The boy who tried to catch a cloud
Der neunjährige Junge hat in seinem Leben noch kein einziges Wort gesprochen. Seine Eltern haben sich mittlerweile damit abgefunden. Klar, als er eineinhalb, zwei, drei Jahre alt wurde, ohne je einen Ton von sich gegeben zu haben, machten sie sich schon Sorgen. Der Hausarzt stellte dann fest, dass das Schweigen nicht physiologisch begründet war, sondern dass der Junge schlicht keine Lust hatte, sich verbal zu äußern. Abgesehen davon verlief alles ganz normal. Er kam in eine Spezialschule, lernte Rechnen, Lesen und vor allem Schreiben: Fortan kommunizierte er schriftlich mit seinen Mitmenschen, manchmal auch in Form von Zeichnungen. Eine Psychiaterin untersuchte den Jungen und konnte nur den Rat geben, die Situation zu akzeptieren; abgesehen von seinem "Schweigegelübde" war er altersgemäß entwickelt.
Ein wiederkehrendes Motiv in den Mitteilungen des Jungen ist jedoch auffällig: Wolken. Er scheint übermäßig von Wolken fasziniert zu sein. Es muss doch möglich sein, eine Wolke einzufangen und für die Ewigkeit aufzubewahren, denkt sich der Junge. Diesen Gedanken hat er noch nie aufgeschrieben, er möchte nicht für besessen gehalten werden. Er schämt sich schon genug für seine Stummheit! Doch ist genau das sein Leitgedanke: eine Wolke einfangen.
Jetzt ist die dreiköpfige Familie im Urlaub. Schweizer Alpen. Eines Morgens im Hotel kommt der Junge aufgeregt an das Bett seiner Eltern gerannt und zupft ihnen an den Pyjama-Ärmeln. Erregt deutet er aus dem Fenster. Man sieht einen Berg, der von Wolken verhangen ist. Die Eltern verstehen. Sie machen sich auf den Weg, alle drei. Mit nie gekanntem Enthusiasmus stürmt der Junge voran, hoch, hoch, empor auf den Alpengipfel. Schließlich befindet sich die schwitzende und hechelnde Familie inmitten der dichten Wolkenebene. Der Junge holt eine Flasche aus seinem Tornister, öffnet sie, hält sie in die Luft. Nach wenigen Sekunden zieht er die Flasche an seinen Körper und schraubt sie rasch zu. "Ich habe die Wolke eingefangen!", ruft er.
Der Junge spricht. Die Eltern weinen und lachen vor Glück, Erleichterung und Stolz. Von nun an geht's bergauf. (Die nächsten drei Stunden geht es allerdings noch einmal buchstäblich bergab, sie müssen ja ins Hotel zurück.)
Klumpos Kopfhörer
Als Klumpo seinen iPhone-Kopfhörer aus der Kabel- und Krawattenschublade nehmen wollte, hielt er inne: Irgendetwas war bemerkenswert an der Art und Weise, wie sich das Kopfhörerkabel verknotet hatte. Es war jedes Mal verknotet, wenn er den Hörer nach längerer Aufbewahrungszeit aus der Lade kramte, aber dieser Knoten war anders! Ein Blick in "Das große Buch der Knoten", das Klumpo mal aus einer Bibliothek gestohlen hatte, verriet ihm, dass es sich um einen Franziskanerknoten handelte, einen "dreifachen Überhandknoten, der als dekorativer Stopperknoten zur Verdickung eines Seiles eingesetzt wird". Klumpo war begeistert. Sofort rief er bei Markus Lanz an, dessen Telefonnummer er ebenfalls einst geklaut hatte, und erzählte ihm von dem Knoten: "Ein Franziskanerknoten! In meinem iPhone-Kopfhörerkabel! Das ist ein Wunder! Lade mich zu deiner Fernsehsendung 'Markus Lanz' ein, oder zu 'Wetten, dass..?'!" Doch Markus Lanz lehnte ab: "Das ist langweilig. Und überhaupt
– Klumpo, was ist denn das für ein komischer Name?"
