Mittwoch, 31. Dezember 2025

Jahresausblick 2026

Ende 2024 schrieb ich über jenes Jahr, es sei "global gesehen das neunte beschissene Jahr in Folge" gewesen, und: "Wäre doch gelacht, wenn wir mit 2025 nicht die Zehn vollmachten!" Das ist uns gelungen. Ich finde mittlerweile gar keine Worte mehr dafür, um auszudrücken, wie sehr ich es hasse, in dieser Zeit zu leben. Es muss doch irgendwann mal irgendetwas besser werden ... Nun, schauen wir mal, was 2026 planmäßig für uns bereithält.

Es steht mal wieder ein Superwahljahr ins Haus: In Berlin, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt wird das Abgeordnetenhaus resp. Länderparlament gewählt. Bulgarien bekommt den Euro. Die Vereinigten Staaten von Amerika treten pünktlich zu ihrem 250-jährigen Bestehen aus der Weltgesundheitsorganisation aus. In Mailand und dem mir bis eben unbekannten Cortina d’Ampezzo werden die Olympischen Winterspiele und wenig später die Paralympischen Winterspiele ausgerichtet. Für uns in Mitteleuropa besondere astronomische Ereignisse sind die totale Sonnenfinsternis am 12. August und die partielle Mondfinsternis am 28. August. Die NASA startet die Mondmission Artemis II. Die Sonde Voyager 1 wird sich währenddessen, 49 Jahre nach ihrem Launch, einen Lichttag von der Erde entfernt haben. In Amerika (= USA, Kanada, Mexiko) findet die Fußball-WM statt. Wikipedia wird 25 Jahre alt.

100 Jahre alt geworden wären: Jerry Lewis, Siegfried Lenz, Elizabeth II., Leslie Nielsen, Marilyn Monroe, Valéry Giscard d’Estaing, Fidel Castro, Michel Foucault und Ingeborg Bachmann. 100 Jahre alt wird (so Gott will) Mel Brooks! Karl Liebknecht hat seinen 200. Geburtstag, E. T. A. Hoffmann seinen 250., weswegen dem Mann-Jahr das Hoffmann-Jahr folgt, außerdem ist (immer noch) Rilke-Jahr (150. Geburtstag 2025; 100. Todestag 2026).

Wie gehabt kommt das Schönste zum Schluss: die NATUR DES JAHRES. Dem Kleinen Abendsegler wird die Ehre zuteil, 2026 und noch im Folgejahr Fledermaus des Jahres zu sein. Der Alpensalamander ist der Lurch des Jahres, der Europäische Wels der Fisch des Jahres – nichts anderes habe ich nach all den Wels-News 2025 erwartet! Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist Schmetterling des Jahres, der Warzenbeißer das Insekt des Jahres, die Streifenkreuzspinne die Spinne des Jahres, das Weichtier des Jahres steht noch nicht fest. Den Titel "Pilz des Jahres" darf der Igelstachelbart tragen, während der Pinselschimmel Penicillium zur Mikrobe des Jahres erkoren wurde. Blume des Jahres ist der Feld- oder Ackerrittersporn, Baum des Jahres die Zitterpappel. Die Gartenbohne ist – das mag überraschend kommen – die Giftpflanze des Jahres, die Gemeine Nachtkerze hingegen Heilpflanze des Jahres; die Schönaster ist die Staude des Jahres. Gratulation an alle!

Und an alle, die das gelesen haben: Danke, danke, danke! Guten Rutsch, viel Gesundheit und Liebe. Ich würde mich freuen, wenn ihr mich auch in meinem zwanzigsten Bloggerjahr begleiten tätet.

Montag, 29. Dezember 2025

Traumprotokoll: Tierverwertung

Im Traum startete ein großer deutscher Lebensmittelkonzern eine umfangreiche Werbekampagne: In einem TV-Spot erklärte eine PR-Person, dass das Unternehmen an "eine große Menge Fleisch von exotischen Tieren" gekommen sei und dieses in den nächsten Monaten in ihren Produkten, hauptsächlich Convenience-Food, zu verarbeiten plane. "In jedem dritten Produkt von uns finden Sie statt den üblichen Fleischsorten eine ganz besondere", wurde versprochen. "Keine Sorge, es ist alles transparent, der jeweilige Inhalt ist auf der Verpackung eindeutig ausgewiesen." Es sei dies ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung und zudem eine einmalige Chance für Feinschmecker. Ein Testimonial am Ende des Clips sagte in die Kamera: "Ich als Fan von Bushmeat werde da auf jeden Fall zuschlagen!"
Auch ich fand das äußerst verlockend und erklärte ungefragt in den Raum hinein: "Das muss ich alles kaufen! Schließlich habe ich mir vorgenommen, einmal im Leben jedes Tier zu probieren." (Stimmt gar nicht.)
Also ging ich umgehend in einen Supermarkt und steuerte das Regal mit dem Sortiment des Konzerns an. Instant-Nudel- und Reisgerichte, Mikrowellenmahlzeiten und Tiefkühlessen standen nebeneinander, und tatsächlich: An jeder dritten Verpackung klebte ein unübersehbares Sonderetikett, auf dem stand, welches Tier verarbeitet worden war. Ich erinnere mich leider nur noch an drei: "Affe", "Gramme" (?) und "Aal", wobei ich hinsichtlich des Aals noch dachte, dass der ja nun nicht sooo exotisch sei. Auch fragte ich mich, wie sie es schafften, dass exakt jedes dritte Produkt Spezialware ist. Woher die toten Exoten eigentlich stammten, interessierte mich nicht.

