Montag, 15. Juli 2013

Rage against the Pfandmachine (a.k.a. The onion incident)

"Wenn alle so denken würden wie ich, wäre die Welt ein besserer Ort." Hand aufs Herz, diesen Gedanken hatte sicher jeder von uns schon einmal. Und auch wenn es sich um eine anmaßende Umdeutung des Kantschen Imperativs handelt, glaube ich zumindest, in einigen ausgewählten Bereichen des Lebens ein bisschen mehr Recht zu haben als andere, konkret in der Frage, wann man seine Pfandflaschen wegbringen soll. Nämlich 1.) nicht erst, wenn das Volumen des Pfandguts das der Gepäckstücke für eine mehrwöchige Fernreise übersteigt, 2.) nicht unbedingt in den allerärgsten Stoßzeiten, sofern man mangels Beschäftigung eh rund um die Uhr Zeit hat, und 3.) nur, wenn man die Bedienung des Pfandautomaten schon einmal geübt hat.

Die mittelalte Frau, die letzte Woche in der Riesenschlange des Rewe-Getränkemarktes vor mir stand, verstieß gegen mindestens zwei der drei angeführten Punkte. Immer wieder stopfte sie die Dosen und Flaschen aus ihren schier nimmervollen Beuteln in den Automatenschacht, ohne abzuwarten, bis das jeweils vorangegangene Objekt verschluckt war. Infolgedessen kam es wiederholt zum Anhalten des Fließbandes – wenn das Leergut nicht ohnehin retourniert wurde, weil es aus einem anderen Marktsortiment stammte oder gar nicht bepfandet war (sie schob tatsächlich ein Gurkenglas hinein). Irgendwann verweigerte das Gerät den Dienst. Erst ein pampig herbeigerufener Mitarbeiter ließ es wieder anspringen. Weil die Dame aber nichts gelernt hatte und auch nie in ihrem Leben was lernen wird, fuhr sie exakt so nachlässig und grob fort wie zuvor, so dass das Fließband bald erneut die Richtung wechselte. Der Frau entfuhr nun ein grotesker Fluch, ein unwirklicher Spruch, ein Ausruf, der mir Augen und Mund gleichzeitig aufstehen ließ. Sie rief (ich schwöre es): "Och Mann, was is'n das für'n Muschirasierer?!" 

"Bitte was?", wollte ich schon fragen, doch ich wollte nicht für weitere Verzögerungen sorgen, denn der Automat zeigte sich für eine Weile gnädig und die Frau schwieg ... bis sie sich unvermittelt zu mir umdrehte und flüsterte: "Zwiebel." Ich glaubte, mich verhört zu haben, interessierte mich aber auch nicht für das wirre Gefasel der Kundin. Ohne weitere Zwischenfälle ging die Rückgabe über die Bühne. Als sämtliche Taschen und Säcke leer waren (die nicht angenommenen Pfandstücke ließ sie einfach auf dem Fußboden stehen), machte sich die Frau auf den Weg zur Kasse. Bevor sie losging, sagte sie erneut, diesmal deutlicher: "Zwiebel!" 

Lange rätselte ich über dieses Wort. Wollte sie mir mitteilen, dass ich nach Zwiebeln roch? Das ist unwahrscheinlich, denn ich esse gar keine Zwiebeln. Wusste sie gar um meine Zwiebelphobie und wollte mich ärgern? Wie aber kann sie davon wissen? Gut, ich erzähle oft davon, aber nicht auf offener Straße, wo sie mich u.U. gehört haben könnte. Und warum sollte sie mich überhaupt darauf ansprechen? Oder war das gemurmelte "Zwiebel" nur eine Notiz an sie selbst? Ich werde es wohl nie erfahren. Vergessen werde ich es auch nie.

Keine Kommentare:

Kommentar posten