Donnerstag, 16. April 2009
Liebe, Hass und das Zeug dazwischen
Trotzdem: Es klingt komisch! "Ich liebe dich" ist etwas, das man zu seinem Partner sagt, und nicht zu einem Kind! Die meisten Übersetzer haben anscheinend die schöne Verbalphrase "jmd. lieb haben" vergessen. Genau so ungewohnt klingt das Wort "hassen". Ist das nicht zu extrem? Hass ist die stärkste negative Emotion (ich weiß nicht, ob es tatsächlich eine Emotion ist, aber Sie wissen, was ich meine) - in Verbindung mit trivialen Sachen wie Lebensmitteln mutet es unverhältnismäßig an. 10 Dinge, die ich an dir hasse (OT: 10 Things I Hate About You) heißt eine US-Komödie mit Heath Ledger. Ich weiß aber nicht, worum es darin geht ...
Was ich auch hasse, ist, wenn eine Person einer anderen Person Fotos von ihren Kindern zeigt, und Person B sagt in jedem Fall was? Richtig: "Ohhh, (s)he's beautiful!!!" Im Deutschen mag "süß" gerade noch angehen, aber "hübsch" oder gar "wunderschön"? That's just wrong ... Es kann natürlich sein, dass die genannten Beispiele für uns Deutsche so fremd klingen, weil wir einfach gefühlskalt sind. Insofern wäre es womöglich ein Schritt zur Besserung, wenn wir unseren Gefühlen nach englischem Vorbild verbal freien Lauf lassen würden. Andererseits: wenn man nur noch in Extremen redet, alles nur entweder liebt oder hasst oder wunderschön oder abstoßend findet - das ist doch auch albern!
Sonntag, 29. März 2009
Shooter
Dieser solide Actionthriller mit einem soldiden Mark Wahlberg wurde solide ins Deutsche übertragen. An zwei Stellen musste ich jedoch gehörig stutzen.
Einmal wird jemandem davon abgeraten, "im Büro" anzurufen, was in der entsprechenden Szene sehr ulkig klingt. Im Original ist hier vom Bureau die Rede, also vom Federal Bureau of Investigation. In einer anderen Szene erzählt jemand etwas von Attentaten in der Vergangenheit und erwähnt gewisse "Schützen auf dem Grashügel". Verschwörungsfans werden sofort wissen, dass hier auf den Grassy Knoll angespielt wird, also auf jenen Hügel am Dealey Plaza in Dallas, von dem aus weitere Schüsse auf JFK abgefeuert sein sollen. Für alle anderen ist diese Information völlig unverständlich / sinnlos.
Man sollte sich als Synchronstudio überlegen, wie viel Wissen über amerikanische Politik man dem deutschen Publikum zutrauen kann. Klar, durch CSI-Serien u. ä. kennt man schon die wichtigsten Einrichtungen wie die NSA, Homeland Security und vielleicht sogar die IRS (Steuerbehörde) und das ATF (Alcohol, Tobacco and Firearms). Aber wenn mehrere solcher Abkürzungen - und dazu noch exotische wie DOE (Department of Energy) - in einem Film vorkommen, verliert man irgendwann die Übersicht. Eine kurze Paraphrase oder auch eine Übersetzung ist dann m. M. n. besser; im letzten Fall könnte man etwa "Energiebehörde" sagen. Ganz unangebracht wäre die Wiedergabe mit deutschen Äquivalenten, wie man es in US-Krimis aus den 70ern oft hört. Andererseits fragt man sich, warum der Verteidigungsminister in 24 immer mit "Mister Secretary" statt einfach "Herr Minister" angesprochen wird. "Secret Service" sollte man aber so lassen, denn eine deutsche Entsprechung gibt es nicht (die gab es mal, aber das ist eine andere Geschichte ...), und "Geheimdienst" wäre falsch, denn der Geheimdienst der USA ist die CIA (in Deutschland der BND). Uff, jemand müsste mal eine Liste erstellen ...
Donnerstag, 19. März 2009
Bender's Game
Bei dem dritten von insgesamt vier neuen Futurama-Spielfilmen (in Deutschland als DVD-Premiere) kann ich mich relativ kurz fassen. Im Grunde gibt es an der deutschen Fassung von Bender's Game überhaupt nichts zu beanstanden! Man kann hoffen, dass dieses Niveau auch bei dem kommenden Abenteuer beibehalten wird. Ein paar Kleinigkeiten habe ich aber um des Klugscheißens Willen doch gefunden:
00:20:55
Bender in der Roboter-Psychiatrie
Psychiater: "I understand you're having trouble separating fantasy from reality."