Sonntag, 28. Dezember 2025

Triumph des Wissens

Hin und wieder kommt es vor, dass ich beim "Jeopardy!"-Schauen die Antwort auf eine Frage (bzw. die Frage auf eine Antwort) weiß, die keine/r der drei Kandidaten zu liefern in der Lage war. Neulich zum Beispiel wurde bei "Final Jeopardy", also in der Endrunde, der Hinweis gegeben (frei übersetzt): "In ihrem Nachruf in der New York Times hieß es 2016 über diese Autorin, sie habe den Ruf einer 'Garbo der Literatur' erlangt." – 'Das kann nur Harper Lee sein!', schoss es mir durch den Kopf, und das wäre richtig gewesen. Die drei Teilnehmenden jedoch waren nicht drauf gekommen. Da habe ich mich gefreut.

Noch mehr freue ich mich, wenn sich solche "Triple Stumpers" in Kategorien zum englischen Wortschatz ergeben und ich trotzdem mit der korrekten Lösung dienen kann. Letztens etwa fiel niemandem an den Podien das Adjektiv putrid ein, mir allerdings schon. Ein anderes Mal wurden Wortpaare abgefragt, die sich jeweils um nur einen Buchstaben voneinander unterscheiden, und im Gegensatz zu den drei Spielern hätte ich richtigerweise mit "peek/peer" und "revenge/revenue" antworten können.

Tja, aber was außer einen Moment des stillen Stolzes habe ich von solchen "Armchair"-Triümphen? Nichts. Deswegen sei es mir erlaubt, wenigstens an dieser Stelle mit meinen gelegentlichen Wissensvorsprüngen zu prahlen.

Freitag, 26. Dezember 2025

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Amsterdam
David O. Russell ist ein Name, der sich nicht sofort aufdrängt, wenn man an die erste Riege von Hollywood-Regisseuren denkt (auch ich hatte ihn nicht auf dem Schirm), der aber mit einigen Preisabräumern der jüngeren Vergangenheit verbunden ist ("Silver Linings Playbook", "American Hustle", "The Fighter"). Man merkt denn auch, dass "Amsterdam" begierig in Richtung Oscar & Co. schielt. Den erhofften Erfolg und nachhaltigen Status konnte das 134-Minuten-Epos von 2022 bekanntlich nicht erreichen, was schon daran liegen mag, dass es sich gar nicht um das Epos handelt, als das es sich verkauft, sondern um eine relativ schnörkellose Freundschaftsgeschichte, die sich um einen dubiosen Todesfall dreht und in mehreren, sich über Jahrzehnte erstreckenden Akten erzählt wird. Man könnte gehässig das Prädikat "aufgebläht" gebrauchen. Vieles an dem opulenten Historiendrama mochte ich aber: den beachtlichen Cast, das Licht, die Gegenwartsbezüge. Klarer Fall von "5 von 10 Punkten".

You Can't Run Forever
Das dürfte ein Novum sein: ein Film mit J. K. Simmons, der derart belanglos ist, dass er nicht mal einen deutschsprachigen Wikipedia-Eintrag hat. "Warum hat sich dieser über jeden Zweifel erhabene Topmime überhaupt für so einen Kokolores hergegeben?", fragte ich mich nach dem Ansehen dieses 2024er-"Unhinged"-Klons. Die Antwort ist schnell gefunden, in der englischsprachigen Wikipedia: "Simmons confirmed in an interview with MovieWeb that the making of the film was a family collaboration since his wife co-wrote and directed the film, his brother-in-law produced it, his son composed the score of the film and his daughter makes an appearance in the film." Und das ist ja nun irgendwie rührend. Trotzdem: Man kann sich diesen Menschenjagd-Thriller, der bei der Figurenzeichnung alles falsch macht, indem er nämlich die Sympathien von Anfang an brachial einseitig, ohne Raum für Zwischentöne verteilt, sparen.

Lee
Meine hohen Erwartungen erfüllt hat dieses so aufschlussreiche wie bewegende Biopic von 2023. Dass sich eine erfahrene Kamerafrau (Ellen Kuras) des Lebens der Kriegsfotografin Lee Miller angenommen hat, erwies sich als ebenso großer Glücksgriff wie die Besetzung der Hauptrolle mit Kate Winslet.
Leicht irritiert hat mich nur eins: dass Andy Samberg in diesem – einzelner komischer Momente wie der legendären Badewannenszene ungeachtet – eher finsteren Film mitspielt. Das ist freilich nur mein persönliches (Miss-)Empfinden. Ich gönne Samberg seinen Ausflug ins ernste Fach und finde sogar, dass er den Fotografenkollegen David Scherman glaubhaft rüberbringt. Für mich ist sein Anblick hierin halt ... schwer zu fassen. Den goofy Comedian, den ich sieben Jahre bei "Saturday Night Live" belacht und erst kürzlich als Stimme in dem albernen Zeichentrick "Digman!" erlebt habe, zu sehen, wie er schwer bestürzt durch ein befreites Konzentrationslager schleicht, das passte für mich irgendwie nicht zusammen. Wie gesagt: That's just me. Ansonsten empfehle ich "Lee" als fesselnde Geschichtsstunde uneingeschränkt.

