Samstag, 14. Juli 2012

Ein paar Fundstücke

Eine klassische Lorem-ipsum-Schusselei, gesehen in der Cinema.

Diese spannende Frage stellt die Sächsische Zeitung - mitten im Sommer, wo an kandierte Mandeln und Früchte noch gar nicht zu denken ist.

Diese Programmankündigung, ebenfalls aus der Sächsischen Zeitung, ist ein wenig unglücklich formuliert.

Hier klafft die Bild-Schere gewaltig. Wobei ich mir sicher bin, dass es bereits eine Porno-Parodie auf "Die Eiserne Lady" gibt.

Mit ihrer großzügigen Definition von "beliebt" können mich die neuartigen Werbeeinblendungen auf Facebook nicht überzeugen.

Und hier sehen wir die Nachteile vorproduzierter Online-Texte (entdeckt auf faz.net).

Mittwoch, 11. Juli 2012

Die unkommentierte Liste

Die Künstlernamen von vier Mitgliedern der ostdeutschen Band Die Puhdys:

- "Maschine" 
- "Quaster"
- "Eingehängt" 
- "Bimbo"

Montag, 9. Juli 2012

Traumprotokoll: Frühstück

Im April 2010 hatte ich folgenden seltsamen Traum. Ich war Schüler und mit einer Menge weiterer Leute auf Klassenfahrt. In der Jugendherberge gab es Frühstück. Ich hatte mir einen Teller mit Brötchen, Aufstrichen usw. belegt und auf meinem Platz abgestellt. Ich ging noch einmal zum Buffet, um mir einen Joghurt zu holen, und als ich wieder an meinem Tisch ankam, war mein Teller mitsamt dem Essen verschwunden! Daraufhin bin ich extrem ausgerastet, wälzte mich auf dem Boden, schrie wildfremde Leute an und wachte schließlich (vor Zorn!) auf. 
Ich wunderte mich über diesen Traum, denn zum einen neige ich nicht zu öffentlich ausgelebten Wutanfällen, zum anderen habe ich mir zu dieser Zeit gar nix aus Frühstück gemacht.

Sonntag, 8. Juli 2012

Kurz notiert: Selbstbewusste Klo-Gimmicks

Kennen Sie jene reizenden* Toilettenspülsteine, die man über den Rand der Porzellanschüssel hängt, auf dass eine chemisch-erfrischende Brise den Abort durchströme? Die Firma Bloo nennt diese Produkte allen Ernstes so:


"WC-Automat". Automaten! Da kann man ja Teebeutel gleich als "Heißgetränk-Maschinen" vermarkten! Unfassbar! 

* reizend im Sinne von "Au, das brennt!", nicht "entzückend"

Samstag, 7. Juli 2012

Sand im Kopf

(Unkenntlichmachung von mir)

Immer wenn man denkt, dümmer und schlimmer könne die Bild-Zeitung inzwischen eigentlich nicht mehr werden, verirrt man sich auf bild.de und wird eines Besseren belehrt.

Auf der Insel Amrum ist ein kleiner Junge in einem Sandloch erstickt bzw. laut Bild online ja vielmehr "ertickt". Das ist ohne Frage sehr traurig. Für Bild-Redakteure ist das aber auch das Ende der Welt, wie wir sie kennen. "Der Sand hat seine Unschuld verloren".

Dass Bild sich an toten Kindern aufgeilt, ist hinlänglich bekannt. Dass Bild tragische Einzelschicksale überdramatisiert, auch. Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist aber schon beispiellos perfide. Lesen wir einmal - *schauder* - den vollständigen Artikel:

"Der Himmel weint milde Nieseltränen auf die Nordsee vor Amrum. [...] Die Fähre 'Schleswig-Holstein' öffnet ihr weißes Maul und spuckt Hunderte Familien an Land." Ja, wie kann diese Scheißfähre es wagen?! Hier ist gestern ein grauenhafter Unfall geschehen, hier "ist nichts mehr, wie es war", sogar der Himmel weint, und Hunderte Familien gehen einfach so "zum fröhlichen Löcherbuddeln" an den Strand, als wäre alles eitel Sonnenschein! "Es war eine merkwürdig zwiespältige Stimmung an Bord, als wir, die BILD-Reporter, die Fähre nach Amrum betraten. Es war der Tag danach." Man kann nur hoffen, dass die zu dieser traurigen, aber leider journalistisch notwendigen Dienstreise gezwungenen Bild-Reporter das nötige Maß Pietät an Bord gebracht haben.

