Freitag, 11. November 2022

Albernes zum Wochenschluss

Sketchidee: ein Fake-Trailer für eine "New York Edition" dieser (echten) Reality-Fernsehsendung


Verschiedene in New York lebende Personen äußern vor der Kamera ihren Verdacht, dass sich ein sog. Phrogger in ihrer Wohnung versteckt. Just dann schwenkt die Kamera einen halben Meter zur Seite oder zoomt heraus, und wir sehen den heimlichen Untermieter im Hintergrund stehen. "Oh, there he is!", sagt das Opfer. Schnitt: "Vorschau" auf die nächste Folge. Der Witz ist, dass sich die meisten (vor allem jungen) Menschen in New York nur ein Mini-Apartment leisten können. Einen Eindringling in einer 12-Quadratmeter-Einraumbutze würde man mithin auf der Stelle ertappen. Hahaha. Ha.

PS: Ich wollte eine Definition von Phrogging verlinken, aber alle deutschsprachigen Webseiten, die sich mit dem Thema befassen, sind absolut verlinkensunwürdiger Schrott. Das Phänomen und/oder die danach benannte TV-Show scheint noch nicht diesseits des Atlantiks angekommen zu sein. Dabei habe ich bereits 2020 einen Film (auf deutsch) gesehen, in dem zwei Phrogger eine bedeutsame Rolle spielen (seinen Titel zu nennen, wäre ein grober Spoiler). Also bitte selbstständig googeln, was es damit auf sich hat, falls nicht bekannt!

Mittwoch, 9. November 2022

😯

Als ich heute – was selten genug vorkommt – mehr als dreißig Sekunden lang durch meine Facebook-Timeline scrollte, sprach mich – was noch seltener vorkommt – tatsächlich eine Werbeanzeige an. Sie führte zu einem Onlineshop für britisch angehauchte Retro-Mode. Als ich in das Adressfeld meines Browsers klickte, um die URL zu kopieren, entdeckte ich darin etwas, das ich noch nie zuvor gesehen hatte: ein Emoticon, genauer zwei Flammen-Emojis. So sah die URL aus (Anonymisierung durch mich, denn ich möchte unbezahlt werben):


Ich habe extra einen Screenshot gemacht, weil ich nicht wusste, was passieren würde, wenn ich die URL kopiere und in diesen Beitrag einfüge. Das werde ich jetzt versuchen:

www.______.com/collections/hot-sale🔥🔥

Wow, die Sonderzeichen wurden einfach so übernommen! Welch sinistre Magie ist hier am Werke? Wikipedia weiß es: "Damit eine Emoji-Domain funktioniert, muss diese in einen sogenannten Punycode umgewandelt werden. Punycode ist ein Zeichenkodierungsverfahren, das für IDN" (internationalized domain names, auch "Sonderzeichendomains", also Adressen mit Zeichen aus anderen als dem lateinischen Standardsatz; die gibt es seit 2010) "genutzt werden kann. Diesen Code benötigt man beim Registrieren einer solchen Domain. [...] Jedes Emoji hat einen eindeutigen Punycode, wie beispielsweise 😉 = xn--n28h. Es gibt im Internet verschiedene Generatoren, mit denen es möglich ist, Emojis in Punycode zu wandeln." Weiters ist zu erfahren, dass derzeit (Stand 2017) nur sechs Top-Level-Domains die Registrierung von Emoji-Domains erlauben, Subdomains mit Emojis immerhin "sind bei vielen beliebten TLDs möglich".

Mein Fundstück ist nun freilich kein genuines Beispiel für eine Emoji-Domain, nicht einmal für eine -Subdomain, und es ändert sich auch nichts am Seiteninhalt, wenn ich die zwei Feuer-Symbole aus der Zeile entferne, trotzdem habe ich nicht schlecht gestaunt darüber, was heute alles "geht" (mit Einschränkungen: Zum Beispiel werden Emoji-Domains nicht von allen Browsern unterstützt, in Opera funktionieren sie erst seit Februar 2022). Auf eine naheliegende Schwachstelle macht der Wiki-Eintrag zu internationalisierten Domainnamen aufmerksam: "Die Verwendung von Unicode in Domain-Namen macht es einfacher, Webseiten mittels homographischem Angriff zu spoofen, da es die visuelle Repräsentation der IDN-Zeichenfolge in einem Browser manchmal unmöglich macht, eine legitime Seite von einer gespooften zu unterscheiden, abhängig vom verwendeten Zeichensatz." Und das gilt ja dann auch für Punycode. Beispielsweise könnte man für eine Phishing-URL ein Berg-Emoji durch ein anderes ersetzen:



Also ich muss mich schon sehr anstrengen, um da einen Unterschied auszumachen. Mir fällt es zugegebenermaßen aber auch schwer, zwischen diversen Smileys zu differenzieren (womöglich bin ich on the spectrum?).

Montag, 7. November 2022

Acht Köstlichkeiten


2 in 1; 3 in 1, das sind alte Hüte, ja selbst ein 4-in-1-Produkt kann man sich mit Leichtigkeit vorstellen. Dass einmal eine 8-in-1-Zahnpasta in mein Leben treten würde, hätte ich aber nicht für möglich gehalten,
yet here we are. Grund für den Gelegenheitskauf war der temporäre Preisvorteil gegenüber meiner (wie jede/r regelmäßig Lesende weiß) Stamm-Zahncreme Sensodyne Fluorid, und IN DIESEN ZEITEN muss man jedes Sonderangebot wahrnehmen.