Oh la la - Wer ahnt denn sowas? (OT: Cocorico)
Diesen Film hätte ich mir gewiss niemals bewusst ausgesucht, handelt es sich doch um eine französische Komödie, aber er war ein Programmpunkt beim lokalen Sommer-Open-Air-Kino (ja, ich hänge mit meinen Filmrezensionen Monate hinterher ...), und da nahm man ihn gerne mit. In lockerer Atmosphäre, mit Weinchen auf der Picknickdecke, funktioniert so ein seichter Euro-flic denn auch erstaunlich gut. Der Familienspaß mit Christian Clavier spielt mit nationalen Klischees und reproduziert Vorurteile bis zur Dekonstruktion, wobei ich die Witze über Deutsche selbstverständlich am komischsten fand. Klar, das Drehbuch gefällt sich mitunter – typisch französisch halt – gar zu sehr in seiner politischen Unkorrektheit, aber letztlich sind die Ziele des Spottes allein die Mitglieder zweier Familien unterschiedlicher Schichten (soziologisch durchaus interessant, wie prägend und bedeutsam der "Stand" im Nachbarland anscheinend immer noch ist), die am Ende natürlich geläutert sind und einander versöhnen.

Hair
Wieder hat es ein Musical in die Liste geschafft, dessen Songs ich großteils kannte (u.a. aus dem Musikunterricht), dessen Verfilmung (Miloš Forman, 1979) ich aber nie gesehen hatte. Und was für ein Erlebnis mir da entgangen war!
Schleierhaft bleibt mir, wie "Hair" eine FSK-Freigabe ab 6 Jahren erhalten konnte. Es wimmelt von Drogenverherrlichung, Freizügigkeit, Propagierung freier Liebe und Anti-Establishmentarianismus. Allein die verbalen Frivolitäten in "Sodomy"! In diesem Zusammenhang frage ich mich, ob Donald Trump dieses Musical bereits öffentlich verdammt oder gar aus der Library of Congress entfernen lassen hat. Andererseits haben bestimmt viele von seinen Goons die eingängigsten Lieder damals begeistert mitgeschmettert.
Apropos schmettern: Niederschmetternd fand ich das Downer ending, das ich nicht habe kommen sehen.

A Haunting in Venice
Die dritte Poirot-Verfilmung von und mit Kenneth Branagh ist zugleich die erste, die ich überhaupt sah, denn im Gegensatz zu "Mord im Orient Express" und "Tod auf dem Nil" kannte ich weder Agatha Christies Vorlage ("Die Schneewittchen-Party") noch frühere Adaptionen, konnte mich also, gleich der belgischen Spürnase, unvorbereitet in den Fall stürzen. Der ist diesmal weniger vertrackt und doppelbödig als in Christies berühmteren Whodunits, sondern eher "murder mystery by the numbers", außerdem recht bedrückend. Zur schwermütigen Stimmung trägt das angemessen unheilvoll in Szene gesetzte, fast durchgängig nächtliche Venedig bei; es knarzt und tropft und spukt in allen Ecken, so dass man sich von dieser Stadt so abgestoßen fühlt wie seit "Wenn die Gondeln Trauer tragen" nicht mehr. Einzig Tina Fey bringt ein wenig Leichtig- und Heiterkeit in das Szenario.

Wallace & Gromit: Vengeance Most Fowl
Der erste W&G-Langfilm seit "Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen" (2005) liefert genau das kurzweilige Vergnügen, das Fans sich erhofft haben dürften. Kreative Knetaction, viel Herz und ein Humor, der bei Kindern wie Erwachsenen funktioniert – hach, wie wohltuend in Zeiten von KI-Slop!

Über den Dächern von Nizza (OT: To Catch a Thief)
Nach wie vor bin ich (leider!) meilenweit davon entfernt, ein Hitchcock-Kenner zu sein, wohl aber liebe ich es, mich von solchen über Klassiker wie "To Catch a Thief" aufklären zu lassen, und dieses für einen Thriller geradezu beschwingte Katz-und-Maus-Spiel pünktlich zu seinem 70. Geburtstag nachzuholen, war mir eine umso größere Freude, als ich kurz zuvor Jens Wawrczecks herrliche Hitch-Bibel "How to Hitchcock" gelesen hatte. Vieles, was man darin über "To Catch a Thief" erfährt, ist auch der entsprechenden Wikipedia-Seite zu entnehmen, etwa Hintergründe zu den gewagten sexuellen Anspielungen oder den Fakt, dass in der deutschen Synchronisation praktisch alle Verweise auf die Résistance getilgt wurden.
Man sieht Cary Grant und Grace Kelly gerne zu, einen besonderen Hingucker stellt jedoch die Côte d'Azur dar, die hier fast schon übertrieben schwelgerisch in Szene gesetzt wurde (sonnengetränkte Strandblicke, laaange Autofahrten über die Grande Corniche ...). Dafür ein Bonuspunkt.

Downhill
Will Ferrell und Julia Louis-Dreyfus in den Hauptrollen, dazu das oscar-prämierte Duo Nat Faxon und Jim Rash auf den Regiestühlen sowie als Drehbuchautoren (gemeinsam mit Jesse Armstrong, u.a. "The Thick of It"), da kann doch eigentlich nix schiefgehen, möchte man meinen. Und doch hat mich diese Skifahrkomödie von 2020 eher, passend zum winterlichen Setting, kalt gelassen. Dass vieles daran nicht zündet, liegt vielleicht daran, dass es sich um das US-Remake einer schwedischen Dramedy handelt (die ich nicht kenne). Wobei anzumerken ist, dass das Grundthema (Ehemann denkt in einer Notsituation nur an sich, statt seinen/r Angetrauten zu helfen) bereits 2001 in der "King of Queens"-Folge "Oxy Moron" gewitzter verhandelt wurde. Schade, dass Will Ferrell, dessen Rolle hier reichlich undefiniert ist, nun schon zum wiederholten Male nicht dem komödiantischen Niveau gerecht wird, für das er jahrelang ein Garant war.
Von einer veritablen Gurke muss man freilich nicht sprechen; hübsch ist z.B., dass "Downhill" komplett in Österreich gedreht wurde, und auch einige Nebendarsteller wissen zu amüsieren (Kristofer Hivju!).

