Donnerstag, 24. September 2020

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Noch einmal mit Gefühl (OT: That Old Feeling)
Anlässlich des Todes von Carl Reiner habe ich mir endlich mal ein (spätes) Werk aus seiner Regiekarriere angeschaut. Dafür, dass diese Komödie von 1997 ist, wirkt sie äußerst altmodisch und hätte exakt so 20 Jahre früher entstanden sein können. Sie ist dabei recht turbulent, nicht uncharmant und hat spritzige, teils hübsch derbe Dialoge. Bette Midler spielt mit unübersehbarer Freude, ihren Partner sowie den restlichen Cast kannte ich nicht. Fazit: Ein kaum überfordernder Spaß für einen langweiligen Sonntagnachmittag.
Um mein Bild von Carl Reiner zu erweitern, werde ich wohl noch eine zweite Arbeit von ihm sehen müssen.

Halloween (2018)
Meine Erwartungen an dieses Reboot waren maximal mittelhoch und wurden nicht übertroffen. Einigermaßen fresh waren allenfalls die Ideen, in der Exposition den Killer still und starr unter gleißendem Tageslicht auf dem Anstaltsdach statt im Dunkeln meuchelnd zu zeigen, sowie der Kniff, die als Hauptfiguren eingeführten Journalisten (ein Podcast-Duo – klar, wir befinden uns in den 2010er-Jahren) beizeiten sterben zu lassen. Ansonsten gilt: In Haddonfield nichts Neues, auch wenn man sich über Jamie Lee Curtis freut, die 40 Jahre nach der "Nacht des Grauens" keine Scream-Queen mehr ist. Beim obligatorischen "Jetzt machen wir Michael Myers aber wirklich den Garaus!"-Finale dachte ich mir: Puh, wie übertrieben und unnötig ... Zumal, surprise!, der Maskenmörder ja doch überlebt hat und schon 2021 in "Halloweens Kills" erneut sein Unwesen treiben wird ... um für "Halloween Ends" (voraussichtlich 2022) ein hoffentlich letztes Mal wiederaufzuerstehen.
Ich wüsste übrigens gerne, worin genau Danny McBrides Anteil am Drehbuch bestand. Was ist das für ein Trend, dass immer mehr Komödianten ins Horrorfach wechseln? Wie viel Lust habe ich auf Chris Rocks Wiederbelebungsversuch des "Saw"-Franchise'? Nicht jeder kann ein Jordan Peele sein!

Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga
Will Ferrells Zusammenarbeit mit Andrew Steele ist ein kontinuierliches hit or miss. Solide waren die Miniserien "The Spoils of Babylon" und "The Spoils Before Dying", köstlich die Fake-Übertragungen mit "Cord & Tish", der Ron-Burgundy-Podcast, bei dem Steele mitschreibt, hat mir wiederholt die Lachtränen in die Augen getrieben, während die Genreparodien "A Deadly Adoption" und "Casa de mi Padre" eher als "nett gemeint" durchgingen (s. zuvor in dieser Rubrik).
Mit dieser Musikkomödie zeigen die Autoren Ferrell/Steele ungewollt die Kehrseite des Direct-to-Streaming-Trends auf: Die zahlreichen Längen, die das (produktionstechnisch einwandfreie) Kostümspektakel auf zwei Stunden (!) strecken, hätte man einem Kinopublikum niemals zugemutet. Wohlgemerkt: "The Story of Fire Saga" ist in erster Linie eine Liebeserklärung an den ESC. Wer im Gegensatz zu mir etwas mit dieser länderübergreifenden TV-Institution anfangen kann, wird vermutlich begeistert sein ob der zahlreichen Referenzen, Gastauftritte und mit Herzblut choreografierten Song-Einlagen. So gibt es u.a. eine Art Musikvideo mit echten, offenbar Kultstatus genießenden Eurovision-Größen, das bei Fans womöglich Beifallsstürme auslöst, mich aber komplett ratlos zurückgelassen hat.
Zu loben bleiben: wie immer Ferrells Hingabe, sein Co-Star Rachel McAdams, Pierce Brosnan in einer Nebenrolle, die Landschaftsbilder (Hauptschauplatz ist Island) und zwei, drei gelungene Gags.

The Rental
Ein herrlich gemeines Single-Location-Thriller-Juwel von Tausendsassa James Franco um vier Freunde (darunter Alison Brie), deren gemeinsames Pärchen-Wochenende in einem Ferienhaus zum Albtraum wird. Nach dem Abspann ist einem das Konzept AirBnB gründlich vergällt. Nicht jede Wendung überzeugt, am wenigsten das Ende, doch die vielen negativen imdb-Reviews sind meiner Meinung nach ungerechtfertigt.

Der Klient
Nach "Die Jury" meine zweite Grisham-Verfilmung von Joel Schumacher. Kann man gucken. In Erinnerung geblieben sind mir mehrere ominöse Anspielungen auf Elvis Presley. Und einmal mehr habe ich mich gefragt, ob US-amerikanische Strafprozesse wirklich in erster Linie "Duelle" zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft sind, bei dem es vorrangig um einen "Gewinn" geht, der dann einem fortlaufenden "Punktekonto" gutgeschrieben wird, und erst zweitrangig um das Aufdecken der Wahrheit, oder ob Hollywood die tatsächliche Rechtspraxis spannungshalber gewohnheitsmäßig verzerrt. (Ich hoffe Letzteres.)