Was sind nun die acht Features und Effekte von Colgate Komplett 8in1 Ultra Weiß? Diese:

  1. Kariesschutz
  2. Plaqueentfernung
  3. Zahnschmelzschutz
  4. Zahnhalskariesschutz
  5. Reinigung
  6. Frischer Atem
  7. Weißere Zähne
  8. Großartiger Geschmack
Da wäre sogar noch mehr drin gewesen. Irgendwas mit Zahnfleischpflege zum Beispiel.

PS: Als Inhaber eines chinesischen Restaurants würde ich ein Gericht anbieten namens "Acht Köstlichkeiten und eine Widerwärtigkeit".

Samstag, 5. November 2022

When in Rome ...

Eine gehalt- und anspruchsvolle Lektüre stellt Wolfgang Pehnts Städtebau des Erinnerns dar. Wie ein populärwissenschaftliches Werk anmutend, kommt es doch überwiegend akademisch daher, der Autor arbeitet mit vielen Fußnoten, flicht lateinische Zitate ein und droppt als bekannt vorausgesetzte architektonische Fachwörter. Immer wieder musste ich Sätze mehrfach lesen, denn neben ihrer Schwierigkeit eignet ihnen auch eine hohe Informationsdichte. Ich erfuhr viel Staunenswertes über Leitmotive, Vorbilder und Narrative bei der Entstehung und dem Wachsen bedeutender Metropolen (Mythen und Zitate westlicher Städte lautet der Untertitel), und das wenigste davon konnte ich im Gedächtnis behalten.

Das Kapitel über Athen hat es mir besonders angetan. Dass es in der griechischen Hauptstadt keineswegs ein Kontinuum seit der hellenischen Antike gab, war mir ja total unbekannt! Das alte Griechenland musste erst "wiederentdeckt" werden, und die Re-Antikisierung im 18. Jahrhundert erfolgte denn auch zuvörderst durch Rest-Europa, nicht zuletzt spielte Bayern eine gewichtige Rolle ... Aber es steht mir nicht zu und ist nicht mein Anliegen, die ganze faszinierende Geschichte nachzuerzählen, ich möchte lediglich einen kuriosen Nebenaspekt zitieren, der im 19. Jahrhundert, nach dem Ende der osmanischen Herrschaft, aufkam: "Orts-, Straßen- und Firmennamen wurden auf die Helden der griechischen Götter- und Heroenclique getauft. Es gab sogar Versuche, das Altgriechische als gesprochene Sprache wieder zu beleben." (S. 47)

Ein Vorteil der Rückkehr zum Altgriechischen liegt auf der Hand: Man hätte wieder eine durchschaubarere Buchstabe-Laut-Zuordnung und wäre nicht auf "Not"-Schreibungen wie "Ompáma" angewiesen. Darüber hinaus dient so eine Wiederbelebung ausgestorbener Sprachen freilich der Identitätsstiftung und -bewahrung. Im Falle Griechenlands wäre das wohl zu viel des Guten gewesen, denn mit dem Neugriechischen hatte man ja bereits eine autochthone und dem nationalen Bewusstsein genügende Zunge.

Sprach-Revival ist insgesamt ein bemerkenswerter Vorgang, dessen Erfolge von gelungen (wie im Falle des Manx) bis zu schwierig/mühsam/konstruiert reichen (wie im Falle des Tasmanischen). Bis vor gar nicht langer Zeit war übrigens hie und da zu lesen, dass es in Indien eine mindestens vierstellige Zahl an Menschen gebe, insbesondere im als "Sanskrit village" gehandelten Dorf Mattur, die klassisches Altindisch als Erst(!)sprache verwenden – ein Mythos, der inzwischen widerlegt ist, zu dessen Bestehen ich aber leider beigetragen habe, indem ich ihn jahrelang als Partyfakt verbreitet habe.

Donnerstag, 3. November 2022

Eis ist aus

Nach meinen früheren Beobachtungen bezüglich des "Hinweis auf Nicht-Angebote"-Trends konnte nun Tina Manske einen frischen Fund machen, den sie vor wenigen Tagen auf ihrer Facebook-Seite ausstellte. Mit freundlicher Genehmigung verewige ich ihn auch hier.

Für mich immer noch der Goldstandard verunglückter Eiskommunikation:
Gewünschte Botschaft: Du bekommst hier kein Eis.
Kommunikation:
1. Aufsteller mit einer niedlichen Eiszeichnung prominent platzieren.
2. Den Satz "Wir haben kein Eis" mit einem "Ja" beginnen.

Dienstag, 1. November 2022

Serientagebuch 10/22

02.10. Space Force 1.01
Space Force 1.02
03.10. House of the Dragon 1.07
04.10. The Staircase 1.07
The Staircase 1.08
05.10. MacGruber 1.07
MacGruber 1.08
06.10. Sherwood 1.01
Sherwood 1.02
07.10. Mr. Robot 4.05
Mr. Robot 4.06
08.10. Sherwood 1.03
The Simpsons 34.02
12.10. Sherwood 1.04
The Simpsons 34.03
House of the Dragon 1.08
14.10. Family Guy 21.02
17.10. Sherwood 1.05
Sherwood 1.06
18.10. Curb Your Enthusiasm 11.01
19.10. The Simpsons 34.04
20.10. House of the Dragon 1.09
21.10. Curb Your Enthusiasm 11.02
Curb Your Enthusiasm 11.03
24.10. Family Guy 21.03
The Big Bang Theory 12.07
25.10. Curb Your Enthusiasm 11.04
26.10. Mr. Robot 4.07
27.10. The Big Bang Theory 12.08
28.10. Curb Your Enthusiasm 11.05
The Simpsons 34.05
House of the Dragon 1.10
30.10. Space Force 1.03
31.10. The Simpsons 34.06