Eat Pray Love
Tja, was lässt sich über diese Buchverfilmung sagen? Mit Tiefgründigkeit oder Subtilität sticht der harmlose Transformationstrip von 2010 nicht hervor. Ich muss schmunzelnd nicken, wenn ich auf Wikipedia Zitate aus Kritiken lese: "Augenschmaus ohne Seele, der ernst zu nehmende Probleme einfach ausblendet." (Cinema) "Selbstfindung à la Hollywood – wo das Verspeisen eines Nudelgerichts als Hochkultur durchgeht, bleibt wahre Erkenntnis eben zwangsläufig auf der Strecke." (Filmstarts.de) Die Message des biographischen Bestsellers: Mit genügend Geld und beruflicher Unabhängigkeit kannst du deinen Problemen einfach davonreisen und deine Depressionen wegmeditieren. Dass ausgerechnet Ryan Murphy für diesen Schmonzes verantwortlich war (Regisseur und Co-Autor), hätte ich in eintausend Jahren nicht erraten!
Und doch ist diese Juliarobertsiade zumindest nicht ohne visuellen Reiz. Die exotischen Locations sind hier die wahren Stars und zeigen sich von ihren Schokoladenseiten; das ist cinematographische Tourismusförderung, die ich goutieren kann.

Sonntag, 21. Dezember 2025

Weihnachten, fröhliche

Das hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass ich mal einen Weihnachtsbaum in der Wohnung stehen haben würde, allein schon deshalb, weil in meiner alten Wohnung gar nicht genug Platz dafür gewesen wäre. But here we are!

Ich verabschiede mich für ein paar Tage in die Weihnachtspause. Bis zum Ende des Jahres werden aber noch mindestens drei Beiträge erscheinen. Eine schöne Zeit wünsche ich allen!

Freitag, 19. Dezember 2025

Kurz notiert: Cyborg-Invasion

Randnotiz im Spiegel vom 12. Dezember: "Eine Million Humanoide bis 2030. Humanoide Roboter stehen kurz vor dem industriellen Durchbruch. Schon 2026 soll die Serienproduktion erster Modelle starten [...]"

Da hatte ich kurz einen "So fangen dystopische Horrorfilme an"-Moment. Man liest oder hört eine Meldung, denkt sich nichts dabei, blättert um oder zappt weiter, und SCHNITT!, überrennen Robo-Armeen die Welt und versklaven uns. Ähnlich war es vor ein paar Jahren, als ich mit ein paar Kollegen auf einen nächtlichen Absacker in einer Bar saß und im Hintergrundfernsehen etwas über Chancen und Gefahren von KI gezeigt wurde. "In einem Science-Fiction-Film, der harmlos beginnt, würde man jetzt von dem Bildschirm auf uns schwenken, während wir das Foreshadowing heiter schwatzend ignorieren", bemerkte einer von uns sinngemäß.

Mittwoch, 17. Dezember 2025

Vorsatz für 2026ff.: Bonn besuchen

Im Jahr 2004 war ich zum gleichzeitig ersten und letzten Mal in Bonn. Dabei ist die ehemalige Bundeshauptstadt möglicherweise einen zweiten Besuch wert, wurde doch im dortigen Haus der Geschichte soeben eine neue Dauerausstellung eröffnet, ein Vorgang mit großer "staatspolitischer Bedeutung", wie die FAZ am 10. Dezember vermerkte. Mit Schwerpunktkapiteln, "geglückten Neujustierungen" und dem Willen, "der Zeit von 1990 bis 2025 nun ebenso viel Raum [zu geben] wie der Zeit von 1949 bis 1989", ist die Schau mehr als eine Geschichtsstunde oder eine Rückschau politischer Großereignisse; ja, die FAZ moniert sogar, dass die politischen Akteure auf einige wenige Objekte mit Symbolcharakter (Kohl Strickjacke!) reduziert wurden bzw. fast gänzlich weichen mussten, zuvörderst den Ottonormalbürgerinnen und -bürgern und deren Alltagsleben. Das nun aber finde ich höchst interessant: "durch eine Schaufensterlandschaft der Siebziger zu spazieren oder das – womöglich eigene – Kinderzimmer der Neunziger zu entdecken". Was oder vielmehr wen findet man nämlich in einem solchen Kinderzimmer unter anderem? Super Mario! Das steht zwar nicht in erwähntem Artikel, wohl aber in der Unterschrift eines Bildes, welches überhaupt erst meine Aufmerksamkeit beim gestrigen hektischen Feuilletonnachholen erregte. Nintendo im Haus der Geschichte – dass Deutschland das noch erleben darf, hach ... Nichts wie hin, let's-a go!

