Dienstag, 23. Juni 2009

Zwei kurze Bemerkungen

1. Das hat zwar nur bedingt etwas mit Übersetzungen zu tun, ist aber wert, festgehalten zu werden. Falls Sie den Film Bank Job noch nicht gesehen haben, holen Sie das jetzt nach.
Okay? Gut. Jetzt schauen Sie sich bitte den deutschen Trailer an (zum Beispiel auf YouTube).
Was fällt einem auf? Richtig: der deutsche Verleih möchte den Eindruck erwecken, es handle sich um eine Komödie im Stil von Ocean's Eleven (ich glaube, dieser Titel wird sogar auf der Rückseite der DVD-Schachtel genannt). Durch geschicktes Schneiden, Hinzufügen eines coolen Songs (T-Rex - "Get it on") und das Einbinden der einzigen zwei-drei witzigen Szenen des gesamten Films erhofft man sich, ein entsprechendes Publikum anzusprechen. Allerdings ist Bank Job beileibe keine Gangster-Comedy, sondern ein durchgängig ernster Thriller mit dramatischer Musik und bedrückenden Wendungen.
2. Ich wage zu bezweifeln, ob das Beibehalten der Umlautpunkte (im Englischen umlaut genannt) bei Brüno eine gute Idee war. Die Hauptfigur dieses sicher uninteressanten Streifens ist Österreicher, und im Bemühen um Nachahmung der deutschen Sprache haben die Macher halt die Pünktchen auf das u gesetzt (vgl. den Wikipedia-Artikel zum Thema Röckdöts). Nun habe ich neulich im Radio jemanden gehört, der das ü in Brüno tatsächlich wie ein /ü/ aussprach - so klingt der Name fast schon französisch. Was für ein Quatsch. 

Sonntag, 7. Juni 2009

Gesinnungsbekundung qua Schriftsatz?

Heute finden in einigen Städten, darunter in meiner, Stadtratswahlen statt. Vielerorts konnte man Wahlplakate sehen. Eine Kampagne irgendeiner Partei bediente sich symbolischer Ortsschilder nach dem Muster Ortseingang = etwas Positives, Ortsausgang = etwas Negatives, zB "Mindestlöhne" und darunter (durchgestrichen) "Lohndumping". Ein spezielles Schild trug die Aufschrift "Weltoffenheit", und das darunter stehende Wort "Fremdenhass" war in gebrochener Schrift gesetzt (ich weiß nicht, in welcher genau, da ich das besagte Plakat nur kurz im Vorbeifahren sah). 
Das ließ mich wundern. Wieso wird dieses antidemokratische Schlagwort mit einer veralteten Schriftart in Verbindung gebracht? Bzw. warum assoziiert man alte Schriften mit Nationalsozialismus? In diesem Wiki-Artikel steht, dass die gebrochene Schrift 1941 aus den Schulen verbannt wurde, und ist von Hitler nicht überliefert, dass er die lateinische Schrift bevorzugte, um sich besser in der ganzen Welt behaupten zu können? Also wäre das lateinisch gedruckte Wort "Weltoffenheit" tatsächlich im Sinne Hitlers! Obwohl, naja, er hat wohl eher was anderes darunter verstanden. Neonazis wiederum würden freilich nie von "Fremdenhass" sprechen, die sind ja heute viel "subtiler", was mich zu den erwartbarerweise dümmsten Plakaten bringt, nämlich jenen einer nicht erwähnenswerten Partei, die im Ernst "Kriminelle Ausländer raus!" fordert - das Adjektiv "kriminelle" extra klein geschrieben. Und in lateinischen Buchstaben.

