In ihrem Wochenend-Feuilleton hat sich die Süddeutsche Zeitung einen bemerkenswerten Vorspann zu einem mit "Man schießt deutsch" überschriebenen Artikel geleistet:
Seit Jahrzehnten übersetzt Klaus Jöken "Asterix" und "Lucky Luke" ins Deutsche. Das klingt einfacher, als man meint. Ein Besuch in Frankreich.
Von der Stilblüte abgesehen – es muss entweder "Das klingt einfacher, als es ist" oder "Das ist schwerer, als man meint" heißen –, finde ich die ganze Prämisse recht wacklig: Warum sollte man meinen, dass das Übersetzen von Comics einfach ist? Im Vergleich wozu? Ich stelle es mir reichlich vertrackt vor, allein schon weil man nur begrenzten Platz für den zu produzierenden Text zur Verfügung hat (Sprechblasen!); zudem macht den Großteil der Textmenge gesprochene Sprache aus, und die angemessen zu übertragen ist immer anspruchsvoll. Trotzdem enthält der Beitrag einige interessante Stellen.
Tage- und nächtelang kann er darüber sinnieren, wie sich zum Beispiel denier du colt übersetzen lässt. Einen solchen fordern bei Lucky Luke Räuber von einem Geistlichen. Im Original, so meint Jöken, funktioniere der Ausdruck als Anspielung auf den französischen "Kirchenzehnten" denier du culte. Doch ein deutsches Äquivalent dafür zu finden, das habe ihn mal wieder Stunden gekostet. Bis ihm endlich "Klingelbeute" in den Sinn kam. "Gut, nicht?"
"Oder das hier!", sagt Jöken. "Et la traversée reprend! Eigentlich ein lapidarer Text aus einem weiteren eckigen, gelben Asterix-Kästchen." Der Kontext: Gerade wurde wieder das Piratenschiff versenkt, schon wartet das nächste Abenteuer auf unsere gallischen Helden. [...] "Ich habe sehr lange über die Übersetzung nachgedacht", sagt er. "Endlich fiel es mir ein: MAN SEGELT WEITER." Man segelt weiter? "Ja! Das hat zugleich etwas Beiläufiges wie Elegantes und entspricht damit voll dem französischen Original."
Noch ein paar Beispiele: Im "Asterix"-Band "Die weiße Iris" hat Jöken aus dem französischen Lied "Glaive lève toi" "Claudius hat 'nen Schäferhund" gemacht, worüber sich nicht nur Fans der Berliner Band Die Ärzte freuen dürften. [...] Und auch bei Namen gibt er sich allergrößte Mühe: Daximpuls für einen römischen Zenturio, Boxoffix für einen gallischen Schauspieler und Microbiotix für einen Wirt. Das kriegt sonst niemand hin.
"Ganz selten muss dann auch noch mal der Zeichner ran", meint Jöken [...]. "Ein Fischschwanz in einer Sprechblase – im französischen Original spiele das auf die Redewendung queue de poisson an, jemandem den Weg abschneiden. Aber in Deutschland versteht das doch kein Mensch." Also habe ein Zeichner aus dem Fischschwanz für die deutsche Ausgabe extra einen Fußtritt machen müssen.
Der Artikel ist auch, hinter Bezahlschranke, online zu lesen.
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