Montag, 15. Dezember 2025

Die Renten sind sicher (nicht besonders hoch)

Mit großem Tschingderassabum hat der Bundestag kurz vorm Nikolaustag das heiß erwartete Rentenpaket verabschiedet, und ich würde gerne für die Nachwelt stichpunktartig festhalten, was dieses beinhaltet, doch leider falle ich nach spätestens fünf Sekunden in einen Tiefschlaf, wenn ich versuche, mich mit dem Thema Rente zu beschäftigen. Jahrelang war ich davon ausgegangen, dass ich als Freiberufler eh nicht davon betroffen wäre, bis ich irgendwann einen Rentenbescheid erhielt, der mir in Aussicht stellte, in weiter Zukunft einen monatlichen Betrag überwiesen zu bekommen, der höher als ein klägliches Taschengeld ausfallen würde. Ich war's zufrieden und dachte nicht mehr daran ... bis ich dieses Jahr abermals von der Rentenkasse Hessen angeschrieben wurde. Diesmal wurde ich gebeten, persönlich vorstellig zu werden, um Unvollständigkeiten in meiner Erwerbshistorie zu klären. Ich zog in Erwägung, diesem Horrortermin durch Vortäuschen meines Todes zu entgehen, aber das wäre zu aufwendig geworden. Also fuhr ich zur Rentenversicherungsanstalt, und was soll ich sagen? Sämtliche Lücken in der Einkommensbiographie konnten unkompliziert und in weniger als einer Stunde geschlossen werden. (Das war übrigens das erste und einzige Mal in fünfzehn Jahren, dass jemand meine Promotionsurkunde sehen wollte.) Kurzum: Auch wenn ich nach wie vor kein Fan von solchen Erwachsenendingen bin, hätte das weitaus unangenehmer laufen können.

Letzten Monat erreichte mich nun der aktualisierte Rentenbescheid. Man höre und staune und schlackere mit den Ohren: Ab 1. November 2048 werde ich jeden Monat eine Rente von 712 Euro kriegen, und zwar nach der pessimistischsten Rechnung! Geht man von einer regelmäßigen Rentenerhöhung von 2 Prozent aus, käme ich sogar auf eine Summe von ca. 1100 Euro. Und das ist nun witzig, denn erst vor wenigen Tagen erzählte der Entertainer Harald Schmidt in einem Interview, dass seine Rente ebenfalls 1100 Euro betrage. So etwas liest man ja immer mal wieder: dass ein Schlagerstar, eine ehemalige Nachrichtensprecherin oder ein Schauspieler sich mit einem Ruhegeld in dreistelliger Höhe begnügen muss. Die Zeitungen bauschen das verlässlich zu Sensationsmeldungen auf – was mich verwundert, denn gerade in der Medienbranche gibt es doch viele Selbstständige, die eigentlich wissen sollten, dass "selbstständig" eben auch heißt, sich selbstständig um die Altervorsorge zu kümmern. Die Denke hinter derartigen "Promi-News" ist wohl: "Hehe, das wird der Lohnsklavenpöbel mit einer Mischung aus Häme und Unglaube aufnehmen und mit schön vielen Tränenlach-Emojis quittieren!" Fakt ist, dass die 1100 Euro des Herrn Schmidt (von denen zudem 300,- vom Landesversorgungswerk für Theaterschaffende kommen) gewiss nicht das Gros seiner Alterssicherung stellen. So wird es auch bei mir sein; mögen mir die ETF-Götter gnädig sein! Dass ich das versprochene Rentenniveau erreiche, verdankt sich freilich der Künstlersozialkasse, der ich wohlweislich an jedem Jahresende ein großzügig aufgerundetes zu erwartendes Einkommen mitteile, auch wenn dies meinen Krankenkassenbeitrag in ärgerliche Höhen treibt ... halt, bitte nicht einschlafen, ich bin gleich fertig!

Wo ich schon die Karten offen auf den Tisch lege: Dem Rentenbescheid entnehme ich, dass mir bereits jetzt bei voller Erwerbsminderung immerhin 484 Euro Rente zustünden. Doch was würde "arbeitsunfähig" in meinem Fall bedeuten? Wenn ich nicht mal in der Lage bin, Texte zu verfassen, dann will ich, ganz ehrlich, überhaupt nicht mehr leben.

Sonntag, 14. Dezember 2025

... und sie schrie'n nach Klopapier

Im Juni 2017 hielt ich folgendes Rewe-Erlebnis fest:

Im Supermarkt kaufte ich unter anderem Kamille-Toilettenpapier. Bevor die Kassiererin das Produkt scannte, hob sie es an, hielt es sich vors Gesicht und unterzog es einer intensiven Geruchsprobe. Da musste ich grinsen.

Kamille! Ja, ich gebe es zu: Mit extravaganten Düften und Aromen, zumal in Verbindung mit dem Aufdruck "Limited Edition", kriegt man mich. Und mit "man" meine ich die Hersteller von Drogerieprodukten wie Weichspüler, Geschirrspülmittel oder eben Toilettenpapier. Diese Woche lockte abermals Rewe mit einem speziellen Angebot aus diesem Bereich: Zewa Ultra Soft "Wolkenweich" für 3,99 Euro. Diese Sorte ("NEU!") hat Zewa offenbar anlässlich seines 65. Geburtstags entwickelt. Ob das Papier wirklich weich wie Wolken ist und wonach es riecht, werde ich allerdings vorerst nicht erfahren, denn im Regal entdeckte ich eine weitere zeitlich limitierte, noch abgefahrenere Sorte namens "Mountain Glow". Da musste ich grinsen und gab dieser den Vorzug.