Johnny English - Man lebt nur dreimal
Auch diese Fortsetzung hätte es, nüchtern betrachtet, nicht gebraucht. Auch wenn man dem sich rar machenden Rowan Atkinson immer wieder und immer noch gerne zusieht und mit einigen originellen Einfällen belohnt wird, kommt "Johnny English Strikes Again" nicht an den ersten Teil heran. Etliche Pointen kann sich der Spionageparodiekenner bereits ausmalen, bevor sie eintreten. Dafür darf man sich – wie schon bei "Mr. Bean macht Ferien" – an pittoresken Frankreichaufnahmen erfreuen.

Die Weite der Nacht (OT: The Vast of Night)
Das approval rating von "Rotten Tomatoes" begreife ich nicht: 92 % für diese Produktion der Amazon-Studios? Eine, so mein Eindruck, Extrem-Low-Budget-Produktion, in der man nicht nur nichts sieht, sondern in der schlechterdings nichts passiert! In den Kritiken werden Anleihen an "The Twilight Zone" und "Krieg der Welten" behauptet, aber was man geboten bekommt, ist nichts weiter als eine Aneinanderreihung ellenlanger, teils halsbrecherisch schneller Dialoge (zugegeben: von fähigen Nachwuchsschauspielenden vorgetragen) mit gelegentlichen Ortswechseln in behutsam unheimlicher Kulisse. Das Setting (kleinstädtisches New Mexico der späten Fünfziger) gefiel mir durchaus, doch zum Sujet extraterrestrische Kontakte habe ich weiiiitaus Packenderes gesehen, und da muss man nicht gleich "Unheimliche Begegnung" als Vergleich heranziehen.

BlacKKKlansman
Hervorragend unterhalten fühlte ich mich dagegen von Spike Lees Mehrfach-Oscarkandidaten von 2019, der, um Wikipedia zu zitieren, "Elemente des Kriminalfilms, der Kriminalkomödie und des Polizeifilms" verbindet und "auf den Erlebnissen des US-Polizeibeamten Ron Stallworth" basiert. Eine unglaubliche Story! Ich bin froh, den Film im Original gesehen zu haben, denn erstens hätte ich so viel Hate Speech auf deutsch kaum ertragen, zweitens spielt der hörbare Unterschied zwischen Ebonics und "King's English" eine nicht unwesentliche Rolle.
Viel mehr als den mittlerweile scheinbar unvermeidlichen Adam Driver mochte ich den Gastauftritt von Harry Belafonte sowie Topher Grace als David Duke (dessen damaliges wie jüngeres Inerscheinungtreten man immer mal wieder nachlesen bzw. sich in Erinnerung rufen sollte, gerade im Zusammenhang mit gegenwärtigen politischen Entwicklungen).

Tenet
Ein Zufall war es, dass ich einen Tag nach "BlacKKKlansman" den zweiten Blockkkbuster sah, in dem John David Washington, Sohn von Denzel, die Hauptrolle innehat. In "Tenet" trägt seine Figur keinen Namen, und das ist gut so, denn jedes Detail mehr, das man sich merken muss, ist ein weiteres, das einen vom Nachvollziehen der Handlung ablenkt. Bei Gott, keine Person, mit der ich mich über dieses Zeitmanipulations-Spektakel unterhalten habe, hat es zu 100 % verstanden. Dabei ist "Tenet" im ersten Drittel (abgesehen von der Eröffnungssequenz) ein konventioneller Agentenreißer, doch sobald das Gimmick der "invertierten" vierten Dimension eingeführt wird, wird das Hirn in eine Achterbahn gesetzt. Nachträgliche Recherche oder Rewatching ist mithin unbedingt geraten.
Nichtsdestotrotz: Es ist ein Nolan und damit alles andere als eine Enttäuschung. Ludwig Göranssons Score wummert angemessen hanszimmersch, es gibt Effekte, die man garantiert noch nicht gesehen hat, und einen der ruhigeren Momente adelt Michael Caine durch pure Anwesenheit.

Tommy Boy - Durch dick und dünn
Mit den so genannten "Bad Boys of SNL" bin ich ehrlich gestanden nie warm geworden. Allzu sehr schienen sie mir in ihren jeweiligen shticks verhaftet zu sein, insbesondere Chris Farleys Hitzköpfiger-Dicker-Trampel-Rolle und David Spades Mischung aus überheblichem Sarkasmus und Hinterwäldler-Koketterie übermüdete mich in unzähligen Episoden von "Saturday Night Live". Wie würden die beiden ihre Trademark-Nummern in einem abendfüllenden Buddy-Movie rüberbringen oder gar variieren, fragte ich mich, nachdem ich Spades Autobiographie "Almost Interesting" gelesen hatte, in der die Entstehungsgeschichte von "Tommy Boy" ausführlich erzählt wird. (Als nächstes nehme ich mir dann "The Chris Farley Show" über den 1997 verstorbenen Humorkoloss vor.) Außerdem hatte ich gelegentlich in seine inzwischen abgesetzte Late-Night-Sendung "Lights Out" reingeschaut und fand sie gar nicht übel.
Nun aber zum Punkt: "Tommy Boy" ist überraschend flott inszeniert und geschrieben und trägt das Herz am rechten Fleck. Die Real-life-Freunde Farley und Spade harmonieren perfekt. Klar, manchen pubertären Witz hätte man heute ausgespart, aber das Timing ist zeitlos (paradoxe Formulierung beabsichtigt).

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