Montag, 30. März 2026

Knack und hack

Ich hatte mal wieder Lust, mich mit Kryptologie zu befassen, und wer im deutschsprachigen Raum ist dafür ein besserer Gewährsmann als Klaus Schmeh? Dessen "Cipherbrain"-Blog ist ja leider stillgelegt, doch hat er, seit ich zum letzten Mal ein Buch von ihm las, mehr publiziert, als ich auf dem Schirm hatte (u.a. hat er zusammen mit Elonka Dunin "Codebreaking. A Practical Guide" geschrieben). Die Stadtbibliothek hatte die 2022er Auflage dieses Werks vorrätig:


Obschon ich vieles, was in diesem historischen Abriss vorgestellt wird, bereits kannte, ist die Lektüre erhellend und unterhaltsam. Am besten gefielen mir bisher die Abschnitte "Codeknacker auf Verbrecherjagd" und "Die Chiffren der Spione" (beispielsweise war mir unklar gewesen, dass in der Guillaume-Affäre Zahlensender und das sog. Doppelwürfel-Verfahren eine Rolle spielten). Selbst dem wieder und wieder erschöpfend behandelten Kapitel Voynich-Manuskript kann Schmeh noch etwas hinzufügen, nämlich eine objektive Zusammenfassung und nüchterne Einschätzung der verschiedenen bisher vorgebrachten Erklärungsversuche. Allein vor den letzten 50 Seiten des stattlichen Taschenbuchs fürchte ich mich ein wenig: "Das Zeitalter der Verschlüsselung mit dem Computer". Denn spätestens beim Thema Quanten-Kryptographie ist mein Horizont überschritten.

"Codeknacker gegen Codemacher" ist erschienen bei Springer, als Teil von Springer Nature einer der bedeutendsten Wissenschaftsverlage mindestens Europas (und bitte nicht mit dem bösen Döpfner-Haus zu verwechseln). Stellt sich heraus: Springer kann oder will sich kein gescheites Lektorat mehr leisten! Immer wieder fallen einem Unzulänglichkeiten und Patzer in Sachen Kohärenz und Gliederung auf. Da kommen Rückverweise auf und Wiederaufnahmen von Dingen, die bereits abgeschlossen waren, manche Passagen erscheinen doppelt und dreifach. Noch ärgerlicher sind die nicht eben wenigen Tippfehler. Tatsächlich glaubte ich irgendwann, die fehlenden oder vertauschten Buchstaben könnten, aneinandergereiht, einen Geheimtext ergeben, den es zu knacken gilt, sie wären also vom Autor beabsichtigt.  Ulkigerweise bekam ich neulich eine E-Mail von Linkedin (ich bekomme jeden Tag circa zehn Mails von Linkedin; ich muss mich dort mal abmelden, es ist die Hölle) mit der Betreffzeile "2 neue Positionen als Chefredakteur bei Springer Nature". Nicht in einer Million Jahre würde man mir diesen Job geben, aber wenn, dann würde ich ein anständiges Korrektorat garantieren.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen