Donnerstag, 29. Oktober 2026

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Notting Hill
Als "Notting Hill" im Kino lief (und später gefühlt einmal pro Woche im Fernsehen), war ich im besten Late-Teen/Early-Twen-Alter, um diesen "Weiberkram" leidenschaftlich zu hassen. Niemals würde ich mir so einen peinlichen Seich mit Schnulzenkönig Hugh Grant und seiner durchschaubaren "Oh silly me!"-Fresse freiwillig angucken! Heute, da ich gesetzt und tolerant und mild bin, gebe ich auch romantischen Komödien eine Chance. Was den 1999er-Kassenschlager von anderen Vertretern des Genres abhebt, ist: Er ist very British. Das heißt zuvörderst, dass er sich handfeste Derbheiten leistet, insbesondere in der Sprache, dabei trotzdem mit englischem Charme punktet. Hugh Grant, der mich in diversen Altersrollen ohnehin positiv überrascht hat, weist bereits hier eine Verschmitztheit und Selbstironie auf, die der Komik durch und durch zuträglich ist. Da hätte es den ein oder anderen comic relief gar nicht gebraucht, wobei man Rhys Ifans als verpeilten und waghalsig "gekleideten" Slacker-Mitbewohner gerne sieht, vor allem wenn man ihn nur oder vor allem als späteren "House of the Dragon"-Star kennt.
Fazit: Ich habe es nicht bereut, habe sogar mehrmals geschmunzelt und nebenbei eine Fantheorie entwickelt (auf die freilich schon andere gekommen sein dürften), nämlich dass der von Dylan Moran in seinem Filmdebüt gespielte Ladendieb "Rufus" in Wahrheit der Buchladenbesitzer Bernard aus "Black Books" ist, also ein Konkurrent von Hugh Grants Figur!

Der Pinguin meines Lebens (OT: The Penguin Lessons)
Auch diesen britischen Film, eine Literaturverfilmung von 2024, könnte man für etwas anderes halten, als er ist. Es handelt sich eben nicht um die familientaugliche Geschichte einer ungewöhnlichen Mensch-Tier-Freundschaft, sondern um ein teils ziemlich düsteres Drama vor dem Hintergrund des Militärputsches in Argentinien 1976. Zwar gibt es ein paar drollige Szenen mit dem titelgebenden Watschler, und Steve Coogan vermag allein durch seine Mimik zum Lachen reizen, aber insgesamt überwiegt das Ernste, Melancholische. Geht man mit der entsprechenden Stimmung in die rund 110 Minuten, darf man eine eindrückliche, erfüllende Kinoerfahrung machen.

Fountain of Youth
Mit "Indiana Jones bei Temu bestellt" könnte man den 2015 bei Apple TV+ erschienenen Zweistundenreißer umschreiben. Man merkt leider, dass Regisseur Guy Ritchie in diesem Genre nicht zu Hause ist, und dem teils haarsträubenden Drehbuch hätten zwei bis zwölf zurechnungsfähige Skriptdoktoren gut getan. Man verstehe mich nicht falsch: "Fountain of Youth" ist keine Billigware. Die 180 Millionen US-$ Budget wurden in einen Cast gesteckt, über den nun wirklich niemand etwas Böses sagen kann (John Krasinski, Stanley Tucci und Natalie Portman, deren Nominierung für eine Goldene Himbeere nicht fair ist!); die Spezialeffekte sind besserer Durchschnitt, und auch sonst weist dieses Abenteuer alle Zutaten auf, die man erwartet: eine Schnitzeljagd durch die halbe Welt mit markanten Schauplätzen, geheime Konstruktionen und Mechanismen in uralten Bauwerken, pseudohistorische Mysterien, schießwütige Bösewichte und den ein oder anderen lockeren Spruch. Wer sich an einem Sonntagnachmittag mal wieder wie mit zwölf vor den "Goonies" oder so fühlen möchte, ist hier bestens aufgehoben. Hirn aus, Popcorntüte auf!

The Lost Children
Eine Netflix-Dokumentation über den Absturz eines Kleinflugzeugs im kolumbianischen Dschungel, den unglaublicherweise vier Kinder überlebt haben. Wer die (hier sei das Wort ausnahmsweise gestattet) dramatische Rettungsaktion im Jahr 2023 nicht mitbekommen hat (ich selbst konnte mich nur dunkel daran erinnern), möge die Hintergrundinfos erst hinterher lesen. Wie für den Streamer charakteristisch, ist dieses Doku-Drama qualitativ hochwertig produziert und reißt das Publikum vom Anfang bis zum Ende mit.

If I Had Legs I'd Kick You
Diesen unangenehm weirden Film habe ich zugegebenermaßen allein wegen Conan O'Brien geguckt, der hierin seine erste dramatische Rolle spielt – gar nicht mal so übel. Das ganze Ensemble, von Rose Byrne bis ASAP Rocky, überzeugt, doch reicht das leider nicht aus, der unfokussierten, in quälend( lang)en Einstellungen erzählten Psycho-Tour-de-Force interessiert bis zum Finale zu folgen, dessen Surrealismus bei mir im Übrigen nicht verfängt (ganz anders als beispielsweise in der Serie "The Curse"). Aber schön, dass die internationale Kritik offenbar begeistert war.

