Mittwoch, 9. Dezember 2015

What's Love Got to do With It?

Das kürzlich angesprochene Buch "The Language of Food" entpuppt sich mehr und mehr als wahre Goldgrube. Im zuletzt von mir gelesenen Kapitel wurde ein Thema gestreift, dessen ich mich in einem meiner allerersten Beiträge in diesem Blog angenommen habe, nämlich der semantischen Entleerung bzw. dem Verlust der Eigenbedeutung von "to love" im v.a. amerikanischen Englisch, wofür der Autor den Terminus "semantic bleaching" verwendet. Mein damals geäußerter Verdacht, dass Sätze wie "I loooove sand castles!" eine relativ junge Erscheinung sind, wird bestätigt, auch wenn ich mit der Schätzung von 50 Jahren leicht daneben lag. Der Linguist Erin McKean hat Ende des 19. Jahrhunderts festgestellt, dass junge Frauen in dieser Zeit damit anfingen, love zu generalisieren und auf unbelebte Objekte (Lebensmittel!) zu beziehen. (a.a.O., S. 95) Außerdem wird das Buch "Anne of the Island" (dt. "Anne in Kingsport") von 1915 zitiert; eine ältere Frau sagt darin:
"The girls nowadays indulge in such exaggerated statements that one never can tell what they do mean. It wasn't so in my young days. Then a girl did not say she loved turnips, in just the same tone as she might have said she loved her mother or her Saviour."
Merkwürdig finde ich, dass mir die Verwendung von "lieben" in Bezug auf eigene Kinder im Jahr 2009 noch befremdlich erschien. Das kommt mir heute völlig normal vor. Und zum Saviour fällt mir nur der gehässige Satz ein: "Wenn du Jesus so sehr liebst, warum heiratest du ihn dann nicht?" Ich weiß gar nicht, ob der aus den "Simpsons" stammt oder mir selbst eingefallen ist.

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