The Staircase ist die Dramatisierung (gibt es dieses Wort als deutsche Entsprechung zu dramatization eigentlich schon?) einer Dokureihe von 2004 über den Schriftsteller Michael Peterson, dessen Ehefrau im Dezember 2001 bei einem Treppensturz zu Tode kam. Ich bin nicht der größte True-Crime-Fan, aber da ich im Vorfeld außer einer Ein-Satz-Inhaltsangabe nichts über die Geschichte gelesen hatte – was ich jedem empfehle, mir gleichzutun –, gab ich dem Achtteiler eine Chance. Und wie ich belohnt und überrumpelt wurde! Der Fall ist wahrlich spektakulär, es gibt fast in jeder Folge eine verblüffende Wendung. Am Ende steht der Zuschauer vor gleich vier alternativen Tathergängen, die er von einem unzuverlässigen Erzähler gezeigt bekommen hat (und von denen der unglaublichste – und deshalb glaubwürdigste? – in Episode 6 präsentiert wird); ob die endgültige Wahrheit ans Licht kommt, möchte ich nicht verraten, es ist auch gar nicht so wichtig.
Die Causa offenbart einmal mehr die Schwächen des US-Strafrechtssystems, u.a. lernt man eine Idiotie namens Alford plea kennen, die Autorinnen und Autoren bemühen sich aber stets um eine ausgeglichene Darstellung der Umstände und eine realitätsnahe Schilderung juristischer Mechanismen. En passant wird an die beispiellose Verfasstheit Amerikas kurz nach den Anschlägen des 11. September erinnert.
Zu bejubeln ist der Cast: Den Hauptcharakter mimt Colin Firth, der mich hier immer wieder an Matthew Perry erinnert hat; ich glaube, Letzterer könnte Ersteren gut parodieren. Daneben glänzen Sophie Turner (dank Dialektcoach), Juliette Binoche, Toni Collette und Michael Stuhlbarg (den ich nach "Boardwalk Empire" nie und nimmer wiedererkannt hätte). HBO-gemäß wird es stellenweise sexuell und verbal explizit, aber nie so, dass es nerven täte.

Nicht gerechnet hatte ich mit einer irgend gearteten Fortsetzung von MacGruber, nachdem der auf beliebten SNL-Skits basierende Film von 2010 weder seine Produktionskosten einspielen konnte noch Begeisterungsstürme bei Kritik oder Fans hervorrief (außer bei Christopher Nolan). Der NBC-Streamingdienst Peacock hatte dann ein Einsehen bzw. den Mut, genug Geld für acht Episoden locker zu machen, die beinahe nahtlos (mit einem Recap in der Pilotfolge und mit einem entsprechenden Zeitsprung) an die Filmstory anknüpfen. Neben Mit-Schöpfer und Hauptdarsteller Will Forte sind auch Kristen Wiig, Ryan Phillippe und Laurence Fishburne wieder dabei. Handwerklich geht die Action-Comedy als passabel durch, humoristisch konnte sie mich aber selten "abholen". Womöglich bin ich mittlerweile einfach der Gore- und Ekelphase entwachsen.

Fein ist's, wenn man durch eine Serie etwas lernt. Sherwood zum Beispiel hat mir beigebracht, dass der Sheriff von Nottingham ein real existierender Posten ist. Nun gut, es ist heute eher eine der Tourismusförderung dienende zeremonielle Position, aber offenbar dennoch tief genug im Gemeindewesen verwurzelt, um in diesem BBC-Sechsteiler als wichtige Figur, wenn auch nur kurz, aufzutreten. Falls ich je eine Vorstellung davon hatte, wie der Sheriff von Nottingham aussieht, wurde sie hier jäh über Bord geworfen, wobei ich nicht das traditionelle Ornat meine, sondern den Amtsinhaber, der nämlich tollerweise eine Amtsinhaberin ist (of colour zumal). Dass bereits 1931 der erste weibliche Sheriff den Dienst antrat, erfuhr ich durch Wikipedia, denn die Liste der bisherigen Sheriffs lässt sich lückenlos bis ins Jahr 1449 zurückverfolgen!
Mit Robin Hood hat die auf realen Vorkommnissen basierende Geschichte ansonsten nichts zu tun, von einer archaischen Mordwaffe abgesehen. Vielmehr geht es um die tiefen symbolischen Gräben, die der Britische Bergarbeiterstreik in ein nicht namentlich genanntes mining village gerissen hat, und das war das Zweite, was ich dank "Sherwood" gelernt habe: welche gesellschaftlich-sozialen Auswirkungen ebenjener Streik im Vereinigten Königreich zeitigte. Das in der Serie oft vorkommende Slangwort scab für Menschen, die sich damals nicht an den Streiks beteiligten, gilt bis heute als extrem verletzendes Pejorativum.
Es war nicht das eindringlichste rurale Krimidrama, das ich je sah, aber nicht nur aufgrund der angesprochenen Wissensmitnahme-Effekte wusste "Sherwood" zu gefallen. Zum rundweg soliden Ensemble gehören David Morrissey, Robert Glenister ("Hustle"), Adeel Akhtar ("River", "Utopia") und Mark Addy.