Eine Woche später fand man Klumpo im Wald. Er hatte sich an einem Baum aufgehängt. "Das Seil war zu einem schönen Zweistrang-Bändselknoten gebunden", hieß es im Polizeibericht.
Der Korken (Bonusgeschichte)
Ich schellte bei meiner Nachbarin. "Guten Tag, haben Sie vielleicht einen Korkenzieher, den ich benutzen dürfte? Ich habe eine Flasche Wein gekauft, kann aber mein Kellnerbesteck nicht finden." – "Ja, ich habe einen Korkenzieher. Wollen Sie ihn mit rübernehmen?" – "Nein, danke. Ich hole schnell meine Flasche und erledige das hier." – "Da hätten Sie die Flasche doch gleich mitbringen können." – "Nee, eben nicht! Erstens wusste ich ja nicht, ob Sie mir einen Korkenzieher zur Verfügung stellen würden, zweitens kann man doch als Mann nicht einfach so mit einer Weinflasche in der Hand bei seiner Nachbarin klingeln! Wie muss das denn für Sie aussehen, wenn Sie durch den Spion schauen?" – "Stimmt. Na dann, bis gleich." – "Obwohl: Ich öffne die Flasche doch gleich bei mir. Bin sofort wieder da!"
Also ging ich mit dem Korkenzieher in meine Wohnung und machte mich ans Werk. Dabei ging zu Bruch: 1. die Flasche, 2. der Korken, 3. der Korkenzieher, 4. die Freundschaft zu meiner Nachbarin (bevor sie überhaupt begonnen hatte), 5. mein Kellnerbesteck, das ich dann doch noch gefunden hatte, 6. meine Mundharmonika (fragen Sie nicht!).
Das Gute an dieser Geschichte: Sie ist nie passiert. Nur in meiner Fantasie.
Freitag, 8. November 2013
Donnerstag, 7. November 2013
Mittwoch, 6. November 2013
Warum ich das Internet manchmal hasse
Ziemlich stolz war ich auf das einigermaßen anspruchsvolle Wortspiel, das mir letzte Woche einfiel. Heute googelte ich spaßeshalber danach, und siehe (fuck!): Mindestens zwei weitere Menschen sind vor mir darauf gekommen.
Christina Aguilera, der Zorn Gottes
Christina Aguilera, der Zorn Gottes
Dienstag, 5. November 2013
Über Herbstkleidung und -zubehör
Der Herbst ist an und für sich eine feine Jahreszeit. Einziger Nachteil ist, dass man öfter nass wird, ein Problem, dem man aber durch die Inanspruchnahme eines Regenschirms entgehen kann. Doch der Regenschirm ist ein aussterbender Gegenstand. Geschätzte 90% meiner Altersgenossen besitzen keinen Schirm mehr, ebenso viele besitzen keine Armbanduhr. Eine Armbanduhr ist aber heutzutage weniger ein Gebrauchsgegenstand als ein Schmuckstück. Wenn man etwa einen Anzug anzieht, sollte man dazu aus rein "stilistischen" Gründen eine Armbanduhr tragen.
Anders ticken die (Armband-)Uhren auf dem Dorf, wo man sich höchstens mal zur Jugendweihe einer Kusine chic machen muss oder wenn man mit einem Minibus zu einem Musicalbesuch in die Stadt fährt. Will sagen: Anzüge trägt man dort eher selten. Statt zu Sakko oder Jackett greift der Mann zum dörflichen Äquivalent, nämlich dem Jeanshemd mit Kordeln und Lederbesatz (Beweisstück A).
