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Donnerstag, 26. März 2026

Die Milch ist based

Speaking of Verpackungsärger: Schon beim Frühstück wurde ich heute in Harnisch gebracht! Auf dem Milchtetrapak lese ich: "Bio Getränk auf fermentierter Haferbasis".

Es geht mir nicht um das (von mir ohnehin nur ungern so bezeichnete) Deppenleerzeichen, sondern um die "fermentierte Haferbasis". Basis kann doch nicht fermentiert werden! Gemeint ist vermutlich "Getränk auf Basis von fermentiertem Hafer". Auf französisch haben sie's richtig gemacht. "Boisson bio à base d'avoine fermentée" steht unter der deutschsprachigen Beschreibung des Lebensmittels.

Die köstliche Wendung "in Harnisch bringen" habe ich übrigens dem Duden-Band 8, "Sinn- und sachverwandte Wörter und Wendungen" (Ausg. von 1972), entnommen. Auf den Reiz von Synonymwörterbüchern wurde ich erst gestern gebracht, als es an mehreren Stellen in Gerhard Henschels "Großstadtroman" darum ging. In meinem Büro habe ich fast sämtliche Duden-Bände stehen, also warum diese nicht regelmäßig nutzen? Im Grammatik-Duden immerhin (Band 4) verliere ich mich mindestens einmal pro Monat. An Grammatikbüchern habe ich sowieso einen Affen gefressen (danke, Synonymwörterbuch!), und die deutsche Grammatik überrascht mich immer wieder mit ihren Details, Feinheiten und wenig bekannten Sonderfällen. Man wünscht sich, Produkttexter würden sich öfter damit beschäftigen.

Samstag, 6. Mai 2023

Läuft's noch?!

Die Süddeutsche Zeitung hatte sich bereits den Vorwurf gefallen lassen müssen, mit "legeren Ausdrücken" wie schmeißen zu leichtfertig umzugehen. Solche Kritik ist sogar noch zu toppen: Im "Sprachlabor" der letzten Wochenendausgabe wurde die Beobachtung einer Leserin Sch. festgehalten, "wonach das Verbum gehen zunehmen durch laufen ersetzt werde". Sie sei "nicht die erste, die darüber klagt, und der von ihr zitierte Bildtext, dem zufolge Frauen 1977 in Belfast an ausgebrannten Häusern 'vorbeilaufen', führt in der Tat zu der Frage, ob laufen in diesem Zusammenhang das passende Verb war".
Der Rubrikbetreuer Hermann Unterstöger weist zu Recht darauf hin, dass "gehen und laufen nicht so scharf gegeneinander abgegrenzt" sind, und ich möchte ergänzen: In der Alltagssprache ist laufen nicht derart in seiner Bedeutung eingeengt, wie es unser Sportlehrer gebetsmühlenartig postulierte. Immer wenn er von der Disziplin Laufen sprach, pflegte er hörbar abfällig "... ihr sagt 'Rennen' dazu" hinterherzuschicken. Der Sprachwandel scheint es jedenfalls so eingerichtet zu haben, dass mit laufen eine große Bandbreite von Geschwindigkeiten bei der Fortbewegung zu Fuß abgedeckt wird. Als Synonym zu gehen eignet es sich heutzutage allemal (Unterstögers Beispiel "ich lauf noch mal schnell zur Post" lasse "keineswegs an ein Laufen im klassischen Sinn" denken), auch und gerade, wenn es ums Vorbeigehen, äh, geht: "... bin ich am Botanischen Garten vorbeigelaufen".

Samstag, 20. Juni 2020

Schmipf und Schnade

Manche Dinge ändern sich nie. Wutkommentare, Hatespeech und Zuschriften empörter Leser kommen anscheinend einfach nicht ohne Fehler aus. Das ist heute so und war 1927 schon so, wie dieser Brief an Karl Kraus zu beweisen möglicherweise geeignet ist:

Aus: Vor der Walpurgisnacht.
Die Falschschreibung von "Dreckfrechling" ist allerdings der Scan-Software geschuldet, nehme ich an. 

