Samstag, 8. November 2014

In which I rant about an irritatingly overused word in travel writing

Ich kann's nimmer ertragen! Es scheint, als komme keine englischsprachige Reise-, Landschafts- oder Naturbeschreibung der letzten Jahre mehr ohne das Wort dramatic aus. "Dramatic ocean view", "dramatic coastline", "dramatic mountains" – wo die bedeutungsentleerte Netzvokabel "epic" nicht mehr ausreicht, muss es halt "dramatisch" zugehen, wie ja eh alles immer im Unaussprechbar-Unvergesslichen kulminieren muss und jede Urlaubserfahrung die vorangegangene in punkto awesome- und amazingness um das Billiardenfache zu überbieten verdammt ist! Jeder noch einigermaßen geistig unverdorbene Mensch sollte eigentlich sofort mit dem Lesen aufhören, wenn das Dummenattribut "dramatic" vor den Augen aufpoppt.

Nicht weniger als 319.000 Treffer spuckt Google inzwischen für die Phrase "dramatic sunset" aus. Da wäre ich gerne mal Zuschauer!

1. Akt, 1. Szene
Ausgangsposition. Andeutung des Kommenden (Temperaturabfall). Vorstellung des Wolkenchors.

1. Akt, 2. Szene
Monolog der rotglühenden Sonne. Auftritt Mond. Selbstzweifel des Gezeitenstroms.

1. Akt, 3. Szene
Streitgespräch zwischen Sonne und Mond. Wolkenchor beweint im Standlied den Prismeneffekt. Gewissenskonflikt des Mondes. Verdunklung.

Zwischenspiel
Tanz der abendlichen Winde.

2. Akt, 1. Szene
Todesgesang der Sonnenscheibe. Untergangskommentar der zurückweichenden Wellen.

2. Akt, 2. Szene
Auftritt Venus. Mond und Venus triumphieren über Untergang der Sonne. Abblende.

3. Akt, 1. Szene
Sternenchor. Überraschung: Die Sonne taucht zehn Minuten nach ihrem Verschwinden noch einmal auf! Komischer Dialog der Plejaden.

usw.

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