Donnerstag, 4. Juni 2009

Filmtitel III

Heute: Spezialausgabe - Originaltitel, die um einen bekloppten deutschen Untertitel erweitert wurden.
  • Pulse - Du bist tot, bevor du stirbst
  • Slither - Voll auf den Schleim gegangen
  • The Rocker - Voll der (S)Hit
  • Botched - Voll verkackt!
  • Gridlock'd - Voll drauf
  • Fools Rush In - Herz über Kopf
  • Wedding Planner - Verliebt, verlobt, verplant
  • Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt
  • Bride Wars - Beste Feindinnen
  • Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis
  • Alien Autopsy - Das All zu Gast bei Freunden
  • Carrie – Des Satans jüngste Tochter
  • A Boy and His Dog – In der Gewalt der Unterirdischen
  • WALL·E – Der Letzte räumt die Erde auf
  • Burn After Reading – Wer verbrennt sich hier die Finger?
  • 10 Items or Less – Du bist wen du triffst
  • Great White Hype – Eine K.O.Mödie
  • Mr. Wrong – Der Traummann wird zum Alptraum
  • Mrs. Doubtfire – Das stachelige Kindermädchen
Diese Liste wird garantiert fortgesetzt; gerade im Horror- und Komödienbereich gibt es unzählige Beispiele für die zweifelhafte Kreativität mancher Verleih-Mitarbeiter.

Dienstag, 2. Juni 2009

Mirácoli


Eine solche Mirácoli-Packung, wie sie hier zu sehen ist, enthält neben den Spaghetti, dem Parmesan1 und dem Tomatenmark ein Tütchen mit der Aufschrift "Original Würzmischung für den unnachahmlichen Mirácoli-Geschmack". Die Produktbezeichnung ist noch in vier weiteren Sprachen abgedruckt. Seltsam sind dabei die französische und die niederländische. Erstere lautet Mélange secret d'herbes et d'épices méditerranéennes ("Geheime Mischung mediterraner Kräuter und Gewürze"), zweitere Geheime mengeling van zuiderse kruiden en specerijen ("Geheime Mischung südlicher Kräuter und Gewürze"). [Interessant: specerijen geht wie das schöne deutsche Wort Spezereien und wie spice und épice auf dasselbe Wort zurück.] Die englische und die dänische Bezeichnung gleicht jeweils der deutschen, nur das "Original" fehlt (Seasoning mix for the inimitable Mirácoli Taste resp. Krydderiblanding. Den rigtige Mirácoli smag), wobei ich nicht weiß, ob das dänische rigtig die genaue Entsprechung zu "unnachahmlich" ist.

Es lässt sich also folgende Tabelle erstellen:


Das einzige, was allen fünf verschiedensprachigen Tütchenbeschriftungen gemein ist, ist das Element "Mischung". Was sich die Gestalter bei den zT stark abweichenden Übersetzungen gedacht haben, kann ich nicht einmal vermuten. Vielleicht hat es etwas mit kulturgebundener Konsumentenpsychologie zu tun, vielleicht ist es nur Nachlässigkeit. 

1 Hier irre ich. Laut Wikipedia ist "[d]er Name des beigefügten Trockenkäses – Pamesello [...] ein Kunstwort und soll an Parmesan erinnern, der im Käse jedoch nicht enthalten ist."

Dienstag, 21. April 2009

Filmtitel II

Ohne großartige Einleitung geht es weiter, heute auch mit ein paar weniger bekannten Filmen. Comedy of Terrors und The Harder They Fall kenne ich überhaupt nur vom Originaltitel her, nämlich von Simpsons-Parodien.
  • The Comedy of Terrors --> Ruhe Sanft GmbH
  • Drillbit Taylor --> Ein Mann für alle Unfälle
  • Eastern Promises --> Tödliche Versprechen
  • The Brave One --> Die Fremde in Dir
  • The Seven-Per-Cent Solution --> Kein Koks für Sherlock Holmes
  • The Harder They Fall --> Schmutziger Lorbeer
  • Les Cousins --> Schrei, wenn du kannst
  • The Other Sister --> Ganz normal verliebt
  • Wild Hogs --> Born to be Wild - Saumäßig unterwegs
  • The Emperor Waltz --> Ich küsse Ihre Hand, Madame
  • The Wedding Singer --> Eine Hochzeit zum Verlieben
  • Antitrust --> Startup
  • The Sweetest Thing --> Super süß und super sexy
  • The Rose Tattoo --> Die tätowierte Rose
  • Analyze That --> Reine Nervensache
  • Bend it like Beckham --> Kick it like Beckham
  • Sidewalks of New York --> Seitensprünge in New York
  • The Masque of the Red Death --> Satanas - Das Schloß der blutigen Bestie
Der letzte Eintrag ist eine Verfilmung der gleichnamigen Geschichte von Edgar Allan Poe, auf Deutsch "Die Maske des Roten Todes". Was den Verleih dazu bewogen hat, dieser klassischen Erzählung den Touch eines ganz billigen Horror-B-Movies zu geben, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben.

