DogMan
Das Erfreulichste vorweg: In diesem Außenseiterdrama von Luc Besson kommt kein einziger Hund zu Schaden. Ebenso erfreulich: Die Rückblenden, die uns die Hundemenschwerdung des von Caleb Landry Jones fulminant verkörperten Douglas präsentieren, gleiten bei aller Furchtbar- und Trostlosigkeit nie in "Misery Porn" ab, wie es von einzelnen Kritikern moniert worden ist. Überhaupt blitzen immer wieder Lichter auf, sowohl cinematographisch als auch in Form komischer Momente.
Was uns von den Fährnissen des "Dogman" gezeigt wird, lässt uns Empathie für diesen entwickeln; er ist ein Freund, Beschützer und Rächer nicht nur seiner Hunde, sondern auch der Menschen: schwacher, ausgestoßener, misshandelter Menschen. Das sinnfällige Ende lässt verschmerzen, dass er selbst nicht ohne Fehl ist.
Anatomie eines Falls
Zweierlei hat mich an diesem hochgelobten Justizdrama gestört, und die Länge (150 Minuten) war es nicht. Erstens hätte ich es im zweisprachigen Original sehen sollen (Französisch/Englisch mit Untertiteln), denn in der deutschen Synchro wird durchgängig deutsch gesprochen, was in Szenen, in denen die Zweisprachigkeit der Hauptfigur (Sandra Hüller) von Relevanz ist, äußerst irritierend ist. Zweitens erschöpft sich der Kniff, die Kamera auf Figuren zu richten, die gerade nicht sprechen, doch beizeiten.
Davon abgesehen hat mich Justine Triets 2023er Werk mit seiner kühlen Präzision und beredten Stille – das Wort "Anatomie" ist Programm – durchaus in seinen Bann gezogen.
The Holdovers
Noch ein Release von 2023, und was für einer! Diese so frech-beschwingte wie humanistisch-melancholische Weihnachts-Dramedy ist im besten Sinne altmodisch und beschwört den Geist zeitloser Genre-Nachbarn wie "The Breakfast Club" oder "Der Club der toten Dichter" hinauf. Paul Giamatti ist wie gewohnt grandios, aber auch jede und jeder seiner Co-Stars überzeugt mit absolut glaubwürdigen Darstellungen. Keine der über 120 Minuten ist langweilig.
Eine Frage der Ehre (OT: A Few Good Men)
Die Ermordung von Rob Reiner und seiner Ehefrau zählt für mich zu den schockierendsten Promitoden der jüngeren Vergangenheit und hat mich sprachlos zurückgelassen. Manch einer mag sich gar keine Vorstellung davon machen, welch eine Lücke da in die Filmwelt gerissen wurde und wie unfassbar vielfältig Reiners Œuvre ist. Gerichtsszenen, die im Grunde nur aus Wortgefechten und ellenlangen Monologen bestehen, so auf Zelluloid zu bannen, dass sie einen fesseln und die Hände schwitzen lassen wie die krasseste Verfolgungsjagd, das gelingt wahrlich nur einem Meister der Regiekunst. Die hochkarätige Besetzung, allen voran Jack Nicholson und der damals erst 30-jährige Tom Cruise, leistet freilich ihren Beitrag, und auch Aaron Sorkins Drehbuch, dem ein Theaterstück aus seiner eigenen Feder zu Grunde liegt, dürfen wir nicht zu loben vergessen.
Ich wüsste auf Anhieb kein Militärdrama, das "Eine Frage der Ehre" das Wasser reichen könnte.
Whale Rider
Der erste Vertreter in dieser Liste mit weniger als 100 Minuten, und ein Beispiel dafür, dass man auch in solcher Knäppe gemächlich und behutsam (aber nicht behäbig) erzählen kann. Ich glaube, die inzwischen 24 Jahre alte Buchumsetzung von Niki Caro war damals der erste größere (meint: erfolgreichere) Film, der dem nicht-neuseeländischen Publikum einen so intimen wie tiefen Einblick in die (v.a. indigene) Kultur Aotearoas lieferte. Und ja, es reitet auch wirklich jemand auf einem Wal.
Der Tatsache, dass es sich um eine deutsche Co-Produktion handelt, wird damit Rechnung getragen, dass es eine Frau aus Deutschland ist, die gewisse Geschehnisse in Gang setzt (und die, wenn ich mich recht entsinne, in einer Szene sogar anwesend ist).
Ich bin froh, diesen traurigen, lehrreichen Kinder(?)film endlich nachgeholt zu haben.