Auch inhaltlich und stilistisch nimmt sich das nicht viel im Vergleich zu modernen Textproben. Eine Studie darüber oder eine allgemeine Geschichte des Hasskommentars läse ich gern.

Donnerstag, 9. Juni 2016

Kurz notiert: Klima, wandel dich

In der Schule haben sie uns eingebleut, dass Temperaturunterschiede in Kelvin angegeben werden und auf gar keinen Fall in Grad Celsius, und wer das nicht beherzige, sei einer Bildungsanstalt nicht würdig! Wir haben's uns brav eingeprägt, doch wozu? Das berühmte "2-Grad-Ziel", das sich die Industrienationen gesetzt haben, heißt eben nicht "2-Kelvin-Ziel". Das wäre ja viel zu sachlich. Wissenschaftliche Maßstäbe im Journalismus, so weit kommt's noch!

Montag, 24. Juni 2013

Dinge, die ich viel zu spät erfahren habe

Ich wusste ewig nicht, was zum Geier es bedeutet, ein Kleidungsstück "auf links zu ziehen". Die einleuchtende englische Entsprechung "to turn something inside out" war mir bekannt, aber ich bin nie darauf gekommen, dies mit "auf links ziehen" zu übersetzen. Wieso links? Wieso? Warum?

Erst mit circa 20 habe ich gelernt, wie man eine Chipstüte ohne Zuhilfenahme von Werkzeugen öffnet, nämlich indem man die Falz ganz einfach auseinander zieht. Allerdings: 350 YouTube-Suchergebnisse für "how to open a bag of chips" sprechen für sich.

An der Uni hatte ich Spanisch bei einer ziemlich hübschen Spanierin. Einmal schickte ich ihr eine Mail mit Fragen zu einem Referat, das ich halten sollte. Sie antwortete mir und verabschiedete sich mit "besos y abrazos" ("Küsse und Umarmungen"). Das hat mich derart eingeschüchtert, dass ich nie wieder zu dem Kurs gegangen bin. Später hab ich dann erfahren, dass das in Spanien eine ganz normale Grußfloskel ist.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Sprache, Logik und Internetsexwerbung

Einmal erreichte mich eine Spam-Mail folgenden Wortlauts:
"Haben sie im Bett Schwierigkeiten Ihre Ehefrau zu befriedigen? Die Macht des steifen Schwanzes ist bis zu 2-5 mal besser, unsere die Blauen Pillen erhoeen sehr deutlich die s.e.xuelle Power, Vitallity und die Errektion. Besttellen sie jetzt und ver-gessen sie Ihre Enttaeuschungen und alle peinlichen Situationen in denen Sie mal waren. Gar nicht mehr zufrueh zum Orgasmus kommen und die Freundinnen geil befriedigen! Oder andere Produkte fuer den Mann shoppen auf [...].
Mit angenehmen Grussen
Prof. Dr. Simone Klein"

Wir halten fest: mehr als zehn Rechtschreib-, Grammatik- und Stilfehler, fehlende Begrüßung, logische Ungereimtheiten (Wer soll denn nun befriedigt werden: die Ehefrau oder die Freundinnen?), und von der Wortwahl her ist das ganze auch höchst fragwürdig. "Quo vaditis, Akademiker?" fragt man sich da!

Wo wir gerade bei logischen Ungereimtheiten sind:
Auf diversen Internetseiten poppt manchmal von rechts unten so ein Fake-Video-Messaging-Fensterchen auf, in dem das Bild einer vorgeblich live mit dem Betrachter chattenden Frau zu sehen ist. Neulich "schrieb" mir eine solche Frau die Zeile: "Hey there stranger. Remember me?"
Mooooment, dachte ich. Wenn die Lady mich für einen Fremden hält, wie kann sie dann in Erwägung ziehen, dass ich mich an sie erinnern würde? Oder redet sie jeden mit stranger an, weil sie den Internetnutzer ja nicht sehen kann, der Internetnutzer sie hingegen schon, und das womöglich zum wiederholten Male, weswegen er sich durchaus an sie erinnern könnte? 
Puh ...