Freitag, 18. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (1)

Tag 1 || Oberstdorf – Sonthofen

Die erste Etappe ist geschafft! Sie war nur kurz, da ich ja erst mal von Frankfurt nach Oberstdorf fahren musste (mit dem Zug). Der Bus der Linie 45 fuhr pünktlich ab und war mollig warm – Note 1.

Das Allgäu ist eine meiner Top-3-Lieblingsregionen Deutschlands. Am liebsten wäre ich direkt zu einer Bergwanderung aufgebrochen, doch Zeit und Schuhwerk erlaubten nur eine Runde um den Sonthofer See. Immerhin! Ich denke, allabendliche Bewegung wird die nächsten Tage noch sehr wichtig werden. Hoffentlich bessert sich die Witterung; in Oberstdorf kam ich heute bei Regen und Donner an.

Vor meinem Hotel befindet sich ein Offener Bücherschrank, gut. Für morgen habe ich Frühstück gebucht. Danach werde ich versuchen, mich bis Kempten durchzuschlagen. Gute Nacht.





Mittwoch, 16. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (Vorrede)

Am 23.5.2024 setzte ich auf Facebook folgenden Post ab:
An diesem 23. Mai möchte ich das kostbarste Dokument würdigen, das unsere Republik hervorgebracht hat: das 49-Euro-Ticket. Mit diesem werde ich in den folgenden Tagen einmal quer oder korrekter: längs durch Deutschland reisen, von der südlichsten Bushaltestelle bis zur nördlichsten – und zwar ausschließlich mit Linienbussen. Dabei wird bestimmt Retro-Feeling aufkommen, denn im deutschen Busnetz herrscht Kleinstaaterei wie zu Urur(...)opas Zeiten. Und vielleicht werde ich dem Volk, kurz vor Fußball-EM und Europawahl, tief in die Seele blicken können. (Hoffentlich nicht.)
Ursprünglich wollte ich aus diesem Unternehmen ein Buch machen, doch es fand sich kein Verlag. Damit meine Tagebucheinträge nicht auf unysmpathischen Social-Media-Plattformen versauern, habe ich mich (mit reichlich Verspätung) entschlossen, sie ab Freitag täglich um 10 Uhr hier im Blog zu veröffentlichen. Literarisch besonders wertvoll mögen sie nicht sein (ich habe sie meist abends in der Unterkunft auf dem Tablet runtergetippt), doch hoffentlich unterhaltsam genug. Auf Facebook und Instagram kamen die Posts jedenfalls erstaunlich gut an. Bevor ich mich von Frankfurt/M. aus, wo ich damals noch wohnte, wobei zu der Zeit bereits Umzugspläne liefen (just in Schwäbisch Gmünd erhielt ich sogar die telefonische Zusage für eine Wohnung in Kronberg, die dann aber aus guten Gründen abgelehnt werden musste) – bevor ich mich also von dort auf den Weg zum südlichsten Zipfel des deutschen Busnetzes machte, war natürlich intensive Recherche und Organisation nötig:


Am Ende kam eine Ochsentour von rund 2500 Kilometern heraus:


Entstanden sind dabei 130 Fotos, von denen ich aber nur jene zeigen werde, die ich damals auch in den sozialen Netzwerken geteilt habe. Der Einfachheit halber habe ich in den kommenden Tagesresümees die jeweiligen Ortsnamen statt die konkreten Haltestellen notiert, die ich pro Etappe genommen habe, außer wenn ich mehrmals innerhalb einer Gemeinde umgestiegen bin. Doppelstriche trennen Tagesetappen, eckige Klammern bedeuten: Diese Strecke bin ich außerplanmäßig gelaufen statt gefahren. Und nun: Bon voyage, godspeed, viel Vergnügen!

Montag, 14. September 2026

Neues Altes (Juli-September '26)