Und mit Mark Addy, der in der ersten Staffel von "Game of Thrones" eine Hauptrolle innehatte, habe ich die perfekte Überleitung zu deren hitzigst antizipiertem Prequel House of the Dragon. Viel habe ich gar nicht anzumerken. Meine Erwartungen wurden übertroffen, ich fühlte mich ab der ersten Minute wie zu Hause angekommen. Da ich die Buchvorlage nicht kenne, konnte ich mich der Handlung mit all ihren Volten und Schockmomenten genussvoll hingeben. Jener Vorlage geschuldet ist freilich die Chronikhaftigkeit der zehn (angenehm langen) Episoden: Man bekommt die aufregende Historie des Hauses Targaryen in epischer Breite und aus verschiedenen Perspektiven vorgelegt, alles ist herrlich GRRM-typisch rau, pointiert und komplex, aber wenn die erzählte Zeit sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt, bleibt es nicht aus, dass manches gehetzt wirkt, auch wenn HotD sich – gerade im Vergleich zu den letzten GoT-Staffeln – löblicherweise viiiel Zeit lässt und das Tempo dort drosselt, wo es der Gewichtung ausgewählter Events zupass kommt. Dann gibt es aber wieder von einer Folge auf die nächste einen harten Cut (wenn auch deren nur insgesamt vier, und in Season 2 soll ganz damit Schluss sein), und man muss sich an ein Dutzend neuer Gesichter gewöhnen und sich gewisse Ereignisse aus mündlicher Rekapitulation durch die Figuren oder implizit erschließen. (Am besten liest man eh direkt im Anschluss die Zusammenfassungen in der GoT-Wiki oder sieht sich die Analyse-Videos von "Heavy Spoilers" oder "Screen Crush" an.) Die Konsequenz war, für mich zumindest, dass ich hier, ganz anders als in der Originalserie, keinen Lieblings-Charakter hätte benennen können. Das wäre dann aber auch mein einziger dickerer Kritikpunkt. Effekte, Dialoge, Musik, Kostüme und Locations sind wie zu erwarten erste Sahne.

Sonntag, 30. Oktober 2022

Cinema Para-(Annoyed Grunt)-so

Die "Simpsons" können hin und wieder doch noch positiv überraschen. Die Episode mit dem banal klingenden und irreführenden Titel "Lisa the Boy Scout" (34x03) artet nach wenigen Minuten zu einer der freidrehendsten wie auch komischsten aus: Die reguläre Handlung wird von zwei an Anonymous angelehnten Hackern unterbrochen, die mit der Veröffentlichung nie ausgestrahlter, weil unsendbarer "Simpsons"-Schnipsel drohen, sollte ihnen nicht eine gewisse Summe an Bitcoins ausgezahlt werden. Natürlich bekommen wir dann eine Clip-Show dieser peinlichen bis rufschädigend depperten Storylines zu sehen, darunter ulkigerweise einige echte Ausschnitte vergangener Folgen.

Wegen einer speziellen Sequenz schreibe ich diesen Blogbeitrag überhaupt, bestätigte sie doch eine Vermutung, die ich vor circa drei Jahren getätigt habe: dass nämlich regelmäßig Geschichten nur entstehen, weil die Autoren auf ein entsprechendes popkulturelles Wortspiel gekommen sind. Angekündigt wurde die Montage mit den Worten "… as stunning as this list of abandoned episodes that started as clever titles and went nowhere!" Sodann waren folgende Episodentitel nebst die Handlung zusammenfassenden Standbildern zu sehen:

- For Whom the Mel Bowls < "For Whom the Bell Tolls", dt. "Wem die Stunde schlägt" (Sideshow Mel spielt Bowling)
- Finding Blinky < "Finding Nemo" (mit Spingfields dreiäugigem Fisch als Nemo)
- Sideshow Bob Ross (Sideshow Bob als TV-Zeichenlehrer)
- Guest Stu's Coming to Skinner < "Guess Who's Coming to Dinner", dt. "Rat mal, wer zum Essen kommt" (Disco Stu zu Gast bei Rektor Skinner)
- Dis-Homer-able Dis-Marge (Homer und Marge werden unehrenhaft [dishonorably] aus der Armee entlassen [discharged])
- C.H.U.M. Kind of Wonderful (Diese Anspielung verstehe ich nicht; man sieht Martin Prince und eine Roboter-Cheerleaderin)
- Otto's Erotic Grass Fixation < auto-erotic asphyxiation (Otto hält eine Bong, die einer nackten Frau nachempfunden ist)
- Grimes and Misdemeanors < crimes and misdemeanors (Frank Grimes begeht Ordnungswidrigkeiten [misdemeanors])
- Snake on a Plane < "Snakes on a Plane" (mit dem Gangster Snake)
- Washy-Mon < "Rashomon" (Marge öffnet eine Packung "Mr. Sparkle")
- Once Upon a Time in a Vest (dürfte klar sein; Nelson Muntz im Wilden Westen)
- Wild Wild Vest (dito)
- Vest Side Story ("West Side Story" mit, genau, Nelson)
- So You Frink You Can France? < "So You Think You Can Dance" (Prof. Frink in Paris)
- Moe Money, Moe Prom-Blems < "Mo Money Mo Problems" (Moe auf einem Abschlussball [prom])
- Kang, Kang, Kang Went the Trolley < "Clang, clang, clang went the trolley" (Das musste ich erst recherchieren: Es ist der sog "Trolley Song" aus dem Judy-Garland-Film "Meet Me in St. Louis")

Freitag, 28. Oktober 2022

Es ist Deutschland hier

Weil kürzlich der Wortvogel "Fake Germany" zum Thema hatte: Auf meiner Festplatte lagen noch zwei Screenshots, die ich von der HBO-Serie "The Staircase" (dazu demnächst mehr) gemacht hatte. Einmal mehr musste auch ich mich darüber wundern, dass selbst High-prestige-Produktionen regelmäßig auf eine realistische Darstellung Deutschlands pfeifen.


Dass es keine eigenständige Gemeinde namens Graefenhausen (sic) auf deutschem Boden gibt: geschenkt. Aber dass man nicht mal einen unterbezahlten Praktikanten ein paar Minuten googeln lassen kann, wie deutsche Autokennzeichen funktionieren, ist schwach. Und ganz ehrlich: Gibt es Häuser, wie wir sie auf den obigen Fotos sehen, irgendwo in Deutschland? Ich kann es mir nicht vorstellen; die Architektur, die Anordnung, sie wirken schlichtweg falsch.

