Sonntag, 19. April 2020

Keinen Zacken aus der Krone gebrochen

Neulich las ich einen Artikel über Crown Shyness. Dabei handelt es sich um das Phänomen, dass das Kronengeäst benachbarter Bäume nicht ineinander wuchert, sondern respektvoll, aber relativ knapp Abstand hält. So ergeben sich einzigartige Muster, durch die man von unten in den Himmel schauen kann (zum Beispiel mit Hilfe der Google-Bildersuche).
Was aber steckt hinter der "Kronen-Schüchternheit"? "Manche Forscher vermuten, dass der Baum an den Enden der äußeren Zweige sein Wachstum einstellt, sobald er sich zu weit den äußeren Blättern seiner Nachbarn nähert – um eine Verschattung zu verhindern. Andere glauben, bei dem luftigen Grenzstreifen könne es sich um eine Abwehrmaßnahme gegen fressende Insektenlarven handeln." (geo.de) So oder so muss man den Bäumen, ohne gleich Peter-Wohlleben-Romantik zu beschwören, eine besondere Art, ja: intelligenten Verhaltens zuschreiben. Kommunikation zwischen Pflanzen bzw. von Pflanzen mit Tieren, das scheint mir ein unbedingt weiter zu erforschendes Gebiet zu sein. Man denke an Gewächse, die in der Lage sind, die Farbe oder gar die Geschmacksintensität ihrer Früchte zu regulieren, um sie für samenvertilgende und -verbreitende Waldbewohner mehr oder weniger attraktiv zu machen.
In diesem Zusammenhang muss noch einmal das dem ersten Teil von Clemens J. Setz' Roman "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre" vorangestellte Zitat wiedergegeben werden, welches leider ebenso fiktiv ist wie der Mann, dem es zugeschrieben wird:

Ich hab's für bare Münze genommen.

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