  • Ausgrabungen in Mainz: Minengänge und römische Sarkophage entdeckt (SWR, 24. Juli) Die Minengänge aus dem 18. Jahrhundert gehören zu einer Festungsanlage und dienten der Verteidigung. "Wenn Feinde vor der Festungsmauer lagerten oder angriffen, wurden die Minengänge gesprengt und die Gegner damit abgewehrt." Darüber hinaus fanden sich vier spätrömische Sarkophage, leider leer und teilweise zerstört, vermutlich geplündert.
  • Pharaonentöchter waren im alten Ägypten muskulöse Prinzessinnen (BR24, 25. Juli) Eine Untersuchung an in der Pyramidenanlage von Dahschur gefundenen weiblichen Mumien aus dem Späten Mittleren Reich zeigt: Die (namentlich bekannten) Pharaonentöchter waren "allesamt durchtrainiert, muskulös, versiert im Umgang mit Waffen sowie hart im Nehmen". Die den Prinzessinnen beigegebenen "kunstvoll gefertigte[n] Schwerter, Bögen und Dolche" dürften demnach mehr als "Statussymbol[e], schmückendes Beiwerk, Ritualgegenst[ände]" gewesen sein.
  • 1,4 Millionen Jahre alte Vormenschen-Fußspuren enthüllen Überraschendes (wissenschaft.de, 28. Juli) Das Überraschende: Die acht männlichen Individuen von Paranthropus boisei, eine Spezies, bei der man bisher von einer Größe von 130 bis 162 cm und einem mittleren Körpergewicht von 30 bis 55 kg ausgegangen war, wiesen eine Größe von bis zu 1,80 m und ein Gewicht von ca. 75 kg auf. "Damit waren die Spurenmacher aus Koobi Fora überraschend groß für einen Vormenschen – und mindestens so groß wie der Frühmensch Homo erectus", mit dem die Homininen in Kenia koexistierten.
  • "Fund des Jahres": Forscher finden 40.000 Jahre alte Vogelfiguren in Höhle (SWR, 29. Juli) "Unklar ist: Sind es Schneehühner, Bussarde oder vielleicht doch Auerhühner? Dass die Kunstwerke so filigran sind, macht sie zu einem besonderen Fund. Mit zwei Zentimetern Länge, einem Zentimeter Breite und einem halben Zentimeter Höhe ist der Vogel mit den ausgebreiteten Flügeln das kleinste aller bisher bekannten Eiszeitkunstwerke der Welterberegion." Die Figuren aus der Höhle Hohle Fels sind bis 4.4.2027 im Museum für Urgeschichte und Eiszeitkunst in Blaubeuren zu sehen.
  • Spuren untergegangener Zivilisation in Amazonien entdeckt ("Spiegel online", 30. Juli) Gräben, Hügel, Reste von Dämmen, dazu riesige Geoglyphen: Mit dem Lidar-Verfahren hat ein Forschungsteam im heutigen Brasilien Bauten sichtbar gemacht, die zwischen 600 v. und 850 n. Chr. angelegt wurden und einer Zivilisation zugerechnet werden, die es "Aquiri-Kultur" getauft hat. "Zur Blütezeit dieser Zivilisation, zwischen den Jahren 100 und 300 nach Christus, dürften bis zu drei Millionen Menschen in der Region gelebt haben", die u.a. "Brandrodung betrieben, um Mais, Maniok und Kürbisse anzubauen. Außerdem kultivierten sie Bäume mit essbaren Früchten, etwa Paranussbäume und Pfirsichpalmen".
  • Genanalysen zeigen, dass Pocken aus Europa nach Amerika kamen (Die Zeit, 2. August) "Die durch das Variola-Virus verursachten Pocken spielten eine wesentliche Rolle beim Bevölkerungsrückgang, den die indigenen Völker in Nord-, Mittel- und Südamerika nach der Ankunft der Europäer erlebten." Nun konnte zum ersten Mal ein molekularer Nachweis für das Einschleppen der Krankheit aus Europa erbracht werden. "Das Forschungsteam aus Irland, Chile und Japan hatte nach eigenen Angaben die ersten Pockengenome aus der Kolonialzeit, die in Amerika gewonnen worden waren, analysiert. Es habe dafür zwei mumifizierte Leichen indigener Menschen untersucht, die zwischen dem späten 15. und frühen 17. Jahrhundert im Norden Chiles bestattet worden waren".
  • Neue Hinweise auf Zentralgrab eines 6.000 Jahre alten Großgrabhügels am Kapellenberg bei Hofheim (herder.de, 5. August) "Die neuen Entdeckungen stützen die Annahme, dass der Kapellenberg in engem kulturellen Zusammenhang mit Regionen westlich des Rheins stand. Besonders auffällig sind die Ähnlichkeiten zu frühen monumentalen Grabanlagen im heutigen Nordfrankreich." Der Kapellenberg am Taunus mit seiner heravorragend erhaltenen Wallanlage aus der Zeit von 4100 bis 3600 v. Chr. gilt als einer der "bedeutendsten jungsteinzeitlichen Fundplätz[e] im Rhein-Main-Gebiet".
  • Archäologen finden rätselhafte Grabgruben bei Dachritz (mdr.de, 17. August) Bei Bauarbeiten im Saalekreis wurde eine 4000 Jahre alte Gräbergruppe aus der Glockenbecherkultur mit Überresten von sieben Menschen entdeckt. Die Toten waren offenbar Opfer eines Unfalls geworden, als Beigaben lagen in den drei Gräbern Tassen, Becher und Schalen.
  • Frühmenschen: Südwestchina war ein „Zentrum“ der Denisovaner (scinexx.de, 9. September) "Vier Zähne, zwei Schädelfragmente und ein Teil einer Speiche", gefunden in der Bianfu-Höhle, "belegen Denisovaner dort vor etwa 167.000 bis 134.000 Jahren. Eine der längsten Kulturfolgen, die sich dieser Menschengruppe plausibel zuordnen lässt, reicht von rund 190.000 bis 70.000 Jahren zurück und zeigt Jagd auf größere Tiere, einfache Steintechnik sowie eine intensive Nutzung von Knochen."
  • 18,5 Kilogramm schwer: Mann findet Wikingerschatz im Garten (merkur.de, 11. September) Ein Mann im dänischen Rebild wollte eine Terrasse anlegen und stieß dabei "auf den größten Wikinger-Silberschatz, der jemals in Dänemark gefunden wurde". Die 700 einzelnen Stücke, darunter "Silberbarren, Armreif[e, ...] Münzen", stammen aus dem 10. Jahrhundert und steckten zu einem großen Teil noch in einem Tongefäß.
  • Schon Steinzeit-Sammler konsumierten Drogen (wissenschaft.de, 11. September) ... und zwar Betelnüsse. Diese haben an den Zähnen der 25.000 Jahre alten Skelette zweier Jäger und Sammler auf Sulawesi "tiefe, abgerundete Abnutzungsspuren" hinterlassen, zudem ließ sich im Zahngewebe Arecolin nachweisen, der psychoaktive und schmerzlindernde Inhaltsstoff der Droge.

Samstag, 12. September 2026

Nostalgische Gefühle beim Dateienöffnen

Wie dürfen Dateien auf modernen Betriebssystemen benannt werden? Ich habe ja noch Zeiten erlebt, in denen sich sämtliche Sonderzeichen verboten; und durften Dateinamen nicht eine bestimme Zeichenzahl (ich meine, acht) nicht überschreiten?

Die IT Center University of Cologne hält Empfehlungen für Benennungen von Dateien/Ordnern bereit. Nach wie vor unter Windows nicht erlaubt sind demnach die Zeichen \ / : * ? " <  > und |. Das war mir bekannt. "Erlaubt, aber nicht empfohlen" sind "Umlaute und Leerzeichen. Windows 11 kann mit diesen Zeichen umgehen, Server häufig jedoch nicht, wodurch Fehler auftreten können".