Sonntag, 19. April 2009

Filmtitel I

Es folgt nun der erste Teil einer schier unendlich langen Liste missglückter Eindeutschungen von Filmtiteln. Dabei handelt es sich gar nicht immer um Eindeutschungen, in manchen Fällen hat man – warum auch immer – neue Titel in der Originalsprache gebastelt. Mein Lieblingsbeispiel dafür ist Cool & Fool - Mein Partner mit der großen Schnauze (OT: einfach nur The Man), dicht gefolgt von Final Call - Wenn er auflegt, muss sie sterben (OT: Cellular). Derlei funktioniert auch auf Französisch: das demnächst anlaufende Drama Le premier jour du reste de ta vie wurde bei uns zu C'est la vie. 

Ich möchte betonen, dass es manchmal wirklich dringend geboten ist, fremdländische Titel zu "übersetzen" (bzw. einen alternativen Titel zu finden, denn man muss nicht alles 1 zu 1 transponieren – so puristisch bin ich nicht). Beispielsweise war mir, bevor ich den Film sah, nicht klar, dass "Will Hunting" in Good Will Hunting ein Personenname ist; ich hatte gedacht, das wäre eine pervertierte Form von "The good will be hunting" oder so. Auch "Jurassic" ist nicht unbedingt ein Wort, das man in der Schule lernt (das Buch von Michael Crichton erschien bei uns immerhin als Dino Park).

ABER: Der Verleih sollte sich gründlich überlegen, ob der Titel auch "funktioniert". Es gibt Filme, die ich mir nur wegen des deutschen Namens nie anschauen würde. Forgetting Sarah Marshall – mh, geht. Doch was wurde daraus? Nie wieder Sex mit der Ex! Allgemein scheint man bei romantischen Komödien auf besonders "witzige" Übertragungen erpicht zu sein. Man versucht sich zum Teil an Wortspielen, wo im Original gar keine sind (Town & Country --> Stadt, Land, Kuss). Wenn aber die Vorlage ein Wortspiel beinhaltet, ignoriert man das geflissentlich (Made of Honor --> Verliebt in die Braut). Manchmal geht sogar der Sinn komplett verloren. In Sergio Leones Westernklassiker Il buono, il brutto, il cattivo geht es um drei Revolverhelden, auf Deutsch heißt der Streifen aber Zwei glorreiche Halunken. Hier also die unkommentierte Liste der schönsten deutschen Titel:
  • Body of Lies --> Der Mann, der niemals lebte
  • The Boat That Rocked --> Radio Rock Revolution
  • Taken --> 96 Hours
  • In Bruges --> Brügge sehen ... und sterben?
  • The Holiday --> Liebe braucht keine Ferien
  • Knock on Wood --> Die Lachbombe
  • Meet the Parents --> Meine Frau, ihr Vater und ich
  • You, Me and Dupree --> Ich, du und der Andere
  • Me, Myself and Irene --> Ich, beide und sie
  • Marvin's Room --> Marvins Töchter
  • Billy Two Hats --> Begrabt die Wölfe in der Schlucht
  • Lost Horizon --> In den Fesseln von Shangri-La
tbc