"Da ist kein Loch im Sand, er ist fein, glatt, rinnt unschuldig durch die Finger, und doch ist es genau hier passiert." Und schöpfte man einen Eimer Wasser aus dem Pazifik, in dem immer wieder Tsunamis wüten und Tausende Todesopfer fordern - es würde genauso unschuldig durch die Finger rinnen. Wie kann Gott nur so zynisch sein? "Wenn der Sand Kinder verschluckt, spurlos und heimtückisch, unsichtbar und schweigend, dann kann das morgen wieder ..." Die Autoren wagen nicht, den Satz zu Ende zu schreiben. Zu denken allerdings schon, denn insgeheim fänden sie's natürlich super, wenn "das morgen wieder" passierte. Wie viele Seiten sich mit dem Thema füllen ließen, wie viele Schlagzeilen sich ergäben! Darf man je wieder das Sandmännchen gucken? / Frau Merkel, wann verbieten Sie endlich den teuflischen Nordseesand?

"Die weiße Fähre spuckt die nächste Ladung Familien aus, mit Eimerchen, Förmchen, Schaufeln und Spaten. Alles, was man braucht zum fröhlichen Buddeln im Sand." So endet der Beitrag, und man weiß nicht, was ekelhafter ist: die schwülstig-prosaische Schreibe oder die Implikation, welche die Aussage, der Sand habe "seine Unschuld verloren", hat. Sandstürme, Erdrutsche, Treibsand - das gibt's doch alles gar nicht. Nein nein nein, erst wenn ein einzelnes Kind auf unserem schönen unschuldigen Amrum verunglückt, dann hat der Sand seine Unschuld verloren. 

Wann die Bild-Mitarbeiter Hauke Brost und Thomas Knoop ihren Verstand verloren haben, ist leider nicht überliefert.

Donnerstag, 5. Juli 2012

Es gibt sie noch, die guten Fische

An die Dresdner VW-Manufaktur hat man sich ja schon gewöhnt, und auch eine Seifenmanufaktur ist nichts Ungewöhnliches. Vor knapp zwei Jahren aber sah ich einen Transporter mit der Beschriftung "Deutsche See. Fischmanufaktur". Was es da wohl gibt, dachte ich mir. Handgeklöppelte Makrelen, mundgeblasene Schleie, feuerverzinkte Aale? Werden die Fische womöglich aus Fischabfällen zusammengeknetet?
Der Internetauftritt von Deutsche See macht allerdings einen edlen Eindruck. Im Shop kann man zB 260 Gramm Wolfsbarsch für 36,39 € (zzgl. Versand) ordern. Ich will also nix Schlechtes über dieses grundanständige Unternehmen verbreiten.


Public Service Announcement: Esst mehr Fisch!

Mittwoch, 4. Juli 2012

Dienstag, 3. Juli 2012

Traumprotokoll: Eis

Ein recht neues, aber wiederkehrendes (Alb-)Traummotiv geht so: Ich stehe an einer Eisbude und bin dabei, zwei Kugeln auszuwählen. Dieser Prozess zieht sich wegen der Vielfahl der angebotenen Sorten unerträglich lange hin. Als ich mich endlich entschieden habe und meine Bestellung aufgeben möchte, wache ich auf.
Dieses Szenario taucht auf, seit ich vor zwei Monaten in Rom war, wo ich praktisch jeden Tag von der variantenreichen italienischen Eiscremekunst probierte. Die zwei von mir im letzten Eisbuden-Traum bestellten Sorten waren übrigens besonders exquisit: zum einen Donauwellenkuchen (kann man sich ja noch vorstellen), zum anderen ein Eis namens "Pu Yi" (wie der Name des letzten Kaisers von China), das aus malaria-verseuchten asiatischen Stechmücken hergestellt wird! Hier begann ich an meinem Verstand zu zweifeln. 
Witziges Randdetail: An besagtem Eisstand war auch eine Oma, die ein Eis bestellte, dann jedoch hinzufügte "... ich hol's mir aber erst in vier Jahren ab".