Das dumpfe Gefühl der Falschheit beschlich mich auch in einer Folge von "Person of Interest", als nämlich in einer in Berlin spielenden Szene ein einzelner Streifenpolizist durch einen Bahnhof patrouillierte. Zwar weiß Wikipedia: "Eine Streife kann allein oder zu mehreren (bis zur Zug- oder Gruppenstärke) erfolgen, wobei die häufigste Form der Streifengang zu zweit ist", doch wann hat man bitte zuletzt einen unbegleiteten Schutzmann ABV-mäßig durch den öffentlichen Raum wandeln sehen? Fehlte nur noch, dass der Cop pfeifend seinen Schlagstock am Handgelenk schwingen ließ. Unnötig zu erwähnen, dass die Uniform aus reiner Fantasiekleidung bestand.

Mittwoch, 26. Oktober 2022

TITANIC vor zehn Jahren: 11/2012


Ich habe nicht mehr die leiseste Ahnung, welche Plagiatsaffäre im Herbst 2012 das Topthema in Deutschland war. Im Heft selbst konnte ich auch keine Hinweise finden. Guttenberg kann es nicht gewesen sein, das war ein Jahr vorher. Wie auch immer, man sehnt sich die Zeiten zurück, in denen solch peinliches Klein-Klein für unterhaltsame Schlagzeilen sorgte – und für entsprechende satirische Reaktionen.

Aufmacherlieferant in der Novemberausgabe war indes Peer Steinbrück, dessen Kanzlerkandidatur die SPD soeben verkündet hatte. Mit Mark-Stefan Tietze und Stephan Rürup durfte ich ein "Heft im Heft" zusammenstellen, das den Bewerber dem Volk näherbringen sollte, u.a. mit einem Freundschaftsbuch ("Der Kandidat von seiner menschlichen Seite!") und einer Rede-Honorar-Tabelle ("Transparenz total! [Wg. Kritik]").


Erinnert sich noch jemand an Peers Kult-Aussage vom "jemanden hinter die Fichte führen"? Egal. Höhepunkt des kompakten Wimmelartikels ist jedenfalls die Humor-Rückseite, die einmal mehr beweist, was für ein stilistischer Tausendsassa Rürup war bzw. ist (ebenso wie sein Nachfolger Leo Riegel):


Aufmacherwürdig wäre auch das Presse-Spezial "Traumberuf Journalist" von Fischer/Wolff/Ziegelwagner (S. 36-43) gewesen. Für verlässliche Lachsalven bei Live-Lesungen sorgte insbesondere der Leitfaden "Mach mehr draus", in dem es darum ging, auf welche Art verschiedene Medien eine Agenturmeldung verwandeln. Auszug:


Die Rubrik "Sagen Sie jetzt nichts" im Zeit-Magazin lädt seit je zum Persiflieren ein, und Titanic ist mehr als einmal darauf angesprungen, darunter in der vorliegenden Ausgabe auf S. 48f.:


In die Kategorie "Dinge, die man nur in Titanic bringen kann" fällt auch meine Parodie der SZ-Magazin-Kolumne "Hotel Europa", die ich in der (zugegeben ansonsten nicht sonderlich herausragenden) vierten Ausgabe von "55ff" unterbringen konnte. Dass sich das vermutlich nur einem Dutzend Leuten erschlossen hat, von dem es auch höchstens die Hälfte komisch fand, hat mich nicht davon abgehalten, Jahre später auch noch das "Sprachlabor" der Süddeutschen zu parodieren.
 

Und apropos "Nischenhumor für Kenner": Moritz Eggert hat sich bei der Vertonung von Simon Borowiaks Beitrag "Herbstlied" in der Reihe "Das neue deutsche Volkslied" wieder einmal aufs Herrlichste ausgetobt.


Massentauglicher und dabei gleichfalls dem Herbstthema verpflichtet war das herausnehmbare "KastaniSutra" in der Heftmitte, für das die Herren Hintner und Rürup tagelang wie (frühreife) Kindergartenkinder Kastanienmännchen gebastelt haben. <3


Weiteres Notierenswertes
- Die zwei Monate zuvor als Praktikantin tätig gewesene Hatun D. (Nachname von mir abgekürzt, denn womöglich schämt sie sich heute dafür) hatte eine kurzlebige Kolumne titels "Mit den Augen einer Islamistin", deren erste Folge hier auf Seite 54 zu lesen ist. Ich weiß noch, wie begeistert wir in der damals noch arg homogenen Redaktion waren angesichts der Aussicht, eine junge Frau, zumal mit Migrationshintergrund, ans Heft zu binden, doch schlug die talentierte Autorin alsbald andere Wege ein.
- Treu blieb uns immerhin Ex-Praktikant V. Witt (Vorname von mir abgekürzt, einfach so), der mit einem Aufsatz über Männerbrüste seinen Ruf als Experte für Unappetitlichkeiten (später allzu oft Fäkales) festigte. Die verstörende Fotomontage erspare ich euch an dieser Stelle.
- Praktikanten zum Dritten: Wer als Fotomodell in der (von mir erdachten) Aboanzeige auf Seite 17 zu sehen ist, vermag ich überhaupt nicht mehr zu sagen. Es muss einer jener Schülerpraktikanten (häufiger sind und waren sie weiblich) gewesen sein, die gelegentlich für zwei Wochen in der Redaktion "arbeiten", aber nie namentlich in Erscheinung treten. Was aus denen allen so geworden ist, täte mich ja schon interessieren.
- Nicht weniger als ein Klassiker findet sich auf den Seiten 24 bis 25. Dessen Relevanz und Bekanntheit hat die darin Behandelte um einiges überdauert: Autor Leo Fischer hat die Polemik über Fee Katrin Kanzler jahrelang bei jedem seiner Auftritte vor zu Recht mitgerissenen Zuhörenden vorgetragen, während die portraitierte Schriftstellerin ("Die Schüchternheit der Pflaume") nahezu in Vergessenheit geraten ist.
- Ha, beim Lesen des Inhaltsverzeichnisses komme ich doch noch drauf, gegen wen damals Plagiatsvorwürfe laut geworden waren: Annette Schavan! Die ist nämlich als Autorin der Rubrik "Vom Fachmann für Kenner" aufgeführt. (Ein Running Gag: Weil der "Fachmann" nicht von einer einzelnen Person verfasst wird, aber irgendetwas in der Autorenspalte stehen muss, taucht dort stets ein/e "Versager/in des Monats" auf.) 