Freitag, 12. Dezember 2025

6-7

Liebes Tagebuch,

genau eine Woche ist es her, dass ich zum ersten Mal jemanden im echten Leben das "Six-Seven"-Meme habe machen sehen. Ich wartete auf den Bus, als eine Gruppe Vorschulkinder an mir vorüberzog ... vielleicht waren es auch Schulkinder; hm, wie alt werden sie gewesen sein, sechs, sieben? Haha! Als Erwachsener kann man das ja so schlecht einschätzen. Okay, ich lege mich fest: Die Kinder waren circa acht Jahre alt. Jedenfalls blieb plötzlich eines der Kinder, ein Junge, stehen, drehte sich zu mir um, machte die "Six-Seven"-Geste (ohne die Zahlenfolge auszusprechen), lächelte (es war wirklich ein Lächeln, kein fieses Grinsen, wie es der Jugend von heute eigen ist!), und ging weiter. Ich hätte mir den harmlosen Spaß machen können, die Handbewegung zu erwidern, um zu signalisieren, dass ich durchaus im Bilde bin, schließlich habe ich noch nicht in allen Belangen der jungen Leute den Anschluss verloren. Doch war ich zu perplex und verharrte also regungslos, neutral ins Leere stierend wie immer.
Falls in zehn oder schon in fünf, oder in sechs, sieben (!) Jahren alle vergessen haben, was das "6-7"-Meme war (was es bedeutet, weiß auch heute niemand), dann, äh, wird es schon seinen Sinn haben, dass in dir, liebes Tagebuch, dieser Beitrag steht, auf dass er als "blast from the past" diene.

Mittwoch, 10. Dezember 2025

Surely you can't be serious!

Wer die kürzlich von mir präsentierte Liste von Monin-Sorten mit 98 Items schon für too much hielt, wird erst recht überfordert sein von dem, was das Magazin Variety letzten Monat auf ihr Publikum losließ und mit dem zu befassen ich erst jetzt die Zeit gefunden habe: "The 100 Best Comedy Movies of All Time".

Nun sind Film-, Serien- oder Videospiel-Bestenlisten von Haus aus kontrovers, oft ist das von den auf Aufmerksamkeit und engagement spekulierenden (Online-)Medien auch so gewollt. Beim Durchgehen des Variety-Rankings sieht man aber wieder einmal, dass sich über nichts so trefflich streiten lässt wie über Humor. Das soll jetzt hier nicht der zu erwartende Kommentar à la "Wieso ist XYZ nicht in dieser Liste, und warum ist ABC so weit hinten?!" werden (wobei: "Anchorman" auf Platz 88? Skandalös!); wer auf solche Kommentare Bock hat, findet sie zuhauf unter jenem Variety-Beitrag. Nein, mir geht es darum, grundsätzliche Unzulänglichkeiten darin aufzuzeigen.

Es fängt ja schon mit der Frage an, wie weit man den Begriff der Komödie fassen will. Diese Top-100 subsumiert darunter offensichtlich jeden Film, der irgendein komisches Element enthält, so dass sich auch Vertreter darin finden, die nach meinem Verständnis ganz und gar un-komödiantisch sind: Den Thriller "Fargo" würde ich ja noch als "schwarze Komödie" durchgehen lassen, aber "Everything Everywhere All at Once" ist für mich bei allem "absurdist slapstick" zuvörderst ein Actionfilm mit SciFi-/Fantasy-Elementen, genau so wie "The Princess Bride" ein – zugegeben subversives und mit ulkigen Sprüchen garniertes – Märchen ist. Geht "Ed Wood" als Komödie durch, nur weil sie auf (tragi-)komische Weise von einem Macher alberner Z-Movies erzählt (und damit, wie es im Artikel heißt, ein eigenständiges Genre begründet: "biopics about people you don’t make biopics about")? Und bei "Withnail & I", über den ich einst schrieb: "Ich schwör's, ich bin seit 'Trainspotting' nicht solchem Abfuck ausgesetzt worden", steige ich dann endgültig aus. Dieses fast willkürlich erscheinende Zusammenwürfeln verblüfft umso mehr, als die Nummer 1 ein Spielfilm ist, bei dem tatsächlich die reine Pointe, der pure Gag, der Witz um des Witzes willen, im Mittelpunkt steht: "Die Nackte Kanone".

Ich muss weitermosern: Wie haben es zwei Stand-up-Specials in die Sammlung geschafft, aber kein einziger Animationsfilm? Enttäuschend ist auch die Bandbreite der Herkunftsländer der Filmauswahl. Bis auf wenige britische und französische Ausnahmen werden ausschließlich US-amerikanische Produktionen vorgestellt. Fragt mal einen beliebigen Deutschen meiner Generation nach dem Lustigsten, was er als Kind gesehen hat, und er wird Namen wie Bud Spencer, Terence Hill, Louis de Funès, Jackie Chan, Adriano Celentano oder "Olsenbande" in den Ring werfen. Dass kein Werk aus Deutschland vertreten ist: geschenkt.

Nützlich ist das Ranking allemal, hat es mich doch auf den ein oder anderen Kandidaten für meine Watchlist gestoßen. Bleibt die Frage, wie viele der aufgeführten "Comedys" ich schon kenne. Darauf antworte ich gern. Vorab: Ich lasse nur die gelten, die ich geplant und bewusst angeschaut habe. Nicht mitgezählt habe ich Streifen, bei denen ich garantiert schon mal nach dem Reinzappen hängen geblieben bin, als sie im Fernsehen liefen, etwa "Caddyshack", "Mrs. Doubtfire", "Big" oder "Der Teufel trägt Prada". Nach dieser Regel komme ich auf 32, also knapp ein Drittel. Das ist okay, aber es besteht Nachholbedarf.

Dienstag, 9. Dezember 2025

Das gute Zitat

"Ich verschwieg Matti meine Meinung über Mixtapes: daß Mixtapes nichts nützen. Nicht weil kein Mensch mehr Kassettenrecorder hat, sondern weil man sie ausschließlich für sich selbst macht. Es ist eine verständliche Hoffnung, daß die Musik, die man liebt, der Person, die man gern hat, genausoviel bedeute, daß das Band also das mitteile, was man so nie zu sagen imstande wäre. Es ist aber eine verrückte Hoffnung; es ist auch eine unsinnige Hoffnung, denn man liebt die Stücke, die man auf dem Mixtape versammelt, ja deshalb, weil man mit ihnen ein Leben lang allein gewesen ist, und sei es auf dem größten Rockfestival."

