Heute: Online-Kriminalität
Donnerstag, 23. August 2012
Mittwoch, 22. August 2012
Der Storch und die Bisamratte
Eines Tages traf die Bisamratte den Storch. Der Storch ging gramgebeugt und machte insgesamt einen niedergeschlagenen Eindruck. "Warum machst du so ein langes Gesicht?", fragte die Bisamratte den Storch.
"Ach, weißt du", erwiderte der Storch, "mein Zuhause gefällt mir nicht. Mein Nest ist viel zu klein und viel zu weit oben gelegen. Ich bekomme Beklemmungen, wenn ich darin sitze, und ich muss ständig Angst haben, dass ich hinuntergeweht oder vom Blitz getroffen werde." -- "Warum hast du dir das Nest so gebaut, wie es ist?", wollte die Bisamratte wissen.
"Weil es die Gesellschaft von mir erwartet", antwortete der Storch. "Aber es ist nicht nur das Nest, das mir so zusetzt. Ich habe gerade einen Frosch gefressen. Dabei wird mir jedes Mal schlecht. Oft bleiben mir die Frösche im Hals stecken, so dass ich fast ersticke. Obendrein sind sie schwer zu fangen und schmecken nach Sumpf." -- "Warum frisst du dann noch Frösche?", wollte die Bisamratte wissen.
"Weil es die Gesellschaft von mir erwartet", antwortete der Storch. "Aber es sind nicht nur mein Nest und die Frösche, die mir zu schaffen machen. Wie du weißt, bringe ich den Menschen die Kinder. Das kostet mich eine Menge Kraft und Zeit. Ich sehe kaum noch meine eigene Familie, und vom vielen Kindertragen tun mir die Nackenmuskeln weh." -- "Warum bringst du dann den Menschen die Kinder?", wollte die Bisamratte wissen.
"Weil es die Gesellschaft von mir erwartet", antwortete der Storch.
"Lieber Storch", sprach da die Bisamratte, "du misst der Gesellschaft zu viel Bedeutung bei! Findest du nicht, es wäre einmal an der Zeit etwas zu tun, das die Gesellschaft nicht von dir erwartet?"
Darüber dachte der Storch gründlich nach. Dann stieß er der Bisamratte seinen Schnabel in die Kehle und trank ihr Blut und hackte immer und immer wieder auf sie ein. Ersterbend röchelte die Bisamratte: "So war das aber nicht gemeint ..."
Moral: Man sollte niemanden dazu ermutigen, aus seiner gesellschaftlich vorgeschriebenen Rolle auszubrechen.
Fazit: Eine äußerst bedenkliche Fabel. Gut geeignet als Schullektüre in totalitären Systemen.
"Ach, weißt du", erwiderte der Storch, "mein Zuhause gefällt mir nicht. Mein Nest ist viel zu klein und viel zu weit oben gelegen. Ich bekomme Beklemmungen, wenn ich darin sitze, und ich muss ständig Angst haben, dass ich hinuntergeweht oder vom Blitz getroffen werde." -- "Warum hast du dir das Nest so gebaut, wie es ist?", wollte die Bisamratte wissen.
"Weil es die Gesellschaft von mir erwartet", antwortete der Storch. "Aber es ist nicht nur das Nest, das mir so zusetzt. Ich habe gerade einen Frosch gefressen. Dabei wird mir jedes Mal schlecht. Oft bleiben mir die Frösche im Hals stecken, so dass ich fast ersticke. Obendrein sind sie schwer zu fangen und schmecken nach Sumpf." -- "Warum frisst du dann noch Frösche?", wollte die Bisamratte wissen.
"Weil es die Gesellschaft von mir erwartet", antwortete der Storch. "Aber es sind nicht nur mein Nest und die Frösche, die mir zu schaffen machen. Wie du weißt, bringe ich den Menschen die Kinder. Das kostet mich eine Menge Kraft und Zeit. Ich sehe kaum noch meine eigene Familie, und vom vielen Kindertragen tun mir die Nackenmuskeln weh." -- "Warum bringst du dann den Menschen die Kinder?", wollte die Bisamratte wissen.
"Weil es die Gesellschaft von mir erwartet", antwortete der Storch.
"Lieber Storch", sprach da die Bisamratte, "du misst der Gesellschaft zu viel Bedeutung bei! Findest du nicht, es wäre einmal an der Zeit etwas zu tun, das die Gesellschaft nicht von dir erwartet?"
Darüber dachte der Storch gründlich nach. Dann stieß er der Bisamratte seinen Schnabel in die Kehle und trank ihr Blut und hackte immer und immer wieder auf sie ein. Ersterbend röchelte die Bisamratte: "So war das aber nicht gemeint ..."
Moral: Man sollte niemanden dazu ermutigen, aus seiner gesellschaftlich vorgeschriebenen Rolle auszubrechen.
Fazit: Eine äußerst bedenkliche Fabel. Gut geeignet als Schullektüre in totalitären Systemen.
Montag, 20. August 2012
Alle Jahre wieder
Jedes Jahr rege ich mich aufs Neue auf, wenn ich in unzähligen Medien lese, Person X sei "die schönste Frau der Welt". Und so war gestern wieder überall zu vernehmen, dass jetzt "die Chinesin Yu Wenxia die schönste Frau der Welt" ist. Dabei hat Yu Wenxia lediglich an einem bedeutungslosen Wettbewerb namens "Miss World" teilgenommen und dabei den ersten Platz belegt. Isses denn so schwer?
Denn eines ist doch klar: Jeder hat in seinem Bekanntenkreis eine "schönste Frau der Welt".
Eigentlich bin ich wegen der momentanen Hitze viel zu matt, um mich über solche belanglosen Fehltritte zu echauffieren.
(Wichtig: außergewöhnliche Wetterperioden immer im Blog festhalten, so dass man ein paar Jahre später, wenn man den Post noch einmal liest, sagen kann: "Ah, das war gerade, als es so heiß war. Daran erinnere ich mich!")
Sonntag, 19. August 2012
Donnerstag, 16. August 2012
Kurz notiert: Fundstück (ohne Foto)
Im Regionalteil der FAZ befand sich eine Spezialseite zum Schulanfang. Eltern gratulierten dort ihren frisch eingeschulten Sprösslingen zum großen Tag: "Liebe Leoni, alles Gute & viel Spaß" etc.
Eines der Kinder, ein Junge, stach dadurch hervor, dass es adressiert wurde als "Liebes Äffchen!"
Mittwoch, 15. August 2012
Zeitzeugenbericht
Am 12.08.2002 schrieb ich folgenden Satz in mein Notizbuch: "Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen als Der Tag, an dem es regnete". Was war passiert?
Ich war am späten Nachmittag zu einer kleinen Fahrradtour zu einem nahegelegenen Wäldchen aufgebrochen, als es plötzlich anfing zu regnen. 'Das wird schon wieder aufhören', dachte ich und stellte mich unter einen Baum. Leider hörte es nicht auf, zumindest nicht an diesem Tag. Aus dem Regen wurde ein Guss, aus dem Guss eine Sintflut, aus der Sintflut ein Hochwasser. Wer nicht hinterm Mond lebt, wird bereits wissen, in welcher Stadt sich diese Episode zutrug: in Dresden. Der unbarmherzige Regen hatte das zur Folge, was bis heute als "Jahrhundertflut" bekannt ist.Ich war vernünftigerweise nach einer halben Stunde des Unterm-Baum-Stehens wieder nach Hause gefahren. Die folgenden Tage waren geradezu geisterhaft. Der Verkehrslärm war fast komplett verstummt, nur Sirenen heulten die ganze Zeit irgendwo, und Modergeruch lag in der Luft. An mehr erinnere ich mich nicht mehr, war ich doch gottlob nicht direkt von der Katastrophe betroffen.
Dienstag, 14. August 2012
Montag, 13. August 2012
Neulich bei Twitter
Nun ist es amtlich: Die Bundesregierung unterstützt neues Unrecht.
(Zur Verteidigung: Seibert war gerade im Urlaub und hat dabei vergessen, dass jeder Tweet nach 140 Zeichen rigoros abgehackt wird.)
