Dienstag, 19. April 2016

Es muss leider sein: Ein Beitrag über Bahndurchsagen

Schon seit Ewigkeiten juckt's mich in den Fingern, folgendes Thema anzusprechen. Wenn in deutschen Zügen angesagt wird, an welcher Seite bei der nächsten Station auszusteigen ist, geschieht dies nämlich fast ausschließlich in dieser Form: "Der Ausstieg in Fahrtrichtung links/rechts." Diese Unentschlossenheit zwischen Ellipse ("Ausstieg in Fahrtrichtung links/rechts") und richtigem Satz ("Der Ausstieg ist in Fahrtrichtung links/rechts") macht mich fertig. Das Problem treibt auch andere Bahnfahrende um, bei der Suche nach der nämlichen Floskel stößt man u.a. auf eine Facebookunterhaltung, in der es einerseits heißt " Mit Verben hat's die Deutsche Bahn nicht so ...", andererseits ein Kommentator einwirft, es handele sich sehr wohl um eine Ellipse, bei der man sich halt einen Doppelpunkt mitdenken müsse: "Der Ausstieg: in Fahrtrichtung rechts." Je nun, eine Pause, die so ein Satzzeichen normalerweise markiert, hört man bei den Durchsagen nie!
Okay, eigentlich sollte man dankbar sein für jedes weggelassene Wort, geraten die ohnehin viel zu ausführlichen und mindestens zwei- (hinter Aachen z.B.: vier-)sprachigen Lautsprechermitteilungen doch so wenigstens um eine Hundertstelsekunde kürzer.

In diesem Zusammenhang fällt mir ein Satz ein, den ich vor etlichen Jahren von einer Servicekraft in einem ICE vernahm: "Noch jemand frisch gebrühten Kaffee gewünscht?" Die Frage ist eine Mischung aus "Noch jemand frisch gebrühten Kaffee?" und "(Wird noch) frisch gebrühter Kaffee gewünscht?", klingt aber wie "Hat noch jemand frisch gebrühten Kaffee gewünscht?" – als würde man den Kaffee vorher irgendwo bestellen. Satzbaustelle deutsches Bahnnetz ...

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