Ich hätte nicht gedacht, dass ich doch noch auf das abgedroschene Thema "deutsche Dialektwörter für das Apfelgehäuse" kommen würde, aber es ist wohl unvermeidlich. Nicht bekannt war mir noch bis vor zwei Tagen das Wort "Apfelkrotzen". "Krotzen" sagt man wohl in Südhessen und im moselfränkischen Gebiet. Ich könnte ja die in Frankfurt lebende Übersetzerin des Buches "Het Diner", Heike Baryga, fragen, wo sie diesen Ausdruck kennengelernt hat. In jenem Roman Herman Kochs nämlich, genauer: in der deutschen Übersetzung (Kiepenheuer & Witsch 2010) bin ich erstmals auf "Apfelkrotzen" gestoßen (über dessen Albernheit ich kein Urteil fällen mag (Ich meine, ich persönlich nenne das Kerngehäuse "Apfelkrieps" (bzw. "-kriebsch").)). Leider konnte ich nicht herausfinden, welches Wort in der niederländischen Originalversion steht.
So. Dieser kurze pomolinguistische Exkurs war lediglich ein Anlauf zu der ausdrücklichen Empfehlung des Buches ("Angerichtet"). Es erinnert an die Filme "Der Gott des Gemetzels" und "Der Vorname", überrascht aber nach anfänglicher Situationskomik mit tragischen Abgründen und liest sich – eben auch dank der formidablen Übersetzung – flott weg. Ich bin froh, dass ich mit der Lektüre noch nicht fertig bin, sonst würde ich mich wieder dazu hinreißen lassen, der Etymologie von Krotzen auf den Grund zu gehen, und am Ende sind zwei Stunden für das Verfassen eines Blogeintrags draufgegangen, der sowieso niemanden außer mich selbst interessiert. Stattdessen lese ich das Buch jetzt zu Ende. Halt, nein! Zuerst esse ich einen Apfel.
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Dienstag, 19. Januar 2016
Dienstag, 2. Juni 2009
Mirácoli
Eine solche Mirácoli-Packung, wie sie hier zu sehen ist, enthält neben den Spaghetti, dem Parmesan1 und dem Tomatenmark ein Tütchen mit der Aufschrift "Original Würzmischung für den unnachahmlichen Mirácoli-Geschmack".
Die Produktbezeichnung ist noch in vier weiteren Sprachen abgedruckt. Seltsam sind dabei die französische und die niederländische. Erstere lautet Mélange secret d'herbes et d'épices méditerranéennes ("Geheime Mischung mediterraner Kräuter und Gewürze"), zweitere Geheime mengeling van zuiderse kruiden en specerijen ("Geheime Mischung südlicher Kräuter und Gewürze"). [Interessant: specerijen geht wie das schöne deutsche Wort Spezereien und wie spice und épice auf dasselbe Wort zurück.] Die englische und die dänische Bezeichnung gleicht jeweils der deutschen, nur das "Original" fehlt (Seasoning mix for the inimitable Mirácoli Taste resp. Krydderiblanding. Den rigtige Mirácoli smag), wobei ich nicht weiß, ob das dänische rigtig die genaue Entsprechung zu "unnachahmlich" ist.
Es lässt sich also folgende Tabelle erstellen:
Das einzige, was allen fünf verschiedensprachigen Tütchenbeschriftungen gemein ist, ist das Element "Mischung". Was sich die Gestalter bei den zT stark abweichenden Übersetzungen gedacht haben, kann ich nicht einmal vermuten. Vielleicht hat es etwas mit kulturgebundener Konsumentenpsychologie zu tun, vielleicht ist es nur Nachlässigkeit.
1 Hier irre ich. Laut Wikipedia ist "[d]er Name des beigefügten Trockenkäses – Pamesello [...] ein Kunstwort und soll an Parmesan erinnern, der im Käse jedoch nicht enthalten ist."
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