Geständnis: In manchen Bereichen des Lebens habe ich alarmierend wenig Ahnung. Durch besondere Unkenntnis und, falls das ein Wort ist, Unerwachsenheit zeichne ich mich aus, wenn es ums Geldverdienen geht. Sagt mir etwa jemand (warum auch immer), er oder sie verdiene "65.000 Euro im Jahr", weiß ich nicht, was ich mit dieser Information anfangen soll. Ist das viel oder wenig? Brutto oder netto? Ist die Person Freiberufler/in? Gehen da mithin Kranken- und sonstige Versicherungsbeiträge von ab? Es kommt ja, wie so oft, drauf an. Meiner Ignoranz zuträglich ist, dass man mich mit hohen Einkünften oder sonstigem Statusausweis überhaupt nicht beeindrucken kann.
Der neueste Focus hat mir endlich ein wenig Aufklärung verschafft. Das durchschnittliche Bruttojahresgehalt beträgt demnach in Deutschland 51.272 Euro, wobei sich immer noch ein empörender Gender-Gap auftut (Männer: 53.856 €, Frauen: 47.028 €). Vom Ost-West-Gefälle abgesehen, zeigen sich zudem Unterschiede, betrachtet man die Gehaltskarte nach Bundesländern aufgeschlüsselt: Hessen liegt mit 55.000 € vorn, ganz hinten rangiert mit 43.000 € Mecklenburg-Vorpommern, welches aber immerhin die größte positive Veränderung zum Vorjahr aufweisen kann (8,8 % Zuwachs).
Welche Branche hat die bemerkenswerteste Gehaltsentwicklung? Man kann sich's denken: Dank Schönheitswahn, Looksmaxxing, Longevity und sonstigen nicht nur von Social Media forcierten Bizarro-Trends (der Spiegel informiert diese Woche über das "Forever-35 Face") gab es im Bereich Sport/Beauty 2025 den markantesten Gehaltsanstieg, nämlich 10 Prozent. Der Wunschtraum der heutigen Jugend – Influencer werden – kommt nicht von ungefähr. Wie sieht es mit anderen Berufen konkret aus? Auch dazu hat der Focus aktuelle Statistiken. Mit einem Bruttojahresgehalt von 97.462 Euro sind – noch vor Piloten, Ärzten und Professoren – die Wirtschaftsprüfer Spitzenreiter. Außerdem in den Top-10: Program-Manager, Rechtsbeistand und Service-Delivery-Manager, drei Berufe, unter denen ich mir nichts vorstellen kann. Da "Anwalt" als eigener Punkt aufgeführt ist (Platz 9), muss es sich beim "Rechtsbeistand" um etwas Separates handeln, aber gewiss etwas anderes als die in § 149 StPO erfassten natürlichen Personen. Und ist ein "Softwarearchitekt" (Platz 6) dasselbe wie ein Programmierer? "Besonders schlecht bezahlt" sind u.a. Schulbegleiter, Friseure, Floristen, Küchenhilfen und Reinigungskräfte. Beruhigend ist es, dass nur 17 Prozent aller Deutschen den Wohlstand im Lande für "eher gerecht verteilt" halten ("eher ungerecht": 69 %, im Gehaltsschlusslicht Meck-Pomm gar 90,3 %), wie man einem anderen datensatten Artikel im selben Heft entnehmen kann ("Wie geht es Deutschland?").
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen