Montag, 14. August 2017

Lesesommer 2017 (IV)

Heute: Denkwürdigkeiten von Eckhard Henscheid

Der Untertitel "Aus meinem Leben" trifft die Absicht / das Anliegen des 2013 bei Schöffling erschienenen Buches ganz gut bzw. präzisiert den Haupttitel dahingehend, dass es sich weniger um eine streng runtererzählte Biographie als um eine Art Bilanzziehung handelt, um eine Niederschrift alles Auffälligen und Bemerkenswerten, das der Autor in sieben Jahrzehnten wahrgenommen hat, und zwar, wie zu erwarten, in der Hauptsache im Literatur- und Medienbetrieb. Auch um die Welt der Oper geht es sehr oft. Nun ist sowohl Literatur als auch Oper großteils Terra incognita für mich, und dennoch hatte ich großes Vergnügen an des Autors Ausführungen, die mich bei aller formalen wie inhaltlichen Kompliziertheit wegen ihrer Kunstfertigkeit, Scharfsinnigkeit und Pointiertheit die 416 Seiten (keine weniger hätte ich erwartet) gutgelaunt bei der Stange hielten (gemeint ist, dass ich gutgelaunt war, nicht die Ausführungen). (Es hilft freilich, schon mal ein paar Zeilen Henscheid gelesen zu haben.) Eine Prise mehr Privates wäre gleichwohl nett gewesen: Dass E.H. eine Tochter hat, wird nur zweimal en passant erwähnt, und auch über das frühe Wirken der Neuen Frankfurter Schule, ganz konkret die tägliche redaktionelle Arbeit von Pardon, hätte ich gern mehr aus erster Hand erfahren. Schön ist es dann aber doch, das Verhältnis Henscheids zu Bernstein, Gernhardt & Co. dargelegt zu bekommen – und seine Meinung und Haltung zu ebenjenen (da gibt es hinsichtlich der Genannten durchaus, ich sag mal: kleine Unterscheide). Auch seine über die Jahre sich angesammelt habenden Lieblingsfeinde werden noch einmal seziert. Es gibt allerlei Referenzen auf sein übriges Werk, Querverweise, Berichtigungen, Ergänzendes und Wiederholendes. Weiters spielen eine Rolle: Fußball, Geld, Rechtsstreitigkeiten, die SPD, Bayern, Gesundheit und Gott. Bei aller Glossenhaftigkeit der Textbatzen sind die Kapitel wenigstens chronologisch aneinandergereiht, man kommt sich also immerhin nicht im Nebel der Geschichte verloren vor.

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