Grease
... ebenso wie diesen 1978er Musikfilm, womit meine Musical-Bildung allmählich auf ein achtbares Maß anwächst. Die randiness dieser rebellischen, lebenslustigen Teenie-Nummernrevue erreicht nicht jene von "Hair", doch hat es "Grease" ganz schön in sich (wobei man erleichtert feststellen darf, dass es neben der berüchtigten Zeile in "Summer Nights" nur wenige andere problematische Stellen gibt). Den Kult um Olivia Newton-John Travolta habe ich nie verstanden; jetzt leuchtet er mir ein. Erstaunlich auch, wie viele Songs ich vorher schon kannte! Der kulturelle Impact von "Grease" muss riesig gewesen sein.
Manche mögen's heiß
Ebenfalls ihrem Ruf gerecht wird Billy Wilders wohl berühmteste Komödie. Gewiss, einzelne Aspekte mögen modernen Zuschauern aufgrund einer Albernheit, die Verkleidungs- und Verwechslungspossen nun mal eigen ist, zum Augenrollen bringen, doch man möge sich ins Gedächtnis rufen, dass "Some Like It Hot" (eine Phrase, die sich hier übrigens auf die Vorliebe einer Figur für Jazz bezieht) mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat. Zu weiten Teilen funktioniert der Humor noch immer, jede Dialogzeile sitzt, die Rasanz beeindruckt, und das Trio Marilyn Monroe / Tony Curtis / Jack Lemmon ist ein Casting-Glücksgriff, wobei Curtis' Performance gegenüber den anderen ein wenig abfällt.
Weil weiter oben schon das Stichwort "randiness" fiel: Auch "Manche mögen's heiß" traut sich hier und da dezente Keckheiten, die deutsche Altersfreigabe könnte allerdings ruhig mal nach unten angepasst werden. Mag aber sein, dass das "FSK 16" einst mit der gezeigten Gewalt begründet wurde: Die in den Roaring Twenties spielende Comedy wartet nämlich auch mit tüchtig Mafia-Geballer auf.
A Girl Walks Home Alone Tonight
Warum nicht mal einen Film in neupersischer Sprache gucken, gerade jetzt? Dies dachte ich mir und machte mit diesem Schwarz-weiß-Werk der nischigen Sparte "feministischer Vampir-Western" eine unvergleichliche Erfahrung. Begrüßenswert fand ich die Entscheidung, den Splatterfaktor gering zu halten und den Grusel aus der dank verkrusteter Gesellschaftsstrukturen allgegenwärtigen psychisch-sozialen Bedrohung zu, höhö, saugen. Streckenweise hat mich dieser US-amerikanische Neo-Noir von 2014 aber leider ermüdet.
JFK
Schade, dass sich kein Schwein mehr für die wahren Hintergründe des Kennedy-Attentats interessiert und dass Verschwörungstheorien heutzutage eh keinen Spaß mehr machen. Wäre ich im Jahre 1991 alt genug gewesen, um "JFK" zu sehen, und hätte ihn auch gesehen, wäre ich zum eingefleischten Anhänger und Verteidiger jedes in diesem atemlosen Dreistünder aufgestellten Arguments geworden. Alles ergibt Sinn!!!
Der Cast ist schier unglaublich und sorgt bis zu den Nebenrollen für Aha-Momente (Jack Lemmon [schon wieder] und Walter Matthau in einem gemeinsamen Film, der nicht zur "Ein seltsames Paar"-Reihe gehört! Brian Doyle-Murray als Jack Ruby!). Nicht nur dahingehend bietet sich ein Vergleich von "JFK" mit "Eine Frage der Ehre" an: Kevin Costners episches Plädoyer im schwindelerregenden Finale dürfte sich einen Platz in den ewigen Top-5 der erinnerungswürdigsten Reden der Kinogeschichte gesichert haben. Ich bin hellauf begeistert.
Apropos schade: Ist Oliver Stone nicht inzwischen auch etwas ... fragwürdig geworden? Hm, ich will's gar nicht wissen.
Mission: Impossible - Dead Reckoning Part One
Der letzte Klopper (161 Minuten) für heute: Der prima auf den Abschied einstimmende vorletzte "M:I"-Teil ist zum Glück wieder besser als "Fallout". Ein schnörkelloser Plot, staunenswerte Stunts und mustergültig choreographierte Stunts (der Zugabsturz, holy moly!), dazu ein paar passable Lacher (einen Masken-Runterreiß-Witz muss man sich anno 2023 erst mal trauen): Ja, das war eine feine Gaudi. Über unglaubwürdige Science-Fiction und arg forcierte Zufälle sehe ich bei dieser Art Kintopp lässig hinweg.
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