Mittwoch, 28. Januar 2026

Nichts hält mehr

Ich muss in der sechsten Klasse gewesen sein, als in meinem Freundeskreis eine Audiokassette die Runde machte. Mitschüler Stefan P. hatte sie von seinem Bruder geliehen bekommen, der sie wiederum von einer CD überspielt hatte. Es handelte sich um das Album "Diwodaso" des hessischen Komikerduos Badesalz.

Bald hatte jeder von uns circa fünf Jungs eine eigene Kopie angefertigt und hörte sie immer und immer wieder an. Nach nur wenigen Tagen konnten wir die Sketche halb auswendig, wir warfen einander Zitate um die Ohren, stimmten die Lieder an und versuchten gemeinsam die rätselhaftesten Stellen zu interpretieren. Denn vieles blieb uns – was einen Teil der Faszination ausmachte – unverständlich: teils weil wir zu jung für die erwachseneren Späße waren, teils weil der Dialekt uns fremd war, und natürlich findet sich im badesalzschen Œuvre das ein oder andere bewusst sinnverweigernde Stück Antihumor, was zumindest mir erst viel später klar werden sollte. Wir erfuhren irgendwann, dass "Diwodaso" bereits die dritte LP von Badesalz war, und konnten es kaum abwarten, dass Stefan P. uns mit Hilfe seines Bruders schnellstmöglich die Vorgänger beschaffte. Was dann auch geschah; groß war unsere Freude, dass sich "Nicht ohne meinen Pappa" und "Och Joh" als nicht minder komisch denn "Diwodaso" erwiesen. Unzählige Zeilen und Sprüche wurden zu geflügelten Worten: "Der Lambada!", "Sechsmakkfuffzisch", "Fresse da vorne!", "Des is e ganz anner Teschnik", "Rrrrippchen mit Kraut", "Bist du braun!", "Herr Müller ...", "Und tschüss!" Wir waren längst süchtig, als 1995 mit "Zarte Metzger" ein neues, abermals insta zum Kult werdendes Album erschien. Und nicht nur das: Gesegnet wurden wir mit einer nächtlichen ARD-Wiederholung der Reihe "Och Joh", in der wir Henni Nachtsheim und Gerd Knebel erstmals sehen konnten. In den folgenden Jahren wuchs die Bekanntheit des ohnehin über die Grenzen Hessens hinaus beliebten Duos verdientermaßen noch weiter: Dem abendfüllenden Film "Abbuzze!", den ich mit meinem Bruder tränenlachend im Kino sah, folgten Gastauftritte in der "Wochenshow" und im "Quatsch Comedy Club" sowie um die Jahrtausendwende herum, auf dem Höhepunkt der gewiss nicht durchweg glanzvollen Comedywelle, eine eigene Sat.1-Sketchshow, von der ich vermutlich noch VHS-Mitschnitte auf dem Dachboden rumliegen habe.

Ja, es wäre nicht übertrieben zu behaupten, dass Badesalz mich geprägt haben. Dass Gerd Knebel jetzt mit 72 Jahren gestorben ist, halte ich für eine riesige Ungerechtigkeit. Da könnt isch grad verrückt wer'n!

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