Neulich erhielt ich eine dienstliche E-Mail mit einem angehängten JPG, dessen Dateiname den Buchstaben ä sowie ein Ausrufezeichen enthielt. Ich lud das Bild herunter ... und konnte es nicht anschauen! "Fehler beim Öffnen der Datei", sagte eine Fehlermeldung. Ich bin ein wenig stolz auf mich, dass ich nach wenigen Sekunden von selbst darauf kam, dass die Benennung der Datei schuld daran sein könnte. Ich entfernte zunächst das Ausrufezeichen – die Fehlermeldung kam erneut. Dann tilgte ich den Umlaut, fügte an seiner statt ein a ein und tadaa!, das Bild ließ sich öffnen (mit XnView, meinem Standard-Bildbetrachtungsprogramm). Danach wurde es erratisch. Ich schloss die Datei, ersetzte testweise das a wieder durch ein ä, doch das Bild ließ sich weiterhin öffnen. Klar, auf meiner Festplatte liegen zig andere Files mit ä, ö und/oder ü im Namen, mit denen ich auch nie Probleme hatte. Der Faktor "Mailversand" scheint hier eine Rolle gespielt zu haben. Tiefer mag ich in die Materie nicht einsteigen.

Donnerstag, 10. September 2026

Zu viel Freistaat

Liebes Tagebuch,
heute lag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung das donnerstägliche Reiseblatt nicht weniger als sechsmal bei. Die Wartburg, welchem "deutschen Mythenort" der Aufmacher gewidmet ist,* ist ein unbestreitbar empfehlenswertes Ausflugsziel, aber man kann's auch übertreiben!


* Nebensatzkonstruktionen nach diesem interessanten Muster sind mir schon einige (wenige) Male begegnet, und ich möchte meinen, vorwiegend in österreichischen Texten. Ich selbst habe sie noch nie verwendet, denn sie wirken irgendwie falsch, aber heute habe ich mich mal getraut und die konventionelle Langversion Die Wartburg, der "deutsche Mythenort", welchem der Aufmacher gewidmet ist kühn gekürzt. Wenn ich nur wüsste, wonach ich googeln müsste, um eine wissenschaftliche Einordnung/Analyse dieses syntaktischen Sonderfalls zu finden. Dunkel erinnere ich mich, dass im Lateinischen etwas Ähnliches möglich ist. Wer kann helfen?

Zurück zur Wartburg: Steckt womöglich die Thüringer Tourismus GmbH hinter dem heutigen Reisebeilagen-Overflow? Mangelt es der Region zurzeit an Selbstbewusstsein? Für diese Annahme spricht etwas, das ich in derselben Ausgabe der FAZ las: "Die grenznahe Gemeinde Gerstungen im Wartburgkreis ist unzufrieden mit den Bedingungen in Thüringen – und erwägt einen Wechsel nach Hessen." Gründe für die Unzufriedenheit seien vernachlässigte Infrastruktur und "mangelnde Personalausstattung". Falls das Unterfangen durchgeht (und die Hürden dafür sind hoch), wäre das der erste "Umzug" einer Gemeinde in ein anderes Bundesland, den ich erlebe, seit 1993 Amt Neuhaus von Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen wechselte! Ich werde den Fall im Auge behalten und über neue Entwicklungen berichten.

Mittwoch, 9. September 2026

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Vier Sommerblockbuster! Drei Filme mit Doppel-o im Titel! Und zwei Musicals!

Zoolander
Wahrscheinlich war ich der letzte Mensch, der Ben Stillers Kultkomödie von 2001 noch nicht gesehen hatte. Der sympathische Regisseur, Co-Autor, Produzent und Hauptdarsteller hat es geschafft, ein so spielfreudiges wie ausgelassenes Ensemble um sich zu scharen, welches so manchen "Hey, it's that guy!"-Moment beschert. Am meisten habe ich mich selbstredend über Will Ferrell in seiner wohl affigsten Rolle (und das will was heißen!) gefreut, aber auch Bens Vater Jerry Stiller als Zoolanders Agent oder David Duchovny waren exzellente Casting-Entscheidungen. Der ein oder andere Witz mag heute lahm bis peinlich wirken, aber in einem Punkt gereicht die Gestrigkeit der Model-Farce zum Vorteil: Die Spielzeit von gerade mal anderthalb Stunden erinnert uns daran, dass Kürze durchaus Kurzweiligkeit zur Folge haben kann (vgl. zuletzt "Die nackte Kanone").

Footloose
Dass es von diesem 1984er Hit vor fünfzehn Jahren ein Remake gab, ist völlig an mir vorbeigegangen. Vermutlich nicht nur an mir, weil: Wer hatte darauf gewartet? "Footloose" ist paradoxerweise sowohl zeitlos als auch in seiner Zeit verhaftet. Das klischeesatte Kleinstadtdrama – man denkt sofort an den fiktiven Feiertagsstreifen in Max Goldts Text "Nein zum Masermontag" – ist die Quintessenz der Rebellische-Jugendliche-gegen-spießige-Erwachsene-Trope, mit einem herausragenden John Lithgow als Verkörperung des christlichen Konservatismus und einem bengelhaften Kevin Bacon als Herzensbrecher und Tanzverbot-Bezwinger. Zudem gibt Sarah Jessica Parker hier ihren Einstand in einer größeren Hollywood-Produktion. Die Musikeinlagen laden zum Mitwippen ein, die Kamera ergötzt sich an der faszinierenden Trostlosigkeit Utahs, und die Stunts (ja, die gibt es) lassen einem das Maul offenstehen.

