Sonntag, 14. Februar 2021

Nacht- und Nebelwanderung

Ich habe ein neues Hobby für mich entdeckt, das ich euch nur ans Herz legen kann, vorausgesetzt in eurer Stadt herrscht keine Ausgangssperre: nächtliches Spazierengehen. Vor ein paar Wochen habe ich es zum ersten Mal ausprobiert. Die Kombination Winter/Lockdown/Nebel bietet ohnehin tolle Möglichkeiten, seiner Nachbarschaft ganz neue Blickwinkel abzugewinnen; zu vorgerückter Stunde bekommt das urbane Umfeld noch einmal einen zusätzlichen Zauber. Man muss natürlich bedenken, dass die Chance, ausgeraubt oder abgestochen zu werden, leicht erhöht ist, gerade in Frankfurt. Doch ich bin ja nicht durchs Bahnhofsviertel flaniert, sondern habe mich via Messe- ins Europaviertel begeben, den menschenfeindlichsten und lebensunwertesten, aber wohl sichersten, weil ödesten Stadtteil Frankfurts. Ich konnte in die gespenstischen Frühstücksräume leerstehender Hotels schauen – wobei einzelne Hotels derzeit geöffnet sind: Vor einem stand rauchend ein einzelner aus welchen Gründen auch immer hier gestrandeter Gast. Das war einer der wenigen Menschen, denen ich begegnete. Ich passierte Bankentürme, bei denen aus keinem einzigen Fenster Licht strahlte, bewacht lediglich von einem einsamen Wachmann vor einer Monitorwand. Büros bieten bei Nacht ein faszinierendes Bild. Von einer Brücke aus konnte man gut auf einige verwaiste Arbeitsplätze schauen; ein Foto zu machen traute ich mich nicht, da ich die Anwesenheit Industriespionage abwehrender Überwachungskameras in meinem morphischen Feld spürte. Ein paar nette Handyaufnahmen, hauptsächlich von Hochhäusern, sind mir dennoch gelungen. Vielleicht sollte ich beim nächsten Ausflug meine Systemkamera mitnehmen.







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