Mittwoch, 19. Juni 2013

Schlafanzüge & Bademäntel

Es gab eine Zeit, da ich keine Schlafanzüge zum Schlafen trug. Anlass für diese Entscheidung waren folgende Worte aus der Feder Max Goldts gewesen: "Richtige Pyjamas tragen schließlich heute nur noch so komische Neokonservative mit neo nach hinten geschmierten Haaren, Absolventen der Axel-Springer-Schule oder diese jungschen Dandy-Wannabes mit Preußenfimmel etwa." Ob dies die tatsächliche Meinung des Autors ist, bleibt unklar, denn er legte den Satz einer fiktiven Person in den Mund, aber ich wette, dass Kai Diekmann immer im Pyjama schläft, und deswegen begnügte ich mich vorübergehend mit Shirt und Shorts. Dem Spiegel war zu entnehmen, dass sogar 2% aller deutschen Männer im Nachthemd schlafen. Interessant wäre zu erfahren, wie viele noch die gute alte Schlafmütze tragen.
Es bietet sich an, dieser kurzen Schlafanzug-Passage ein paar Worte zu Bademänteln folgen zu lassen. Viel fällt mir dazu leider nicht ein. Der Komiker Jim Gaffigan sagt, wenn man einen Bademantel anhat, fühlt man sich, als sei man krank, habe gerade einen Porno gedreht oder sei aus der Klapse ausgebrochen. Ich persönlich habe einen Stoffbademantel. Es gibt freilich auch welche aus Seide, aber die sind nur für Japaner und Gecken. Wer einen Seidenbademantel trägt, raucht auch Pfeife. Bestimmt darf man auch nach einer Thai-Massage einen solchen anziehen. Als ich einmal in Bangkok war, wurde ich an der Hotelrezeption gefragt: "Are you interested in Thai boxing?" – "Err, no", antwortete ich. – "Interested in Thai massage?". Darauf ich, mit runtergezogenen Augenbrauen: "NO!" Ich dachte nämlich, Thai-Massagen beinhielten stets "Sonderprogramme" mit "Happy ending" und wären nur was für "spezielle" Touristen.  
Mit dem Bademantel verwandt ist der Kittel. Es gibt z.B. Hausmeisterkittel, Lehrerkittel (ja, wirklich, in unserer Schule haben manche Lehrer in weißem Kittel Mathe unterrichtet!) und Arztkittel. Mir (und bestimmt nicht nur mir) ist aufgefallen, dass Krankenhausmitarbeiter in amerikanischen Filmen oder Serien ihre Dienstkleidung immer schon zu Hause anziehen und dann munter durch sämtliche Stationen und Operationssäle marschieren. Was für Zustände! Aus meiner Zivildienstzeit weiß ich, dass man immer, wenn man einen OP-Trakt betritt, frische (!) grüne Sachen (+ Haube, Mundschutz und Schuhe) anziehen muss. Und wenn man rausgeht, schmeißt man alles in einen Sack. An manchen Tagen musste ich mich zehn Mal umziehen! Einmal war ein Handwerker da, der nicht wusste, wie man die OP-Hose richtig zubindet. Als er, seiner Repariertätigkeit nachgehend, auf dem Boden kniete, rutschte die Hose runter, worauf ich einen der heftigsten Lachanfälle meines Lebens bekam. 
Patienten tragen allerdings keine Bademäntel (ha, wie ich hier einen thematischen Bogen spanne!), sondern hauchdünne Umhänge, die hinten offen sind. :(

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