--- Stefan Gärtner: Putins Weiber

Anm.: Zehn Jahre ist es her, dass ich mir auf der Autorenlesung von Kollege Gärtner ein Exemplar seines Romans aushändigen und signieren ließ. Ich begann mit der Lektüre und ... kam nicht so recht "rein". Keine Ahnung, woran es gelegen hat. Jetzt, rechtzeitig vor Erscheinen von "Hotel Drei Jahreszeiten", habe ich mir "Putins Weiber" noch einmal vorgenommen und innerhalb weniger Tage ausgelesen. Sehr anregend nahm sich das aus. Ich war abwechselnd beeindruckt von der kunst- und anspruchsvollen Sprache und auf seltsam angenehme Weise peinlich berührt von den Liebesirrungen des Protagonisten.

Montag, 8. Dezember 2025

Youtube-Bilanz 2025

Nach meiner Musikstream-Bilanz möchte ich auch, wie erstmalig letztes Jahr, meine Youtube-Auswertung mit euch teilen. Sie kam vorgestern rein und war wenig überraschend.


Ich gebe mich auf Youtube einem breiten Spektrum von Genres hin; die fünf, die es mir 2025 am meisten angetan haben, sind aber wohl diese:


Bei "Gesundheitsübungen" handelt es sich um Fitnessanleitungen: so etwas wie "Tele-Gym" als Internetvideos. Meine sportliche Kreativität ist nämlich viel zu gering, als dass ich mir alle naslang neue Gymnastik- oder gar Pilates-Routinen ausdenken könnte. Meinen Go-to-Mitmachkanal unterstütze ich denn auch mit einem kleinen monatlichen Patreon-Obolus. Punkt 4 ist ebenfalls erklärungsbedürftig: "Nachrichten und Politik verfolgt" habe ich freilich nur in Form von US-Latenight-Shows. Und "analysiert" habe ich nicht nur "spannende Serien", sondern Serien und Filme aller Art – hochinteressante Analysen, Recaps und Video-Essays à la "Anatomy of a franchise" gibt es dankenswerterweise zu allen möglichen Bewegtbildreihen.

Die von mir konsumierten "Gaming-Inhalte" wurden ihrerseits in einer extra Kachel aufgefächert:


Hier hat sich nun ganz offensichtlich ein Fehler bei der automatischen Spiele-Erkennung eingeschlichen. Ich kann mich nicht erinnern, auch nur ein einziges "Sonic"-Video gesehen zu haben. Auch die Zuordnung "Super Mario Maker" stimmt nicht: Es handelte sich in fast allen Fällen um Let's Plays von "Super Mario World"-Romhacks, die mit Lunar Magic erstellt worden sind. Dass ich ein Top-Fan des Youtubers raocow bin, ist dagegen so wahr wie es Ehrensache ist.


Fazit-Fazit: Nichts von alldem ist sensationell, aber man ist doch zufrieden, (weitgehend) Klarheit erhalten zu haben. Wunschlos glücklich werde ich sein, wenn Youtube mir zum Ende eines Jahres auch noch die Gesamtguckzeit in Minuten mitteilt. Vielleicht 2026? Na?

Freitag, 5. Dezember 2025

Musikstream-Bilanz 2025

Ursprünglich, i.e. noch vor ein paar Wochen, hatte ich nicht vor, meine Spotify-Jahresauswertung zu teilen, weil ich den Dienst 2025 nur halbherzig genutzt habe. Nun kam mein "Wrapped" aber rein und, ach, warum nicht? Gehört habe ich 7.869 Minuten, gerade mal zwei Drittel der Zeit, die ich 2024 damit verbracht habe. Insgesamt 246 Genres lassen sich die von mir gestreamten Titel zuordnen.


Dass ich geschmacklich toleranter, flexibler, womöglich auch gleichgültiger geworden bin, wird untermauert von der Tatsache, dass ich rund 50 Interpreten mehr als 2024 meine Aufmerksamkeit geschenkt habe, nämlich 699 Artists.


Der Algorithmus charakterisiert mich denn auch als "Entdecker" ("Neuerscheinungen ziehen dich magisch an"; na ja) und hat mich dem "Club" "Grit Collective" zugeteilt.


Ach ja, und ich habe ein musikalisches Alter:


Gab es das letztes Jahr schon? 28 hätte ich jedenfalls nicht erwartet, irgendwie aber schon. Muss mir das peinlich sein? Nun, kaum peinlicher als es ist, überhaupt seine Spotify-Statistik zu veröffentlichen.

Mittwoch, 3. Dezember 2025

An ihren Strichen sollt ihr sie erkennen

Wenn ich in meinen Blogbeiträgen einen Gedankenstrich verwende, achte ich tunlichst darauf, einen richtigen Gedankenstrich, fachsprachlich "Halbgeviertstrich", einzufügen – Berufskrankheit. Das tue ich mittels Copy & Paste. Der kurze Strich, der erscheint, wenn ich auf "-" drücke, ist dem Trenn- oder Bindestrich bzw. dem Minus vorbehalten.

Zurzeit ist der Langstrich, wie ich im Feuilleton der gestrigen Süddeutschen las, auf dem Weg, "zum Fingerabdruck seelenloser Automatentexte" zu werden. Laut dem Artikel "Gedankenstriche verraten ihn" (online leider hinter Paywall) entwickelt nämlich ausgerechnet Textgenerierungssoftware ein Faible für dieses Zeichen.