Donnerstag, 16. April 2009

Liebe, Hass und das Zeug dazwischen

Anglisten müssten sich mal folgenden Themas annehmen. Mir ist aufgefallen, dass die Wörter "lieben" und "hassen" zunehmend inflationär gebraucht werden. Wenngleich ich vor 50 Jahren noch nicht gelebt habe, halte ich es für unwahrscheinlich, dass es üblich war, Sätze wie "Ich hasse Bärlauch" oder "Ich liebe den Geruch von Lösungsmittel" zu äußern. Vermutlich hat diese Tendenz im (Amerikanischen) Englisch ihren Ursprung. Es ist dort üblich, dass eine Mutter zu ihrem Kinde spricht "I love you, honey" und das Kind antwortet "I love you too, mom". Filmübersetzer haben das dann eins-zu-eins übertragen, und heute stößt sich niemand mehr daran.
Trotzdem: Es klingt komisch! "Ich liebe dich" ist etwas, das man zu seinem Partner sagt, und nicht zu einem Kind! Die meisten Übersetzer haben anscheinend die schöne Verbalphrase "jmd. lieb haben" vergessen. Genau so ungewohnt klingt das Wort "hassen". Ist das nicht zu extrem? Hass ist die stärkste negative Emotion (ich weiß nicht, ob es tatsächlich eine Emotion ist, aber Sie wissen, was ich meine) - in Verbindung mit trivialen Sachen wie Lebensmitteln mutet es unverhältnismäßig an. 10 Dinge, die ich an dir hasse (OT: 10 Things I Hate About You) heißt eine US-Komödie mit Heath Ledger. Ich weiß aber nicht, worum es darin geht ...
Was ich auch hasse, ist, wenn eine Person einer anderen Person Fotos von ihren Kindern zeigt, und Person B sagt in jedem Fall was? Richtig: "Ohhh, (s)he's beautiful!!!" Im Deutschen mag "süß" gerade noch angehen, aber "hübsch" oder gar "wunderschön"? That's just wrong ... Es kann natürlich sein, dass die genannten Beispiele für uns Deutsche so fremd klingen, weil wir einfach gefühlskalt sind. Insofern wäre es womöglich ein Schritt zur Besserung, wenn wir unseren Gefühlen nach englischem Vorbild verbal freien Lauf lassen würden. Andererseits: wenn man nur noch in Extremen redet, alles nur entweder liebt oder hasst oder wunderschön oder abstoßend findet - das ist doch auch albern!

Sonntag, 29. März 2009

Shooter


Dieser solide Actionthriller mit einem soldiden Mark Wahlberg wurde solide ins Deutsche übertragen. An zwei Stellen musste ich jedoch gehörig stutzen.
Einmal wird jemandem davon abgeraten, "im Büro" anzurufen, was in der entsprechenden Szene sehr ulkig klingt. Im Original ist hier vom Bureau die Rede, also vom Federal Bureau of Investigation. In einer anderen Szene erzählt jemand etwas von Attentaten in der Vergangenheit und erwähnt gewisse "Schützen auf dem Grashügel". Verschwörungsfans werden sofort wissen, dass hier auf den Grassy Knoll angespielt wird, also auf jenen Hügel am Dealey Plaza in Dallas, von dem aus weitere Schüsse auf JFK abgefeuert sein sollen. Für alle anderen ist diese Information völlig unverständlich / sinnlos.
Man sollte sich als Synchronstudio überlegen, wie viel Wissen über amerikanische Politik man dem deutschen Publikum zutrauen kann. Klar, durch CSI-Serien u. ä. kennt man schon die wichtigsten Einrichtungen wie die NSA, Homeland Security und vielleicht sogar die IRS (Steuerbehörde) und das ATF (Alcohol, Tobacco and Firearms). Aber wenn mehrere solcher Abkürzungen - und dazu noch exotische wie DOE (Department of Energy) - in einem Film vorkommen, verliert man irgendwann die Übersicht. Eine kurze Paraphrase oder auch eine Übersetzung ist dann m. M. n. besser; im letzten Fall könnte man etwa "Energiebehörde" sagen. Ganz unangebracht wäre die Wiedergabe mit deutschen Äquivalenten, wie man es in US-Krimis aus den 70ern oft hört. Andererseits fragt man sich, warum der Verteidigungsminister in 24 immer mit "Mister Secretary" statt einfach "Herr Minister" angesprochen wird. "Secret Service" sollte man aber so lassen, denn eine deutsche Entsprechung gibt es nicht (die gab es mal, aber das ist eine andere Geschichte ...), und "Geheimdienst" wäre falsch, denn der Geheimdienst der USA ist die CIA (in Deutschland der BND). Uff, jemand müsste mal eine Liste erstellen ...