Sonntag, 1. Juli 2012

Bizarre Serviervorschläge (I)

Seit einiger Zeit fotografiere ich Lebensmittelverpackungen, die absonderliche Serviervorschläge zeigen. Der Aufdruck "Serviervorschlag" ist erforderlich, damit sich der Endkunde nicht beschwert, wenn er das abgebildete Beiwerk (etwa Tomatenscheiben auf Magerquark) nach dem Öffnen der Packung nicht vorfindet.


Die Abbildung wäre nicht im Geringsten komisch, wenn daneben nicht "Serviervorschlag" stünde. Doch ohne den Hinweis würde es wahrscheinlich Kunden geben, die darin nicht die Zutaten sehen, sondern glauben, in der Packung befänden sich - trotz der Produktbezeichnung "Kokostörtchen" - Kirschen, Kokosraspeln sowie eine ganze Aprikose. Und mit solchen Kunden will sich die Firma Belbake verständlicherweise nicht herumschlagen. Andererseits: Ist es nicht irreführend, wenn auf der Verpackung ausschließlich Zutaten zu sehen sind, die sich in dieser Form nicht darin befinden? Das ist ja so, als wäre auf einer Steakpackung eine Kuh als "Serviervorschlag" abgebildet.


Die Designer dieser Margarine-Dose schlagen vor, das enthaltene Produkt ganz wegzulassen und stattdessen einige Sonnenblumenköpfe auf dem Tisch zu drapieren. Sieht natürlich schön aus, kann aber den simplen Wunsch nach einer Margarineschnitte nur unzureichend erfüllen.

Ein weiteres Beispiel. Diesmal zunächst der Inhalt:


Und das ist der Deckel:


Serviervorschlag:
1. Nehmen Sie die Shrimps aus der Verpackung.
2. Spülen Sie die Shrimps mit Wasser ab, bis die Dillsauce fast vollständig verschwunden ist.
3. Legen Sie die Shrimps in einem Haufen auf einen Teller.
4. Bestreuen Sie die Shrimps mit Dill.
5. Fahren Sie ans Meer.
6. Guten Appetit!


Auch in Mexiko gibt es Serviervorschläge auf Lebensmittelpackungen. Dieses Papier, welches stinknormale Vanillewaffeln umschlang, scheint zu sagen: "Bereiten Sie eine Schüssel mit sehr flüssigem Vanillepudding zu, legen Sie eine Kugel Vanilleeis darauf, platzieren Sie zwei gekreuzte Waffeln davor und lassen Sie dann ein mit Vanillesoße gefülltes Schokotöpfchen in die Schüssel fallen, dass es spritzt."
So geht's natürlich auch.
   
PS: Nach Aufgabe meines alten, mehr oder weniger geheimen Blogs werde ich die lesenswertesten Beiträge daraus hier herüberretten. Einige damals wochenaktuelle Themen mögen nicht zuoberst, sondern im Archiv erscheinen. Da ich dieses Blog erst 2009 begonnen habe, kann es zu Konfusionen kommen, die aber keine sind. Es lohnt sich jedenfalls, die Zeitleiste immer mal nach bis dato unbekannten Artikeln zu durchforsten.

Samstag, 30. Juni 2012

Kleiner Videotipp zum Wochenende

Hier isser: Teil 2 meiner schon jetzt Kult zu nennenden Animationsreihe "The History of the Toaster", erstellt mit bzw. bei xtranormal:


Hier noch einmal Teil 1:

Mittwoch, 27. Juni 2012

Friends - Teil 3

Weil meine Friends-Analysen sehr gut anzukommen scheinen, ist hier nach langer Zeit mal wieder eine: 
S07E04 - The One with Rachel's Assistant (mm:ss)

06:22
Chandler erzählt Monica, was dem jungen Ross einmal in einem Vergnügungspark passiert ist.

Chandler: […] So Ross has about 10 tacos. And anyway, we’re on Space Mountain and Ross starts to feel a little iffy.
Monica: Oh my God. He threw up?
Chandler: No, he visited a little town south of throw up.

Chandler: Ross hat ungefähr zehn Tacos gegessen. Danach gingen wir auf den Space Mountain und Ross fühlte sich irgendwie so ... verunsichert.
Monica: Ach du meine Güte, hat er kotzen müssen?
Chandler: Er ging in einen kleinen Ort, der hieß "Übergebungsdorf", kapiert?

Während Ross im Original ein Malheur im Hosenbereich hatte, bleibt es in der Übersetzung beim Übergeben. Wollte man die deutschen Zuschauer schonen? Oder hat man wieder einmal den Witz nicht verstanden? Und dann fällt einem nichts Besseres ein als "Übergebungsdorf"?