Donnerstag, 9. August 2012
Traumprotokoll: Affe
Im Traum der vergangenen Nacht war ich aus unbekannten Gründen Besitzer eines Schimpansen. Der stellte, wie man sich vorstellen kann, jede Menge Schabernack an, huschte an den Gardinen entlang, ließ sich nur schwer fangen und versuchte permanent, mein zweites Haustier, eine Heuschrecke, zu verspeisen.
Ich kann mir diesmal erklären, woher der Traum kommt. Er erwuchs aus meiner Erwartung eines Besuches der Jeff Koons-Ausstellung in Frankfurt am folgenden Tag. Diese wird schon seit geraumer Zeit u.a. mit der berühmten Skulptur von Michael Jackson und seinem Hausaffen Bubbles beworben.
Mir ist während des Traums klargeworden, dass kein Mensch einen Primaten als Haustier halten sollte. Michael Jackson war einer der wenigen berühmten Affenhalter, und der kann jetzt niemandem mehr schaden.
PS: Wie die werten Leserinnen und Leser gemerkt haben dürften, schreibe ich jetzt nur noch in Arial. Früher hielt ich Georgia für die schönste Schriftart, die man bei Blogger verwenden kann, mittlerweile widert sie mich an. Nun schwimme ich mit dem Strom und bin der Meinung, Serifen gehören nur in gedruckte Texte. Kann sein, dass ich irgendwann zu Verdana oder Helvetica wechsle.
Ich kann mir diesmal erklären, woher der Traum kommt. Er erwuchs aus meiner Erwartung eines Besuches der Jeff Koons-Ausstellung in Frankfurt am folgenden Tag. Diese wird schon seit geraumer Zeit u.a. mit der berühmten Skulptur von Michael Jackson und seinem Hausaffen Bubbles beworben.
Mir ist während des Traums klargeworden, dass kein Mensch einen Primaten als Haustier halten sollte. Michael Jackson war einer der wenigen berühmten Affenhalter, und der kann jetzt niemandem mehr schaden.
PS: Wie die werten Leserinnen und Leser gemerkt haben dürften, schreibe ich jetzt nur noch in Arial. Früher hielt ich Georgia für die schönste Schriftart, die man bei Blogger verwenden kann, mittlerweile widert sie mich an. Nun schwimme ich mit dem Strom und bin der Meinung, Serifen gehören nur in gedruckte Texte. Kann sein, dass ich irgendwann zu Verdana oder Helvetica wechsle.
Dienstag, 7. August 2012
Wie die Staaten heißen
Weil gerade die Olympischen Spiele stattfinden, hört und liest man überall die Namen der teilnehmenden Länder. Und weil ich schon in der Vergangenheit einige Zeilen über Ländernamen verfasst habe, nutze ich die Gelegenheit, diese hier zu recyceln, hihi.
Zur stundenlangen Lektüre lädt die Online-Dokumentesammlung des Ständigen Ausschusses für geographische Namen (StAfGN) ein. Besonders lohnend: die Liste der Staatennamen und ihrer Ableitungen im Deutschen. Journalisten und andere Personen, die es etwas angeht, finden darin empfohlene Schreibungen sämtlicher Ländernamen, wobei für jeden Staat eine Vollform (z.B. "Bundesrepublik Deutschland") und eine Kurzform ("Deutschland") aufgeführt ist.
Hier sind ein paar erstaunliche Fakten:
- Bolivien heißt offiziell "Plurinationaler Staat Bolivien"
- die Schreibung "Botswana" ist nicht mehr zulässig; es heißt "Botsuana"
- ein Dominicaner ist ein Einwohner von Dominica (Vollform: "Commonwealth Domenica"), ein Dominikaner ein Einwohner der Dominikanischen Republik
- auch erst gelernt: Der Staat Guyana wird anders geschrieben als das "Guayana" in "Französisch-Guayana"
- die Schweizer schreiben das Adjektiv "kapverdisch" zusammen, alle anderen Deutschsprachigen auseinander ("kap-verdisch")
- Libyen sollte in der Kurzform "Libysch-Arabische Dschamahirija", in der Vollform "Sozialistische Libysch-Arabische Volks-Dschamahirija" genannt werden; zu Recht hält sich niemand daran
- Einwohner der Marshallinseln heißen Marshaller
- weder in Österreich noch in Deutschland sollte man von "Russland" oder "Russen" sprechen, nur von der "Russischen Föderation" und von "Einwohnern" derselben
- die Vollform von Uruguay lautet "Republik Östlich des Uruguay"
- die Vollform von Venezuela lautet "Bolivarische Republik Venezuela"
Quiz: Wie heißt das Land, dessen Hauptstadt Bischkek ist? Kirgistan (FAZ), Kirgisistan (heute.de) oder Kirgisien (Spiegel)?