Bender: "Says who? Was it the bugbear? Is he talking about me again?"
Psychiater: "Wie ich höre, haben Sie Schwierigkeiten, Fantasie und Wirklichkeit auseinander zu halten."
Bender: "Wer sagt das? War es das Schreckgespenst? Erzählt es wieder Unsinn über mich?"
In der deutschen Version von Dungeons & Dragons heißen "bugbears" "Grottenschrate".
00:35:48
Bender: "Death to ogres! Death to ogres!"
Bender: "Tod allen Monstern! Tod allen Monstern!"
Eine weitere Haarspalterei, die nur DnD-Geeks auffallen dürfte: ein "ogre" ist ein "Oger".
00:52:01
im Wald
Leela: "What else can we slay? Is that a hobbit over there?"
Bender: "No, that's a hobo and a rabbit. But they're making a hobbit."
Leela: "Was können wir noch erlegen? Ist das da drüben ein Hobbit?"
Bender: "Nein. Das sind 'n Hase und 'n Maulwurf, also was ganz ähnliches."
Natürlich lässt sich das Wortspiel schwer adäquat ins Deutsche übertragen, aber das mit dem Hasen und dem Maulwurf ergibt irgendwie keinen Sinn.
01:18:28
Ignus: "Search your feelings. You know it to be true."
Ignus: "Erforsche deine Gefühle. Du weißt, dass es wahr ist."
"Gefühle erforschen" klingt sehr ungewöhnlich. "Schau in dein Herz" o. ä. wäre hier besser gewesen.
Das war's auch schon. Wie gesagt - eine gelungene Umsetzung. Wer allerdings Freude an archaisierendem Englisch hat, welches die Mittelalter-Atmosphäre noch besser transportiert, sollte der Originalversion den Vorzug geben.
Montag, 16. März 2009
The Now is Future!
Ich weiß nicht, ob das hier abgebildete Produkt aus Deutschland stammt. Falls ja, können wir uns vielleicht demnächst, wenn König Pilsener international agiert, auf den Claim "The Beer of the Kings" freuen.
Danke an die Hinweisgeberin M.!
Sonntag, 8. März 2009
Pfeffer, Peperoni und co.
Ich entsinne mich einer vegetarischen Rezeptesammlung, aus dem Englischen übersetzt, in der für eine Art Ratatouille 500 Gramm grüner Pfeffer veranschlagt wurden. Unterm Tische derer, die das wortgetreu ausgeführt haben, wäre ich gern Mäuschen gewesen. Gemeint war mit Sicherheit grüner Paprika. Der heißt auf englisch auch "green pepper".
Befasst man sich weiter mit der Gattung (!) Paprika, stößt man auf eine ganze Reihe sprachübergreifender Unklarheiten. Das, was wir Deutschen als Paprika(schote) bezeichnen, ist die Art (!) Capsicum annuum. Dummerweise gibt es von dieser Art auch noch diverse Fruchttypen, u.a. die länglichen Chilischoten verschieder Schärfe und Farbe. Natürlich meinen wir, wenn wir von "Paprika" sprechen, gewöhnlich den Glocken- oder Blockpaprika-Typ, der im Englischen neben capsicum auch bell pepper heißt (vgl. die Simpsons-Episode "Dial 'N' for Nerder", wo Homer süchtig danach wird). Das englische Wort paprika gibt es auch, doch bezieht sich dieses lediglich auf das Paprikapulver, übrigens genau wie im Schweizer Sprachraum. Verkompliziert wird die Sache noch dadurch, dass die Gattung Pfeffer (lat. piper) im Englischen ebenfalls pepper heißt. Die Erklärung für diese Polysemie ist laut Wikipedia: "The misleading name 'pepper' (pimiento in Spanish) was given by Christopher Columbus upon bringing the plant back to Europe. At that time peppercorns, the fruit of Piper nigrum, an unrelated plant, were a highly prized condiment." Und was ist nun mit green, white und black pepper? Ganz einfach: Grüner, weißer und schwarzer Pfeffer sind alles Unterarten der eben genannten Spezies Piper nigrum, die auf Englisch auch wieder black pepper heißt.