Aber halt! Ich bin eigentlich kein Mensch, der auch nur das Geringste von "Stil" versteht oder anderen vorschreibt, wie sie sich kleiden "sollen", und schon gar nicht möchte ich als Bauernfeind in die Annalen eingehen, schließlich ist mein Name nicht Bauerfeind (wie der von Katrin Bauerfeind), ich mache lediglich treffende soziologische Beobachtungen. Dazu zählt auch die Beobachtung, dass der Schal den Weg vom Kälteschutz zum Modeaccessoire gegangen ist. Seit ungefähr sieben, vielleicht auch acht Jahren sieht man immer mehr Männer, die sich den Schal nicht, wie es Sinn und Verstand diktieren, eng und wärmend um den Hals schlingen, sondern das Teil leger geknotet über der Jacke / dem Mantel hängen haben – wie eine lose Krawatte. Man achte z.B. auf die aktuellen Ströbele- und Hoeneß-Fotos! Angefangen hat damit allerdings Franz Müntefering, zumindest ist es mir bei dem zuerst aufgefallen.
Es gibt auch Leute, die bei 10° C (plus!) eine Wollmütze tragen, aber darüber hüllen wir lieber den Anorak des Schweigens.
Anders ticken die (Armband-)Uhren auf dem Dorf, wo man sich höchstens mal zur Jugendweihe einer Kusine chic machen muss oder wenn man mit einem Minibus zu einem Musicalbesuch in die Stadt fährt. Will sagen: Anzüge trägt man dort eher selten. Statt zu Sakko oder Jackett greift der Mann zum dörflichen Äquivalent, nämlich dem Jeanshemd mit Kordeln und Lederbesatz (Beweisstück A).
Aber halt! Ich bin eigentlich kein Mensch, der auch nur das Geringste von "Stil" versteht oder anderen vorschreibt, wie sie sich kleiden "sollen", und schon gar nicht möchte ich als Bauernfeind in die Annalen eingehen, schließlich ist mein Name nicht Bauerfeind (wie der von Katrin Bauerfeind), ich mache lediglich treffende soziologische Beobachtungen. Dazu zählt auch die Beobachtung, dass der Schal den Weg vom Kälteschutz zum Modeaccessoire gegangen ist. Seit ungefähr sieben, vielleicht auch acht Jahren sieht man immer mehr Männer, die sich den Schal nicht, wie es Sinn und Verstand diktieren, eng und wärmend um den Hals schlingen, sondern das Teil leger geknotet über der Jacke / dem Mantel hängen haben – wie eine lose Krawatte. Man achte z.B. auf die aktuellen Ströbele- und Hoeneß-Fotos! Angefangen hat damit allerdings Franz Müntefering, zumindest ist es mir bei dem zuerst aufgefallen.
Es gibt auch Leute, die bei 10° C (plus!) eine Wollmütze tragen, aber darüber hüllen wir lieber den Anorak des Schweigens.
Beweisstück A
Sonntag, 3. November 2013
[/ironie off]
Das Interrobang – der Ausrufe-/Fragezeichen-Hybrid ‽ – ist ja ein alter Hut. Kürzlich hörte ich aber erstmals von einem speziellen Ironieanzeiger!
Das Ironiezeichen wurde von einem französischen Dichter namens Alcanter de Brahm vorgeschlagen und hat die Form eines vertikal gespiegelten Fragezeichens ⸮. Verwendet wurde das Teil seit seiner Einführung vor über 100 Jahren so gut wie nie. Immerhin der französische Schriftsteller Hervé Bazin griff die Idee in den 1960er Jahren wieder auf, "allerdings", so eine berühmte Online-Enzyklopädie, "verwendete er eine andere (ψ-ähnliche) Form. Gleichzeitig schlug er fünf weitere Interpunktionszeichen vor:
Das Ironiezeichen wurde von einem französischen Dichter namens Alcanter de Brahm vorgeschlagen und hat die Form eines vertikal gespiegelten Fragezeichens ⸮. Verwendet wurde das Teil seit seiner Einführung vor über 100 Jahren so gut wie nie. Immerhin der französische Schriftsteller Hervé Bazin griff die Idee in den 1960er Jahren wieder auf, "allerdings", so eine berühmte Online-Enzyklopädie, "verwendete er eine andere (ψ-ähnliche) Form. Gleichzeitig schlug er fünf weitere Interpunktionszeichen vor:
Das war nicht der letzte Versuch einer Erweiterung des Interpunktionsvorrats, wiewohl ein zum Scheitern verurteilter.