Die meisten scheinen zu erster Variante zu tendieren, aber welche ist richtig? Wer ganz sicher gehen will, verwendet den offiziellen Namen "Kirgisische Republik"; die deutsche – nicht eineindeutige und daher schlechte – Transkription wäre Kyrgysstan, die genaue Transliteration ist Kyrgyzstan. Hier ist die iranische Endung -stan "Land" deutlich zu erkennen (evtl. stand mal ein Vokal zwischen dem z und dem s?). Kyrgyzstan ist somit das "Land der Kyrgyz" (was Kyrgyz bedeutet, ist anscheinend nicht ganz klar). Ich spreche mich also entschieden für den Namen Kirgisistan aus, wie es im Übrigen auch der StAfGN tut.
Natürlich befasst sich auch die gute Wikipedia mit dem Problem des Namens von Kirgisdings. Demnach enthalten die verschiedenen Benennungen "jeweils unterschiedliche politische Untertöne". Kirgisien wurde in der Sowjetzeit verwendet. Heißt das, dass die Leute vom Spiegel die Unabhängigkeit der GUS-Staaten nicht anerkennen?
PS: Neulich las ich, dass Bischkek, die Hauptstadt Kirgisistans, früher Frunse hieß. Frunse - was für ein putziger Name! Klingt wie direkt aus einem Dieter-Hallervorden-Sketch entsprungen: "Palim-palim, ich hätte gerne eine Frunse." – "Eine was?" – "Eine Frunnnnse!" Frunse könnte auch ein Fachbegriff aus dem Stellmacherhandwerk sein (die Knäpel über die Frunse pleißeln), ebenso könnte man sich "alte Frunse" als besonders derbes Schimpfwort für eine Hure vorstellen. Der wahre Hintergrund ist ernüchternd: Frunse hieß ein russischer Feldherr, nach dem noch eine Reihe weiterer, überwiegend ukrainischer, Städte benannt ist.
Die meisten scheinen zu erster Variante zu tendieren, aber welche ist richtig? Wer ganz sicher gehen will, verwendet den offiziellen Namen "Kirgisische Republik"; die deutsche – nicht eineindeutige und daher schlechte – Transkription wäre Kyrgysstan, die genaue Transliteration ist Kyrgyzstan. Hier ist die iranische Endung -stan "Land" deutlich zu erkennen (evtl. stand mal ein Vokal zwischen dem z und dem s?). Kyrgyzstan ist somit das "Land der Kyrgyz" (was Kyrgyz bedeutet, ist anscheinend nicht ganz klar). Ich spreche mich also entschieden für den Namen Kirgisistan aus, wie es im Übrigen auch der StAfGN tut.
Natürlich befasst sich auch die gute Wikipedia mit dem Problem des Namens von Kirgisdings. Demnach enthalten die verschiedenen Benennungen "jeweils unterschiedliche politische Untertöne". Kirgisien wurde in der Sowjetzeit verwendet. Heißt das, dass die Leute vom Spiegel die Unabhängigkeit der GUS-Staaten nicht anerkennen?
PS: Neulich las ich, dass Bischkek, die Hauptstadt Kirgisistans, früher Frunse hieß. Frunse - was für ein putziger Name! Klingt wie direkt aus einem Dieter-Hallervorden-Sketch entsprungen: "Palim-palim, ich hätte gerne eine Frunse." – "Eine was?" – "Eine Frunnnnse!" Frunse könnte auch ein Fachbegriff aus dem Stellmacherhandwerk sein (die Knäpel über die Frunse pleißeln), ebenso könnte man sich "alte Frunse" als besonders derbes Schimpfwort für eine Hure vorstellen. Der wahre Hintergrund ist ernüchternd: Frunse hieß ein russischer Feldherr, nach dem noch eine Reihe weiterer, überwiegend ukrainischer, Städte benannt ist.
