Donnerstag, 7. Mai 2020

Vom Taunus ins Weimarer Land

Als ich von den Eschbacher Klippen in den Ort hinab lief, passierte ich den "Landgasthof Eschbacher Katz", der leider aus Gründen geschlossen hatte (aber immerhin Mitnahmeservice anbot, welchen ich allerdings nicht nutzte). Später stieß ich über Umwege, die nur mich etwas angehen, auf die erstrangige Webseite www.ortsnecknamen.de. (Das Wort Neckname ist übrigens nicht mit dem englischen nickname kognat, aber diese etymologische Randnotiz soll ein ander Mal behandelt werden.) Dort sind den Einwohnern von Usingen, von dem Eschbach ein Stadtteil ist, gleich drei Spitznamen zugeordnet: "Katzen" (angeblich wegen eben jenes Lokals), "Buchfinken" ("Usingen ist auch bekannt als Buchfinkenstadt im Buchfinkenland. Das im Jahr 1938 durch Theo Geisel verfasste Buchfinkenlied beschreibt den Heimatbegriff, das Usinger Land im östlichen Hintertaunus"; Wikipedia) sowie "Duckmäuser" (Begründung dunkel).
Verwunderlich ist, dass ausgerechnet in diesem umfangreichen Archiv ein Ort fehlt, der auf der Wikipediaseite "Ortsnecknamen" als Beispiel angeführt ist: Die Bewohner/-innen der thüringischen Landgemeinde Niederroßla werden "Elefantenkitzler" genannt, heißt es dort. Auf ortsnecknamen.de findet sich nicht ein einziger Spitzname, der mit "Elefant-" beginnt, während beispielsweise Namen mit Eselsbezug in sonder Zahl auftauchen. Welche Beziehung soll denn auch ein deutsches Städtchen zu Elefanten haben, fragt man sich und wird erstaunt sein, wenn man auf dem Wappen von Niederroßla dies erblickt: "In Rot ein silberner Elefant, das rechte Vorderbein anhebend, belegt mit einem Schildchen ..." Die dahintersteckende Geschichte ist kurios. 
In Kürze: Zur Faschingszeit im Jahre 1857 kam eine Schaustellergruppe an die Ilm und sollte u.a. eine indische Elefantenkuh zeigen ("Riesen-Elephant Miss Baba"). Einquartiert wurde das Tier für drei Tage in den Stallungen einer Madame Burckhardt, dummerweise in der Nähe einer großen Menge Runkelrüben. An diesen tat sich der Dickhäuter gütlich, was bei ihm zu starken Koliken führte, wodurch die Weiterreise der Wandermenagerie erschwert wurde. Die weiteren Details sind widersprüchlich, fest steht, dass das Tier nahe der Flurgrenze aus seinem Wagen auf die Straße geriet, was eine Menge Schaulustiger anzog, "darunter angetrunkene Mitglieder des örtlichen Gesangsvereins, die von einer Probe kamen und die den Elefanten geärgert und gepiesackt haben sollen". Schnell war man sich darüber klar, dass die Gemeinde, in welcher der stark geschwächte Elefant verenden würde, für die Beseitigung des Kadavers zu zahlen hätte, weswegen der Menschenauflauf versuchte, ihn über die Ortsgrenze zu treiben (oder eben zu "kitzeln"). Das unglückselige Rüsseltier fand dann auch tatsächlich den Tod. Die Folgen: mehrere Rechtsstreitigkeiten, Wappenanpassung, Ehrenbürgerinnenschaft für Miss Baba sowie alle 25 Jahre ein Elefantenfest. Und ich will verdammt sein, wenn ich beim nächsten (2032) nicht live dabei sein werde!

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