Nun fragt man sich: "Wieso essen Kinder in US-Filmen so gerne Peperoni-Pizza?" Das sind natürlich Übersetzungsfehler! Peperoni (amerikanisch: pepperoni) ist nichts anderes als Salami, wobei Salami auch mit salami bezeichnet wird. Immer noch nicht verwirrt genug? Schauen wir in das Forum von leo.org: "Curiously, some pizzerias will offer both 'salami' and/or 'pepperoni' on their pizzas." Bleibt noch zu klären, wie man auf Englisch wirkliche Peperonis bestellt. Hierfür nimmt man das auf eine mexikanische Stadt zurückgehende Wort jalapeño. Und jetzt kommt's: In Deutschland kennt man Jalapeños ebenfalls, und sie werden – so Wikipedia – "oft im Kino zusammen mit Nacho-Chips unter dem Namen Peperoni verkauft". Sie gehören wiederum zur schon genannten Art Capsicum annuum, die, wie ich soeben lese, auch auf Deutsch "Spanischer Pfeffer" heißt. Oh Mann ...
Mittwoch, 4. März 2009
Threadspotting
Dienstag, 3. März 2009
Lock, Stock and Two Smoking Barrels
Vor einigen Jahren schaute ich mir die sehr gute Gangsterkomödie Bube Dame König grAS an, und dies war eines der wenigen Male, bei denen ich im Nachhinein bereut habe, die Originalversion (OT: Lock, Stock and Two Smoking Barrels gewählt zu haben. Abgesehen davon, dass der Handlung wegen ihrer für Guy Ritchie typischen Verworrenheit nur schwer zu folgen war, sprachen die meisten Charaktere übelsten Cockney-Dialekt inkl. Rhyming Slang und mir bis dahin völlig unbekannten Redewendungen.
Wie ich nun erfahren habe, wurde der Film im Großen und Ganzen sehr professionell ins Deutsche übertragen. Details kann man in dem interessanten Buch Filmsynchronisation aus übersetzungswissenschaftlicher Sicht: Eine kontrastive Synchronisationsanalyse des Kinofilms "Lock, Stock and Two Smoking Barrels" von Christopher Kurz nachlesen. Darin werden auch Synchro-Schwierigkeiten wie Lippenbewegung etc. besprochen. Ferner gibt der Autor eine kurze Geschichte der Synchronisation wieder, in der folgendes Highlight aus der Serie Die 2 (OT: The Persuaders) aufgeführt wird: Good morning, Mr Miller. wird zu Na Meisterchen, schon frisch im Schritt? Da musste ich sehr lachen. Vielleicht besorge ich mir mal die DVD und stöbere nach mehr solchen Irrsinnigkeiten ...
Freitag, 27. Februar 2009
That's a lot of porn...
Doch ich prophezeie: Bald wird es externe Festplatten geben mit *gasp* 1,5 TB Speicherplatz! Oder gar *woah* interne Festplatten mit 1 TB Speicher. Ach, gibt es ja auch schon, 2007 von Hitachi eingeführt. Wie viele Floppy Discs das wohl sind? Hunderte. Buchstäblich Hunderte.
Dienstag, 24. Februar 2009
Die Ära des Tentakels (3)
Der letzte Teil, uff!
00:55:31
Leela, Amy & Zapp im Bein des Roboters
Amy: "Leela, you're crushing me with your rock-hard butt."
Leela: "Sorry."
Zapp: "I can only imagine what rock-hard part of Leela is crushing me."
Amy: "Leela, du erdrückst mich mit deinem steinharten Arsch."
Leela: "Entschuldige."
Zapp: "Na sowas, ich will gar nicht erwähnen, welches steinharte Teil ich dazu beitragen könnte."
Es wäre hilfreich gewesen, wenn der Übersetzer sich den Film auch mal angeschaut hätte, dann hätte er nämlich gesehen, dass Zapp von einem Metallkolben geschlagen wird, den er für ein "steinhartes Teil" von Leela hält. So ist die deutsche Version sogar noch schlüpfriger geworden.
01:01:03
Yivo erscheint und spricht
Yivo: "Attention, beings of Universe Gamma."
Zoidberg: "Where?"
Yivo: "Here."
Zoidberg: "I had a hunch."
Yivo: "Hört her, Wesen des Universums Gamma."
Zoidberg: "Wo?"