Sonntag, 5. August 2012
So dahin gesagt
Aussagen, die einem die Leute durchgehen lassen, wenn man genügend Autorität und/oder Lebensjahre angehäuft hat
- "Meine Kinder konnten mit zwei Monaten sprechen."
- "Nikolaus ist bei uns Feiertag."
- "Helmut Kohl ist schon tot, nicht?"
- "Bei mir ist das Herz auf der rechten Seite. Das ist bei jedem Menschen anders."
- "Auf Kamtschatka leben heute noch Mammuts."
- "Seife war früher aus Holz!"
- "Schwarz und Weiß sind streng genommen keine Farben, sondern Töne."
Samstag, 4. August 2012
Bizarre Serviervorschläge (II)
(Wie immer: zur Großansicht der Bilder auf diese klicken)
Ich wusste nicht, dass die Stammzellenforschung schon so weit fortgeschritten ist, dass man aus Haselnussmehl ganze Haselnüsse herstellen kann - und das in der eigenen Küche. Nur: warum sollte man das tun, wenn es doch in jedem Markt vollständige Nüsse zu kaufen gibt?
Apropos Nüsse: Wenn man schon einmal so etwas Exotisches wie Kokosnussmilch trinkt, dann sollte man es auch angemessen servieren. Hervorragend eignen sich dazu Kokosnusshälften. Man muss in diesem Fall nur eine Kokosnuss halbieren und die darin enthaltene Kokosmilch wegschütten, damit Platz ist für die gute Dosenkokosmilch.
So machen es die Schweizer nämlich schon seit Urzeiten: Das Müsli wird in ein großes Saftglas gegeben und zu max. zwei Dritteln mit Milch übergossen. Man achte ferner darauf, dass die einzelnen Zutaten neckisch hinter dem Glas hervorlugen.
Man kann es sich lebhaft vorstellen: Die Müslipackungsdesigner sitzen an einem Tisch und beraten sich über die Endfassung.
"Das Produkt ist ja schon sehr gut wiedergegeben, auch der Schokosplitter ist ganz nett. Aber irgendwie sieht alles etwas monoton, langweilig aus."
"Und wenn wir noch etwas Obst hinzufügen? Obst steht für ein gesundes Frühstück, das lieben die Leute!"
"Nicht schlecht. Woran haben Sie gedacht? Einen Apfel? Kirschen? Erdbeeren?"
"Nein, das ist zu abgefahren. Wer isst schon Kirschen zum Frühstück? Wir brauchen Mainstream-Früchte, mit denen sich jeder identifizieren kann. Etwas, das man gerne in sein Schokoknuspermüsli tut."
"So etwas wie ... Physalis?"
"Ja, genau! Kapstachelbeeren. Brillant!"
"Dann ist es entschieden. Frollein Meyer, machen Sie das Bild druckfertig!"
"Ich? Aber ich bin doch nur Ihre Sekretärin. Ich wollte Ihnen gerade etwas Kaffeegebäck bringen ..."
"Ach ja? Und wo sind die Granatäpfel?"
So machen es die Schweizer nämlich schon seit Urzeiten: Das Müsli wird in ein großes Saftglas gegeben und zu max. zwei Dritteln mit Milch übergossen. Man achte ferner darauf, dass die einzelnen Zutaten neckisch hinter dem Glas hervorlugen.
Man kann es sich lebhaft vorstellen: Die Müslipackungsdesigner sitzen an einem Tisch und beraten sich über die Endfassung.
"Das Produkt ist ja schon sehr gut wiedergegeben, auch der Schokosplitter ist ganz nett. Aber irgendwie sieht alles etwas monoton, langweilig aus."
"Und wenn wir noch etwas Obst hinzufügen? Obst steht für ein gesundes Frühstück, das lieben die Leute!"