"Auffällig viele Gedankenstriche tauchen auf, wenn man KI-Modelle bittet: Lass diese E-Mail menschlich wirken", beobachtet Niklas Schreiber. Der Linguist forscht zu Satzzeichen an der Universität Potsdam. Er vermutet, Modelle wie Chat-GPT könnten häufig auf den Gedankenstrich zurückgreifen, weil das Zeichen eine Dramaturgie schaffe, eine persönliche Note. Doch gerade das entlarvt die Maschine. Sie will es unbedingt menscheln lassen. Und wirkt dadurch erst recht roboterhaft.

Insbesondere in Bezug auf Lexik komme es, so der Beitrag weiter, zunehmend zu Rückkopplungseffekten: Zum Beispiel greifen Wissenschaftler/innen auf bestimmte Wörter vermehrt zurück, seit/weil diese sich "in angeblich von Menschen verfassten akademischen Texten häufiger als früher" finden lassen. Wenn wir immer mehr künstlich erzeugte Texte konsumieren (und "etwas mehr als die Hälfte der neu ins Netz hochgeladenen Texte sind laut der Suchmaschinen-Agentur Graphite inzwischen künstlich generiert"), fangen wir an, so zu schreiben, wie wir meinen, dass wir schreiben müssten, weil das die KI ebenfalls "meint". Das ist leicht vereinfacht gefolgert, Fakt ist: "Mensch und Maschine beeinflussen sich offenbar gegenseitig."

Der Nebeneffekt einer Echokammerbildung innerhalb künstlicher Systeme lässt sich denken: "Studien haben bereits gezeigt, dass KI-Sprachmodelle, die mit ihren eigenen Texten gefüttert werden, sukzessive eine immer geringere 'linguistische Diversität' zeigen." (Anm.: Gemeint ist "sprachliche Diversität"; linguistisch bedeutet "sprachwissenschaftlich", engl. linguistic aber daneben auch "sprachlich", ein oft – von Menschen – gemachter Übersetzungsfehler.) "Was da in die Sprache einfließt, ist letztlich: Homogenität."

Der SZ-Artikel führt dann noch ein paar Wenns und Abers an, auf die ich nicht einzugehen brauche. Nur eins möchte ich klarstellen: Niemand soll denken, dass an der Produktion auch nur eines einzigen meiner Texte je ein Sprachmodell beteiligt war – auch wenn ich eine Vorliebe für den "romantisch-verspielten Gedankenstrich" nicht abstreite.

Montag, 1. Dezember 2025

Serientagebuch 11/25

03.11. The Simpsons 37.03
South Park 28.01
05.11. Family Guy 24.00 ("23.19")
06.11. South Park 28.02
Futurama 10.05
08.11. The Simpsons 37.04
Lost 2.10 (RW)
09.11. The Paper 1.06
11.11. The Chair Company 1.01
The Chair Company 1.02
Futurama 10.06
13.11. The Chair Company 1.03
Man vs. Bee 1.01
Man vs. Bee 1.02
Man vs. Bee 1.03
Man vs. Bee 1.04
Man vs. Bee 1.05
14.11. Man vs. Bee 1.06
Man vs. Bee 1.07
Man vs. Bee 1.08
Man vs. Bee 1.09
16.11. Lost 2.11 (RW)
17.11. The Simpsons 37.05
18.11. The Chair Company 1.04
South Park 28.03
20.11. Futurama 10.07
21.11. The Simpsons 37.06
Futurama 10.08
24.11. The Chair Company 1.05
26.11. The Chair Company 1.06
The Simpsons 37.07
27.11. The Chair Company 1.07
28.11. Lost 2.12 (RW)
Lost 2.13 (RW)
30.11. Futurama 10.09
Futurama 10.10

Bereits Mitte 2022 erschien mit Man vs. Bee Netflix-exklusiv und wie aus dem Nichts ein neuer, familientauglicher, actionreicher Spaß von und mit Rowan Atkinson, der sich, wie man sieht, in zwei Sitzungen, locker auch in einer einzigen, wegbingen lässt. Was ich nun endlich getan habe, rechtzeitig vor dem jüngst angekündigten Fortsetzer "Man vs. Baby". Auch wenn Atkinsons Figur hier Trevor Bingley heißt: Das ist Mr. Bean in Reinform. Klar, Trevor spricht ein wenig mehr, sein Grimassenrepertoire ist eingeschränkt, er hat ein Familienleben sowie Ziele und Wünsche, aber wie er als Housesitter von einem Unglück zum nächsten taumelt, das ist schon sehr "beanig". Auslöser für eine Verkettung von Pannen und Fehltritten, die in einem millionenschweren Chaos mündet, ist eine Biene bzw. exakter eine Hummel. Mehr gibt's zur Story (die sich mit einem gefälligen Twist auflöst) nicht zu sagen. Ich habe mich sehr amüsiert.

Die mittlerweise dritte "Hulurama"-Staffel, also die je nach Zählung 10. oder 13. Staffel von Futurama, konnte ihr Niveau halten, hat mir also zuverlässig Schmunzler entlockt; die letzten beiden Folgen würde ich sogar als herausragend bewerten. Auffällig war, dass diese neuen zehn Episoden satirischer waren als jene davor. Es werden nicht einfach nur pokulturelle Phänomene, die zum Zeitpunkt ihrer Entstehung en vogue waren, ins 31. Jahrhundert transferiert, sondern auf ziemlich kluge, bissige Weise Sachen wie Handysucht, Klimawandelleugnung oder "Pizza Gate" verhandelt. Der ein oder andere "Nerdservice" hatte freilich auch wieder seinen Platz ("The Numberland Gap"!). Season 11 folgt nächstes Jahr.