Sonntag, 15. März 2026

Meine zwanzig zuletzt gesehenen Filme (1/2)

Au weia! Ich habe diese Rubrik so lange vernachlässigt, dass sich inzwischen genügend Einträge für gleich zwei Ausgaben angestaut haben. Diese zwei werde ich nun aber unter einem Rubrum vereinen, wiederum in zwei Parts splitten und diese hintereinander präsentieren.

Der unsichtbare Gast (OT: Contratiempo)
Ein spanischer Thriller, von dem ich mir nichts Außergewöhnliches versprach, als ich ihn im Bordprogramm eines Mittelstreckenfluges auswählte, der mich dann aber schier umhaute. Er ist wirklich sehr clever konstruiert, komplex, aber nicht konfus, mit Twists, die nicht erzwungen wirken, mit menschlichem Drama, ohne überbordende Gewalt und mit einem hübschen Locked Room Mystery.

Weapons
Hiermit hat der mir bis dahin unbekannte US-Amerikaner Zach Cregger den besten Horrorstreifen 2025 vorgelegt (was nichts heißen mag, da ich meinen Konsum von Vertretern dieses Genres drastisch zurückgeschraubt habe)! Neben der düsteren, an "The Leftovers" erinnernden Prämisse und ihrer zwar fast konventionellen, aber nicht weniger düsteren Auflösung hat mich die in POV-Episoden aufgeteilte Erzählweise begeistert, welche verhältnismäßig tiefgehende Charakterentwicklungen zulässt.

The Thursday Murder Club
Einen Roman der mittlerweile auf fünf Teile angewachsenen "Thursday Murder Club"-Reihe wollte ich schon lange mal lesen, doch dann erschien Chris Columbus' Verfilmung von Richard Osmans so beliebtem wie erfolgreichem Debüt, und ich nahm mir erst mal diese vor. EIne der literarischen Fortsetzungen werde ich gewiss mal der Bibliothek entleihen, hoffe aber, dass diese dann ein My überraschender und vertrackter ausfällt. Das Adjektiv "konventionell" verwendete ich bereits vor wenigen Zeilen, aber genau so ist dieser zahme, zwar augenzwinkernde, doch nie mit den Tropen klassischer Murder-Mysterys spielende Krimi zu beschreiben. Nun, die Leserschaft will es anscheinend so – Cosy-Crime eben. Die Geschichte ist nicht unspannend, das Setting nicht uninteressant, und der Cast ohnehin über jeden Zweifel erhaben: Helen Mirren, Pierce Brosnan, Ben Kingsley, dazu David Tennant als genüsslich fieses Ekel, wundervoll. Trotzdem: In Schulnoten würde ich maximal eine 3+ geben.

Die nackte Kanone (2025)
Diesem unnötigen Reboot hatte ich mich zunächst verweigert, mochte ich mir doch beim besten Willen nicht vorstellen, dass es an die Original-"Naked Gun"-Trilogie auch nur auf 100 Yard herankommen könnte. Nachdem mehrere Leute, deren Komikexpertise ich schätze, sich jedoch zufrieden mit dem Ergebnis zeigten, gab ich der erfreulich kurzen Komödie eine Chance und fühlte mich tatsächlich ebenfalls ordentlich unterhalten. Akiva Schaffer, dessen "Lonely Island"-Tonfall ich so wenig Kompatibilät mit dem legendären (wenngleich aus der Zeit gefallenen) ZAZ-Humor zutraute wie der doch recht eigentümlichen und nicht immer treffenden Witzsprache von Produzent Seth MacFarlane, beweist ein Händchen für die großen Fußstapfen (schiefes Bild ist beabsichtigt). I'll be a son of a (naked) gun, das Ding macht Laune. Die Gagdichte kann sich sehen lassen, das Verhältnis Slapstick : Wortspiele : Popkulturanspielungen : Situationskomik : topical jokes stimmt, und die Autoren bemühen sich um eine halbwegs stringente und packende Story. Damit hat diese Comedy den teils unsäglichen Genre-Parodien der frühen 2000er enorm viel voraus. Und Liam Neeson muss man in der Rolle von Leslie Nielsons Sohn einfach lieben.

Friendship
Von dieser Komödie wiederum hatte ich mir ehrlich gesagt mehr erhofft. Als ich den Trailer sah, dachte ich, das könnte "I Think You Should Leave" in Spielfilmlänge werden. Wäre es gewiss auch geworden, wenn Tim Robinson (und Zach Kanin) am Drehbuch mitgewirkt hätten. Doch Regisseur Andrew DeYoung hat diese Aufgabe allein gestemmt und hatte Robinson als Hauptdarsteller gar nicht von Anfang an im Sinn: "DeYoung decided on casting his friend Tim Robinson while writing the film's screenplay" (Wikipedia). Die Wahl war natürlich genial, und überhaupt möchte ich dem verdienten TV-Regisseur DeYoung, der immerhin auch an "The Chair Company" kreativ beteiligt war, sein Können nicht absprechen. Aber wie gesagt: Wenn "Tim Robinson" draufsteht, erwarte ich tränentreibende Tim-Robinson-Absurdität; diese Erwartung wird in "Friendship" nicht eingelöst. Die typische "Ein tapsig-uncooler Nobody gerät in eine Spirale des Wahnsinns"-Eskalation gibt es grundsätzlich schon, auch über einige peinliche Interaktionen und zitierbare Oneliner kann man schmunzeln. Ein Reinfall ist die A24-Produktion von 2024 mithin keineswegs.