Schlussgedanke
Viele Ein- und Zweiseiter fügen sich (mit einem sensationellen Achtseiter) kurzweilig zu einem Spätjahres-Glanzlicht zusammen. Auch meine eigenen Beiträge sind heute noch vertretbar und maßvoll amüsant.

Sonntag, 23. Oktober 2022

Des Landes Oberhaupt

Neulich lief, weil es sich halt manchmal nicht vermeiden lässt, der Fernseher, und in einer sich als seriöses Format gebenden Sendung fiel die Formulierung "Ukraines Präsident". Huh? Hatte ich mich verhört? "Ukraines Präsident": Ob das wohl schon mal jemandem rausgerutscht ist? Ich googelte und fand erschreckend viele Belege für diese Wortfolge, darunter in der FAZ, beim Stern, auf zdf.de, im Hamburger Abendblatt und beim BR.

Es ist doch nicht sonderlich kompliziert. Das Land heißt die Ukraine. Genitiv: der Ukraine. Wer Präsident dieses Landes ist, ist "der Präsident der Ukraine" oder, will man das Substantiv vermeiden, "der ukrainische Präsident". Man sagt doch auch nicht "Mongoleis Präsident", "Schweiz' Ständerat" oder "Walacheis Täler". Oder "Türkeis Präsident" (bzw. schon, zumindest bei RTL, in der Welt, beim Tagesspiegel u.v.a.m.).

Die Motivation hinter dem Fehlerchen ist freilich klar: Man behandelt den geographischen Namen so, als hätte er keinen Artikel, und dann kann man, analog zur Personennamen-Deklination ("Käthes Opa"), ein -s auch an den femininen Genitiv hängen. Ich sehe allerdings überhaupt keine Tendenz, dass der Ländername die Ukraine ihren Artikel verliert, wie es bei(m) Iran oder Jemen seit einigen Jahren in der Berichterstattung der Fall ist. Nun ja, mehr fällt mir dazu auch nicht ein, außer vielleicht noch dies: Manche Ländernamen haben im Deutschen einen Artikel und im Englischen keinen, andere haben im Englischen einen und im Deutschen nicht (Gambia vs. The Gambia; die Slowakei vs. Slovakia).

PS: Bei Zweifelsfällen bzgl. Namen von Orten in der Ukraine konsultiere man die Website des hier schon einmal gewürdigten Ständigen Ausschusses für Geographische Namen, der 2021 eine handliche Tabelle erstellt hat.

Freitag, 21. Oktober 2022

Ergebnisse der Knofi-Konfi

(Offenlegung: Zuerst war dieser Beitrag überschrieben mit "In memoriam Knofi Annan".)

(Transparenzerklärung: Fast alle Beiträge, die ihr diesen Monat lest / gelesen habt / gelesen haben werdet, wurden voreingestellt. In der Zeit zwischen Niederschrift und Veröffentlichung dieses Tests mag das getestete Produkt schon wieder aus den Regalen verschwunden sein.)


Ich musste sie natürlich mitnehmen, zumal sie für den Sonderpreis von 99 Cent bei Rewe auslag: die "Limited Edition" Fiesta Aioli Style von Crunchips. Im Gegensatz zu Zwiebeln mag ich Knoblauch sehr ... Augenblick, der Satz liest sich ja so, als wollte ich aussagen: Zwiebeln mögen keinen Knoblauch, aber ich. Nein: Ich mag keine Zwiebeln, aber Knoblauch mag ich. Aioli habe ich sogar schon mal selber gemacht. Doch reicht das Attribut "knoblauchig" für eine Chipssorte aus? Fehlt da nicht eine zweite Komponente? 

Wir reißen die Tüte auf. Aha, hm, kein aufdringlicher Geruch. Auch der Geschmack ist nicht vordergründig aioli-zentriert. Das bleibende Knoblauch-"Erlebnis" stellt sich verzögert ein, als Nachgeschmack, der leider auch durch Zähneputzen nicht vollständig zu beseitigen ist. Von einer "Knoblauchfahne" möchte ich nicht sprechen, aber direkt angenehm ist das nicht. Beim Knabbern (zu Bier) hatte ich noch eine Wertung von 6 von 10 Punkten im Sinn, später im Bett lege ich mich auf 4/10 fest. Zutaten: Kartoffeln, Sonnenblumenöl (33 %), Salz, Knoblauchpulver, Zucker, natürliches Aroma, Hefeextrakt, Säuerungsmittel Citronensäure.

Speaking of things die ich EIGENTLICH mag: Rosinen. Das Früchtemüsli von ja! hat einen Fruchtanteil von 32 %, was echt lobenswert ist bei 1,99 € für den 1000-Gramm-Beutel. Der Anteil an Sultaninen beträgt allerdings 25 Prozent, und das ist selbst mir zu viel. "Warum kaufst du das dann?", könnte man jetzt fragen. Tja, meine Go-to-Müslis von Kölln und Vitalis sind um fast 100 % im Preis gestiegen. Die noch zu kaufen, sehe ich nicht ein!!!