Ich verstehe nicht, wieso wir nicht öfter Ironiezeichen benutzen. Das ist doch total nützlich: Der Lesende muss nicht zwischen den Zeilen lesen, und der Schreibende kann mit einem einzigen Symbol ausdrücken, was er meint. *sarcasm*
Samstag, 2. November 2013
Hübsche Flaggen untergegangener Staaten: Loango
Loango, was ungefähr "königliche Macht des Panters" bedeutet, war ein Land, das erst relativ spät, nämlich 1561, erstmals urkundlich erwähnt wird. Es existierte als eigenständiges Königreich auf dem Gebiet der heutigen Republik Kongo vom 16. bis zum 19. Jahrhundert: Die Abspaltung vom Königreich Kongo erfolgte irgendwann "zwischen 1512 und 1570" (Wikipedia), sein Ende war 1883 erreicht, als Loango französisches Protektorat wurde. Dennoch scheint das "Royaume Loango" und seine Herrschaftslinie noch heute zu bestehen, zumindest hat das (jedoch in keiner offiziellen Liste als autonomer Staat aufgeführte) Land einen Internetauftritt, leider in französischer Sprache, die ich nicht gut beherrsche. Die Flagge jedenfalls war und ist die hier:
Hände sind als Flaggensymbole nicht sehr häufig. Auf der Flagge Abchasiens und auf der 1953 bis 1973 von Nordirland geführten "Red Hand Flag of Ulster" ist eine Hand zu sehen. Im Falle Loangos repräsentiert die Hand den König, und die sieben Sterne stehen sowohl für die sieben Provinzen als auch Augen, Ohren, Nasenlöcher und Mund des Königs – heißt es zumindest auf einer Seite ohne weitere Quellenangaben. Hm.
Hände sind als Flaggensymbole nicht sehr häufig. Auf der Flagge Abchasiens und auf der 1953 bis 1973 von Nordirland geführten "Red Hand Flag of Ulster" ist eine Hand zu sehen. Im Falle Loangos repräsentiert die Hand den König, und die sieben Sterne stehen sowohl für die sieben Provinzen als auch Augen, Ohren, Nasenlöcher und Mund des Königs – heißt es zumindest auf einer Seite ohne weitere Quellenangaben. Hm.
Donnerstag, 31. Oktober 2013
Herbstgedicht
Papa holt den Schlitten raus
Oma strickt 'ne Mütze
Opa spielt den Nikolaus
Kind fällt in die Pfütze.
Onkel baut das Bierzelt auf
Tante steht im Sandsturm
Vetter klimmt den Maibaum rauf
Nichte hat nen Bandwurm.
Oheim putzt den Spargel blank
Mama bäckt ne Brezel
Ich versteck ein Ei im Schrank
Herbst, du bist ein Rätsel.
Oma strickt 'ne Mütze
Opa spielt den Nikolaus
Kind fällt in die Pfütze.
Onkel baut das Bierzelt auf
Tante steht im Sandsturm
Vetter klimmt den Maibaum rauf
Nichte hat nen Bandwurm.
Oheim putzt den Spargel blank
Mama bäckt ne Brezel
Ich versteck ein Ei im Schrank
Herbst, du bist ein Rätsel.
Mittwoch, 30. Oktober 2013
The P Word
Spaßige Idee: in die USA fahren, sich als Einwohner/-in eines abgelegenen englischsprachigen Landstrichs ausgeben und dann das Wort "pedo" als angebliche umgangssprachliche Abkürzung von pedestrian etablieren. "Yes, in South-East Newfoundland everyone calls pedestrians 'pedos'!" Die Amerikaner, stets offen für knackige Slang-Ausdrücke, werden das neue Wort allmählich in ihre Alltagssprache integrieren. Nach einer Weile wird man überall Sätze hören wie: "My car is in the garage. I guess this week I'm a pedo."; "Damn cyclists, got no respect for us pedos!"; "I almost hit a pedo today." Hihi.