11:15
Monica hat Tacos gemacht. Unerwarteterweise kommt Ross zu Besuch, der die Tacos auf keinen Fall sehen darf, da er sonst wissen würde, dass Chandler den Disneyland/Taco-Vorfall ausgeplaudert hat.

Ross: What you got over there? Tacos?
Monica: No! No. They’re umm… They’re just uh… [hält eine leere Tortilla hoch] ground beef smileys.

Ross: Was hast du denn da, etwa Tacos?
Monica: Nein, nein, das sind ... ähm ... das sind nur [hält eine leere Tortilla hoch] - nein, das sind nur Rindfleischbällchen.

Mit noch so viel Fantasie kann ich leider keine Ähnlichkeit zwischen einem ungefüllten Taco und einem Rindfleischbällchen finden. Ein Smiley-Gesicht dagegen kann ich mir durchaus vorstellen.


12:06
Ross: [zu Monica] Look, okay, okay, I had food poisoning! It’s not like I chose to do it! It’s not like—It’s not like I said, "Umm, what would make this ride more fun?!"
Monica: You’re right. I mean I’m sorry. Yeah, I shouldn’t be laughing. I should be laying down papers for you! [lachend ab]

Ross: [zu Monica] Okay, hör zu! Ich hatte eine schwere Lebensmittelvergiftung, und das nicht aus freien Stücken! Ich hatte nicht gefragt: Was würde diese Reise wohl noch etwas amüsanter machen?
Monica: Du hast völlig recht. Es tut mir furchtbar Leid, glaub mir. Ja, ich hätte lieber nicht über dich lachen sollen. Ich werd' lieber mal einige Papiertüten für dich zusammensuchen. [lachend ab]

Nun, zumindest hat man die kleine Übersetzerfreiheit, Ross' Taco-Reaktion zu einem Kotzen umzumünzen, konsequent übertragen. Bonus-Nitpicking: Eine Achterbahnfahrt ist keine "Reise".

14:35
Chandler, Ross und Monica verraten peinliche Geheimnisse der jeweils anderen:

Chandler: You wanna tell secrets?! Okay! Okay! In college, Ross used to wear leg warmers!
Ross: All right! All right! Chandler entered a Vanilla Ice look-a-like contest and won!
Chandler: Ross came in forth and cried!
Monica: Oh my God! [lacht]
Ross: Oh, is that funny?! Oh, you...you find that funny?! Well maybe Chandler should know some of your secrets too!
Monica: I-I already told him everything! [drohend] You shush!!
Ross: Once Monica was sent to her room without dinner, so she ate the macaroni off a jewelry box she’d made.

Chandler: Also, ihr wollt Geheimnisse hören? Na gut, okay. Weißt du, was Ross auf dem College getragen hat? Nierenwärmer!
Ross: Na gut, hört zu! Chandler hat sich damals als Schlagersänger vorgestellt und hat verloren!
Chandler: Ross wurde damals Vierter und hat geweint!
Monica: Oh mein Gott!
Ross: Ist, äh ... Ach, ist das witzig? Das findest du also wirklich komisch? Na, dann finde ich aber, dass Chandler auch etwas über dich erfahren sollte!
Monica: Keine Sorge, er weiß schon alles über mich, also sei still!
Ross: Weißt du, Monica wurde einmal dafür bestraft, weil sie einfach Makkaroni gegessen hat, die aus Plastik waren.

Okay, die Nierenwärmer sind lustig, das ist mal eine kreative Anpassung. Aber warum wird Vanilla Ice zum "Schlagersänger"? Den kannte man damals auch hierzulande. Davon abgesehen: Was bedeutet es, sich als Schlagersänger "vorzustellen" und dann zu "gewinnen" bzw., wie es hier heißt, zu "verlieren"? Und wie wird man dabei (wobei?) Vierter? Völlig vergurkt auch die letzte Zeile: Monica wurde nicht bestraft, weil sie Plastik-Makkaroni gegessen hat, sondern sie wurde ohne Essen auf ihr Zimmer geschickt und hat dann aus Verzweiflung die zur Zier aufgeklebten Nudeln an einem selbstgebastelten Schmuckkästchen verschlungen (wir wissen, dass Monica in ihrer Jugend einen gesunden Appetit hatte)!