Mittwoch, 19. Oktober 2022

Die wilden 2000er

Habe nun, *lach*, Philosophie, Juristerei etc. XD --- @nichtschubsen (Twitter)
Letzte Woche habe ich bei "Jeopardy!" zum wiederholten Male die Frage zur "Final Jeopardy"-Antwort gewusst, während die drei Kandidaten falsch lagen. Das wollte ich schon triumphierend twittern, doch dann dachte ich: 'Was bringt's?' Was bringt es überhaupt, irgendwas zu wissen, wenn man nicht selbst hinter einem Quizshow-Podium steht? Bildung ist heutzutage kein Kapital im engeren noch im weiteren Sinne. Wobei es einen gewissen sozialen Wert hat: Je mehr man weiß, desto leichter fällt einem Smalltalk, und man kann sich als geschätzter Gesprächspartner einen Namen machen. Meine Titanic-Kollegin Julia Mateus sagte neulich in die Runde: "Ich wünsche mir eine Spielshow im Fernsehen, die nur daraus besteht, dass jemand ein beliebiges Stichwort nennt und Torsten liefert dazu einen Fun fact!" 

Außerdem bereitet es mir Freude, Neues zu erfahren und zu lernen, auch unbrauchbares Fachwissen. So bereue ich es nicht, ein gutes Jahrzehnt lang ein supernischiges Orchideenfach studiert zu haben. Das wäre allgemein mein einziger Rat an junge Leute: Lernt und studiert nur das, was euch interessiert und Spaß macht! Wenn ihr für den Stoff brennt, verkommt das Büffeln, Schreiben und Recherchieren selten zur Qual, ihr werdet im Gegenteil Leidenschaft dabei empfinden und zufrieden feststellen, dass euch (fast) alles zufällt. Der konkrete Mehrwert ("Einkommen") stellt sich schon irgendwann von alleine ein.

Wenn das Studium keine Last ist, die man permanent auf den Schultern trägt, bleibt zudem Zeit für sonstige Erlebnisse. Und damit zurück zu mir. Es ist nämlich keineswegs so, dass ich die gesamten Nullerjahre ausschließlich im Hörsaal, in der Bibliothek und im Internet verbracht habe. Oft war ich auch in der Mensa oder im Café. Und mehr! Zum Glück halte ich seit 20 Jahren jeden Tag fest, was ich unternommen habe, und es stellt sich heraus, dass ich gar nicht ein so trauriges und einsames Uni-Dasein fristete, wie ich es gelegentlich (auch mir selbst gegenüber) darstelle.

Beispielhaft der Sommer 2009. Am 29. August endete eine 13-tägige Ägyptenreise, die ich mit drei Freunden unternommen hatte. Bevor wir um 15.45 Uhr von Kairo via Frankfurt nach Dresden zurückflogen, hatten wir noch die Zitadelle von Saladin, die Sultan-Hasan-Moschee und die Ibn-Tulun-Moschee besichtigt. Keine 24 Stunden später saß ich anlässlich der Landtagswahl in einem Briefwahlvorstand im Rathaus. Und noch am selben Abend, vermutlich direkt im Anschluss, ging ich zum gemeinsamen Biertrinken in die Neustadt. Eine Woche danach wiederum war ich auf der Berliner Funkausstellung. (Ich hatte, glaube ich, schon einmal erwähnt, dass der Besuch der IFA eine lange gepflegte Familientradition war.) Nicht minder ereignisreich war die Woche vor dem Urlaub: Laut meinem Wochenplaner war ich am Montag Blut spenden, am Dienstag bei einem psychologischen Computerexperiment, am Mittwoch beim Friseur und abends im Biergarten, am Donnerstag bei einem Freund grillen und am Freitag auf einer Hochzeitsfeier!

"Psychologisches Computerexperiment"? Oh ja! Mich der psychologischen Fakultät als Versuchsperson zur Verfügung zu stellen, war ein veritabler Nebenjob von mir. Darüber wird in einem gesonderten Blogpost zu erzählen sein. Seid gespannt!

Montag, 17. Oktober 2022

Kurz notiert: Vampirische Shows

Sehe ich das richtig, dass in den letzten Wochen nicht weniger als vier Serien angelaufen sind, in denen es um Vampire geht? Nämlich:
- Reginald the Vampire (SYFY)
- Vampire Academy (Peacock)
- Interview with the Vampire (AMC)
- Let the Right One In (Showtime)
Nun, ich werde keine davon anschauen, denn ich mag nichts, wo Vampire drin vorkommen. Verklagt mich doch!

Samstag, 15. Oktober 2022

Bockch auf Bildung

Vor kurzem fiel mir die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik (Band 89) in die Hände. 'Was man so alles erforschen kann!', dachte ich mit Blick auf den Aufmacherbeitrag von Andrin Büchler et al.:


Wer sich unter "k-Affrizierung" nichts vorstellen kann: Das ist das schweizerdeutsche Phänomen, in der gesprochenen Sprache Silben auf -k einen Hintergaumen-Reibelaut anzuhängen, also "Glückch", "Sackch" usw. zu sagen. Aus Zeitgründen habe ich den Artikel nur überflogen, hier ist ein Teil der Zusammenfassung:


Ich will nicht angeben, aber ich hätte durch bloßes Nachdenken ähnliche Schlüsse gezogen. Mit bloßem Nachdenken betreibt man jedoch keine Wissenschaft, sondern mit Empirie! Ein Sample von 16 Gewährspersonen ist natürlich nicht besonders aussagekräftig, aber es wird im Fazit angekündigt, noch weitere Untersuchungen folgen zu lassen.