Dienstag, 29. Oktober 2013
Sonntag, 27. Oktober 2013
Skurrile Sammlungen: Chick-Comics
In den Untiefen meines Schranks stieß ich einst auf einen Haufen seltsamer kleiner Comichefte:
Keine Ahnung, wie die in meinen Besitz gekommen waren, aber ich bewahrte sie wohlweislich auf – vielleicht könnte man daraus irgendwann einen Blogbeitrag machen! Es handelt sich jedenfalls um fundamental-christliche Propaganda-Geschichten aus Amerika. In einem Heft geht es zum Beispiel um das angebliche brutal-dogmatische Aufzwängen der Evolutionslehre im Schulunterricht – in Deutschland eigentlich überhaupt kein Thema.
Wie es der Zufall so will, postete irgendwann 2011, kurz nachdem ich die Heftchen wiederentdeckt hatte, jemand im "Funny Pictures"-Thread auf Something Awful Ausschnitte aus den Originalcomics! Unter anderem diese aus ebenjener Kreationismus-Story:
Ein besonders unterhaltsames Exemplar (das sich leider nicht in meiner Sammlung befindet) befasst sich mit Homosexuellen, die für ihre Sünde mit AIDS gestraft werden. Auszug (besagtem Thread entnommen):
Gott sei Dank (!) können die Betroffenen in dieser Geschichte gerettet werden, zumindest einige von ihnen:
Keine Ahnung, wie die in meinen Besitz gekommen waren, aber ich bewahrte sie wohlweislich auf – vielleicht könnte man daraus irgendwann einen Blogbeitrag machen! Es handelt sich jedenfalls um fundamental-christliche Propaganda-Geschichten aus Amerika. In einem Heft geht es zum Beispiel um das angebliche brutal-dogmatische Aufzwängen der Evolutionslehre im Schulunterricht – in Deutschland eigentlich überhaupt kein Thema.
Wie es der Zufall so will, postete irgendwann 2011, kurz nachdem ich die Heftchen wiederentdeckt hatte, jemand im "Funny Pictures"-Thread auf Something Awful Ausschnitte aus den Originalcomics! Unter anderem diese aus ebenjener Kreationismus-Story:
Ein besonders unterhaltsames Exemplar (das sich leider nicht in meiner Sammlung befindet) befasst sich mit Homosexuellen, die für ihre Sünde mit AIDS gestraft werden. Auszug (besagtem Thread entnommen):
Gott sei Dank (!) können die Betroffenen in dieser Geschichte gerettet werden, zumindest einige von ihnen:
Ja, gegenüber "Andersartigen" sind die Erzeugnisse der Chick Publications – so heißt der Vertreiber dieser auch im Internet präsenten "cartoon gospel tracts" – stets sensibel:
Ich besitze zwölf Comics, insgesamt gibt es über 100 in mehr als 100 Sprachen, wobei auch jeweils kulturelle Unterschiede berücksichtig werden! Vgl.:
(Waray-Waray, Indonesien)
(Xhosa, Südafrika)
Das ist alles wahnsinnig herrlich und herrlich wahnsinnig. Wer hat auch solche Hefte? Wollen wir tauschen und anschließend diskutieren? Helft alle mit, die Gehirne unserer Kinder zu waschen!
Samstag, 26. Oktober 2013
4x Fotografiertes (Resterampe)
Schöner Seitenaufbau neulich bei bild.de!
Ein Volontariat im Emsland Moormuseum, das wär' schon was! Nur müssen es gleich drei Jahre sein? Ich hätte die Sorge, dort zu versumpfen.
Man sollte immer ein paar frische Snacks für eventuelle Gäste bereithalten.
Aus der Reihe "Kühlschränke, deren Inhalt man nicht kennen will"
Donnerstag, 24. Oktober 2013
Spritziger Spam
Einen Blogbeitrag vom August dieses Jahres kommentierte ein Spambot wie folgt:
Es folgte ein Verweis auf eine angebliche "Sekt mit Erdbeeren"-Seite. Beinahe hätte ich den Kommentar veröffentlicht. Ist immerhin was anderes als der ewige Sex-Drogen-Glücksspiel-Quatsch.