I'm Chevy Chase and You're Not
Ich habe keinen seiner Griswold-Filme bewusst und in voller Länge gesehen (etwas, das ich in naher Zukunft nachzuholen plane), ich fand ihn als "Weekend Update"-Anchor in der ersten SNL-Season bestenfalls zweckmäßig und in "Community" austauschbar, und generell hat mich nichts von dem, was ich von ihm gesehen habe, übermäßig zum Feixen gebracht; zudem kenne ich die (glaubwürdigen) Erzählungen zahlreicher Kolleginnen und Kollegen, die das Bild eines, mit Verlaub, Arschlochs zeichnen. Kurzum: Chevy Chase ist mir relativ egal. Warum ich mir dieses Porträt dennoch angesehen habe? Weil der verwelkte Beau nun mal eine gewichtige Rolle in der US-amerikanischen Comedy-Geschichte spielte und ich mir faszinierende Einblicke in ebenjene erhoffte. Diese Erwartung wurde erfüllt. Und was soll ich sagen? Für ein paar Sekunden konnte ich sogar ansatzweise Zuneigung und Mitgefühl für den bald 83-Jährigen aufbringen.

Backrooms
Kane Parsons, der kommende Mann im Horror-Game? Das wird sich zeigen. Die abendfüllende Leinwandvariante seiner gleichnamigen Youtube-Reihe ist dem 20-jährigen Videozauberer jedenfalls gelungen. Klar: Die ersten circa zehn Minuten sind das, was man kennt, eine First-Person-Hatz durch die titelgebenden liminalen Räume, die pflichtgemäß gruselig die Prämisse etabliert. Wer nun aber gehofft hat, der Backrooms-Film würde aus nichts Anderem bestehen, wird womöglich enttäuscht. Ich hingegen bin froh, dass er eben nicht das ist, und zwar nicht bloß, weil mir nach spätestens 30 Minuten hektischem Handkameragewackel schlecht geworden wäre. Wie es im Overthinking-It-Podcast treffend hieß: "Backrooms" ist kein Film über die Backrooms, sondern ein Film über Menschen in den Backrooms.
Ich habe mir im Anschluss an diesen (im Kinosaal erlebten) Psychotrip viele Fragen gestellt und wenige Antworten gefunden. Wenn ein Horrormovie das schafft, bin ich zufrieden. Und hege frische Hoffnung für die Zukunft des Genres.

Hängt ihn höher (OT: Hang 'Em High)
Clint Eastwood ist in diesem Werk des mir unbekannten (v.a. TV-)Regisseurs Ted Post gerade mal 37 Jahre alt, hat aber bereits seine final form erreicht. DAS ist der raubeinige, ledrige, mit allen Feuerwassern gewaschene Western-Clint, den wir kennen und lieben, und "Hängt ihn hörer" ist so, wie ein Vertreter dieses Genres zu sein hat, auch wenn er mit 114 Minuten ein wenig zu lang ausfällt. Es geht um Rache, aber nicht um blinde, grundlos blutrünstige. Selbstjustiz wird geächtet, Justiz streng dem Buchstaben nach aber auch. Einiges ist straight-forward, anderes bleibt im Vagen, wird sogar ein wenig unklar eingeführt ('Wer ist diese Bande alter Knacker, die einem unschuldigen Viehhirten an den Kragen will?', fragt man sich in der ersten Viertelstunde). Saloons, Sand, Galgen, Kokotten, was will man mehr? Ein taugliches Nachmittagsvergnügen für den Masermontag. In weiteren Rollen: Dennis Hopper und Ed Begley (der Vater von Ed Begley junior).

Die Odyssee
... habe ich tatsächlich wie vom Meister intendiert auf einer der wenigen IMAX-Leinwände in Deutschland gesehen, im Rahmen einer Pressevorführung. Diese lief so stark reglementiert ab, wie ich es bisher nur vom Hörensagen kannte: Man unterzeichnete eine Erklärung bzgl. eines Rezensions-Embargos, wurde gescannt und abgetastet und musste sämtliche Gegenstände vom Portemonnaie bis zum Schlüsselbund (Handy sowieso) draußenlassen. Immerhin durfte man während des Screenings den Saal verlassen und wiederkehren; das war in meinem Fall nötig: Ein Toilettengang während einer (mutmaßlich unwichtigen) Stelle in diesem Dreistunden-Monstrum ließ sich nicht vermeiden.
Zu dem Epos selbst wurde schon so viel geschrieben und gemeint, dass ich nichts mehr hinzuzufügen habe, außer vielleicht, dass ich von der Ausstattung, den Bauten und den schauspielerischen Leistungen ein wenig unter-, von Benjamin Wallfischs Dröhn-Score dagegen auf unschöne Weise überwältigt war. Die nicht-lineare Erzählweise hätt's nicht gebraucht, aber Nolan ist halt Nolan. Womit es an der Zeit für mein persönliches Ranking aller bisher erschienenen Kinofilme des Regisseurs ist:
1. Interstellar
2. The Dark Knight
3. The Dark Knight Rises
4. Inception
5. Batman Begins
6. Dunkirk
7. The Prestige
8. Tenet
9. Insomnia
10. Die Odyssee
11. Oppenheimer
12. Memento
... aber alle auf hohem Niveau, wobei "The Prestige" und "Tenet" nach einem anzusetzenden Rewatch ggf. nachträglich höher einzustufen sind ("The Following" habe ich nicht gesehen im engeren Sinne, er lief mal in irgendeiner Kiffer-WG als Hintergrundunterhaltung auf einer Party).