15:58 
Joey hat zwei Serienrollen verloren und ist niedergeschlagen.

Rachel: Well, wait a minute, what happened to Days of Our Lives?
Joey: Uh, well, they might be a little mad at me over there.
Phoebe: What happened?
Joey: Well, maybe I got a little upset and maybe I told them where they could go.
Rachel: Joey, why would you do that?
Joey: Because they wanted me to audition!
Phoebe: You! An actor?! That’s madness!

Rachel: Wieso, was ist denn mit Zeit der Sehnsucht jetzt passiert?
Joey: Ach, die sind ein bisschen böse auf mich geworden, weißt du?
Phoebe: Was ist passiert?
Joey: Ich bin ein bisschen wütend geworden und hab' dem Produzenten gesagt, was er mich kann.
Rachel: Was hast du dir denn dabei gedacht, Joey?
Joey: Die wollten, dass ich zum Vorsprechen gehe, Rachel!
Phoebe: Was? Du und ein Casting? Die spinnen, die Leute!

Hier wird Phoebes herrlicher Sarkasmus ("Was? Ein Schauspieler, der zu einem Casting muss? Unfassbar!") zu einer schlichten Gemeinheit mit der Grundaussage, dass keine seriöse Produktionsfirma Joey vorsprechen lassen würde.

To be continued... 

Samstag, 23. Juni 2012

Hier bin ich

Ich habe die Adresse dieses Blogs geändert, damit endlich der Name und die URL übereinstimmen. Ich bin überrascht und erfreut darüber, dass man bei Blogger mehrere Adressen registrieren kann und dass der Umzug so problemlos vonstatten ging. Lediglich vier Nutzerkommentare sind verlorengegangen, und die Statistiken wurden logischerweise zurückgesetzt. Bis heute hatte das Blog ziemlich genau 30.000 Zugriffe, pro Tag gab es zwischen 40 und 50 Besucher.
Mal schauen, wie sich die Zahlen mit der neuen Adresse entwickeln werden.
Mit dem Banner da oben bin ich ganz zufrieden. Natürlich hat es überhaupt nichts mit dem Inhalt zu tun, und Grafikdesigner werden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, weil der grüne Hintergrund völlig unpassend ist - aber egal.

Donnerstag, 21. Juni 2012

Filmtitel VIII

Dem Thema Filmtitel habe ich mich knapp zweieinhalb Jahre nicht gewidmet. 'Könnte man mal wieder machen', dachte ich mir jetzt und blätterte die letzten zwei CINEMA-Ausgaben auf der Suche nach Kuriosa durch. Herausragend waren lediglich drei Filme, deren englische Titel man für das deutsche Publikum dergestalt "angepasst" hat, dass man sie leicht variiert und daraus neue, ebenfalls englische Titel gemacht hat, ein Prozedere, das ich bereits in früheren Blogposts vorgestellt habe. So wurde aus The Sitter auf "Deutsch" Bad Sitter, wohl in Anlehnung an die Cameron-Diaz-Komödie Bad Teacher. Aus Beneath the Darkness wiederum (ein grotesk schlechter Thriller mit Dennis Quaid als psychopathischen Bestatter) wurde Beyond the Darkness. Ist die Präposition beyond geläufiger als beneath? Warum schließlich aus Lay the Favorite bei uns Lady Vegas gemacht wurde, weiß wohl nur der Verleih. Man kann sich aber vorstellen, dass "Lay the Favorite", durch eine schlechte Telefonleitung genuschelt, durchaus ein bisschen wie "Lady Vegas" klingt. Also nur ein Kommunikationsproblem?

Noch ein paar Worte zu einem anderen Phänomen. Wenn ein nicht-englischsprachiges Land einen Film international vermarkten will, wird häufig - verständlicherweise - ein englischer Titel gewählt. Unter diesem kommt er dann oft auch in die Kinos deutschsprachiger Länder. Ein paar Beispiele:

Serbuan Maut --> The Raid (Indonesien 2011) 
Mientras duermas --> Sleep Tight (Spanien 2011) 
Sønner av Norge --> Sons of Norway (Norwegen 2011) 
Koi no tsumi --> Guilty of Romance (Japan 2011) 
Slovenka --> Call Girl (Slowenien et al. 2009) 
Ni à vendre, ni à louer --> Holidays by the Sea (Frankreich 2011) 
Sisanje --> Skinning (Serbien 2010) 