Diese können doch nicht sehr bestreiten, daß jeder angesichts der zahlreich aufgetretenen Grippefälle in Deutschland die Sch - Hugo Sekt grippe nicht sehr mitsamt die „leichte Schulter" nehmen soll stellen jedoch nicht alles bloß Panikmache ist. An dieser stelle finden sich eine Fülle prickelnder Hugo Sekt -Rezepte für jenes unvergessliches Menü zu dem Rendezvous - ob als aromatische Saucen-Zutat zu Fisch oder Fleisch oder als schäumender Hugo Cocktail Schuss auch in raffinierte Süppchen und Süßspeisen, Hugo Sekt verleiht fast allen fantasievollen Küchen-Kreationen das gewisse Etwas. Bei ganz besonderen Anlässen geht es einfach nicht ohne Hugo Sekt.
Es folgte ein Verweis auf eine angebliche "Sekt mit Erdbeeren"-Seite. Beinahe hätte ich den Kommentar veröffentlicht. Ist immerhin was anderes als der ewige Sex-Drogen-Glücksspiel-Quatsch.
Dienstag, 22. Oktober 2013
Sonntag, 20. Oktober 2013
Das gute Zitat
"Philarète Charles ordnet als Literaturhistoriker die Schriftsteller nicht nach Äußerlichkeiten (Nationalitäten), Zeitalter, Gattung der Werke (Epos, Drama, Lyrik), sondern nach dem inneren geistigen Prinzip, nach Wahlverwandtschaft. So will Paracelsus die Blumen nach dem Geruch klassifizieren – wie viel sinnreicher, als Linné nach Staubfäden! Wäre es gar so sonderbar, wenn man auch die Literaten nach ihrem Geruch klassifizierte? Die, welche nach Tabak, die, welche nach Zwiebeln riechen usw."
--- Heinrich Heine: Gedanken und Einfälle, Kapitel III
--- Heinrich Heine: Gedanken und Einfälle, Kapitel III
Freitag, 18. Oktober 2013
Eine Tür, drei Geschichten
(1) Am Ende war es doch später geworden als geplant. Ja, man hatte ursprünglich um Mitternacht aufhören wollen mit der Abschiedsfeierei, schließlich musste Sören am nächsten Morgen um spätestens 11 Uhr im Flieger sitzen, der 11 Uhr 30 Richtung Barcelona aufbrechen sollte. Wie es halt immer so ist, setzte kurz nach Mitternacht die berüchtigte Vier-Bier-Logik ein, die gemeine Partyverlängerungs-Ratio: Du hast doch schon gepackt, außerdem reicht es bei dieser Kurzstrecke, halb elf am Flughafen zu sein, d.h. du fährst kurz vor zehn los, d.h. du stehst kurz nach neun auf, d.h. du kannst satte sieben Stunden schlafen, wenn wir noch bis zwei Uhr feiern, das ist doch völlig ausreichend, außerdem werden deine Mitbewohner ja jetzt auch nicht still und leise in ihren Zimmern verschwinden, und wer weiß, wann wir das nächste Mal alle so gesellig beieinandersitzen. Und so hatten sie ihn überzeugt, diese Schweine, die er so liebte, und aus zwei Uhr wurde drei Uhr und vier Uhr. "Wann wird es eigentlich hell?", fragte Sören in die Runde. Adam und Sophia, die letzten, die noch geblieben waren, zuckten mit den Schultern. Warten wir's einfach ab, beschloss man. "Lass uns doch noch mal was richtig Episches machen, bevor du zwölf Monate unter der spanischen Sonne schuftest", schlug Adam aus heiterem Himmel vor, indem er sich den dritten Wodka Red Bull mixte. Fünf Stunden später – Sören bat die Stewardess um noch ein Wasser – versuchte er zu rekapitulieren, was beim Sonnenaufgang geschehen war. Sein Brummschädel war zu keinerlei Erinnerungsleistungen mehr zu gebrauchen. Fest stand nur, dass die drei Freunde es irgendwie geschafft hatten, die Wohnzimmertür der WG aus den Angeln zu heben und unter schmerzhaften Lachanfällen ("Das ist sooo geil!") in den nahegelegenen Park zu transportieren. Ja, von der "Tür-Aktion" würden sie noch Jahre später erzählen.