Donnerstag, 19. März 2009

Bender's Game


Bei dem dritten von insgesamt vier neuen Futurama-Spielfilmen (in Deutschland als DVD-Premiere) kann ich mich relativ kurz fassen. Im Grunde gibt es an der deutschen Fassung von Bender's Game überhaupt nichts zu beanstanden! Man kann hoffen, dass dieses Niveau auch bei dem kommenden Abenteuer beibehalten wird. Ein paar Kleinigkeiten habe ich aber um des Klugscheißens Willen doch gefunden:

00:20:55
Bender in der Roboter-Psychiatrie

Psychiater: "I understand you're having trouble separating fantasy from reality."
Bender: "Says who? Was it the bugbear? Is he talking about me again?"

Psychiater: "Wie ich höre, haben Sie Schwierigkeiten, Fantasie und Wirklichkeit auseinander zu halten."
Bender: "Wer sagt das? War es das Schreckgespenst? Erzählt es wieder Unsinn über mich?"

In der deutschen Version von Dungeons & Dragons heißen "bugbears" "Grottenschrate".

00:35:48
Bender: "Death to ogres! Death to ogres!"

Bender: "Tod allen Monstern! Tod allen Monstern!"

Eine weitere Haarspalterei, die nur DnD-Geeks auffallen dürfte: ein "ogre" ist ein "Oger".

00:52:01
im Wald

Leela: "What else can we slay? Is that a hobbit over there?"
Bender: "No, that's a hobo and a rabbit. But they're making a hobbit."

Leela: "Was können wir noch erlegen? Ist das da drüben ein Hobbit?"
Bender: "Nein. Das sind 'n Hase und 'n Maulwurf, also was ganz ähnliches."

Natürlich lässt sich das Wortspiel schwer adäquat ins Deutsche übertragen, aber das mit dem Hasen und dem Maulwurf ergibt irgendwie keinen Sinn.

01:18:28
Ignus: "Search your feelings. You know it to be true."

Ignus: "Erforsche deine Gefühle. Du weißt, dass es wahr ist."

"Gefühle erforschen" klingt sehr ungewöhnlich. "Schau in dein Herz" o. ä. wäre hier besser gewesen.

Das war's auch schon. Wie gesagt - eine gelungene Umsetzung. Wer allerdings Freude an archaisierendem Englisch hat, welches die Mittelalter-Atmosphäre noch besser transportiert, sollte der Originalversion den Vorzug geben.

Montag, 16. März 2009

The Now is Future!

So, der Themenbereich dieses Blogs wird nun um "missglückte Werbeslogans" erweitert. 


Ich weiß nicht, ob das hier abgebildete Produkt aus Deutschland stammt. Falls ja, können wir uns vielleicht demnächst, wenn König Pilsener international agiert, auf den Claim "The Beer of the Kings" freuen.
Danke an die Hinweisgeberin M.!

Sonntag, 8. März 2009

Pfeffer, Peperoni und co.

In seinem Buch Wenn man einen weißen Anzug anhat schreibt Max Goldt:

Ich entsinne mich einer vegetarischen Rezeptesammlung, aus dem Englischen übersetzt, in der für eine Art Ratatouille 500 Gramm grüner Pfeffer veranschlagt wurden. Unterm Tische derer, die das wortgetreu ausgeführt haben, wäre ich gern Mäuschen gewesen. Gemeint war mit Sicherheit grüner Paprika. Der heißt auf englisch auch "green pepper".

