Samstag, 21. Juli 2012

Dresdner Stadtgeschichte: Das Gedicht, das keines war

Bei einem Besuch in meiner alten Heimatstadt Dresden fuhr ich auch am Kugelhaus vorbei und stellte fest, dass dort etwas fehlte: etwas, das ich zum Glück zwei Jahre zuvor fotografisch festgehalten hatte. Es geht um diesen Banner. (zur Großansicht klicken) 


Dabei war es gar nicht der falsch gesetzte Apostroph bei "ne", der mir Bauchschmerzen bereitet hatte, sondern der Spruch an sich. Der jambische Tetrameter in den ersten zwei Zeilen erweckte den Eindruck, man hätte es mit einem Gedicht zu tun. Aber dann: ZACK! Bruch im Versmaß. Ich hatte mir eine Reihe sich tatsächlich reimender Werbesprüche ausgedacht. 

Das Kugelhaus am Wiener Platz,
für Jung und Alt ein wahrer Schatz. 

Oder: 
Das Kugelhaus am Wiener Platz, 
hier ist kein Einkauf für die Katz. 

Etwas "wilder":
Das Kugelhaus am Wiener Platz, 
hier fliegt die Kuh, hier grast der Spatz. 

Und mein Favorit: 
Das Kugelhaus am Wiener Platz, 
und damit endet dieser Satz.  

Warum die Außenwerbung schließlich abgenommen wurde, weiß ich nicht. Der Modeladen im Erdgeschoss zumindest hatte während meines Besuches gerade Räumungsverkauf, und das "Sky"-Restaurant im Dach des Hauses hat schon Anfang des Jahres zugemacht (von heute auf morgen, wie zu lesen war: Die Angestellten standen eines Tages vor verschlossenen Türen, und der Chef war nicht aufzufinden). Schade. Offenbar ist das heimliche Motto des glücklosen Baus:

Das Kugelhaus am Wiener Platz:
Erwarte keinen Traumumsatz.

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