The Mandalorian and Grogu
Die einzige Sache, die ich an diesem "Film zur Serie zur Filmreihe" zu bemäkeln habe, ist die sog. dynamic oder shifting aspect ratio, d.h. der Wechsel zwischen 2,39:1- und 1,78:1-Bildverhältnis je nach Szenerie und Action. Sorry, das ständige Hineinschieben und Verschwinden schwarzer Seitenstreifen bringt mich "raus", kratzt mir an der Immersion.
Die sonstigen vielfach angeführten vermeintlichen Schwächen? Sind mir egal! "The Mandalorian and Grogu" mag nur eine aufgeblähte, geradlinige Serienepisode sein, ich habe exakt das erwartet und freue mich über das Ergebnis: ein Stand-alone-Kapitel, bei dem man einfach mal zwei Stunden abschalten kann. Jon Favreau ist kein Wagnis eingegangen, verlässt sich voll und ganz auf die Coolness von Din Djarin und die Putzigkeit von Baby Yoda. Die Schauplätze sehen geschniegelt aus, die Kämpfe und Raumschlachten hauen (wenn auch kindgerecht) rein, der Soundtrack untermalt das opportune Pacing. Halt, einen Kritikpunkt habe ich dann doch noch. Martial Arts praktizierende Hutten? Bitte nicht!

Zeit der Zärtlichkeit (OT: Terms of Endearment)
Fünf Oscar-Gewinne, sechs Oscar-Nominierungen, dazu Golden Globes und manches mehr: James L. Brooks' Melodram von 1983 gehört zu Recht zum Kanon amerikanischer Kinoklassiker. Wen die durch und durch menschliche Familienchronik nicht berührt, wer mit dem feinsinnigen Spagat zwischen Traurigkeit und Komik nichts anfangen kann, der mag wenigstens den hinreißenen Cast zu schätzen wissen: Shirley McLaine, Danny DeVito, Jack Nicholson, Debra Winger, Jeff Daniels und (schon wieder) John Lithgow – wowzers!

A Funny Thing Happened on the Way to the Forum
"Funny" an dieser (oscarprämierten!) Musical-Farce von 1966 ist vor allem, dass ich sie für britisch gehalten hätte, wäre nicht bekannt, dass sie eine US-amerikanische Produktion ist. Allzu unangenehm erinnert sie mit ihren flachen Altherrenwitzchen und der verklemmten Frivolität an die "Carry On"-Reihe. Auf positive Weise mit dieser gemein hat sie allerdings den liebevoll choreographierten Slapstick, der, in einer unvergesslichen Verfolgungsjagd im Finale auf 11 gedreht, dann doch Laune macht. Die – leider quantitativ zurücktretenden – Musiknummern (Bühnenvorlage: Stephen Sondheim) sind ganz eingängig, und gefreut habe ich mich über Jon Pertwee ("Doctor Who") in einer Minirolle.

Balls Up
Hans Mentz hat in einer der letzten Titanics viel gesagt, dem ich zustimme. Wiederguckwert hat "Balls Up" kaum, und hätte ich raten müssen, ich wäre nicht darauf gekommen, dass es sich um eine Peter-Farelly-Komödie handelt (to be fair: Er hat nur Regie geführt, das Script besorgten Paul Wernick und Rhett Reese, immerhin die Köpfe hinter "Deadpool"). Die Hauptfiguren, verkörpert von Mark Wahlberg in allzu vertrautem No-nonsense-Habitus und dem mir noch nie irgend aufgefallenen Paul Walter Hauser, sorgen zwar für ein paar gefällige Buddy-Movie-Momente, sind aber im Wesentlichen Sitcom-Charaktere, die Sitcom-Sätze aufsagen; die große Molly Shannon ist verschenkt, und selbst Lachgarant Sacha Baron Cohen verkommt zu einem "Sacha Baron Cohen, der in Kulissen steht" (Mentz). Dass der Abenteurtrip Schweinigeleien enthält (darunter eine Ekelszene, bei der ich mir die Augen zuhalten musste), die der Amazon-Produktion zunächst eine rare 18er-Freigabe bescherten (inzwischen erfolgte eine Herabstufung auf "Ab 16"), machen "Balls Up" zumindest, nun ja, unvergesslich. Aber "der lustigste Film des Jahres" (SZ)? Nee.

Montag, 7. September 2026

Endlich klare Verhältnisse

Das war ulkig letzte Woche: An einem Tag lese ich in dem hier schon erwähnten Sachbuch "Maphead" von Ken Jennings einen längeren Abschnitt über die Unbilden der Mercator-Projektion, einen Tag darauf verkünden sämtliche Nachrichtenseiten, dass die Vereinten Nationen sich darauf geeinigt haben, fürderhin eine korrigierte, nämlich die Größenrelationen der Landmassen weniger verfälscht abbildende Version der Weltkarte zu verwenden und deren Herstellung zu fördern (oder was auch immer "für eine neue Weltkarte stimmen" konkret bedeutet).

Ich begrüße diesen längst überfälligen Schritt, prognostiziere aber, dass es eine gute Weile dauern wird, bis wir als Menschheit uns an die reformierte Darstellung gewöhnt haben werden. Damit mir die Gewöhnung leichter fällt, habe ich heute ein Plakat mit der "Equal Earth" genannten Welt 2.0 bestellt. Das kann man supererweise kostenlos über die Webseite der Bundesregierung tun, wo es das Poster, das ich in meinem Büro aufzuhängen gedenke, auch als PDF gibt.

Sonntag, 6. September 2026

Stop! Apple time!

Man muss sich ja auch über Kleinigkeiten freuen, beispielsweise über die saisonale Verfügbarkeit bestimmter Öbste. Wir sind nun in die Zeit des Jahres eingetreten, in der wir* nicht nur mit Birnen und Zwetschgen sowie den letzten Beeren verwöhnt werden, sondern vor allem auch mit schmackhaften Äpfeln. (* wir = alle, die Birnen, Zwetschgen, Beeren und Äpfeln lieben) "Neue Ernte" verhieß denn auch am Freitag ein Schild an meinem Lieblingsstand auf dem Königsteiner Wochenmarkt. Knackige Wellant-Äpfel können wieder erstanden werden, daneben weitere, zum Teil ebenfalls allergikergeeignete und nicht minder aromatische Sorten. Ich kaufte ein Säckchen, das ich mit ins Büro nahm. Und wie sie da auf meinem Arbeitsplatz lagen, verströmten die Früchte einen darart intensiven Duft – denn "aromatisch" bezieht sich nicht nur auf den Geschmack –, dass ich an Friedrich Schiller und seine verfaulenden Äpfel in der Schreibtischschublade als Kreativitätsförderungsmittel denken musste. Ob meine Äpfel mich ebenfalls beflügelten? Nein. Denn sie verfaulten ja nicht. Und so kommt am Ende nur ein vergessenswerter, einschläfernder Text wie dieser zustande (verfasst am Fr., 4.9., 17 Uhr).

