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Dienstag, 5. April 2016

Kumquats mit Senf

Ich habe im Jahr 2013 ein kleines, die Zeitschrift Neon betreffendes Projekt begonnen, das inzwischen leider eingeschlafen ist, weil ich seit circa zwei Jahren keine Neon mehr in die Hand gekriegt habe. Es ging dabei um die Rubrik "Ehrliche Kontaktanzeigen". Die darin vorgestellten Singles sollten u.a. unter dem Schlagwort "Geht immer" angeben, was "immer geht", und dabei häuften sich Vorlieben für skurrile Nahrung:
  • Karola, 31: Rührei mit Nutella (Ausgabe 4/13)
  • Nele, 21: gefrorene Himbeeren (7/13)
  • Maximilian, 21: Schokolade mit Gummibärchen (9/13)
  • Friederike, 23: Nutellabrot mit Gurke
  • Sarah, 28: Milchschnitte mit Käse überbacken
  • Anne, 27: Spinat mit Zimt
  • Lisa, 24: Weißwursteis (alle 10/13)
Ich würde gerne Überlegungen darüber anstellen, warum ausgefallene Food-Süchte zur Selbstdarstellung in Kontaktanzeigen bemüht werden, und ob sich eventuell Gemeinsamkeiten feststellen lassen (z.B. Kombination süß-herzhaft). Auch wäre interessant zu erörtern, ob Frauen besonders gern mit solchen Nasch-Ticks kokettieren. Aber dafür ist das Datenmaterial zu dünn. Wenn sich jemand zu weitergehender Forschung bemüßigt fühlt: Nur zu, ich warte.

PS: Ein Ex-Kollege von mir gab kürzlich zu, im Fressflash "Snyders of Hanover Pretzel Snack Honey Mustard & Onion" mit gezuckerter Kondensmilch kombiniert zu haben, und es sei absolut geil gewesen.

Samstag, 17. Mai 2014

Ungeheuerliche Behauptungen (Folge 10.000)

Vor genau drei Jahren schrieb ich:

>>In der Rubrik "Unnützes Wissen" der aktuellen Neon ist zu erfahren, dass der durchschnittliche Europäer 10.000 Dinge besitzt. Auch die Süddeutsche hat dies vor kurzem behauptet. Woher diese absurde und erstaunlich gerade Zahl kommt, weiß nicht einmal Google. Eine wissenschaftliche Grundlage scheint es jedenfalls nicht zu geben. Was genau ist überhaupt ein "Ding"? Zählt jeder Trinkhalm, jeder Spaghetto dazu? (Die Einzahl von Spaghetti wollte ich schon immer mal benutzen!) Nimmt man von einem technischen Gerät das Netzteil ab, sind es dann zwei Dinge? Bildet ein Sockenpaar ein einziges Ding? Fließt ein Flaschendeckel in die Zählung ein? Und zählt die Flasche als Besitztum, obwohl man sie möglicherweise in ein paar Wochen geleert wegwirft oder in den Getränkemarkt zurückbringt?
Wie man's dreht: Die Zahl Zehntausend scheint mir viel zu hoch gegriffen. Ich werde demnächst eine Inventur meiner eigenen Dinge vornehmen, und dann werden wir ja sehen!!!<<

Die Privatinventur habe ich immer noch nicht vorgenommen, aber womöglich bedeutet die Zehntausend einfach nur nichts bzw. alles. Im Daoismus sind die "zehntausend Dinge" nämlich synonym mit der Gesamtheit aller Dinge:

Der Weg (Dao) schuf die Einheit,
Einheit schuf Zweiheit,
Zweiheit schuf Dreiheit,
Dreiheit schuf die zehntausend Wesen.
(Daodejing, Kap. 42)

Samstag, 15. September 2012

Neuer Trend? 1000 Fragen an die Mode

In der aktuellen Neon gibt es einen großen Sonderteil: "99 Fragen, die man sich mindestens einmal im Leben stellen sollte". So weit, so neontypisch. Dieser Sonderteil ist allerdings nicht rein redaktionell, sondern in Zusammenarbeit mit diversen Kleidungsherstellern entstanden. Man klicke und schaue:


Zu den 99 Fragen hat man ein paar Models irgendwie in Szene gesetzt, diesen ein paar Anziehsachen angezogen und dazu – mal mehr, mal weniger auffällig – geschrieben, wer diese Anziehsachen gemacht hat.


Das Ganze ist auch total "wertig" gestaltet; zum Teil wird einer einzigen der schlauen Fragen eine ganze Heftseite eingeräumt.


'Was für ein Käse', dachte ich. Ich reagiere auf Modebeiträge in ansonsten modefernen Publikationen genervt bis gereizt und schlage jedes Mal die Hände über dem Kopf zusammen, wenn das SZ- oder das Zeit-Magazin so etwas macht. Am vergangenen Donnerstag dann greife ich zu ebenjenem Zeit-Magazin, und was erwartet mich dort? Nicht weniger als "111 Fragen an den Mann von heute", eingebettet in – ein Modespezial!


Im Gegensatz (in beabsichtigter Abgrenzung?) zu Neon sind die Fragen nicht an "dich", sondern an "euch" gerichtet. "Wann wart ihr das letzte Mal mutig?", heißt es dort etwa in teils abenteuerlichem Schriftsatz. Darunter: "Jacke und Hemd von Canali, Hose von Stone Island, Stiefel von Salvatore Ferragamo". Daneben: ein Schmock mit Jacke und Hemd von Canali, Hose von Stone Island und Stiefeln von Salvatore Ferragamo, auf einer Hundehütte sitzend.


Und so geht das unerträglich lange weiter und weiter, und manchen Leser scheint's anzusprechen, erhielt die Zeit-Redaktion doch laut Facebook-Auskunft mindestens eine eMail mit den dazugehörigen 111 Antworten.

Ist das also ein Top-Trend im Journalismus?
Dann möchte ich nicht hintanstehen!

200 Fragen an das innere Ich


1. Na?
2. Was machst du auf diesem Dachboden?
3. Geht's dir gut?
4. Erinnerst du dich noch an diesen einen Ort, da, wo alles anfing, wo das Schicksal seinen Lauf nahm, wo die Götter würfelten, an jenem Tag, da sich die Pforte zur Anderwelt einen Spalt breit öffnete?
5. Wie spät ist es?
6. Was, so spät schon?

(wird nicht fortgesetzt)

T-Shirt geschenkt bekommen, Brille Fielmann