"Nicht schlecht. Woran haben Sie gedacht? Einen Apfel? Kirschen? Erdbeeren?"
"Nein, das ist zu abgefahren. Wer isst schon Kirschen zum Frühstück? Wir brauchen Mainstream-Früchte, mit denen sich jeder identifizieren kann. Etwas, das man gerne in sein Schokoknuspermüsli tut."
"So etwas wie ... Physalis?"
"Ja, genau! Kapstachelbeeren. Brillant!"
"Dann ist es entschieden. Frollein Meyer, machen Sie das Bild druckfertig!"
"Ich? Aber ich bin doch nur Ihre Sekretärin. Ich wollte Ihnen gerade etwas Kaffeegebäck bringen ..."
"Ach ja? Und wo sind die Granatäpfel?"
Freitag, 3. August 2012
You are a pest!
Nachdem das Thema pest control in der letzten Breaking Bad-Folge (5x03) eine zentrale Rolle gespielt hat, ist es Zeit, sich damit ein wenig genauer auseinanderzusetzen.
Folgendes passiert: Ein Einfamilienhaus ist von Schädlingen befallen. Um diese loszuwerden, umhüllt ein Schädlingsbekämpfungsunternehmen das Haus mit einer mobilen Verpackung, ähnlich einem Zirkuszelt, und befüllt es mit tödlichem Gas, so dass das Ungeziefer samt und sonders stirbt und nur noch eingesammelt werden muss. Tent fumigation nennt man das. Die betroffene Familie wird natürlich zuvor aus dem Haus entfernt und in einem Hotel oder bei Verwandten zwischengelagert.
Als aufmerksamer US-Serienseher kennt man dies aus so vielen Beispielen, dass man sich fragen muss, ob eigentlich jede amerikanische Familie irgendwann derlei durchmacht – und warum. Ich habe noch nie von einem entsprechenden Fall aus Deutschland gehört oder gelesen.
Sind Amerikaner etwa unhygienischer als Deutsche? Natürlich nicht. Es gibt nur zahlreiche Gründe im Land selbst, warum Bettwanzen, Termiten und Maiswurzelbohrer gerade dort fröhliche Urständ feiern: ganzjährige Hitze in vielen Gegenden, Häuser aus nahrhaftem Holz, gute Bedingungen für das Einwandern fremder Schädlingsarten, Gottes Zorn.
Man bedenke auch folgenden sozialen Faktor. Möglicherweise haben tatsächlich viele Deutsche mit tierischen Eindringlingen zu kämpfen, verheimlichen dies aber aus Angst vor gesellschaftlicher Stigmatisierung. Zitat Wikipedia: "In Mitteleuropa wird schon die Anwesenheit von Schädlingsbekämpfern – oft zu Unrecht – als Zeichen für mangelnde Hygiene, z. B. in Restaurants, betrachtet. Dementsprechend verrichten die Dienstleister ihre Arbeit in der Regel möglichst unauffällig und benutzen z. B. unmarkierte Fahrzeuge. In [z.B. den USA] dagegen ist man an Schädlingsprobleme in Privathäusern gewöhnt. Die Anwesenheit von Schädlingsbekämpfern gilt dort als Zeichen für korrekte Hygiene und wird vorgezeigt, auch durch auffällige Arbeitsuniformen und Fahrzeuge (z. B. mit einer Fiberglasschabe auf dem Dach)." Vielleicht gibt es also auch hierzulande mehr Schädlingsbefall als man gemeinhin denkt, nur wird dagegen nicht auffällig und radikal mit Giftgaszelten vorgegangen, sondern altmodisch-subtil mit Fallen, Wärmeentwesung und zusammengerollter Zeitung.
PS: Auch dieser Beitrag erscheint unter freundlicher Verwendung der Schriftart Arial.
Arial: Nicht nur sauber, sondern se(r)ifenlos rein.