Yivo: "Hier."
Zoidberg: "Ach so ist das."
Wieder eine Diskrepanz zwischen Ton und Bild! Man sieht eindeutig, wie stolz Zoidberg ist, dass er eine Vermutung darüber hatte, in welchem Universum er sich befindet. Besser wäre also gewesen: "Ich hab's geahnt!"
01:11:00
Die Abgesandten des Gamma-Universums besuchen Yivo
Yivo: "Who is it? - Oh, hi, honey-poo. What's up? The movie's not for another hour."
Yivo: "Wer ist da? - Hallo mein Süßer, was gibt's? Der Film läuft keine Stunde mehr."
Mannmannmann, das ist doch echt ein Anfängerfehler. Hier muss man auch den Sprecher kritisieren. Er merkt nicht, dass der Satz gar keinen Sinn ergibt. Aus einer Eingebung heraus wählt er dann aber eine Betonung, die eher zu dem Satz "Ich habe eine Überraschung für dich!" passen würde. Zudem hätte ich ein geschlechtsneutrales Kosewort genommen, immerhin spricht Yivo quasi das ganze Universum an: "Wer ist da? Oh, hi Schatz, was ist? Der Film fängt doch erst in einer Stunde an."
Es gibt noch einige kleinere Sachen, auf die ich aber nicht näher eingehen möchte, etwa dass "goo" unübersetzt bleibt oder dass Prof. Farnsworth seine Angestellten siezt. Manches ist auch schlicht und einfach nicht übertragbar, zB Zoidbergs "shell phone" oder die ganze Geschichte mit dem Pronomen "shklee" ("no shklit"). Ein Beispiel für eine sehr gelungene Übersetzung ist die "Sternrieche" für das "Calamatarium".
So, in ein paar Wochen gibt es dann eine Analyse der nächsten Futurama-DVD Bender's Game!
Samstag, 21. Februar 2009
The Saddest Music in the World
Ich habe das Gefühl, dass man sich bei Untertiteln noch weniger Mühe gibt als bei Synchrondrehbüchern. Mir kommt sofort ein Film in den Sinn, den ich am 1. November 2006 sah:

Diese sehr verstörende, in grobkörnigen S/W-Bildern gefilmte kanadische Tragikomödie spielt zur Zeit der Großen Depression. Dummerweise steht jedes Mal, wenn vom "Great War" die Rede ist, in den Untertiteln "Erster Weltkrieg" - als ob man damals schon wusste, dass demnächst WK II ansteht ... Ganz schwach!
Donnerstag, 19. Februar 2009
96 Stunden
Heute hatte der Action-Thriller Taken mit Liam Neeson seinen deutschen Kinostart. Seltsam dabei ist, dass der Film hierzulande unter dem Titel 96 Hours läuft.
Es ist nicht das erste Mal, dass ein Film mit einem englischen Originaltitel vom deutschen Verleih einen völlig anderen, aber ebenfalls englischen Titel erhält (bei Gelegenheit werde ich mal eine Liste mit besonders kreativen Adaptionen erstellen). Die Beweggründe liegen dabei stets im Dunkeln. Hat man etwa gedacht, die Leute werden bei dem Namen Taken an die gleichnamige Mini-TV-Serie erinnert? Abwegig. Eher denken sie an die Action-Komödie Nur 48 Stunden (OT: 48 Hrs.) aus dem Jahre 1982 und sagen sich: "Mhh, 96 Stunden sind ja doppelt so viel wie 48, dann ist das bestimmt nur halb so spannend."
Mittwoch, 18. Februar 2009
Die Ära des Tentakels (2)
Und es geht weiter ...
00:26:29
Wernstrom & Farnsworth im Oval Office
Wernstrom: "It's the greatest scientific opportunity since you sent men to the moon in 1969."
Nixon: "I always regretted that. Nothing up there but dry rocks and those revolting onion men."
Wernstrom: "Es ist die größte wissenschaftliche Herausforderung seit Sie 1969 Männer zum Mond geschickt haben."
Nixon: "Das hab ich immer bedauert. Dort oben gibt es nur Trockeneis und erst recht nichts zu trinken."
Ich sehe beim besten Willen keinen Grund, diesen grotesken Witz wegzulassen. "Dort oben gibt es nichts als Geröll und diese scheußlichen Zwiebelmenschen."
