Mittwoch, 11. März 2020

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Diesmal mit Sohn, Bruder und Mutter im Titel. Viel Durchschnittskost, keine Totalausfälle.

Brittany Runs A Marathon
Diese Amazon-Produktion über eine Großstädterin um die 30, die mit ihrem stagnierenden Leben und ihrer Figur unzufrieden ist, verzichtet gottlob auf die lahmsten "Höchstleistungen-als-Erlösung"-Klischees, obwohl, wenn ich mich richtig erinnere, auch eine Trainingsmontage nicht fehlen darf. Die nicht zu lustige, nicht zu tragische Geschichte guckt sich easy weg. (Notiz an mich selbst: Ich muss noch den "Overthinking It"-Podcast dazu hören.)

Mrs Lowry & Son
Ein herausragend gespieltes und zu Tränen rührendes Drama über den britischen Maler L.S. Lowry und dessen schwieriges Verhältnis zu seiner Mutter. Hach.

Lichter der Großstadt
Im Rahmen einer kleinen Chaplin-Retrospektive auf Arte habe ich diese bis heute als Meilenstein geltende Komödie nachgeholt. Meine frühesten Erinnerungen an Bewegtbildhumor stammen aus Slapstick-Stummfilmen im DDR-Fernsehen. Schreilachend saß ich davor, ohne zu wissen, welche "Väter der Klamotte" da ihre wahnwitzigen Possen vorführten. Mag sein, dass viele der Clips aus dem Frühwerk Charlie Chaplins stammten, weswegen ich wohl unbewusst verdrängt hatte, dass dieser ja auch und gerade wegen seiner abendfüllenden Spielfilme zur Legende geworden ist. Die melancholisch-turbulente Story von "City Lights" sowie die brillant choreographierten Stunts und Running Gags funktionieren heute immer noch recht gut.

Das Kartell (OT: Clear and Present Danger)
Ich glaube, dies war mein erster Film mit Tom Clancys berühmter Figur Jack Ryan; auch um die unzähligen Videospiele habe ich bis jetzt aus Desinteresse einen Bogen gemacht. Warum ich mich entschied, "Das Kartell" anzuschauen, kann ich nur noch erahnen: vielleicht wegen Harrison Ford, vielleicht weil ich dachte, es handele sich um eine Verfilmung nach John Grisham (vgl. "Die Kammer", "Die Akte" usf.), mit dem ich ebenfalls wenig vertraut bin. Wie dem auch sei, nachhaltig beeindruckt hat mich dieser Polit-Actionthriller trotz zwei-drei spannenden Szenen nicht.

Our Idiot Brother
Schon vor fast zehn Jahren erschien die Semi-Independent-Dramödie über eine amerikanische Familie, in deren Mittelpunkt ebenjener titelgebende, allzu gutgläubige Slacker steht. Etwas harmlos geraten, gewinnt es durch ein Feel-good-Ende und ein hochkarätiges Ensemble komischer Schauspieler/-innen doch an Charme.

Parked
Dieses irische Sozialdrama wirkt wie von Ken Loach gedreht, nur ohne jegliche Lichtblicke. Elend und Hoffnungslosigkeit überwiegen. Natürlich sind der "Held" (ein in seinem Auto lebender arbeitsloser Uhrmacher) und seine Mit-Charaktere herzlich genug, um Sympathie und/oder Mitleid zu erregen, doch hätte ein gelegentliches Augenzwinkern oder ein versöhnlicherer dritter Akt den eineinhalb Stunden sehr gut getan.

Destroyer
Dieser Cop flick erregte, als er 2018 in die Kinos kam, vor allem damit Aufmerksamkeit, dass sich Nicole Kidman von einer "schonungslos kaputten" Seite zeigt. Sie ist auf alt und abgefuckt geschminkt, was dadurch unterstrichen wird, dass an mehr als einer Stelle jemand darauf hinweist, wie alt und abgefuckt Nicole Kidman aussieht. Dass einem dieser "Mut zur Hässlichkeit" – zumindest am Anfang – regelrecht unter die Nase gerieben wird, nervt ein wenig. Und doch hat die rund zweistündige Story um Raub, Verrat und Rache ihre Momente, und der finale Twist hat mir gefallen.

Pfad der Rache (OT: Acts of Vengeance)
Und noch einmal revenge, hier mit noch mehr Gewalt und mit Antonio Banderas als sich vom System verlassen und verraten fühlender Anwalt, der das Gesetz in die eigenen Fäuste nimmt, was zum Glück nicht in kruder Selbstjustiz-Verherrlichung ausartet. Unterm Strich ein vergessenswerter Streifen, der mir immerhin einen lustigen Gedanken beschert hat: Wie entzückt bist du als Darsteller, wenn du ein Drehbuch liest und dein Charakter legt nach dem ersten Drittel ein Schweigegelübde ab? Yessss, keine Dialoge mehr lernen! Haha!

Der Leuchtturm (OT: The Lighthouse)
Schon Robert Eggers' Debüt "The VVitch" war eine Offenbarung im Horrorgenre. Mir imponierte der Einsatz von historisch authentischer Sprache, die, zumindest in der Originalfassung (Ich muss es ausnahmsweise schreiben: Diese ist zu bevorzugen), für einen Realismus sorgte, den man bei einem Hexengrusler erst mal nicht erwartet. Auch für das Drehbuch zu "The Lighthouse" hat sich Eggers gemeinsam mit seinem Bruder Max bei zeitgenössischen Dokumenten Inspiration geholt und bedient sich u.a. bei Leuchtturmwärter-Tagebüchern, bei "Moby Dick" und der Prosa der neuenglischen Dichterin Sarah Orne Jewett. Die geschliffenen Dialoge gehören mit zum Außergewöhnlichsten, was man seit langem in einem Horrorfilm gehört hat, zumal sie von Willem Dafoe und Robert Pattinson mit ordentlich Sprachgewalt vorgetragen werden – und in einem Dialekt, der gewiss nicht nur für deutsche Ohren äußerst fremdartig klingt (englische Untertitel sind angeraten). Zum Flavor trägt zusätzlich das Schwarz-Weiß-Bild in antiquiertem 1,19:1-Seitenverhältnis bei. Eine ungeheuer intensive Erfahrung!

I Am Mother
Klaustrophobische Elemente weist auch dieses Sci-Fi-Kammerspiel auf, bei dem man sich etliche Fragen zu Ethik und Wissenschaft stellen kann. Künstliche Intelligenzen, die es mit ihren menschlichen Begleitern nur scheinbar gut meinen, hat man bereits öfter gesehen, aber die "Mutter" in diesem ästhetisch geschliffenen Zukunfts-Mystery wirkt in ihrem Habitus besonders bedrohlich. "I Am Mother" ist ein echtes Kleinod, das ich bestimmt übersehen hätte, wenn es nicht neulich auf Amazon für 99 Cent zu leihen gewesen wäre.

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