Dienstag, 15. Oktober 2013

Irrwege der Verpackungsindustrie


Ausnahmsweise stelle ich das Bild, um das es erst später gehen soll, an den Anfang dieses Blogeintrags. Denn wenn ich es an das Ende hänge, werden die Lesenden immer wieder ebendort hinschielen und sich nicht mehr auf den Text konzentrieren. Also: Gleich erkläre ich, was es damit auf sich hat, aber zuerst muss ich ausholen.

In der DDR war die Standardverpackung für Milch eine wabbelige Plastiktüte. Davon schnitt man eine Ecke ab, worauf sich die Milch aus dem schlauchartigen Teil ungestüm ergoss; das spielt übrigens eine Rolle in der ersten Story der Kurzgeschichtensammlung Lexikon der Angst von Annette Pehnt (Lesetipp!). Wie sollte man nun so eine "angeschnittene" Milchtüte aufbewahren? Ganz einfach, dafür gab es oben abgeschrägte und offene, zylinderförmige Spezialbehältnisse! (Man hätte die Milch natürlich auch in eine Flasche umschütten können.) Irgendwann wurde es den Menschen zu bunt, sie gingen auf die Straße und riefen: "Wir wollen Tetrapaks!" Der Rest ist Geschichte – teilweise! Denn Tütenmilch wurde auch noch nach dem Ende der DDR jahrelang weiterverkauft, zumindest in ausgewählten Märkten. Ein Klassenkamerad von mir transportierte bis zur 10. Klasse sein Pausenbrot in (immer wieder neuen) leeren Milchtüten, wofür er entsprechend gehänselt – heute würde man "gemobbt" sagen – wurde.

Jedenfalls der reine Wahnsinn, Milch in Tüten. Dass man Fleur de Sel oder andere (scheinbar!) "bessere" Salze im Glas ausliefert: geschenkt. Dass man aber das, was man naheliegenderweise in Gläser tut, gelegentlich eben nicht in Gläser tut, ist ein Unding. Und damit komme ich zu obigem Bild. Die "Bittere Orangen Marmelade" von Schwartau kommt nämlich nicht im Glas daher, sondern in der Dose! Einer Blechdose, die nicht von einem Deckel verschlossen wird, sondern von – ha! – "leicht abziehbarer Folie". Eine Hygienekatastrophe hoch 10. Was kommt als nächstes? Marmelade im Schuh? Aprikosen in den Hosen? Senf in Flaschen? Zahnpasta in Büchsen? Warum nicht, immerhin gibt es bereits "Rügenwalder Mühlen Frikadellen" im Becher. 

PS: Wenn man sich umhört, wird man nur sehr wenige Menschen finden, die bitterer Orangenmarmelade mit Stückchen drin etwas abgewinnen können. Ich mag das Zeug, sue me!

Kommentare:

  1. Ein etwas wirrer Artikel, der schon mit der falschen Überschrift anfängt. Es ist der Lebensmittelhersteller, der die Verpackung ausgewählt hat, nicht die Verpackungsindustrie. Und was ist gegen Frikadellen in Bechern zu sagen? Oder gegen Marmelade in der Dose? Diese hat übrigens ab Werk auch einen Deckel (zusätzlich zur Folie). Was daran hygienisch bedenklich sein soll, erschließt sich mir auch nicht. Aber egal, Hauptsache, mal schnell einen pseudokritischen Text rausgehauen.

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  2. Auf der Marmeladendose, die ich im Rewe gekauft habe, war kein zusätzlicher Deckel. Insofern steht das Produkt halboffen im Kühlschrank, und das ist durchaus hygienisch bedenklich! Ich habe die Marmelade jetzt in ein Glas umgefüllt. Schmecken tut sie zumindest. Und Becherfrikadellen sind einfach ... falsch. http://jungle-world.com/artikel/2013/06/47118.html

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  3. Der angegebene Artikel bei jungle-world dreht sich um den Inhalt (die Frikadellen). Die Verpackung ist da komplett irrelevant, egal ob Glas oder Kunststoff oder Pappe oder was auch immer. Ist Ihnen das nicht aufgefallen?
    Bei der Marmeladendose fehlte der Deckel offensichtlich. Wenn man nach dem Produkt googelt, findet man keine Variante nur mit Folie (ich zumindest habe keine gefunden), sondern nur Varianten mit Deckel.
    Ich möchte hier nicht für oder wider Marmelade oder Frikadellen in Dosen, Bechern oder Gläser sprechen. Mir geht es darum, dass vorschnell und vorurteilsvoll gegen Verpackungen gewettert wird, wo diese gar nicht "schuldig sind".
    Beste Grüße

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  4. Und mir geht es nicht darum, gegen die Verpackungsindustrie zu wettern, die Sie offenbar vertreten - vielleicht hätte ich die Überschrift anders formulieren sollen, sorry. Verstehen Sie meine Blogeinträge bitte stets als Versuche der allgemeinen Unterhaltung.
    Dass der Plastikbecher den Mühlenfrikadellen einen ganz speziellen Bonus-Ekel beschert, kann aber niemand bestreiten!
    Danke für Ihre Kommentare.

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