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Samstag, 26. September 2020

Kurz notiert: Noch eine Doppelbegegnung

Kurz nach dem mysteriösen zweifachen Antreffen des arabischen Wortes für "stopp" begegnete mir etwas anderes, das ich bis dahin nicht kannte, an zwei Tagen hintereinander. In Episode 11 der 2. Staffel von "The Expanse" wird der Alternativname für die Kornblume, Zyane, abgefragt. Diese Episode sah ich am Donnerstag, und am Freitag las ich in der aktuellen Ausgabe des Sprachreports einen Artikel über den Scrabble-Duden, in dem es ebenfalls kurz um Zyanen (also das Wort) ging!

Auch das kann man gewiss wieder mit "perceptual priming" wegerklären, nur: Bis zum Donnerstag kannte ich das fragliche Wort überhaupt nicht. Oder lag es bereits irgendwo in meinem passiven Wortschatz vergraben? Dann stellt sich trotzdem abermals die Frage nach der Wahrscheinlichkeit für das Doppelauftreten dieses nicht eben häufigen Lexems. Nun gut, ich lese, schaue, höre sehr viel, da bleiben diese unheimlich scheinenden Phänomene nicht aus und werden sich bestimmt in Zukunft noch mehr als einmal zeigen. Grund, ein entsprechendes Tagebuch anzulegen oder eine feste Blog-Kategorie daraus zu machen, sollte das nicht sein. Also Schluss jetzt damit!

Dienstag, 31. August 2021

Der Doppelspuk hat einen Namen!

Vor kurzem hörte ich die Ausgabe "The Baader-Meinhof Gang" des "Omnibus"-Podcasts. Den Heißen Herbst und wie es dazu kommen konnte, halte ich nach wie vor für eines der faszinierendsten Kapitel der bundesdeutschen Geschichte (wobei ich mich zuletzt verstärkt mit der unmittelbaren Nachkriegszeit beschäftigt habe), und das eigene Land mit amerikanischem Blick zu betrachten, ist stets unterhaltsam. (Es gibt mehrere "Omnibusse" mit Deutschland-Schwerpunkt, z.B. einen über die Wuppertaler Schwebebahn.)

Sogleich sah ich, dass in der Episodenliste unmittelbar danach eine Folge mit dem Titel "The Baader-Meinhof Phenomenon" aufgeführt war. 'Nanu', dachte ich, 'eine Fortsetzung, weil die Moderatoren das Thema RAF so spannend finden?' Ich spielte die Episode später ab und lernte: Mit "Baader-Meinhof-Phänomen" bezeichnet man jenes Phänomen, das ich in diesem Blog schon mehrmals dokumentiert und als "Doppelbegegnung" o.ä. bezeichnet habe! Der Ausdruck Baader-Meinhof phenomenon hat seinen Ursprung natürlich in den USA und wurde erst 1994 im Leserforum einer Lokalzeitung von jemandem geprägt, der über Baader, Meinhof & Co. gestolpert war, nachdem er keine 24 Stunden zuvor von Freunden zum ersten Mal von der Bande gehört hatte.

Noch jünger, nämlich von 2005, ist die wissenschaftlicher klingende Bezeichnung frequency illusion. Im Podcast wird auch vom red car syndrome sowie vom durch den Film "Repo Men" eingeführten plate of shrimp phenomenon gesprochen. Auch werden mehrere einleuchtende psychologische Erklärungen für den Effekt, den entrücktere Geister auf einen "Glitch in der Matrix" zurückführen mögen, vorgestellt, es geht um availability bias, den recency effect und den primacy effect, um die Macht des Zufalls, die menschliche Konditionierung aufs Mustererkennen, das Zurückgreifen auf Heuristiken, und was das alles mit Kreuzworträtseln zu tun hat. Kurzum: Das Hören war sehr befriedigend, und ich werde künftig nur noch Mehrfachbegegnungen festhalten, die extrem unerwartbar und spukhaft sind.

Dienstag, 27. April 2021

Dauerthema Doppelbegegnung

Es ist schon wieder passiert! 

