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Freitag, 5. Januar 2018

Brave New Fucking World

Letztes Jahr ist mir aufgefallen, dass in der dritten Staffel der Serie "Fargo" des US-Senders FX wiederholt das Wort fuck zu hören war, was in den anderen Seasons und meines Wissens bei FX-Shows allgemein bis dahin unüblich war. In dem vor kurzem zu Ende gegangenen "American Horror Story: Cult" wurde nun derart oft und derb geflucht, dass ich mich zu recherchieren angespornt fühlte, ob mit der letzten Herbstsaison neue Regularien in kraft getreten seien. 
Dank einem Reddit-Thread weiß ich: Für amerikanische Kabelsender gibt es grundsätzlich gar keine Regularien, im Gegensatz zu Network-Sendern, die sich strikt an die Vorgaben der Federal Communications Commission (FCC) halten müssen. Deswegen darf bei HBO und Showtime auch so beherzt in die verbale Schmuddelkiste gegriffen werden, wie man es etwa von "Game of Thrones" kennt. Warum also die Einschränkungen bei FX? Anders als HBO ist FX kein komplett werbefreier "premium-cable channel"; die Kunden zahlen etwas weniger, der Sender muss sich mit Werbespots querfinanzieren – und die Werbepartner möchte man natürlich nicht mit anstößiger Sprache vergrätzen. Doch seit einzwei Jahren sieht man das anscheinend lockerer: "It's that the standards reflect the times. And in 2016, our collective vocabulary is edgier than ever", heißt es in einem lesenswerten Hintergrundartikel der Chicago Tribune anlässlich einer f-bomb bei "American Crime Story". Die Werbetreibenden sehen oder vielmehr hören also heutzutage schon mal über gesteigertes Rumgefluche hinweg, zumal "given the late time slot and the established audience" (Reddit) bei einer Show wie "AHS". Hinzu kommt: Seit September 2017 können FX-Abonnenten gegen eine Zusatzgebühr die werbefreie Variante "FX+" genießen. FX möchte damit HBO (und auch Amazon & Co.) die Stirn bieten, so die offizielle Begründung für die Einführung dieses Angebots; mittelfristig will man wohl gänzlich von Werbekunden unabhängig sein, welche an Sprache und Inhalt des Programms herummäkeln könnten. Dieselbe Strategie fährt übrigens seit Juni 2017 AMC, deren Hit "The Walking Dead" seit Beginn der aktuellen Staffel ebenfalls nicht länger das F-Wort vermeidet.
Ich finde ja rarer gesäte und damit umso wirkungsvollere Kraftausdrücke reizvoller, interessant ist aber auch die Frage, wie sich die erhöhten dirty-word-Frequenzen in der jeweiligen deutschsprachigen Synchronisation widerspiegeln. Wird jedes fucking mit "verfickt" übersetzt? Das wäre lächerlich, schlampig und unangemessen.

Samstag, 24. Juni 2017

See you next Tuesday

Einem Artikel in Cinema über Amy Schumer entnehme ich folgende Behauptung: "Zu ihren Verdiensten zählt auch, dass sie in ihrer Show auf Comedy Central 'pussy' sagen darf – als Erste überhaupt im US-Kabelfernsehen." Mooooment! Hat nicht Sarah Silverman schon vor einem guten Jahrzehnt im "Sarah Silverman Program" (welches ebenfalls auf Comedy Central lief) "pussy" gesagt? Jein, wie mir nach längerem Nachdenken wieder einfällt. Auf ulkige Weise hat sie damals die Artikulation so verändert, dass das böse P-Wort unzensiert über den Äther gehen durfte; in diesem Tweet steht sogar, wie's geht:


Es ist dies ein klassischer Fall von "Getting Crap Past the Radar": Zensurwürdige Inhalte werden dergestalt verschlüsselt, modifiziert, getarnt, dass sie unbeanstandet bleiben (müssen), aber für ein halbwegs ab- bzw. aufgeklärtes Publikum als die ursprünglich gemeinte Sauerei erkennbar sind. Im Basic-Cable-Fernsehen scheinen die (Sprach-)Regeln nun also gelockert zu werden, sogar was "härtere" Wörter angeht. Beim Sender FX beispielsweise gab es meines Wissens bis vor kurzem grünes Licht für "shit", nicht jedoch für "fuck". In der gerade zu Ende gegangenen 3. Staffel "Fargo" jedoch konnte man mehrfach Leute "fuck" fluchen hören. Oder zahlt der Sender halt einfach jedes Mal eine Vertragsstrafe? Ich entsinne mich auch an das Finale von "Bates Motel" (A&E), wo sich die Macher eine wohlplatzierte "f-bomb" geleistet haben; sogar in der Wiederholung blieb es unverpiept, wie bei Reddit zu lesen war. Ebendort brachte ein User die Bigotterie des Systems auf den Punkt: "I'm glad they warned me before fuck was said. Not sure how that would have impacted my viewing of bloody murders for entertainment. It might have corrupted me." Das Klischee stimmt wohl immer noch, sowohl im Kabel- wie im Network-TV: Gewalt ist okay, aber weh schmutzigen Vokabulars!

Die ewige NBC-Comedyshow "Saturday Night Live" macht sich seit jeher einen Spaß daraus, jedes erdenkliche der "seven dirty words" auf die Bildschirme des Landes zu schmuggeln. Unvergessen der Sketch, in dem Janet Jackson auf einem Weingut die Kunst des Korkeneinweichens erklärt bekommt: "cork soaking" und "cork soakers" klingt dann natürlich, obendrein in pseudo-italienischem Akzent gesprochen, wie ... nun, schon klar, gell? Kaum weniger mutig und amüsant war der "Sofa King"; nicht unverlinkt bleibe auch der Klassiker "Schweddy Balls". Nonverbal hat SNL vor ziemlich genau zehn Jahren den Vogel abgeschossen, als in einer "Sopranos"-Parodie ganz unverhohlen das hier gezeigt wurde (ab 3:45). Ich traute damals meinen Augen kaum!

Man muss eigentlich dankbar sein für die strengen Auflagen im amerikanischen Nicht-Pay-TV. Welche kreativen Spielereien wären nie geschrieben und inszeniert worden! Und wenn überall immer und alles erlaubt ist, stumpft man ja auch irgendwann ab. Außerdem: Wo wäre der Jux, wenn SpongeBob tatsächlich das allerschlümmste Four-letter-word der englischen Sprache geäußert hätte statt Mrs. Puff ein herzhaftes "See you next Tuesday" entgegenzuschleudern?

Mittwoch, 3. November 2010

Linktipp: Fernsehkritik-TV über Animes

Die Welt der Animes ist mir nach wie vor fremd. Wie im Falle von Harry Potter kann ich durchaus nachvollziehen, warum es eine so große Fangemeinde gibt, erschließen tut sich mir der Reiz in beiden Fällen aber nicht.

In der aktuellen Folge von fernsehkritik.tv gibt es einen Gastbeitrag zu diesem Thema, in dessen Mittelpunkt die Ausstrahlung von Animes in Deutschland steht, v.a. die krampfhaften und unbefriedigenden Bemühungen von rtl2, Serien für ein vorrangig erwachsenes Publikum ins Kinderprogramm zu nehmen.

"Aus 18 Sekunden Anime wurden 7 Sekunden herausgeschnitten. Als Folge dieser Mega-Zensur entstehen ziemlich viele Logiklücken. Diese wiederum werden korrigiert, indem man oftmals Dialoge und manchmal ganze Teile der Handlung umschreibt."