Montag, 6. Oktober 2014

Warum ich gerne Japanisch sprechenden Menschen zuhöre

Wichtiger Bestandteil der japanischen Sprache sind die so genannten Ideophone, in der englischsprachigen Literatur "mimetics" genannt: Lautspielereien, die meist als verdoppelte Silbenpaare auftauchen, was für fremde Ohren ganz ulkig klingt. Man unterscheidet dabei zwischen Giongo und Gitaigo.

Giongo ist Onomatopoesie im engeren Sinne, also v.a. Naturlaute wie kokekokkoo "Kikeriki!" oder zaazaa (Regengeräusch), aber auch kusyon "Hatschi!". Gitaigo ist die interessantere, aber auch schwerer zu fassende Gruppe. Sie umfasst Wörter, die innere Zustände widerspiegeln. Die Silbenfolge gakugaku etwa wird verwendet, um das Zittern der Beine zu verbalisieren, kankan drückt große Verärgerung aus. Zwei etwas bekanntere Beispiele: 1. Nico Nico Douga, das japanische YouTube-Äquivalent, enthält nikoniko "lächeln", 2. Doki Doki Panic, die Vorlage für das zweite Super-Mario-Bros.-Spiel, enthält dokidoki, was für heftiges Herzklopfen steht.

Eine kurze Einführung in die Materie gibt der Aufsatz "Sounds of the Heart and Mind. Mimetics of Emotional States in Japanese" von Debra J. Occhi in Languages of Sentiment: Cultural Constructions of Emotional Substrates (Hrsg. v. Gary B. Palmer & Debra J. Occhi), Amsterdam/Philadelphia 1999 (bei GoogleBooks verfügbar). Darin erfährt man auch, dass japanische Schulkinder Giongo in Katakana lernen und Gitaigo in Hiragana, sowie dass es auch eine alternative Einteilung der mimetics in drei Kategorien gibt. Eine zitierte Wissenschaftlerin meint: "giongo/gitaigo are the hardest parts of the Japanese language for non-native speakers to grasp", und "they cannot be explanied satisfactorily to non-native speakers by native speakers" (S. 157). Schön isses allemal. (Offenlegung: Ich kann kein Japanisch.)

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