00:29:48
Bender in der Selbstmordzelle
Computerstimme: "Please select mode of death."
Bender: "Clumsy bludgeoning, please."
Computer: "You have selected clumsy bludgeoning. For an additional $10, would you like your eyes scooped out with a melon-baller?"
Bender: "What the heck, I'll treat myself."
Computerstimme: "Bitte wählen Sie die Art Ihres Todes."
Bender: "Einfaches Niederknüppeln, bitte."
Computer: "Sie haben einfaches Niederknüppeln gewählt. Für weitere 10 $ können Sie Ihre Augen mit einem Melonenkugelschneider entfernen lassen."
Bender: "Ach, zum Teufel, ich mach es selbst!"
Ein weiterer vergeigter Gag. Richtig wäre natürlich: "Ach, zum Teufel, ich gönn' mir mal was!"
00:41:06
Die Wissenschaftler kommen erneut ins Oval Office
Nixon: "You again? This better be damned important; I'm right in the middle of a Cosmo survey."
Nixon: "Sie schon wieder! Hoffentlich ist es sehr wichtig, ich bin gerade mitten in einer Kosmos-Überwachung."
Wow, das ist ja schon vom selben Schlag wie die Übersetzung von "Deep Blue" (der Schachcomputer) zu "Tiefblau". Cosmo ist natürlich die Kurzform von Cosmopolitan. Wenn man den Zuschauern nicht zutraut, diese Zeitschrift zu kennen (obwohl es die auch in Deutschland gibt), kann man durchaus eine Analogie nehmen: "Hoffentlich ist es wichtig, ich mach gerade 'nen Brigitte-Test!" Oder so.
00:44:25
Die Liga der Roboter
Calculon: "The League of Robots hasn't killed a human in over 800 years. And that was a very sick Girl Scout."
Calculon: "[...] die Liga der Roboter hat den letzten Menschen vor 800 Jahren getötet. Und das war 'ne ziemlich irre Pfadfinderin."
Vielleicht verstehe ich irgendetwas falsch, aber ich dachte, es soll betont werden, dass das letzte Opfer der Roboterliga besonders wehrlos war. Wieso also nicht "sick" einfach mit dem nahe liegenden "krank" übersetzen? Oder war hier Zensur am Werk?
Die übrigen Stellen folgen im dritten und letzten Teil der Analyse!
Dienstag, 17. Februar 2009
Die Ära des Tentakels (1)
Nachdem Futurama im Jahr 2002 abgesetzt worden war, gelang es dem Sender Comedy Central drei Jahre später, die Rechte für die bisherigen Staffeln zu erhalten - mit der Option, neue Folgen zu produzieren. 2008 begann schließlich die Ausstrahlung von insgesamt 13 neuen Episoden. Es handelt sich dabei um vier zusammenhängende Spielfilme, die hierzulande als DVDs erscheinen. Die Ära des Tentakels (OT: The Beast with a Billion Backs) ist der zweite Film.

Vorbemerkung: Die Synchronisation von Futurama oblag bis zu dessen Tod im Jahre 2006 Ivar Combrinck, der auch für Die Simpsons und Family Guy verantwortlich war. Dass Combrinck verstarb, war zwar bedauerlich, denn er war ein hervorragender Sprecher (Duffman, Zapp Brannigan u.v.m.), doch die Kritik, die er für seine Drehbücher geerntet hatte, war größtenteils berechtigt. Legendär sind zB seine Übersetzung des Rollenspiels Dungeons & Dragons als "Verliese und Drachen" (Futurama) oder "eine Träne im Raum-Zeit-Gefüge" ("a tear in the space-time-continuum", Die Simpsons). Eine Liste sämtlicher Übersetzungsfehler der ersten vier Futurama-Staffeln gibt es hier.
Für die neuen Folgen / Filme ist nun das Studio Dubbing Brothers Germany Gmbh zuständig, und gebessert hat sich nicht allzu viel. So wurde etwa bei der ersten DVD (Bender's Big Score) ein unangemessener Gossenslang verwendet. Darauf hat man bei der Snychronisation von Die Ära des Tentakels nun zwar verzichtet, aber einige grobe Patzer findet man wieder. Und zwar die hier:
(Info: Ich werde die Originalstellen immer rot färben und die deutschen grün.)
00:04:52
Amy erzählt, dass sie in die Familie ihres Lebensgefährten Kif aufgenommen werden soll
Kif: "Oh, and our parents will be meeting for the first time ever."
