriedigend und viel zu surreal aufgelöst wird. Dieser vierte Teil oder Epilog wäre meiner Ansicht nach nicht nötig gewesen. Die drei Geistergeschichten beinhalten sehr klassische Motive und Themen, sind aber ordentlich gänsehauterzeugend inszeniert, besonders die erste. Die britische Produktion wirbt mit Martin Freeman als Hauptdarsteller, obwohl der erst in Fall Nummer drei auftaucht.

Oklahoma City
Diese Dokumentation über das Oklahoma City bombing, den bis heute schwersten Fall von domestic terrorism in den USA, sah ich zufälliger- und unheimlicherweise am Jahrestag des Anschlags. Sie ist wie zu erwarten schwer verdaulich, hat mir aber mir bisher nicht bekannte Hintergründe vermittelt, vor allem jenen, dass die Initialzündung für die Tat McVeighs tatsächlich das Waco-Massaker war (von welchem der eingangs erwähnte TV-Mehrteiler handelt).

Hotel Ruanda
Und noch ein düsteres Kapitel der Neuzeit, über das ich weniger weiß als ich sollte. Anlässlich des 25. Jahrestags habe ich auf Amazon Prime diese von bereits 2004 stammende fiktionalisierte Wiedergabe der Rettungsaktionen eines Hotelmanagers (brillant: Don Cheadle) in Kigali während der Zeit des Völkermords an den Tutsi gesehen. Sollte jede/r tun!

Holmes & Watson
Zum Schluss dann noch etwas Lustiges und gleichzeitig Unlustiges. Man kann getrost behaupten, dass "Holmes & Watson" der wohl schlechteste Film mit Will Ferrell ist. Aber selbst der mieseste Will-Ferrell-Film ist launiger als jede andere Durchschnittskomödie, zumal der wunderbare John C. Reilly als zweite Hälfte des legendären Duos einen soliden Job macht. Die Crux ist: Hätte man die beiden nicht Sherlock Holmes und Dr. Watson genannt, wäre eine einigermaßen witzige Parodie auf Rätselkrimis und period pieces im Allgemeinen rausgekommen. Sherlock Holmes so darzustellen, wie es Ferrell mit seinem typischen, normalerweise herrlichen Ferrell-acting tut, funktioniert einfach nicht, weil die Figur Holmes von Haus aus komische Charakterzüge trägt, die in anderen Verfilmungen bereits gelungener ausgelotet und persifliert worden sind. Hier ist er einfach nur ein überheblicher, begriffsstutziger Geck mit Inspektor-Gadget-Anleihen. Die Pippi-Kacka-Scherze und die aus awkwardness resultierenden Fremdscham-Momente wirken ebenfalls komplett fehl am Platze. Ärgerlich! Auf der Habenseite stehen die einigermaßen durchdachte Handlung (trotz Logiklöchern und historischen Fehlern) und die superbe Besetzung (Kelly Macdonald; Ralph Fiennes; Hugh Laurie).

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