Dienstag, 2. August 2016

Hier irrt der Beatpoet

Erfundene Geschichten und romantische Fabeln, die erzählen, was geschehen würde, WENN ..., diese Geschichten sind für Kinder und Schwachsinnige, die Angst haben, in den Spiegel zu schauen, wenn sie krank sind, oder verletzt, oder verkatert, oder verrückt.
Was für eine schlechte Meinung, was für ein mieses Verständnis von Literatur! Erstens ist die Zahl der Geschichten, die wirklich passiert sind, endlich; zweitens ist das Dazuerfundene, das Ausschmückende oft das Salz in der Erzählsuppe; drittens: Woran erkennt man eigentlich "Schwachsinnige", wenn sie verrückt sind?; viertens gibt es halt Menschen, die nicht ständig so tolle Sachen erleben, die sie aufschreiben könnten, die aber trotzdem gerne schreiben – und sich deswegen Dinge ausdenken müssen (was wiederum so viel Zeit in Anspruch nimmt, dass sich biographische Abenteuer gar nicht ergeben können)! Ständig on the road sein und mal eben zwischen Laudanumexzess und Billardkneipenschlägerei lässig am Lagerfeuer einen Generationenroman runtertippen: Diese hehre Vorstellung von Buchstabenkunst kann der feine Jack Kerouac, von dem das obige Zitat stammt, mal schön für sich behalten! Entnommen ist es übrigens dem Romänlein "Satori in Paris". Das gesamte Bedeutungsspektrum des japanischen Wortes satori möge sich jede/r selbst erlesen und erschließen, mir ist dieser buddhistische Zinnober zu hoch. Dass es eine Abfluss-Kanalreinigung Satori GmbH in Frankfurt gibt, finde ich indes ganz schön.

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