Donnerstag, 21. März 2013

In einer Zeit vor unserer Zeit

In der DDR war es üblich, bei historischen Jahresangaben statt "v. Chr." bzw. "n. Chr." immer "v. u. Z." resp. "u. Z." zu schreiben, lies: "(vor) unserer Zeit". Wie anmaßend das war! Wer sagt denn, dass die Zeit nach dem Jahre 0 uns gehört? Waren alle Menschen "vor uns" unwürdig, gemeinsam mit uns ein Zeitkontinuum zu bewohnen? Was ist denn mit den alten Römern? Das waren doch keine Höhlenmenschen! Jetzt könnte man zu mir sagen: "Wenn du die alten Römer so liebst, warum zählst du die Zeit dann nicht ab urbe condita?" Ja, klar, kann man machen. Momentan schreiben wir das Jahr 2766 a. u. c.* Aber man will ja nicht als Sonderling gelten. Ich kann natürlich durchaus nachvollziehen, warum die Zählung ab Christi Geburt manchen Menschen nicht behagt.
Ich habe mal ein Buch von 1906 (n. Chr.) gelesen, in dem der Autor statt "vor/nach Christus" durchweg "vor/nach Arminius" verwendete! Dann lieber Christozentrismus als solch bescheuerte Nationaltümelei. Aber egal ob vor Christus oder unserer Zeit, Hauptsache man bezieht sich auf ein Jahr Null. Das ist Tradition und weit weniger verwirrend als z.B. die Unix-Zeit.

* Übrigens "toller" Merkspruch: "7-5-3, Rom schlüpft aus dem Ei." Auf "Ei" reimen sich gut 200 andere dreistellige Jahreszahlen! Da sitzt man dann im Geschichtstest und fragt sich: "Wie war das noch? 9-6-2, Rom schlüpft aus dem Ei?" ...

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