Freitag, 17. Januar 2014

Albernes zum Wochenschluss

Warum Familien scheitern
(Dramolett)  

PERSONEN 
Malle, Vater: grobschlächtig, von Beruf Stelzenläufer, wiegt 110 kg 
Danara, Mutter: blaues Haar, Koffersprengerin, verheiratet
Bierstübl, Sohn: Druide der Stufe 12, chaotisch neutral, Spezialfertigkeit: Verwandlung in einen Wolf
Nullboom, Tochter: ist erst 17 Jahre alt, sehr hübsch, wohnt bei ihren Eltern (s.o.)

ORT
Wohnzimmer / Abendbrottisch

Danara: [Mahlzeiten kredenzend] Soooo. Hier ist Nahrung. Brot mit Marmelade. Und jede Menge Konfitüre dabei. Schmecken soll's euch!
Nullboom: Mir ist nicht nach Essen zumute. Ich habe Bulimie.
Bierstübl: Haha! Mehr für mich!
Nullboom: Du bist doof! Ich esse trotzdem – nur um dich zu ärgern. Später kann ich's ja immer noch auskotzen. 
Malle: [von der Arbeit kommend] Ich habe Hunger wie ein Brüllaffe! Rieche ich hier Marmelade?
Danara: Ja, Malle. Lass es dir schmecken. Hier hast du ein Glas Wassers.
Malle: [trinkt, hält inne, klopft dann auf den Tisch] Dieses Wasser muss entsäuert und geflockt werden!!!
Bierstübl: Die Ananaskonfitüre ist sehr bekömmlich.
Danara: Danke.
Nullboom: Schleimer!
Malle: Ruhe! Ich bin kaputt vom Tagwerk. Meine neuen Stelzen sind 40 Meter lang. Das ist eine Zumutung, sag ich euch!
Danara: Wir werden morgen für dich beten.
Nullboom: Ich will nicht beten. Ich bin Heidin.
Malle: Was? Die Tochter verweigert das Gebet? Das verkrafte ich nicht. Sohn! Tritt an ihre Stelle!
Bierstübl: Biste doof, Alter, ey?
Danara: Bierstübl! Wie redest du mit dem Mann? Das soll nicht sein.
Malle: Hat sich denn die ganze Welt gegen mich verschworen?
Danara: Lass ab vom Hader! Wir haben Rum gekocht. Trinke Rum. Er wird dir gut tun. 
Malle: [schwingt einen Stuhl durch die Luft] Zuckerrohrschnaps, ick hör dir trapsen!
Nullboom: [holt eine Flasche] Trink, Malle. Trink um des Trinkens Willen!
Bierstübl: Das Getränk ist tödlich. Hihihi. Davon stirbt man.
Danara: Hör nicht hin, Malle. Nimm nur einen kräftigen Schluck.
Malle: [trinkt] Das mundet. Wenn das Zeug wirklich giftig ist, dann wird's zum doppelten Genuss!
Bierstübl: Ha! Der alte Bock wird einsichtig kurz vor seinem Tode. Das lob ich mir.
Nullboom: [rührt lustlos im Marmeladeglas] Da sind Stückchen drin, die Kirschen sind.
Danara: [ein Französischwörterbuch holend] Cerises!
Malle: Je suis mort! Au secours! [stirbt]
Danara: Was machen wir jetzt?
Bierstübl: Schalt das Radiogerät ein. Vielleicht bringen sie etwas über Vaters Tod!
Nullboom: [verträumt] Holst du jetzt den Ersatzvater, Danara?
Danara: Der ist noch nicht ausgepackt. Außerdem liegt er in der Garage.
Bierstübl: [aufschreckend] Huch! Vater war der einzige, der die Garage aufschließen konnte! alle: C'est la vie! Lasst uns die Marmelade preisen. [dies tun sie, tanzend]
[langsam ausblenden]
ENDE. 

Anmerkungen für die Nachwelt:
Diesen Text aus dem Januar 2005 finde ich bis zum letzten Drittel recht okay, ab dann aber extrem schlecht. An dem offensichtlichen Versuch, Eugen Egner zu imitieren, bin ich grandios gescheitert. Einige Hintergrundfakten sind dennoch ganz wiedergebenswert. "Bierstübl" wollte tatsächlich einmal ein Elternpaar seinen Sohn nennen; das Standesamt hat allerdings interveniert, wovon ich in der Zeitung las. Bierstübls Eigenschaften ("Druide der Stufe 12" usw.) stammen natürlich aus Dungeons & Dragons. "Lass ab vom Hader" ist die Übersetzung einer Sprichwortzeile aus dem Sanskrit, die mir gut gefiel. "Wasser entsäuern und entflocken" kam auf einem Aushang im Fachbereich Hydrowissenschaften der TU Dresden vor – darüber musste ich schmunzeln. Mit dem ungeschickten Satz "Da sind Stückchen drin, die Kirschen sind" hat unsere Französischlehrerin in der Schule einmal eine Clafoutis aux cerises umschrieben. Wie ich auf den Namen "Nullboom" gekommen, kann ich nicht mehr rekonstruieren.

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