Mittwoch, 16. März 2016

Traumprotokoll: Der Fluch der Mango

Ich stand auf einer Wiese, die ich sofort wiedererkannte: Sie befand sich vor dem Haus, in dem ich etliche Jahre meiner Kindheit verbracht hatte. Jedoch waren sowohl ich als auch die circa zwölf anderen Personen, die mit mir auf dem Rasen standen, erwachsen.
Auf einmal warf eine feindliche Gruppe von Kindern (die möglicherweise auch schon im Erwachsenenalter waren; wir hatten keinen Sichtkontakt) ein Geschoss auf unsere Wiese. Als es gelandet war − ohne jemanden getroffen zu haben −, sahen wir, dass es sich um eine Mango handelte. Wir blieben allesamt unbeeindruckt an unseren Plätzen stehen, denn eine Gefahr wie etwa von einer Handgranate schien von dem Obst nicht auszugehen. Doch genau wie eine Handgranate verhielt sich die Mango überraschenderweise. Sie explodierte.
Nun passierte Folgendes: Jeder, der von einem Stück Fruchtfleisch getroffen wurde, fing an, sich heftig zu übergeben. Jemand erbrach sich sogar in hohem Schwall an die Mauer, die von jeher das Rasenstück begrenzte, was ich vorwurfsvoll mit "Oh Mann, die wurde gerade erst frisch verputzt!" kommentierte. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich als einziger von dem Kotzfluch verschont geblieben war. Gleichzeitig wurde ich Zeuge, wie plötzlich auf der Mauer eine Wandmalerei entstand: Wie von einem unsichtbaren Graffitikünstler gezeichnet wurden zwei pechschwarze Hände mit je vier krallenartigen Fingern sichtbar. Die Hände reichten von unten bis fast zum Mauersims hinauf und waberten geisterhaft. Entsetzt versuchte ich, meine inzwischen nicht mehr speienden Kameraden auf das Schauspiel hinzuweisen, doch niemand von ihnen konnte sehen, was ich sah.
Zeitsprung. Jetzt hielt ich mich gemeinsam mit ein paar unbekannten Personen in einer mir unbekannten Wohnung auf. Es stellte sich heraus, dass wir alle eine Gemeinsamkeit hatten: Wir waren in der Lage, die Schattenhände zu erkennen, und wir hatten uns hier getroffen, um ihren Ursprung zu erforschen. (Nebendetail: Im Fernsehen entschuldigte sich ein Kabarettist öffentlich dafür, dass er nicht mehr so lustig sei wie früher.) Gerade kam jemand mit einem Buch über Religionen des Mittelmeerraums ins Wohnzimmer, als an der Wand hinter der Couch abermals die dämonischen Hände hervorkrochen. Ausgerechnet in diesem Moment wachte ich auf.

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