Befasst man sich weiter mit der Gattung (!) Paprika, stößt man auf eine ganze Reihe sprachübergreifender Unklarheiten. Das, was wir Deutschen als Paprika(schote) bezeichnen, ist die Art (!) Capsicum annuum. Dummerweise gibt es von dieser Art auch noch diverse Fruchttypen, u.a. die länglichen Chilischoten verschieder Schärfe und Farbe. Natürlich meinen wir, wenn wir von "Paprika" sprechen, gewöhnlich den Glocken- oder Blockpaprika-Typ, der im Englischen neben capsicum auch bell pepper heißt (vgl. die Simpsons-Episode "Dial 'N' for Nerder", wo Homer süchtig danach wird). Das englische Wort paprika gibt es auch, doch bezieht sich dieses lediglich auf das Paprikapulver, übrigens genau wie im Schweizer Sprachraum. Verkompliziert wird die Sache noch dadurch, dass die Gattung Pfeffer (lat. piper) im Englischen ebenfalls pepper heißt. Die Erklärung für diese Polysemie ist laut Wikipedia: "The misleading name 'pepper' (pimiento in Spanish) was given by Christopher Columbus upon bringing the plant back to Europe. At that time peppercorns, the fruit of Piper nigrum, an unrelated plant, were a highly prized condiment." Und was ist nun mit green, white und black pepper? Ganz einfach: Grüner, weißer und schwarzer Pfeffer sind alles Unterarten der eben genannten Spezies Piper nigrum, die auf Englisch auch wieder black pepper heißt.

Nun fragt man sich: "Wieso essen Kinder in US-Filmen so gerne Peperoni-Pizza?" Das sind natürlich Übersetzungsfehler! Peperoni (amerikanisch: pepperoni) ist nichts anderes als Salami, wobei Salami auch mit salami bezeichnet wird. Immer noch nicht verwirrt genug? Schauen wir in das Forum von leo.org: "Curiously, some pizzerias will offer both 'salami' and/or 'pepperoni' on their pizzas." Bleibt noch zu klären, wie man auf Englisch wirkliche Peperonis bestellt. Hierfür nimmt man das auf eine mexikanische Stadt zurückgehende Wort jalapeño. Und jetzt kommt's: In Deutschland kennt man Jalapeños ebenfalls, und sie werden – so Wikipedia – "oft im Kino zusammen mit Nacho-Chips unter dem Namen Peperoni verkauft". Sie gehören wiederum zur schon genannten Art Capsicum annuum, die, wie ich soeben lese, auch auf Deutsch "Spanischer Pfeffer" heißt. Oh Mann ...

Mittwoch, 4. März 2009

Threadspotting

Heute verweise ich nur auf einen heiteren Thread, den ich im Forum von pokerstrategy.com entdeckt habe: Stilblüten deutscher Dolmetscher. Ich muss zugeben, dass Simultandolmetscher ein Beruf ist, den ich mich nicht auszuüben trauen würde ...

Dienstag, 3. März 2009

Lock, Stock and Two Smoking Barrels



Vor einigen Jahren schaute ich mir die sehr gute Gangsterkomödie Bube Dame König grAS an, und dies war eines der wenigen Male, bei denen ich im Nachhinein bereut habe, die Originalversion (OT: Lock, Stock and Two Smoking Barrels gewählt zu haben. Abgesehen davon, dass der Handlung wegen ihrer für Guy Ritchie typischen Verworrenheit nur schwer zu folgen war, sprachen die meisten Charaktere übelsten Cockney-Dialekt inkl. Rhyming Slang und mir bis dahin völlig unbekannten Redewendungen.
Wie ich nun erfahren habe, wurde der Film im Großen und Ganzen sehr professionell ins Deutsche übertragen. Details kann man in dem interessanten Buch Filmsynchronisation aus übersetzungswissenschaftlicher Sicht: Eine kontrastive Synchronisationsanalyse des Kinofilms "Lock, Stock and Two Smoking Barrels" von Christopher Kurz nachlesen. Darin werden auch Synchro-Schwierigkeiten wie Lippenbewegung etc. besprochen. Ferner gibt der Autor eine kurze Geschichte der Synchronisation wieder, in der folgendes Highlight aus der Serie Die 2 (OT: The Persuaders) aufgeführt wird: Good morning, Mr Miller. wird zu Na Meisterchen, schon frisch im Schritt? Da musste ich sehr lachen. Vielleicht besorge ich mir mal die DVD und stöbere nach mehr solchen Irrsinnigkeiten ...

Freitag, 27. Februar 2009

That's a lot of porn...