Sleepaway Camp
Wenn ich weiter oben sinngemäß schreibe, dass ich dem Horrorgenre mehr oder weniger den Rücken gekehrt habe, dann meine ich vor allem: Ich lasse Neuerscheinungen, die nicht auch etwas wirklich Neues wagen, links liegen; um "Scream 7" beispielsweise werde ich guten Gewissens einen Bogen machen. Grundsätzlich bin ich jedoch nach wie vor von Horror fasziniert, seit einiger Zeit insbesondere von Slashern der 1980er Jahre.
Der 1957 geborene US-amerikanische Filmemacher Robert Hiltzik hat auf imdb lediglich fünf Einträge als Autor und zwei als Regisseur vorzuweisen, alle haben die Wörter "Sleepaway Camp" im Titel, und offenbar kommt man als einschlägiger Fan nicht an Teil 1 dieser Reihe vorbei. "Sleepaway Camp" von 1983 hat einen gewissen Kultstatus erlangt. Was ihn von diversen "Freitag der 13."-Ripoffs jener Ära abhebt, ist in einem ausführlichen Wikipedia-Artikel zu erfahren (idealerweise erst nach dem Anschauen, Stichwort Spoiler): etwa dass die jugendlichen Ferienlagergäste nicht von deutlich älteren Schauspielern verkörpert werden, was dem Ganzen eine zusätzlich verstörende Note gibt. Als problematisch mag ein Aspekt empfunden werden, der mit der finalen Pointe zusammenhängt. Nichtsdestoweniger hatte ich meinen Spaß an diesem mit ein paar extravaganten Todesvarianten und -darstellungen aufwartenden B-Movie.
Fun Fact 1: "In September 2025, it was announced that Kenan Thompson's production company Artists for Artists (AFA) has acquired the rights to remake Sleepaway Camp with original writer/director Robert Hiltzik." (a.a.O.)
Fun Fact 2: Ich schreibe diese Zeilen an einem Freitag den 13.!

Here
Robert Zemeckis ist und bleibt einer der leidenschaftlichsten Erzähler Hollywoods. Mit "Here" hat er 2024 eine zehn Jahre zuvor erschienene Graphic Novel umgesetzt und deren visuellen Kniff übernommen: Die Zuschauenden verfolgen die über Jahrtausende sich erstreckende (Vor-)Geschichte eines gewöhnlichen Hauses in den USA, wobei sich der "Kamera"-Winkel nie ändert. Eingefangen werden, nicht-chronologisch, kleine, banale, entscheidende, emotionale Momente im Alltag der Menschen, die dort leben und lebten. Mit einigen Familien verbringen wir mehr Zeit als mit anderen Bewohnern, so begleiten wir zum Beispiel Tom Hanks von der Jugend bis zum Greisenalter; die mittels Generativer KI erzeugten De-Aging-Effekte gehen in Ordnung und landen nicht im Uncanny Valley. Eine bewegende Reise. Schön!

Zwei hinreißend verdorbene Schurken (OT: Dirty Rotten Scoundrels)
Steve Martin und Michael Caine gaunern sich als Gegenspieler durch das Frank-Oz-Remake einer Posse von 1964 ("Bedtime Story"). "Dirty Rotten Scoundrels" stammt von 1988, wirkt bisweilen älter, obwohl viele Scherze noch heute erstaunlich frisch und frech wirken. Vielleicht liegt es an der Côte d'Azur als Sehnsuchtskulisse, die der Hochstapler-Komödie einen irgendwie gestrigen Glamour verleiht. Alles in allem 110 höchst vergnügliche Minuten.

The Life of Chuck
Von den gefühlt 50 Stephen-King-Verfilmungen der letzten Jahre ist diese eine der gelungensten, wenn nicht die gelungenste. "Ich stellte mir diesen chronologisch rückwärts erzählten Dreiteiler direkt als von Damon Lindelof verfilmte Miniserie vor", schrieb ich im Oktober 2020 über "Chucks Leben". 2024 war es dann nicht Lindelof, sondern der King-Wiederholungstäter Mike Flanagan, der die Kurzgeschichte aus dem Band "If it Bleeds" umsetzte, und das tat er, wenn mir das abgeschmackte Prädikat gestattet ist, kongenial. Die drei Akte oder besser: Kapitel gehen ans Herz, bauen ein nachdenklich machendes Rätsel auf und zaubern uns gelegentlich ein breites Grinsen ins Gesicht. Tom Hiddleston rockt, auch die übrigen Akteure, darunter Karen Gillan, Chiwetel Ejiofor und Mark Hamill, hinterlassen Eindruck, selbst wenn sie nur in je einer Episode auftauchen.
"The Life of Chuck" hat das Zeug zu einem Klassiker wie, sagen wir, "Stand by Me".

Prange
Zuletzt eine deutsche Fernsehkomödie, die mit ihrem harmlos-gefälligen Mix aus Herz, trockenem Humor und hanseatischer Schnodderigkeit perfekt zwischen den Jahren weggeguckt werden kann, gerne zum wiederholten Male und mit der ganzen Familie – es ist ja nicht alles Schrott, was hierzulande produziert wird. Bjarne Mädel als Titelfigur ist eh super, Olli Dittrich als grantiger Nachbar und Katharina Marie Schubert als verhuschter love interest ergänzen den sympathisch unsympathischen "Helden" aufs Famoseste.

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