Mittwoch, 1. August 2012
Im Supermarkt
Was wir hier sehen, ist ein Mann, der dabei ist, nichts anderes zu kaufen als Tiefkühl-Hähnchenbrustfilets im Wert von 285,- €. Ich wollte ihn schon fragen "Entschuldigung, sind Sie verrückt?", als mir klar wurde, dass es sich wahrscheinlich um einen Gastronom handelt, der das Zeug in den nächsten Wochen für 10,90 € das Stück feilbietet, serviert an Instantkartoffelbrei und Dosenerbsen. Oder so.
PS: Der heutige Blogbeitrag erscheint in der Schriftart Arial. Arial - einfach, ehrlich, bodenständig.
Montag, 30. Juli 2012
Außergewöhnliche Printprodukte: Der Tintling
Man kann der Jugend von heute vieles vorwerfen. Zum Beispiel, dass sie sich nicht mehr für Pilze interessiert. Pilzesammeln verbindet man unweigerlich mit den älteren Generationen (typischer Satz: "Wir geh'n in die Pilze."), die jungen Leute lachen höchstens über die Phallusförmigkeit mancher Pilze. Das schwindende Interesse an der Mykologie ist bedauerlich, denn gerade in Mitteleuropa begegnet uns eine faszinierende Vielfalt. Viele Pilze sind essbar und bieten eine überraschend breite Palette an Geschmäckern und Aromen, andere bescheren herrliche Drogenräusche. Faszinierend ist zudem, dass sich das Wissen um diese Lebewesen, die weder Pflanze noch Tier sind, sondern wie z.B. Algen und Brötchen ein eigenes Reich bilden, stetig vermehrt. In einem Pilzbuch von 1965 ist etwa zu lesen: "Bisher hielt man den Kahlen Krempling für eßbar nach genügend langer Zubereitungsdauer; neuerdings wurde jedoch festgestellt, daß er, obwohl sorgfältig zubereitet, nach wiederholtem Genuß ernste Gesundheitsstörungen verursachen kann." Das muss man sich mal vorstellen: Da ist eine gewiss beängstigend hohe Dunkelziffer von Menschen krank geworden, weil im Pilzbestimmungsbuch falsche Angaben standen!
Wer also klärt uns auf über die neuen Trends und Erkenntnisse in der Pilzologie? Nun, in jeder größeren Stadt gibt es Pilzberatungsstellen. Ansonsten hilft Der Tintling, eine zweimonatliche Fachzeitschrift im A5-Format, benannt nach der Gruppe Coprinus sensu lato.
(zur Großansicht der Bilder klicken)
Daran, dass die Aprilausgabe frech mit "April April" ausgewiesen ist, sieht man schon, dass die Pilzling-Redaktion dem ein oder anderen Jokus nicht abgeneigt ist und ihre Zunft nicht immer bierernst nimmt. Sicher, auch hochfachliche Abhandlungen und taxonomische Auflistungen finden sich:
Dazwischen aber immer kleine Albernheiten, etwa wenn es um Genießbarkeitshinweise geht:
Im Tintling geht es oft sehr persönlich zu. Fundberichte kommen als Reiseprosa daher, Leser senden ihre schönsten pilzbetreffenden Erlebnisse ein. So erinnert sich etwa ein Dr. Volkbert Kell aus Rostock an sein "marinbiologisches Praktikum im Mai 1979 am Gestade des Schwarzen Meeres", bei dem u.a. dies passierte: "Schließlich schlich sich ein schon leicht angetrunkener Student auf allen Vieren von hinten an mich heran und teilte mir im Flüsterton mit, dass er mit mir eine vertrauliche Angelegenheit zu besprechen habe. [...] Sein Nachbar, mit dem er seit langem in Fehde lag, hatte einen großen Dobermann, von dem sich unser Held [...] bedroht fühle. Seine Frage: 'Mit welcher Giftpilzmixtur lässt sich solch ein 50 Kilogramm schweres Tier am schnellsten und unauffälligsten beseitigen?' Ich erläuterte ihm die Vor- und Nachteile unserer heimischen Giftpilze für die von ihm vorgesehene Verwendung und riet ihm dann, doch lieber eine massive Keule zu nehmen, sich von hinten an den Hund heranzurobben, so wie es die militärische Ausbildung weltweit vermittelt, und ihm mit gezieltem Schlag die Hypophyse zu zertrümmern." Die Story wird noch wundersamer, denn im Laufe des Abends erzählten immer mehr Studentinnen und Studenten von farblichen Veränderungen ihrer Ausscheidungen und wollten wissen, ob dies an den verzehrten Fundpilzen gelegen haben könnte. "Diese mir mitgeteilten Geschehnisse machten nun auch mich neugierig. Mein Toilettengang bestätigte die gemachten Schilderungen: Braunroter Stuhl, rotgrünger Urin."