Freitag, 4. September 2026

1001 Brain Droppings (NEU: linksbündig)

Gerade gelernt, dass man Bratschisten auch "Bratscher" nennen kann. Geht das bei anderen Instrumenten auch? Pianer? Violinerin? (Und vice versa: Trompetist? Trommlistinnen?)

Geschäftsidee: SoFi-Brille mit Sehstärke

Der Name Krabat ist die Kurzform von "Tankrabatt".

Gibt's bei kik eigentlich noch die Hakenkreuz-Kleiderständer?

Heimcomputer von Apple oder von der Konkurrenz aus Deutschland? In den Neunzigern hatten manche beides, nach dem Motto "Schneider, Schneider, Mac, Mac, Mac!"

Joyklappen

Die britische Prinzessin Eugenie hat erfolgreich eine Geburt hinter sich gebracht, ja man kann von einer Eugenie sprechen.

Man sieht kaum noch ältere Herren mit Schmetterlingsnetzen über Wiesen huschen.

Das Primat des Affigen

Die englischen Wörter caveat, pundit und gamut haben für mich denselben vibe. Kann's nicht erklären.

Mir ist gerade aufgegangen, dass "trockener Humor" ein Oxymoron ist.

Warum heißt es Leimmutter und nicht Klebamme?

Diese spukhafte Fernwirkung im Bahnverkehr immer: "Grund dafür ist ein Defekt an einem anderen Zug." ... "Ich muss heute zu Hause bleiben, Boss. Grund dafür ist die Erkrankung meiner Cousine in Amerika."

Nach Extremadura muss ich nicht, mir reicht Gemäßigtadura.

Nach Sat.2: Diese Spartensender launcht ProSiebenSat.1 demnächst:
- ProAcht Maxx
- Sevven
- Kabel Zwei Doku
- Sat.1 Quecksilber

Bald ist Heilige Nacht / Karl der Käfer erwacht

Dungeon Crawler Karl der Käfer

Bauboom dank der Baubuam

Unpopular opinion: Kindergeld komplett abschaffen!
Boah, diese opinion ist so unpopular, dass ICH sie nicht teile und auch niemand, den ich kenne, sie teilt.

Beim neuen Bond bin ich am meisten auf die Regenerationsszene gespannt.

Nie verwendete Werbeslogans (1)
Axe. Makes you stink ...

Werbeslogan zu verschenken:
Hefe. Immer wieder Germ.

Maßvoll enttäuscht sein

"... erscheint 2027 für PC und Konsorten."

In der Käseauslage wurde Trüffelkäse beworben mit "7 Tage gereift". Wenn dieselben abgepackten Stücke morgen noch daliegen, verklage ich den Laden! (Es sei denn, morgen steht "8 Tage gereift" dran.)

Historismus – the original Gothic Remake

Wiederansiedlung von Lynx lynx, kurz: Luchsmaxxing

Wes' Lied ich sing ("Alane", 1996)

... wie auch wir vergeben unseren Schludrigen

"So where did you go on vacation?" – "Bothnia." – "Ah! Tharajevo?"

Scharbeutz, aber als eingedeutschte Don-Martin-Interjektion

So nicht: Das Necronomicon bei Medimops erwerben

Wäre ich Fußballkommentator, würde ich schon mal die Phrase "Aus der Tiefe des Raumes" aus der Mottenkiste holen, für den Fall, dass David Raum überraschend eingewechselt [Fragment]

Nitribittpökelsalz

Hat diesen Hot take schon jemand gebracht? "Die zwei reichsten Männer der Menschheitsgeschichte wurden in Afrika geboren – so schlecht kann's um diesen Kontinent ja nicht bestellt sein!"

Hier am Gleis nebenan steht ein "Ideenzug". Ich hätte direkt eine Idee für alle Züge: Pünktlich sein!

Vincent [annoyed grunt]-nofrio

Daedalic hätte in eines seiner Adventures ein Schalterrätsel einbauen sollen, wo die Lösung ist, dass man die Anweisung aus dem Refrain von Mike Krügers "Der Nippel" befolgt.

Хиче роджек (Ray Charles)

Person, die in ihrem Leben nur ein einziges Computerspiel gespielt hat, nämlich das Adventure "Das Eulemberg-Experiment" von 2006, die Weltlage einschätzend: "Das erinnert mich voll an 'Das Eulemberg-Experiment'!"

a decent outing = "eine dezente Äußerung"

This is a hoot = "Das ist ein Hut"

Wäre ich Programmchef bei den Öffentlich-Rechtlichen, würde ich hin und wieder wahllos alte Brennpunkte und Kanzlerinnen-Ansprachen wiederholen.

TV-Konzept "The Letscho Late Show"

Baba Ghanoush – eher Baba Genuss, hab ich recht?

Ein Mutschekiepchen bei den Mudschaheddin

BRD-Kult-Lebensmittel, die ich noch nie in meinem Leben gekauft habe:
- Kräuterbutter
- Nutella
- Maggiwürze

Lest meinen neuen Essay "Warum die Sowjetunion einen Angriff auf Formosa unterstützen würde – und warum unsere Schulen modernere Atlanten brauchen"

The existence of Idstein implies the existence of Egostein and Superegostein. Bzw. von Isstein und Eastein.

Voll frontale Nudität

In einem Sachbuch gelesen, etwas werde "zunehmend rarer". Makes you think.