Ganz skurril wird es, wenn der Verleih sich entscheidet, den Film unter einem englischen, aber nicht dem internationalen Titel auf unsere Leinwände bzw. Bildschirme zu bringen. 
So heißt der chilenische Horrorfilm Solos zwar international Descendents, die deutsche DVD jedoch marktschreierisch Armageddon of the Living Dead
Der schwedische Film Försvunnen wird im deutschsprachigen Raum als Night Hunt - Die Zeit des Jägers vertrieben, während er als internationalen Titel schlicht Gone trägt. 
Ein südkoreanisches Kriegspic heißt dort My Way, bzw. nach Transliteration der koreanischen Schrift Mai Wei, nur in Deutschland seltsamerweise Prisoners of War.

Abschließend ein Blick auf den Buchmarkt: Warum erscheint der amerikanische Pornoroman Fifty Shades of Grey (der übrigens auf einer Twilight Fan Fiction beruht!) bei uns lediglich als Shades of Grey?
50 Grautöne - das dürfte doch zumindest die in der DDR aufgewachsenen Leser(innen) ansprechen.

Dienstag, 19. Juni 2012

Deutsche im Netz. Eine Milljöh-Studien-Studie

In dem unstillbaren Drang des Menschen, sich selbst zu kategorisieren, wurden in der Vergangenheit verschiedene Sozialmodelle entwickelt. Beliebt ist die Einteilung in zehn so genannte Sinus-Milieus - der/die ein oder andere Leser(in) wird schon davon gehört haben. Das Sinus-Institut hat den Begriff "Sinus-Milieus" sogar schützen lassen, ich verzichte aber der Einfachheit halber mal auf das (R). Er kommt aus dem Marketing und bezeichnet somit weniger soziale Gruppen als vielmehr Zielgruppen. Link.

Neuerdings gibt es eine solche Klassifizierung auch für den (deutschen) Internet-Menschen. Erstellt wurde diese vom Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), dessen Ziel es nach eigener Auskunft ist, "vertrauliche und sichere Kommunikation im Internet zu fördern". Die "DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet" kann hier als Kurzfassung oder als 167-seitige Gesamtfassung heruntergeladen werden. 
Was wurde gemacht?

Im Sinne eines ganzheitlichen Zielgruppenansatzes wurden zunächst die in der Bevölkerung verbreiteten Meinungen, Vorstellungen und Verhaltensweisen zu Typen gebündelt und diese dann auf das Gesellschaftsmodell der Sinus-Milieus® abgebildet. [...] Die Stichprobe (2.000 Fälle) ist repräsentativ für die Grundgesamtheit der deutschen Wohnbevölkerung ab 14 Jahren. Die Datenerhebung erfolgte in den Monaten September und Oktober 2011. Diese Erhebung ist die empirische Grundlage für das zentrale Ergebnis der Studie: die sieben Internet-Milieus zu Vertrauen und Sicherheit im Netz.

Die Studie beginnt mit einem Vorwort von keinem Geringeren als Bundespräsident Gauck, der auf den knapp zwei Seiten nur viermal das Wort "Freiheit" gebraucht. Dann kommt viel Einleitendes und Grundsätzliches, u.a. die Aspekte des zu Grunde gelegten Fragebogens (etwa "Selbsteinschätzung Internet-Kompetenz", "IT-Ausstattung und Besitz", "Online-Aktivitäten", "Sicherheitsbedenken", "Milieu- und Trend-Indikator", "Soziodemografie"). Das Ergebnis sieht dann so aus (zur Vollansicht der Bilder diese bitte anklicken):


Diese sieben Milieus lassen sich wiederum in drei Untergruppen einordnen: "Digital Outsiders", "Digital Immigrants" und "Digital Natives", wobei die letzteren nicht, wie ich dachte, zwangsläufig mit dem Internet großgeworden sein müssen; sie "bewegen sich im Internet wie ein Fisch im Wasser". Die Bezeichnung der "Digital Immigrants" finde ich etwas missverständlich, denn diese Menschen migrieren ja nicht aus der Offline- in die Online-Welt, und sie werden auch nicht mehr oder minder offen von den "Digital Natives" angefeindet und beargwöhnt. 

