Samstag, 24. Juni 2017

See you next Tuesday

Einem Artikel in Cinema über Amy Schumer entnehme ich folgende Behauptung: "Zu ihren Verdiensten zählt auch, dass sie in ihrer Show auf Comedy Central 'pussy' sagen darf – als Erste überhaupt im US-Kabelfernsehen." Mooooment! Hat nicht Sarah Silverman schon vor einem guten Jahrzehnt im "Sarah Silverman Program" (welches ebenfalls auf Comedy Central lief) "pussy" gesagt? Jein, wie mir nach längerem Nachdenken wieder einfällt. Auf ulkige Weise hat sie damals die Artikulation so verändert, dass das böse P-Wort unzensiert über den Äther gehen durfte; in diesem Tweet steht sogar, wie's geht:


Es ist dies ein klassischer Fall von "Getting Crap Past the Radar": Zensurwürdige Inhalte werden dergestalt verschlüsselt, modifiziert, getarnt, dass sie unbeanstandet bleiben (müssen), aber für ein halbwegs ab- bzw. aufgeklärtes Publikum als die ursprünglich gemeinte Sauerei erkennbar sind. Im Basic-Cable-Fernsehen scheinen die (Sprach-)Regeln nun also gelockert zu werden, sogar was "härtere" Wörter angeht. Beim Sender FX beispielsweise gab es meines Wissens bis vor kurzem grünes Licht für "shit", nicht jedoch für "fuck". In der gerade zu Ende gegangenen 3. Staffel "Fargo" jedoch konnte man mehrfach Leute "fuck" fluchen hören. Oder zahlt der Sender halt einfach jedes Mal eine Vertragsstrafe? Ich entsinne mich auch an das Finale von "Bates Motel" (A&E), wo sich die Macher eine wohlplatzierte "f-bomb" geleistet haben; sogar in der Wiederholung blieb es unverpiept, wie bei Reddit zu lesen war. Ebendort brachte ein User die Bigotterie des Systems auf den Punkt: "I'm glad they warned me before fuck was said. Not sure how that would have impacted my viewing of bloody murders for entertainment. It might have corrupted me." Das Klischee stimmt wohl immer noch, sowohl im Kabel- wie im Network-TV: Gewalt ist okay, aber weh schmutzigen Vokabulars!

Die ewige NBC-Comedyshow "Saturday Night Live" macht sich seit jeher einen Spaß daraus, jedes erdenkliche der "seven dirty words" auf die Bildschirme des Landes zu schmuggeln. Unvergessen der Sketch, in dem Janet Jackson auf einem Weingut die Kunst des Korkeneinweichens erklärt bekommt: "cork soaking" und "cork soakers" klingt dann natürlich, obendrein in pseudo-italienischem Akzent gesprochen, wie ... nun, schon klar, gell? Kaum weniger mutig und amüsant war der "Sofa King"; nicht unverlinkt bleibe auch der Klassiker "Schweddy Balls". Nonverbal hat SNL vor ziemlich genau zehn Jahren den Vogel abgeschossen, als in einer "Sopranos"-Parodie ganz unverhohlen das hier gezeigt wurde (ab 3:45). Ich traute damals meinen Augen kaum!

Man muss eigentlich dankbar sein für die strengen Auflagen im amerikanischen Nicht-Pay-TV. Welche kreativen Spielereien wären nie geschrieben und inszeniert worden! Und wenn überall immer und alles erlaubt ist, stumpft man ja auch irgendwann ab. Außerdem: Wo wäre der Jux, wenn SpongeBob tatsächlich das allerschlümmste Four-letter-word der englischen Sprache geäußert hätte statt Mrs. Puff ein herzhaftes "See you next Tuesday" entgegenzuschleudern?

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