Am Samstag ging ich die Kalenderblätter der letzten Tage durch (ich war unterwegs gewesen) und wurde dabei mit der Quizfrage konfrontiert, wie die Muse des Chorgesangs heiße. Das konnte ich nicht beantworten, die Lösung lautete Terpsichore.
Einen Tag später schaute ich ein Let's-Play-Video (raocows MaGLX3-Durchlauf; was das ist, spielt keine Rolle), und darin tauchte ein Textfenster auf (der Kommentar eines Jurors dieses Super-Mario-Level-Contests), in welchem das mir bis dahin unbekannte englische Adjektiv terpsichorean vorkam, offensichtlich eine Ableitung von Terpsichore. Wie man dieses Wort übersetzen könnte, habe ich gerade erst nachgeschlagen: "Tanz-/tanz-" bzw. "den Tanz betreffend" oder "Tanz genießend" (Merriam-Webster: "from terpsis, meaning 'enjoyment,' and choros, meaning 'dance.'). Irre! 

(Foto und Screenshot. Stellt freilich keinen Beweis für diese mysteriöse Zweifachbegegnung dar. Man glaube mir bitte trotzdem.)

Donnerstag, 30. September 2021

Unglaublich

Ich möchte ja nicht schon wieder mit dem Thema "Doppelbegegnung", Baader-Meinhof-Phänomen & Co. um die Ecke kommen, aber ich muss einfach festhalten, was mir gestern passiert ist. Ich sitze in der Regionalbahn nach Frankfurt-Höchst und lese Eckhard Henscheids Geschichte "Der oder das Fernseh" (nebenbei: eine seiner schwächeren Prosastückchen), worin ein gewisser Herr Unglaub auftritt. Wenige Minuten später habe ich meinen Halt erreicht, steige aus und passiere auf dem Weg zu meinem Endziel eine Arztpraxis, auf deren Schild welcher Name steht? Dr. Stefan Unglaub.

Mittwoch, 24. Februar 2021

Ex- und Wikipeditionen

Wenn ich mit der Regionalbahn Wege weit abseits bekannter Metropolen bestreite, gebe ich immer gerne die Namen der anliegenden Ortschaften in das Wikipedia-Suchfeld meines Smartphones ein – dafür reicht die Internetverbindung ja meistens. Schwuppdiwupp hat man sich festgelesen, findet dies und das über lokale Eigentümlichkeiten heraus, hangelt sich Verlinkungen und Querverweisen entlang; ihr kennt das.

Eine wahre Fundgrube in Artikeln über Orte ist oft der Abschnitt "Persönlichkeiten". Zwei Entdeckungen der jüngeren Vergangenheit:
1. In der Ortsgemeinde Balduinstein – welche zwar nur 596 Einwohner zählt, dafür aber sowohl eine Burgruine gleichen Namens als auch ein Schloss, die Schaumburg, unterhält – lebt der 1960 im südindischen Chandepalle geborene Avatar Mutter Meera. Sie gibt nahe der Schaumburg vorab angemeldeten Personen ihren Segen, den sog. Darshana (zurzeit jeden Abend im Livestream). Auf Schloss Schaumburg wurde außerdem der Fernsehfilm "
Schrei – denn ich werde dich töten!" gedreht (RTL 1999), dessen Hauptrolle Katharina Wackernagel spielt, die übrigens eine Nachfahrin des Indogermanisten Jacob Wackernagel ist, dem Vater des Wackernagelschen Gesetzes, aber jetzt muss ich wirklich aufhören mit dem Wikipedia-Hopping, denn ich komme zu Entdeckung Nummer
2. In Limburg-Eschhofen wurde ein Schlagersänger mit dem Künstlernamen "Ikke Hüftgold" geboren. Als ich das las, musste ich schmunzeln ... und wenige Tage später erneut, als mir, in einem typischen Fall unerklärlicher Doppelbegegnung, der Name in einer Schlagzeile auf "Bild online" begegnete.