Ich habe, obwohl seit Geburt an konfessionslos, auf dem Gymnaisum auf eigenen Wunsch hin evangelischen Religionsunterricht genossen, damit einer winzigen Minderheit angehörend (Osten halt). Man nimmt dabei ja durchaus einiges mit, was bis heute als "Allgemeinbildung" firmiert, und der eine oder andere Denkanstoß war meiner Menschwerdung und Aufgeklärtheit zuträglich. Unter anderem haben wir mehrere Gleichnisse durchgenommen. Eines jedoch nicht: eines, das ich erst kürzlich auf Wikipedia entdeckt habe, nämlich das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen, das man korrekter "Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen" nennen sollte, handelt es doch von zwei Gruppen von Jungfrauen und nicht einer einzigen, die gleichzeitig klug und töricht ist.
Wer sich das knackige Textlein durchgelesen hat (Einheitsübersetzung), mag sich nun dies fragen: Könnte mich eine Bibelstelle dermaßen empören, dass ich gesundheitlichen Schaden nehme? Genau das passierte dem Landgrafen von Thüringen und Markgrafen von Meißen Friedrich I. (1257-1323), unter dem herrlichen Beinamen "der Gebissene" bekannt, Sohn von Albrecht dem Entarteten und Vater von Friedrich dem Ernsthaften (alle drei sind auf dem Dresdner Fürstenzug zu sehen). Im Jahre 1321 hatte er "in einem Kloster zu Eisenach das geistliche Schauspiel von den klugen und törichten Jungfrauen gesehen und war in große Aufregung darüber geraten, dass den törichten Jungfrauen auch die Anrufung der Heiligen nicht half". Er erlitt einen Schlaganfall, der ihn lähmte und von dem er sich bis zu seinem Tod knapp zwei Jahre später nicht mehr erholte.
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