Vier Hochzeiten und ein Todesfall
Nachdem ich, s.o., mit "Notting Hill" durchaus meinen Spaß hatte, traute ich mich, auch die fünf Jahre zuvor erschienene RomCom aus der Feder desselben Autors nachzuholen. (Bei der Nachbereitung fand ich heraus, dass der extrem umtriebige Richard Curtis nicht nur mit Rowan Atkinson an "The Black Adder" und "Mr Bean" gearbeitet hat, sondern auch eine meiner allerliebsten "Doctor Who"-Folgen, die todtraurige "Vincent and the Doctor", geschrieben hat.)
"Four Weddings and a Funeral" hat mir sogar noch besser gefallen! Ein Ensemble mit perfekter Chemie um einen abermals mehr als akzeptablen Hugh Grant, Fernweh evozierendes London-Flair, die so kurzweilige wie zweckmäßige Struktur (Hochzeit, Hochzeit, Hochzeit, Beerdigung, Hochzeit), die scharfen Dialoge (man weiß, woran man ist, wenn die ersten Zeilen in einem Film eine Kaskade von "Fuck!"s sind): Das alles rundet sich zu einem zweistündigen Vergnügen, dem ich aufrichtig das Prädikat "Kult" zugestehe. Auffallend ist auch die für die Entstehungszeit nicht selbstverständliche representation (Gehörlose, Queers). Und sogar der Titeltrack "Love Is All Around" von Wet Wet Wet, vor dem es, als ich in der 7. oder 8. Klasse war, kein Entkommen gab, ist ein kleines Bisschen in meinem Ansehen bzw. -hören gestiegen.

Mission: Impossible - The Final Reckoning
Lang genug hat's gedauert, nun habe auch ich die M:I-Reihe abgeschlossen, hochzufrieden und mit einer Träne im Knopfloch. Den allerersten "Mission: Impossible" habe ich im Kino gesehen, den letzten leider nicht. Seine Wirkung hat er jedoch auch auf dem TV-Bildschirm nicht verfehlt. Das ist genre-defining Action-Kintopp, nicht selten behämmert, aber durchgängig, man verzeihe mir die ordinäre Wortwahl: geil! Die Phrase "over the top" trifft nicht annähernd, was hier vonstatten geht. Machen wir uns nichts vor: Wer Realismus sucht, ist hier ohnehin fehl am Platze. Die meisten der schwindelerregenden Manöver gelingen lediglich dank unwahrscheinlicher Zufälle und hollywoodeskem Glück; nichtsdestotrotz halte ich die U-Boot-Szene für die beste Viertelstunde der gesamten Oktologie. Darüber hinaus beweist Regisseur und Co-Autor Christopher McQuarrie einmal mehr Gespür für die Tech-Themenwahl zur rechten Stunde (der Plot kreist wie in "Dead Reckoning" um eine weltumspannende und -erobernde KI, die diesmal sogar Krieg spielt) – und sogar für eine Prise Tragik (Spoiler: Ein beliebter langjähriger Weggefährte Ethan Hunts opfert sich fürs höhere Ziel). Bemängeln würde ich nur eins: Die Referenzen zu früheren M:I-Teilen, die freilich nötig sind, um die Abschieds- und Abschlussstimmung abzurunden, waren mir zu sehr "hinten durch die Brust ins Auge"; beispielsweise wird eine Nebennebennebenfigur aus dem Erstling in arg bemühter Façon zum wichtigen Mitstreiter erhoben. Dennoch: "Out with a bang" war hier das Motto, und ich heiße es gut. Danke für diese 30(!)-jährige cineastische Mission.

A Chorus Line
Das obligatorische Musical in diesem Zehnerpack führte mich wieder einmal nach New York, genauer: an den Broadway, genauer: in ein Theater, das wir während der zwei Stunden kaum verlassen. Ja, "A Chorus Line" von 1985 ist ein Kammerspiel, bei dem die intensiven, intimen Verhöre der (von mir nicht bekannten Darstellerinnen und Darstellern verkörperten) Vortanzenden durch einen verhaltensauffälligen Casting-Direktor (Michael Douglas) im Zentrum der "Handlung" stehen. Drumherum wird viel getanzt, was sich, gerade am Anfang, so sehr in die Länge zieht, dass ich versucht war, vorzeitig auszusteigen. Tanzfans mit Kennerblick werden angesichts der beeindruckenden Choreographien stärker auf ihre Kosten kommen als ich. Und die Hauptnummer, "One", ist natürlich ein Klassiker mit Mitsummfaktor (den ich Banause bis dahin nur aus dieser einen kranken "Treehouse of Horror"-Endszene kannte).

Das Kaninchen bin ich
... ist einer jener verbotenen DEFA-Filme, denen dieses Sozialdrama von 1965 das Synonym "Kaninchenfilme" gab. Eine sehr lehrreiche Geschichtsstunde über Justiz, Ethik und Haltung in der DDR, kritisch, präzise, menschlich. Interessant ist der eigenwillige Einsatz von Zooms, der das für moderne Sehgewohnheiten ansonsten etwas schwierige Werk stellenweise sogar "zackig" erscheinen lässt, das Innenleben der Protagonistin (stark: Angelika Waller) widerspiegelnd.

Entertainment
Was ich beim "Genuss" von "If I Had Legs ..." dachte, trifft auf diese Indy-Dramedy von 2015 umso mehr zu: Ich schätze die Absurdität, ich erkenne den leisen Humor, ich will das märchenhafte Ende mögen, und doch ist es mir zu weird, and not in a good way. Co-Autor Gregg Turkington, vornehmlich bekannt als Tim Heideckers Partner in "On Cinema", spielt einen Anti-Comedian à la Neil Hamburger, der von einem undankbaren Auftritt zum nächsten tingelt und dabei innere Dämonien ausficht. Die geschmacksbefreiten Stand-ups waren tatsächlich die einzigen Stellen, an denen ich lachen konnte. Keinem Menschen, der mir was bedeutet, würde ich "Entertainment" empfehlen, aber ich bin froh, dass es ihn gibt. Macht das Sinn? Nein? Egal, das tut "Entertainment" auch nicht.

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