Donnerstag, 8. September 2022

Die Korrekturen

Beim Tippen der Überschrift des letzten Beitrags musste ich an eine besprechenswerte Erscheinung im vor allem wissenschaftlichen Literaturbetrieb denken: die Korrekturseite(n). Werden nach Redaktionsschluss bzw. nach Druckbeginn noch Fehler entdeckt, werden diese nebst Korrekturen in einem Verzeichnis aufgeführt, welches entweder auf einer der hintersten Seiten im Buch angehängt oder als separater Ausdruck beigelegt wird. Als Beileger kann das Corrigendum eine lose Einzelseite oder auch mehrere (geklammerte) Seiten umfassen. Im Studium hatten wir ein Lehrbuch, das diesbezüglich den Vogel abschoss (wer's genau wissen will: Die 18. Auflage von Adolf Friedrich Stenzlers Elementarbuch der Sanskrit-Sprache, de Gruyter 1995). In ihm befand sich ein Heftchen mit nicht weniger als 141 Errata auf 11 Seiten! Kann das jemand überbieten?


Streber, der ich war, führte ich brav die (teils folgenschweren) Berichtigungen eine nach der anderen aus, bis das selbst mir zu anstrengend wurde.


Lustigerweise habe ich beim gestrigen Durchblättern des Buches einen weiteren, noch unentdeckten Fehler gefunden! Zur Verteidigung muss man sagen, dass diese 142 Schnitzer und Unstimmigkeiten nicht seit der Erstauflage von 1869 mitgeschleppt wurden. Die 18. Auflage stellt nämlich nicht nur eine Fortführung, sondern eine "völlige Überarbeitung" dar, wie im Vorwort dargelegt, wo zudem angekündigt wird, dass die 19. Auflage (welche dann 2003 erschien) nochmals erweitert werden solle. In deren Corrigenda würde ich auch gerne schnuppern.

Worin die feinen Unterschiede zwischen "durchgesehen", "ergänzt", "verbessert", "umgearbeitet" usf. bestehen, wäre übrigens auch mal eine endgültige Klarstellung wert. Und: Wie viel Überarbeitung darf ein Druckwerk erfahren, bis es keine neue Auflage, sondern ein genuin neues ist? Theseus' Schiff, ick hör' dir hupen ...

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