Sonntag, 11. September 2016

Vor fünfzehn Jahren

Ich gehöre, glaubt man den Schwatz- und Quatschmedien, der "Generation Terror" an. Deren singulärer, verbindender, zusammenschweißender Punkt ist dann wohl 9/11. Es stimmt ja auch: Selbst nach all den (welches Adjektiv soll ich hier benutzen? "krassen"? "schlümmen"?) Anschlägen der vergangenen Jahre bleiben die vom 11. September 2001 doch unerreicht. So sehr aus den Fugen geraten schien die Welt danach nicht mehr. Jeder, der damals alt genug war, um "es" mitzukriegen, wird noch heute erzählen können (und tut es auch), wo er währenddessen war und was er gemacht hat.

Was ich damals gemacht habe, war unspektakulär: Ich habe gearbeitet. Dass ich deshalb von den Ereignissen erst mit einiger Verzögerung erfahren habe, habe ich bereits im Techniktagebuch notiert. Ansonsten habe ich in dieser wilden Zeit etliche Aufzeichnungen angefertigt, worüber ich froh bin, denn manches würde ich inzwischen selbst kaum glauben, etwa dass die allerersten Bekenner (am Mittwochabend) japanische Terroristen waren: "Wir waren es. Es war eine Vergeltung für Hiroshima und Nagasaki." Ab dem 12.9. war praktisch kein Entkommen mehr. Sondersendungen auf allen Kanälen. Die Bild schrie: "Großer Gott, steh uns bei!" Die Titelseite habe ich sogar abgezeichnet; das Logo war mit Trauerflor versehen. Die In-&-Out-Liste fehlte, auch auf Klatsch und "Liebe ist ..." verzichtete man. Die FAZ druckte zum ersten Mal in ihrer Geschichte zwei Farbfotos auf Seite 1. CNN und n-tv erreichten Rekordquoten. Die ganze Woche lang wurde keine Comedy, keine Action, kein Fußballspiel im Fernsehen gezeigt. Musikkanäle setzten ihre Shows aus. MTV blendete in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund ein: "Wir gedenken der Opfer der Terroranschläge in den USA. Fuck Terrorism!" Während der fünf Schweigeminuten am 13.9. um 10 Uhr blieben die meisten TV-Sender ganz schwarz. Polizeiwagen fuhren mit schwarzen Bändern herum. Die Eröffnung der IAA in Frankfurt wurde verlegt. Am 14.9. gab es um 12 Uhr drei weitere Gedenkminuten. Kabinetts-Sondersitzungen. Die Bundeswehr war in erhöhter Bereitschaft. Die BamS fragte "Gibt es diese Woche Krieg", die Bild am Montag: "Ist der Krieg noch zu verhindern?" Am 20.9. wurden zwei sächsische Lehrerinnen suspendiert, weil sie die Anschläge verharmlost hätten. Naja, irgendwann ging man dann doch wieder in den Alltag über.

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