Und jetzt wird's (ein bisschen) lustig. Das DIVSI hat nämlich versucht, diese Gruppen mithilfe von Symbolbildern zu veranschaulichen. Da haben wir also zunächst die "Digital Outsiders":


Die zwei rechten sind besonders gut getroffen, denn genau so sehen alle Eltern von 30-Jährigen aus. Hinsichtlich ihrer Internetkompetenz kommen sie nicht gut weg: Das „Mithalten-Wollen“ ist der zentrale Motivator [...]. Dies ist jedoch beschwerlich und gilt weniger als Freizeitvergnügen. [...] Da bleibt kaum Raum, sich zu erfreuen, eine Herausforderung gemeistert zu haben. Ständig scheint der Berg an allem, was fremd und unbekannt ist, zu wachsen. [...] Aus Furcht, Fehler zu machen und für unsachgemäße Bedienung strafrechtlich zur Verantwortung gezogen zu werden, hält man sich sehr zurück. Meistens sind es vor allem wenige bekannte und vertraute Seiten (teilweise nur ca. fünf Websites), die regelmäßig aufgerufen werden. [...] Vom ziellosen „Herumsurfen“ werden sie durch Fachbegriffe und Anglizismen abgeschreckt.  

Uh, wie unsexy! Schnell weiter zu den "Digital Immigrants":


Man muss gar nicht in die Studie schauen, um zu wissen, wie die zwei links Abgebildeten ticken. Der Mann ist vermutlich Bauingenieur, hat ein Blackberry und einen XING-Account, vergleicht auch schon mal Flugpreise und bestellt spanische Weine online. Die Frau ist Pressesprecherin bei einer großen Kaufhauskette, und ich glaube, sie hat sogar ein (nur sporadisch gepflegtes) Facebookprofil. Interessant die "Postmateriellen Skeptiker": Die sehen so aus, wie man sich bis zu Beginn des Jahrtausends typische Grünen-Wähler vorgestellt hat. (Klar, die Computer-Abneigung der Grünen ist ja hinlänglich bekannt.) Der Mann könnte evangelischer Pfarrer sein, die Frau Lehramtsreferendarin für Kunst. 

Aber die Internetelite ist das immer noch nicht. Wo sind denn nun die Mover und Shaker? Die "Digital Natives"? Hier:


Die furchtbaren Business-Arschlöcher in der Mitte sind natürlich wunderbar gewählt, da möchte man direkt reinschlagen. Wie aber unterscheiden sich die jungen Leute links und rechts voneinander? Ich nehme an, die Hedonisten sind, nun ja: hedonistischer. Liegen beim Arbeiten auf'm Bett, das Fahrrad steht im Flur, das sind so Blogger, freie Werber, Studenten mit einem Tagesrhythmus, den die "Digital Outsiders" chaotisch nennen würden. Die rechts halten sich zwar für avantgardistisch, individualistisch und unabhängig, landen aber wahrscheinlich irgendwann in einer Festanstellung als Rechtsberater oder Logopädin. Sie kommen aus gutem Elternhaus und durften nach dem Abi ein Jahr nach Australien, wo sie ein wenig Freiheit schnupperten - am Ende werden sie aber genau so gutbürgerlich, wie man es von ihnen erwartet. 

Abgerundet wird die Studie von "Wohnbild-Collagen", beispielhaften Aufnahmen der Wohnungen ausgewählter Milieu-Vertreter, und da zeigt sich dann endgültig, wie schwierig es ist, Menschen in Schubladen zu stecken. Hier ein paar Beispielfotos:

So wohnt man als Digital Souveräne(r).

 ... und so, wenn man internetfern und verunsichert ist. Hallo, Oma und Opa!

Hier der Sekretär eines Effizienten Performers. Ja, da wurde bestimmt die ganze Nacht durch "effizient" "performt".

Hier eine Hedonisten-Wohnung. Bzw. jede einzelne WG, in der ich jemals war.

Hier lebt ebenfalls ein Hedonist. An dieser Stelle musste ich laut feixen, denn das Poster in der Mitte hängt bei mir im Schlafzimmer. Wie überhaupt Elemente aus sämtlichen Beispielwohnungen bei mir zu finden sind. Ich kann mich, so sehr ich es auch versuche, mit keinem der sieben Milieus zu 100% identifizieren, und ich denke, es wird vielen anderen auch so gehen. Aber schön, dass wir jetzt Klarheit haben. Und es wäre doch gelacht, wenn man nicht bei der nächsten Studie mit noch weniger Klassen operieren könnte!