Mittwoch, 2. September 2026

Serientagebuch 08/26

02.08. Leverage 3.14
04.08. House of the Dragon 3.06
05.08. Outer Range 2.05
06.08. Leverage 3.15
07.08. Outer Range 2.06
10.08. Leverage 3.16
Outer Range 2.07
11.08. 
House of the Dragon 3.07
House of the Dragon 3.08
12.08. Hijack 2.01
13.08. Everybody Loves Raymond 4.01 (RW)
Everybody Loves Raymond 4.02 (RW)
14.08. Hijack 2.02
15.08. Hijack 2.03
16.08. Der junge Inspektor Morse 7.01
19.08. 
Everybody Loves Raymond 4.03 (RW)
Everybody Loves Raymond 4.04 (RW)
20.08. Man vs. Baby 1.01
Man vs. Baby 1.02
22.08. Man vs. Baby 1.03
Man vs. Baby 1.04
23.08. Der junge Inspektor Morse 7.02
24.08. Hijack 2.04
26.08. 
Der junge Inspektor Morse 7.03
27.08. Everybody Loves Raymond 4.05 (RW)
28.08. Hijack 2.05
30.08. Station Eleven 1.01
Station Eleven 1.02

Staffel 3 von Leverage war wieder mal leicht konsumierbarer silly fun mit abwechslungsreichen Settings: Diesmal geht es u.a. in die Pharma-Industrie, ins Eishockey-Business, in ein Bergwerk, in die Country-Szene und in eine weihnachtliche Mall. Das Ensemble ist inzwischen bestens eingespielt, jede und jeder fühlt sich sichtlich wohl in ihrer/seiner Rolle. So kann's weitergehen.

Anfang 2023 schrieb ich: "Als Western-Soap funktioniert Outer Range [...] besser denn als Science-Fiction-Drama." Diese Einschätzung meines Vergangenheits-Ichs teile ich. Vergangenheits-Ichs spielen auch in der zweiten (und letzten) Staffel dieses teils verwirrenden "Familien-Epos light" eine Rolle, sie setzen aber nichts in Gang. Es kommt nicht zu Zeitreise-Paradoxa, Handlungen in der einen temporalen Ebene haben keine Auswirkungen auf andere. Im Übrigen habe ich das Gefühl, dass man bei den meisten Charakteren vergessen hat, ihnen eine irgend geartete Motivation zu verpassen. Konflikte kochen aus dem Nichts auf, ohne dass ein innerer Antrieb der daran Beteiligten erkennbar wäre. Richtige Spannung kommt so nie auf; Plots verästeln sich auf erratische Weise. Nee, das war nix.

An die dritte Staffel von House of the Dragon konnte ich im Gegensatz zu den Vorgängern nicht unvorbereitet und ahnungslos rangehen, hatte ich doch inzwischen die literarische Vorlage so weit gelesen, dass ich die für die neuesten acht Episoden umgesetzten Inhalte komplett kannte. (Ich habe von "Fire & Blood" jedoch immer noch gut ein Viertel vor mir.) Die eine oder andere Überraschung gab es dennoch, wie sich das TV-Team sowieso einige (sinnvolle) Freiheiten erlaubt, hier und da von der (ohnehin dank unzuverlässigem/-n Erzähler/n uneindeutigen Buchhandlung) abweicht oder sich für alternative Plotpfade entscheidet (bspw. war ich froh darüber, dass einige Details des einen Höhepunkt der Season darstellenden Massakers von Stoplerstadt abgemildert bzw. getilgt wurden). Das Tempo wurde deutlich reduziert, größere Zeitsprünge gibt es gar nicht mehr, dafür so viele verschiedene Schauplätze pro Folge wie nie zuvor – bei ständig wachsender Dramatis Personae. Und wenn die Dialogszenen so geschliffen ausfallen wie die Actionsequenzen bombastisch sind, erreicht HotD tatsächlich annähernd die Quailtät früher "Game of Thrones"-Staffeln. 

In der Fortsetzung zu "Man vs. Bee" sieht sich Rowan Atkinson alias Trevor Bingley in Man vs. Baby statt mit einer Biene mit einem, richtig geraten!, Baby konfrontiert, das ihm seinen Job als Housesitter erschwert. Weniger turbulent als beim Insektenkrieg von 2022 geht es diesmal zu, passend zum Weihnachtssetting setzt man auf familiengerechten Ulk mit reduziertem Chaosfaktor. Das ist charmant und lädt nicht zuletzt dank Atkinsons gekonnt wie eh eingesetztem Mienenspiel wo nicht zum Schenkelklopfen, so doch zum wohligen Grinsen ein.

Die siebte Staffel meine Lieblings-Brit-Krimireihe Der junge Inspektor Morse hat eine außergewöhnliche Struktur. Dem imdb-Kommentar zur Auftaktfolge: "In terms of narrative strategy, this is perhaps the most daring 'Endeavour' episode in the history of the series thus far", schließe ich mich an, erzählt sie doch einerseits wie gewohnt eine in sich geschlossene Geschichte, andererseits bildet sie den ersten Part eines Handlungsbogens, der mit Episode 7.3 wieder aufgegriffen und geschlossen wird (und möglicherweise in Staffel 8 seine Extension findet, sehen wir doch zu Beginn ominöse Szenen aus der Zukunft); lediglich die mittlere Episode konzentriert sich auf einen "Fall der Woche", welcher sich aber ebenfalls dem großen Ganzen unterzuordnen hat (wodurch er substanziell ein wenig abfällt) – kurzum: Man ist gut beraten, sich die drei Folgen in nicht allzu kurzen Abständen hintereinander anzusehen. Sie bilden eine narrative und in allen Sinnen des Wortes dramatische Einheit, die von allerlei Spannungen zwischen den Figuren aufgewühlt wird.

Montag, 31. August 2026

Makes you think ...