Bender: "Oh, that's even more awkward than Fry's two bimbos meeting each other."
Kif: "Oh! Oh! Und unsere Eltern werden sich zum ersten Mal gegenüber treten!"
Bender: "Och, das ist ja noch ätzender als das Treffen der beiden Tussies von Fry."
"awkward" sollte hier mit "peinlich" übersetzt werden, wie es bereits kurz zuvor in derselben Szene korrekt getan wurde. Bender freut sich ja regelrecht auf die peinliche Begegnung! (Wenigstens wurde "bimbos" nicht mit "Bimbos" wiedergegeben; das hab ich auch schon erlebt.)
00:05:48
Kif trifft Amys Eltern
Mrs. Wong: "Oh, Kif's parents come late and we have to stand around in swamp getting eaten alive by damn bugs?" (erschlägt einen der Käfer)
Kif: "Mrs. Wong, no. The final stage of my species' life cycle is a colony of flying hookworms. You just squashed part of my father."
Kifs Vater (formiert sich und grüßt die Eltern): "Welcome."
Mrs. Wong: "Sorry. I guess you get plenty of bugs to spare, though."
Kifs Vater: "That was my left testicle."
Mrs. Wong: "Kifs Eltern kommen zu spät und wir stehen im Sumpf herum und werden von diesen blöden Käfern aufgefressen!" (erschlägt einen der Käfer)
Kif: "Mrs. Wong, nicht! Das letzte Stadium des Lebenszyklus' meiner Art ist eine Kolonie von fliegenden Hakenwürmern. Sie haben gerade einen Teil meines Vaters zerquetscht."
Kifs Vater (formiert sich und grüßt die Eltern): "Willkommen. "
Mrs. Wong: "Entschuldigung. Sie werden doch noch einige Käfer übrig haben ..."
Kifs Vater: "Das war mein linker Hodensack."
Vielleicht nur eine Kleinigkeit, aber wieso "Hodensack"? Es ist viel witziger, wenn man annimmt, dass die Anatomie von Kifs Art relativ normal ist, auch wenn sie die Form eines Käferschwarms hat. Man beachte außerdem, dass Amys Eltern in der deutschen Fassung völlig akzentfrei sprechen. Aber das ist vielleicht besser so. Man versucht ja auch neuerdings, Hermes' jamaikanisches Englisch irgendwie wiederzugeben, doch das hört sich für mich wie ein generischer "Ausländer mit rollendem R" an.
00:16:20
Fry zweifelt, ob er bei seiner polygam lebenden Freundin einziehen soll
Zoidberg: "Take the deal, Fry. If there's a delicious cake, isn't it better to have one slice than none at all?"
Zoidberg: "Probier's einfach, Fry. Wenn es dort einen köstlichen Kuchen gibt, ist es dann nicht besser, ein Stück zu bekommen als gar nichts?"
Das "dort" ist überflüssig.
00:20:58
Bender im Krankenhaus
Bender: "I can't remember anything except a blinding light and a searing ass-pain. I better check my black box."
Bender (Mitschnitt der Blackbox): "The light, it's blinding! And the ass-pain, it's searing!"
Bender: "Ich erinnere mich an überhaupt nichts außer an ein gleißendes Licht und ein Brennen im Arsch. Ich muss mal meine Blackbox checken."
Bender (Mitschnitt der Blackbox): "Das Licht, es blendet! Und die Schmerzen im Arsch, es brennt so!"
Benders Erinnerungen entsprechen - wortwörtlich - dem Mitschnitt der Blackbox (und nachdem er sich selbst gehört hat, sagt er: "Aha, so war das also."), und das sollte man auch so rüberbringen, um den Witz zu wahren. Faustregel: Wortwiederholungen immer beibehalten!
So, das war's erstmal. Teil 2 meiner Analyse folgt morgen.
Montag, 19. Januar 2009
Live aus meinem Zimmer!
Fazit: Nachlassverwalter ist bestimmt ein interessanter Beruf.
PS: Von der Fernsehsendung Ich bin ein Star, holt mich hier raus liest oder hört man nie den richtigen Namen, alle schreiben oder reden nur vom inoffiziellen Titel "Dschungelcamp". Genau wie kein Mensch "Kinder-Überraschung" sagt; jeder sagt "Überraschungs-Ei".

