Samstag, 23. März 2024

Die Schildfrage

In der Süddeutschen Zeitung gab es neulich einen launigen Artikel (online nur hinter der Bezahlschranke) über "touristische Unterrichtungstafeln", jene braunen Schilder an Autobahnen, die auf nahegelegene points of interest hinweisen oder die Besonderheit des jeweiligen Ortes herausstellen: "Sportstadt Riesa", "Königliches Puppenstuben-Museum Laubach", "Umspannwerk Recklinghausen" und viele andere mehr, insgesamt rund 3600.

Doch ach!, die zwei Tafeln, die um Kilometer 530 herum auf beiden Seiten der A3 den Zoo Straubing bewerben, könnten bald Geschichte sein: "Die 2001 aufgestellten Schilder müssen der Autobahn GmbH zufolge ausgetauscht werden, weil sie im Laufe der Jahre verblasst sind und nicht mehr den Vorschriften entsprechen. Die Folie auf den Schildern sei insbesondere in der Nacht nicht mehr gut lesbar [...]. Falls Durchreisende nachts spontan die Tiger im Straubinger Zoo besuchen möchten, könnten sie die Tafel also übersehen." Joah, warum tauscht man die Tafeln dann nicht aus?, könnte man jetzt fragen. Hier kommt der Knackpunkt: "Die Kosten für zwei neue Zoo-Schilder belaufen sich allerdings auf 83 000 Euro. Kosten für deren Entfernung: 10 000 Euro. Der Stadtrat entschied sich für den Abriss."

Wem soeben angesichts dieser Zahlen aus Niederbayern schwindelig geworden ist, der möge sich darauf einstellen, gleich ohnmächtig zu werden, denn diese sind noch zu toppen: "Im Oktober 2023 hatte der Bund der Steuerzahler in seinem Schwarzbuch auf einen ähnlichen Fall in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) hingewiesen. Dort werben Schilder an der A38 für das Europa-Rosarium [...]. Für zwei neue Schilder soll die Stadt Sangerhausen 181 000 Euro zahlen."

Ich bin jemand, den "Kostenexplosionen", "Steuerverschwendung" und "Behördenirrsinn" kaum noch schocken können. Man steigt ja als kleines Licht eh nicht dahinter. Wenn irgendwo von den Ausgaben für, sagen wir, eine neue Brücke die Rede ist, dann nehme ich eine Kostenangabe von 5 Millionen Euro so stoisch hin wie eine von 50 Millionen oder 150 Millionen oder 500.000. Nur: Wieso das Herausrupfen zweier zwei mal drei Meter großer Schilder 10.000 Euro verschlingt, möge man mir mal auseinanderklamüsern. Von märchenhaften Summen von beinahe oder gar mehr als 100.000 Euro für den Austausch ganz zu schweigen. "Es ist ja keine Weltraummission. Es geht um zwei Schilder", zitiert die SZ den Bürgermeister von Passau, wo es ebenfalls um die Erneuerung von Tierpark-Tafeln ging. "Das müsste eigentlich für 15 000 bis 20 000 Euro machbar sein". Wenn überhaupt!

Bei Rechnungen, die irgend mit Straßenverkehr zu tun haben, schlackern einem regelmäßig die Ohren. Einmal, es mag auch schon wieder 20 Jahre her sein, hörte ich einen Experten behaupten, dass die Unterhaltung eines einzigen Verkehrsschildes die Stadt (in diesem Fall: Dresden) 2000 Euro pro Jahr koste. Das darf doch nicht wahr sein! Kann man nicht jemandem einmal im Quartal 'nen Hunderter, einen Lappen und einen Eimer warmes Wasser in die Hand drücken und gut ist's? Oder werden einfach so viele Verkehrszeichen beschädigt/zerstört, dass die ständigen und verständlicherweise teure(re)n Ersetzungen die Durchschnittsaufwendungen in die Höhe schnellen lassen? Selbst wenn, erklärt das nicht, wieso die Her- und Aufstellung einer touristischen Unterrichtungstafel so kostspielig ist wie ... Ach, was reg' ich mich auf.

1 Kommentar:

  1. ... Habe als gelernter Werbetechniker bestimmt an die 30 Bauschilder inkl. Ständerwerk montiert (1973 bis 1980) da hat damals so ein Teil inkl. Beschriftung, Ständerwerk und Montage / Fundament etc. 2.000 bis 5.000 DM gekostet. Die Windlast konnte man anhand von Tabellen berechnen, die wurden dann vom Architekten geprüft und freigegeben.

    Gruß
    Jens

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