Beim Frühstück höre ich im Deutschlandfunk von neuerlichen Angriffen der USA auf den Iran und Vergeltungsschlägen Teherans auf Ziele in Jordanien. Später schaue ich, meinem montäglichen Vor-der-Arbeit-Ritual frönend, noch eine alte Folge "Saturday Night Live". Es ist die Episode vom 18. Februar 1989 (Ep. 14x13, Host: Leslie Nielsen), und das Thema der Woche ist die Verhängung einer Fatwa gegen Salman Rushdie ("Die satanischen Verse") durch den Ajatollah. In der ersten Meldung in "Weekend Update" werden, als Verlängerungswitz, die kommenden Mordaufrufe Chomeinis aufgezählt, nämlich gegen: Sidney Sheldon ("The Sands of Time"), Jackie Collins ("Rock Star") und, als vom Publikum heftig bejubelte Pointe, Donald Trump ("The Art of the Deal").



"Was für eine irrwitzige Verknüpfung!", muss man damals gedacht haben. "Der religiöse Führer des Irans gegen einen vulgären Baulöwen aus New York, lächerlicher geht's nicht!" Ach, hätte man damals in die Zukunft blicken können ...

Sonntag, 30. August 2026

+++ EIL +++ Trockenerdbeeren günstig wie nie +++ JETZT HORTEN!

Gestern habe ich bei Aldi Süd diesen 25-Gramm-Beutel mit Trockenobst gekauft:


"Lieblings-Erdbeere" der Marke Nutripur für 1,99 Euro! Damit ist der im April von Netto aufgestellte, von dm seit bereits 2021 gehaltene Tiefpreis von 110,- €/kg offiziell unterboten: Hier zahlt man 79,60 Euro pro Kilogramm.

Freitag, 28. August 2026

Betr.: Infantilisierung, Curry, Tattoos, Flohmarkt

Ich bestelle ein Möbelstück und werde in der Lieferbestätigung geduzt, während eine Bastelanleitung die Höflichkeitsform wählt.

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Diese Woche ist der Schauspieler Tim Curry gestorben, und ich war mir bei einem Prominenten noch nie so sicher gewesen, dass er bereits tot war. Mandela-Effekt? Mitnichten! Tim Curry hat wirklich schon vor etlichen Jahren das Zeitliche gesegnet. Schließlich dachte ich erst neulich beim Schauen eines Films: 'Hach, diesen Bösewicht hätte auch Tim Curry vortrefflich mimen können! Schade, dass der nicht mehr lebt.'

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In der Bibliothek lässt sich eine leutselige Dame von einer Angestellten ausgiebigst beraten, wird hierhin und dorthin geführt, bittet schließlich um Entschuldigung dafür, "dass ich Sie hier so in Anspruch nehme und rumscheuche ...", sie hält jäh inne, schaut die Mitarbeiterin schockiert an und ruft: "Sagen Sie mal, haben Sie da etwa ein Tattoo?!" – "Ich habe sogar mehrere", gibt die Angesprochene Auskunft. Die Kundin: "Aber das tut doch weh!!!"

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Ein Aushang an der Bushaltestelle, zu dem ich mehrere Fragen habe. Eine davon betrifft die Standgebühr, welche "6,- Euro + Kuchen" beträgt: Wie hoch hat der Kuchenanteil zu sein? Reicht ein Stück? Und wenn ich gar keinen Kuchen dabeihabe, kann ich den Rest-"Betrag" mit echtem Geld ausgleichen? Außerdem wüsste ich gerne, mit welcher Begründung Schwangere eine halbe Stunde eher den Flohmarkt betreten dürfen. Reservierte Sitzplätze, spezielle Aufenthaltsbereiche: derlei befürworte ich mit ganzem Herzen. Aber dieses Privileg leuchtet mir nicht ein. Und muss die Schwangerschaft nachgewiesen werden? Gewiss, einer werdenden Mutter im achten Monat sieht man "es" an, aber wie ist es mit einer, die erst vor wenigen Wochen empfangen hat? Wird sie ohne positiven Teststreifen auf 13 Uhr vertröstet?

Montag, 24. August 2026

Gebietsreform MAINTENANT!

Als passioniertem Kreuzworträtsellöser begegnen mir regelmäßig französische Départements. Meine Meinung: Es gibt zu viele davon! Gewiss, Frankreich ist ein großes Land, aber der Verwaltungseinheitenflickenteppich, zumindest auf dem Hexagone, ist gar zu kleinteilig, vor allem für Deutsche, die im Kreuzworträtsel nach einem "frz. Département mit vier Buchstaben" gefragt werden und sich zwischen AUBE, AUDE, CHER, EURE, GARD, GERS, JURA, NORD, OISE, ORNE und TARN entscheiden müssen.

Überhaupt, wie sehr sich etliche Namen der 101 Dalma-... äh: Départements ähneln! Direkt ganz am Anfang der Liste finden sich Ain und Aisne, sacré bleu! Hier hätte man schon bei der (gar nicht mal so weit zurückliegenden) Strukturierung weiser vorgehen sollen. Indes: "67 Départements sind nach einem, 10 davon sogar nach zwei Flüssen benannt. Häufigste Namensgeberin ist die Loire, die sechs Departements im Namen tragen (nicht zu verwechseln mit dem Loir (zwei Benennungen) und dem Loiret (eine Benennung))." (Wikipedia) "Indes" ist indes kein Département, wohl aber Indre.

Sehr gern wird im Schwedenrätsel, das man schlechterdings in "Franzosenrätsel" umbenennen sollte, zudem nach Département-Hauptstädten gefragt. Mysteriöse Vierbuchstabler gibt es unter denen auch, z.B. Auch. Regionen hingegen spielen selten eine Rolle. Die sind überschaubar: 13 in Europa, fünf in Übersee. Könnte man eigentlich mal auswendig lernen.