Ja, Der Tintling wagt sich auch in unappetitliche Gefilde:
Für den Laien sind Artikel über pustelförmige Parasiten und zerfließende Gallerttränen nicht nur amüsant. Man lernt dabei auch so einiges, und seien es nur neue Wörter wie "grobwarzig", "Blattgallen" oder "Verrottungsimpuls" (ein Substantiv, das bis dato keinen einzigen Googletreffer hervorbringt).
Sehr hübsch auch: das April-Feature "Pilze als Wild-Äsung" ("Bisher wurde der Wildäsung in der Forschung keine wesentliche Aufmerksamkeit geschenkt") oder das große Helmling-Profil ("die überstehende Huthaut und der ranzige Geruch sind weitere gute Merkmale"). In der Tradition des "Playmates des Monats" gibt es einen "Pilz des Monats", außerdem zeigen die ausklappbaren Umschlagseiten ausgewählte Pilzarten, z.B. in Heft 3/2012 die Rettichgeruch-Koralle: "Fleisch im Strunk schmutzigweiß und besonders bei alten Fruchtkörpern oft wässrig marmoriert, knorpelig-elastisch, in den Ästen weißlich und gelatinös".
Nach der Lektüre einer Tintling-Ausgabe weiß man: Die Sprache der Mykologie ist die kraftvollste, körperlichste, bisweilen abstoßendste und sexuell aufgeladenste aller Wissenschaftssprachen. "Die Fruchtkörper werden selten höher als 4 mm und erscheinen weniger hirnartig, sondern mehr flach und wellig bis radialrunzelig. Drüsenwärzchen auf der Oberfläche fehlen oder sind nur spärlich vorhanden." -- "Außer den Drüslingen zählen auch die Dornige Wachskruste, der Zitterzahn und der Rötliche Gallerttrichter zur Ohrlappenpilzverwandtschaft." -- "Sporen feinwarzig-gratig-runzelig, zitronenförmig bis lanzettlich ausspitzend" -- "[D]ie Spermogonien selbst sind im Gewebe der Wirtspflanze eingesenkt und ragen mit feinsten Härchen, die bei Reife ein Sekrettröpfchen absondern, aus der Epidermis (Außenhaut) der befallenen Stellen der Wirtspflanze heraus." -- "Oberfläche jung bläulich-weiß, bald isabell bis hell graubeige nachdunkelnd, trocken, glatt und seidig, nur bei feuchtem Wetter etwas schmierig, bis zur Hälfte abziehbar." -- "Die kalkholde und wärmeliebende Art soll nach Literatur am liebsten im Nadelwald wachsen, fruktizierte aber hier auf einer Schlackenhalde."
Wenn man da nicht Heißhunger auf eine deftige Pilzpfanne kriegt!
PS: Die Tintling-Redaktion hat die zwei mir vorliegenden Hefte an das Büro der Titanic geschickt, mit der Bitte, sich des Themas Pilze anzunehmen, weil dieses viel zu selten in Titanic behandelt wird - was stimmt. Dass ich den Tintling ersatzweise an dieser Stelle würdige, ist dem Einsender, wenn nicht bekannt, so doch wenigstens (hoffentlich) recht.
PS: Die Tintling-Redaktion hat die zwei mir vorliegenden Hefte an das Büro der Titanic geschickt, mit der Bitte, sich des Themas Pilze anzunehmen, weil dieses viel zu selten in Titanic behandelt wird - was stimmt. Dass ich den Tintling ersatzweise an dieser Stelle würdige, ist dem Einsender, wenn nicht bekannt, so doch wenigstens (hoffentlich) recht.
Abonnieren
Posts (Atom)
















