Donnerstag, 10. September 2026

Zu viel Freistaat

Liebes Tagebuch,
heute lag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung das donnerstägliche Reiseblatt nicht weniger als sechsmal bei. Die Wartburg, welchem "deutschen Mythenort" der Aufmacher gewidmet ist,* ist ein unbestreitbar empfehlenswertes Ausflugsziel, aber man kann's auch übertreiben!


* Nebensatzkonstruktionen nach diesem interessanten Muster sind mir schon einige (wenige) Male begegnet, und ich möchte meinen, vorwiegend in österreichischen Texten. Ich selbst habe sie noch nie verwendet, denn sie wirken irgendwie falsch, aber heute habe ich mich mal getraut und die konventionelle Langversion Die Wartburg, der "deutsche Mythenort", welchem der Aufmacher gewidmet ist kühn gekürzt. Wenn ich nur wüsste, wonach ich googeln müsste, um eine wissenschaftliche Einordnung/Analyse dieses syntaktischen Sonderfalls zu finden. Dunkel erinnere ich mich, dass im Lateinischen etwas Ähnliches möglich ist. Wer kann helfen?

Zurück zur Wartburg: Steckt womöglich die Thüringer Tourismus GmbH hinter dem heutigen Reisebeilagen-Overflow? Mangelt es der Region zurzeit an Selbstbewusstsein? Für diese Annahme spricht etwas, das ich in derselben Ausgabe der FAZ las: "Die grenznahe Gemeinde Gerstungen im Wartburgkreis ist unzufrieden mit den Bedingungen in Thüringen – und erwägt einen Wechsel nach Hessen." Gründe für die Unzufriedenheit seien vernachlässigte Infrastruktur und "mangelnde Personalausstattung". Falls das Unterfangen durchgeht (und die Hürden dafür sind hoch), wäre das der erste "Umzug" einer Gemeinde in ein anderes Bundesland, den ich erlebe, seit 1993 Amt Neuhaus von Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen wechselte! Ich werde den Fall im Auge behalten und über neue Entwicklungen berichten.

2 Kommentare:

  1. Zu diesen Nebensatzkonstruktionen habe ich 2010 mal gebloggt: https://texttheater.net/einleitephrasen-im-relativsatz

    AntwortenLöschen