Heute habe ich zum ersten Mal eine externe Festplatte mit einer Speicherkapazität von 1 Terabyte (TB (gewöhnt euch schon mal an dieses Kürzel!)) gesehen, und zwar in einem Prospekt des Mediamarktes Media Markt. Kostenpunkt: nur 89 €! Ich habe zwar gelesen, dass so etwas schon vor 5 Jahren von der Firma LaCie auf den Markt gebracht wurde, aber das ist wohl an mir vorbeigegangen. Klar, man hat schon im letzten Jahrtausend, als private Harddrives im Gigabyte-Bereich Standard wurden, immer wieder von Terabytes gemunkelt, bei der NASA oder im Schülerrechenzentrum Dresden wurden solche Laufwerke gesichtet ... aber jetzt ist es plötzlich so weit! Ich kann's immer noch nicht fassen. 
Doch ich prophezeie: Bald wird es externe Festplatten geben mit *gasp* 1,5 TB Speicherplatz! Oder gar *woah* interne Festplatten mit 1 TB Speicher. Ach, gibt es ja auch schon, 2007 von Hitachi eingeführt. Wie viele Floppy Discs das wohl sind? Hunderte. Buchstäblich Hunderte.

Dienstag, 24. Februar 2009

Die Ära des Tentakels (3)

Der letzte Teil, uff!

00:55:31
Leela, Amy & Zapp im Bein des Roboters

Amy: "Leela, you're crushing me with your rock-hard butt."
Leela: "Sorry."
Zapp: "I can only imagine what rock-hard part of Leela is crushing me."


Amy: "Leela, du erdrückst mich mit deinem steinharten Arsch." 
Leela: "Entschuldige."
Zapp: "Na sowas, ich will gar nicht erwähnen, welches steinharte Teil ich dazu beitragen könnte."

Es wäre hilfreich gewesen, wenn der Übersetzer sich den Film auch mal angeschaut hätte, dann hätte er nämlich gesehen, dass Zapp von einem Metallkolben geschlagen wird, den er für ein "steinhartes Teil" von Leela hält. So ist die deutsche Version sogar noch schlüpfriger geworden.

01:01:03
Yivo erscheint und spricht

Yivo: "Attention, beings of Universe Gamma."
Zoidberg: "Where?"
Yivo: "Here."
Zoidberg: "I had a hunch."


Yivo: "Hört her, Wesen des Universums Gamma."
Zoidberg: "Wo?"
Yivo: "Hier."
Zoidberg: "Ach so ist das."

Wieder eine Diskrepanz zwischen Ton und Bild! Man sieht eindeutig, wie stolz Zoidberg ist, dass er eine Vermutung darüber hatte, in welchem Universum er sich befindet. Besser wäre also gewesen: "Ich hab's geahnt!"

01:11:00
Die Abgesandten des Gamma-Universums besuchen Yivo

Yivo: "Who is it? - Oh, hi, honey-poo. What's up? The movie's not for another hour."

Yivo: "Wer ist da? - Hallo mein Süßer, was gibt's? Der Film läuft keine Stunde mehr."

Mannmannmann, das ist doch echt ein Anfängerfehler. Hier muss man auch den Sprecher kritisieren. Er merkt nicht, dass der Satz gar keinen Sinn ergibt. Aus einer Eingebung heraus wählt er dann aber eine Betonung, die eher zu dem Satz "Ich habe eine Überraschung für dich!" passen würde. Zudem hätte ich ein geschlechtsneutrales Kosewort genommen, immerhin spricht Yivo quasi das ganze Universum an: "Wer ist da? Oh, hi Schatz, was ist? Der Film fängt doch erst in einer Stunde an."

Es gibt noch einige kleinere Sachen, auf die ich aber nicht näher eingehen möchte, etwa dass "goo" unübersetzt bleibt oder dass Prof. Farnsworth seine Angestellten siezt. Manches ist auch schlicht und einfach nicht übertragbar, zB Zoidbergs "shell phone" oder die ganze Geschichte mit dem Pronomen "shklee" ("no shklit"). Ein Beispiel für eine sehr gelungene Übersetzung ist die "Sternrieche" für das "Calamatarium".

So, in ein paar Wochen gibt es dann eine Analyse der nächsten Futurama-DVD Bender's Game!