Meine private (nicht ganz ernst gemeinte) Theorie zur Berner -k-Aussprache ist ja, dass diese vom jahrelangen Toblerone-Konsum herrührt: Der harte Gaumen (Palatum) wird durch die Schokodreiecke zerstört und artikulatorisch unbrauchbar gemacht, so dass sich alles nach hinten verschiebt.

Donnerstag, 13. Oktober 2022

Denkt an die Kinder!

Wenn man früher in Ländern mit höheren Lebensmittelkosten als in Deutschland zu Gast war, etwa in Norwegen oder in der Schweiz, dachte man sich beim forschenden Gang durch die Supermärkte: 'Himmel, die armen Menschen, die hier leben! Wie kommen die nur über die Runden?' Es dauerte dann einen bis zwei Gedankensprünge, bis einem klar wurde, dass dort die Reallöhne und die Kaufkraft ebenfalls höher waren. Im Herbst 2022 haben die Preise in unseren Kaufhallen beinahe skandinavisches Niveau erreicht, ohne dass die Haushaltseinkommen gestiegen wären. Als wären die Sorgen, die seit gut fünf Jahren von diversen Katastrophen und Krisen verursacht werden, nicht genug, muss ein großer Teil der deutschen Bevölkerung nun auch noch unter Existenzängsten leiden. Es ist gerade wirklich nicht schön, auf der Welt zu sein, vor allem wenn man in der Blüte seines Lebens steht und die vage Hoffnung hatte, sich "etwas aufbauen" zu können. Aber ich will gar nicht jammern! Sondern sachte zum eigentlichen Punkt kommen.

Ich habe seit mindestens zehn Jahren keine politische TV-Talkshow geschaut, aber Anfang bis Mitte der Nullerjahre zappte ich regelmäßig und mit Vergnügen zu "Hart aber fair", zum Beispiel während ich Hausaufgaben machte. Jede Woche hatte dabei ein Gast die Rolle des Buhmanns einzunehmen, eine Person mit einer Meinung, die allzu offensichtlich vom Konsens der Talkrunde abwich und nur dazu diente, Zunder in das Format und selbst Moderator Frank Plasberg gelegentlich aus der Contencance zu bringen. Sollte dieses Spiel noch immer so gespielt werden, würde ich gerne mal jemanden in einem Panel sitzen (oder stehen) sehen, der Folgendes vorträgt:

Deutschland ist immer noch ein reiches Land. Das Gebot der Stunde ist Umverteilung. Und dann fängt man erst mal bei den oberen Hundert an. Niemand muss Milliardär sein, heißt es doch immer. Klar. Aber dann sollten wir uns auch die finanziell zweitstärkste Bevölkerungsgruppe vornehmen. Ich sag' Ihnen, wer das ist: Schulkinder. Na-, nein, ja lassen Sie mich bitte ausreden! Wenn ich mittags zu Rewe gehe ... ach so, ja, sicher, es gibt auch noch Edeka, Nahkauf und Norma. Wenn ich jedenfalls zufällig in der Mittagszeit in meinen Stamm-Rewe gehe, was glauben Sie, was da los ist? Der Laden bricht aus allen Nähten, weil er gefüllt ist mit Schulkindern. Da sehen Sie Mädchen und Jungs im Alter von, ich sag' mal neun bis sechzehn Jahren, die stehen allesamt mit vollen Händen an der Kasse. Energydrinks, Chipstüten, Backwaren, Instant-Ramennudeln, Süßigkeiten. Und so geht das jeden Tag. Das ist notabene das Einzugsgebiet ... Wie? Ach so, ja, "wohlgemerkt", danke, Herr Plasberg. Das sind wohlgemerkt hauptsächlich Kinder aus einer integrierenden Gesamtschule, "Problemschule" hätte man früher gesagt, also wo man denkt, da ist das Taschengeld begrenzt. Aber nein, das ist einfach da, fünf, sechs Euro täglich für Junkfood, vermutlich nach dem Unterricht noch einmal. Und das ist nicht nur ein Phänomen in meinem Wohnort, in einer anderen deutschen Großstadt kann ich das ebenfalls beobachten. Wir hatten ... Ich will jetzt nicht den Opa mit dem erhobenen Zeigefinger geben, aber womöglich erinnern Sie sich auch an Ihre Schulzeit, meine Damen und Herren. Da hatte man eine Brotbüchse – Brotkapsel hieß es bei uns auch – mit belegtem Brot, das man von zu Hause mitgebracht hat. Klar, manche von uns sind auch mal in der großen Pause zu Netto gegangen; "ins Netto" haben wir komischerweise immer gesagt ... Hm? Äh, genau, es gibt auch noch Lidl, Aldi oder Penny ... Aber da hat man sich maximal ein Käsebrötchen geholt. Die Gesellschaft müsste eben nicht nur einfach ein Bewusstsein schaffen, man müsste das Konzept Brotdose wieder einführen, davon ab, dass gesunde Ernährung ... Wenn ich das kurz zu Ende führen darf? Das ist ... selbstverständlich wieder eine andere Baustelle, schön, dass wir uns da einig sind. Worauf ich hinaus will: Hier muss der Staat die Schere ansetzen ... Nein. Nein, das habe ich nicht gesagt. Ich will Familien mit Kindern keineswegs etwas streichen. Jetzt werden Sie unsachlich. Um Bemessungsgrenzen geht es, um Entlastung für hart arbeitende Menschen. Umverteilung eben.

Ob der, der hier spricht, ein Avatar von mir ist oder nur ein Strohmann, verrate ich nicht.