(2) Frankfurt/M. (dpa) Die am Dienstagabend als vermisst gemeldete Speisekammertür einer Frankfurter Bankiersfamilie ist wohlbehalten in einer städtischen Parkanlage aufgefunden worden. Es gehe ihr den Umständen entsprechend gut, erklärte der Hauseigentümer in einer ersten Stellungnahme. "Natürlich stehen noch ein paar Routineuntersuchungen aus, aber äußerlich scheint die Tür unversehrt zu sein." Die Polizei war zunächst von einer Ent-Türung ausgegangen, eine Lösegeldforderung blieb jedoch aus. "Das waren die schmerzhaftesten Stunden unseres Lebens", gab die aufgewühlte und sichtlich gelöste Ehefrau zu Protokoll, "diese Ungewissheit, was wollen die Kerle, warum ausgerechnet unsere Tür? Wir sind jedenfalls froh, dass die Täter es sich anders überlegt haben." Zeugenaussagen von Nachbarn zufolge hatten sich am Vorabend der Entführung zwei verdächtig aussehende Männer vor dem Anwesen der Familie aufgehalten. Ob ein Zusammenhang mit einem früheren Fall von Türnapping in Hessen besteht, ist im Moment noch unklar. Im März des Jahres waren aus einem Kronberger Einfamilienhaus die Keller- und die Badezimmertür entwendet worden; von ihnen fehlt bis heute jede Spur.
(3) "Kunst im öffentlichen Raum hat mich schon immer fasziniert", sagt Zuzanne Mäckle heute. "Die unbedingte Loslösung vom Ausstellungszusammenhang ist von daher eine Grundvoraussetzung für meine Arbeiten!" So steht denn auch der aktuelle Werkzyklus, >>draußen. nicht wohnen.<<, ganz im Zeichen der unmittelbaren Erfahrbarkeit. "Wenn ein gewöhnlicher Passant plötzlich zum Museumsbesucher wird, ohne es zu wissen, ist das für mich spannender als jede Vernissage und erfüllender als Preise oder Geld", gesteht die 39jährige Detmolderin, die 2005 an der Hochschule für Bildende Künste Bratislava ihre Abschlussarbeit "IKEA, c'est les autres" einreichte. Dafür hatte sie auf einhundert Privatgrundstücken in der slovakischen Hauptstadt Birkeland-Kleiderschränke und Billy-Regale installiert. Seit 2011 tobt sich Mäckle hauptsächlich in deutschen Großstädten aus – und hat ihre Objektpalette um Waschbecken, Fenster, Heizkörper, Esstische und eben Türen erweitert. "Wo hört das Private auf, wo ist Öffentlichkeit wohn-bar?" sind zwei zentrale Fragen der Kunstschaffenden. Nachteile ihres unkonventionellen Vorgehens? "Letzte Woche zum Beispiel", erinnert sich Mäckle, "da wurde eine Kleidertruhe, die ich auf einem Supermarkthinterhof abgestellt hatte, aufs Übelste besudelt, ob von einem Menschen oder einem Hund, kann ich nicht sagen. Und auf die Tür im Park hat gestern Nacht jemand 'Pimmel' geschrieben. Aber gerade das ist für mich Teil des Reizes, diese Interaktion!" Dass sich darüber hinaus Bußgeldbescheide über tausende Euro wegen "Belästigung der Allgemeinheit" in ihrem Büro stapeln, nimmt die Künstlerin in Kauf.
Zuzanne Mäckle: "Abandon All Hope", 2011, Vollspan-Innentür, Stadtpark. Frankfurt am Main.
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